Israel – wenn die „Freunde“ wechseln …..

Benjamin Netanyahu wird jeder erdenkliche Schreck in die Glieder gefahren sein und womöglich dämmert ihm langsam, dass es aus ist. Jetzt mischt ein Spieler mit, der für seine Unverfrorenheit, seine Gerissenheit und Durchsetzungsstärke bekannt und in der ganzen Region gefürchtet ist: Wladimir Putin.Der hat schon seit vielen Jahren erkannt, wo er dem Westen gefahrlos und mit großer Erfolgsaussicht in die Flanken beißen und ihn vor sich hertreiben kann wie einen Bären durch die Manege. Nachdem auch ziemlich klar geworden ist, dass Putin aus den USA in Person Trumps einen täppischen Idioten gemacht hat, der nur allzu willig jedem Zug an seinem Nasenring gehorcht, wird seine Einmischung in die Palästinafrage ein bequemes Heimspiel für ihn werden.
Das Feld ist zurechtgeschossen und vorbereitet; es werden ein paar wenige "Gespräche" mit der israelischen Führung ausreichen, um das Land zu einer sehr scharfen Kehrtwende zu "überreden".

Putin hat es in der Hand. Mit einem kleinen Lächeln kann er in, gegen und für Israel ein politisches und militärisches Höllenfeuer entfachen und es läge ganz an ihm, die Hitze und Zerstörungskraft zu steigern oder abzumildern. Sein Süppchen dort ist zusammengerührt; er verfügt über reichlich Militär in der unmittelbaren Nachbarschaft, er weiß die USA in einem absolut desolaten Zustand, hat sich deren Häuptling eingekauft und kann mit dem Zankapfel Palästina in der Hand den gesamten Golf aufmischen.
Denn dort grassiert momentan nur eine einzige Angst: dass die Menschen auf den Straßen aufwachen, Solidarität entwickeln, sich gegen die eigenen Regierungen stellen und Umstürze beginnen könnten.
Putin hat den Moment klug gewählt.
Für ihn dürfte als Fiebermesser gelten, dass es trotz der Drohung, Abweichler von der Boykottlinie gegen Qatar mit 15 Jahren Gefängnis zu bestrafen, dennoch zu solchen Protesten kommt.
Es ist vorbei.
Es würde ohne Russland quälend langsam, über viele Jahre erstreckt, trotzdem zu diesen Aufständen und Umstürzen kommen. Die Büchse der Pandora wurde für die Despoten am Golf in Ägypten mit der ersten, freien und geheimen Wahl des Präsidenten, Dr. Mohammed Mursi, geöffnet und ist nicht mehr zu schließen, auch tausende von Toten später nicht. Demokratie in Arabien ist möglich – das ist die Botschaft.

Und nun beschert Wladimir Putin den Menschen am Golf eine neue Vision: Gerechtigkeit und Sühne für das Leid der Palästinenser ist möglich. Es kann einen eigenen Palästinenserstaat geben und die Dominanz der USA ist ein für alle Mal Geschichte. Wer sich heute auf die USA verlässt, ist morgen der Verlierer.

Momentan entstehen durch die Schwäche und den Wahnsinn der USA politische Luftlöcher und es formieren sich ganz neue Allianzen und mit ihnen Optionen. Die Achse Ankara-Moskau hätte sich ohne einen Trump nicht so massiv ausformen lassen und der Bildung der nächsten Achse Ramallah-Moskau, die vom neuen Superstar Erdogan gleich nebenan gestützt wird, haben die USA ebenfalls nichts entgegenzusetzen. Keine Vision, kein Deal, keinen Plan, keine Idee – und dieser kranke und abstürzende Stern USA verhält sich wie ein Eisberg auf Reise in den Süden: er wird kleiner und kleiner und kleiner.

Der rechtsradikale Netanyahu sieht Wagners Götterdämmerung aufziehen und damit das Ende seiner Macht und das Ende eines Israel, wie wir es heute (noch) kennen. Die israelische Politik wird seinen Bürgern erklären müssen, weshalb es seine faschistischen Pläne nicht umsetzen kann und es wird ernste Zusammenstöße in Israel zwischen den blind-radikalen Eiferern und modernen, progressiven und realistischen Bürgern geben – möglicherweise bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Warten wir ab.
Dieser Vorstoß Wladimir Putins jedenfalls wäre einmal ein begrüßenswerter!

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Israel – wenn ein großer Bruder vor allen Augen den kleinen erwürgt

Es ist schon eine gruselige Szene:

Das offizielle (!), rechtsradikale und rassistische Israel ist wütend. Es erträgt nicht, dass Kritik daran zu hören ist, dass es seinem Nachbarn, seinem eigenen, kleinen Bruder die Hand um die Kehle legt und diesen vor den Augen der ganzen Welt langsam erwürgt.
Nein, sagt es, die Welt habe kein Recht zu dieser Kritik.
Er sei der wesentlich hübschere, größere, wichtigere und er allein habe das Recht auf das Erbe. Alles, alles, alles gehöre ihm ganz allein und der kleine Bruder sei nichts weiter als unwertes Leben. Es sei sein gutes Recht, diesen seinen Bruder zu erschlagen, zu erschießen, zu erdrosseln, ganz wie es ihm beliebe, denn dieser Bruder äße nur, was ihm, dem großen und mächtigen gehöre.
Der kleine Bruder soll verschwinden – am besten in den Tod.

Es waren die Umstehenden, die Gaffer, die den großen Bruder groß gemacht, die ihn dahingefüttert haben, auf dass er die Kraft habe, seinen kleinen Bruder zu erwürgen.
Sie drückten dem großen Bruder Messer und Seile in die Hand und erzählten allen, das sei nötig.
Sie fütterten und fütterten und bezahlten den großen Bruder, Sie kleideten ihn, sie schickten ihm Kuchen und Kissen, damit er Kraft haben würde, ganz allein das Erbe anzutreten, das ihm nicht gehört.

Die Reihe der Umstehenden ist nicht dicht genug. Sie umschlingen sich und drücken sich aneinander – trotzdem erhaschen Passanten noch immer einen Blick darauf, wie der große seinen kleinen Bruder erbarmungslos beim Hals packt, hochhebt und zurdrückt. Immer weiter, immer härter, immer fester zudrückt:

(Quelle: die ZEIT)

Die Zustände im Gazastreifen haben sich schneller verschlechtert als befürchtet: Nach Ansicht von UN-Vertretern ist das Gebiet nicht mehr bewohnbar. Für viele Mitarbeiter der Vereinten Nationen sei "die Schwelle zur Unbewohnbarkeit bereits überschritten", sagte der UN-Beauftrate für die humanitäre Lage in den palästinensischen Gebieten, Robert Piper.

Der große Bruder ist fett.
Tausende von Milliarden Dollar hat er erhalten und trotzdem ließ all das Geld keinen Frieden, keinen Wohlstand, keine Gerechtigkeit, sondern nur Hass, Missgunst und Habgier wachsen. Mit jedem Dollar, den er erhielt, wuchs sein Wunsch nach mehr und er denkt bis heute, die ganze Welt hätte ihm zu gehorchen. Mitunter beleidigt er sogar die, die ihm mehr und mehr und immer mehr Geld, Macht und Waffen geben.

Noch hört man den kleinen Bruder röcheln, auch wenn ihm längst die Augen aus dem Kopf und Schaumblasen vor den Mund treten:

Demnach haben die Bewohner nur noch wenige Stunden am Tag Elektrizität und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei mehr als 60 Prozent. Mehr als 95 Prozent des Wassers hat dem Bericht zufolge keine Trinkwasserqualität. Ein normales Leben in dem Gebiet sei so laut Piper nicht mehr möglich

Uns stört keine Hinrichtung.
Wir haben noch nie ein wirkliches Problem damit gehabt, Wehrlosen dabei zuzuschauen, wie ihnen langsam die Augen brechen, solange wir daran gut verdienen. Und dafür glauben wir einfach alles. Wir wollen, dass der große Bruder ganz allein verzehrt, was seine Eltern ihm und seinem kleinen Bruder vermacht haben.

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Irak – Soeben werden die nächsten zehn, fünfzehn Jahre Krieg organisiert

Die eindimensionalen und leicht retardierten Mitbürger, denen selbst die tägliche Lektüre der „BILD“ eine intellektuelle Quall ist, denken momentan, durch die Einnahme von Mossul und die Eliminierung der letzten Kampfeinheiten des Daesh („Islamischer Staat“) sei dieser erledigt und Geschichte.

Es braucht nun wirklich nur noch ganz wenig Geist, um zu bemerken:

Die irakische Armee ist eine shiitische. Durch Lenkung Irans war es den Shiiten in den zurückliegenden Jahren möglich, durch Großangriffe und etliche Massaker an Zivilisten die Zahl der Sunniten im Irak deutlichst zu minimieren. Der von den USA so herzlich begrüßte Metzger und Shiit al-Maliki, der, kaum als Präsident eingesetzt, tausende von Sunniten „großtechnisch“ hat vernichten lassen, hinterließ nach seinem Fortgang keineswegs eine stabilisierte Politik. Geschweige denn ein Ende der Feindseligkeiten.
Daesh war die einzige Organisation, die sich dieser großflächigen Vernichtung militärisch mit eindrucksvollen Erfolgen entgegengesetzt hat und für unzählige Dörfer und Städte war der „Islamische Staat“ bis vor kurzem noch die einzige Überlebenschance. Nach der Vernichtung von Daesh wird der Vernichtungsdruck von neuem einsetzen. Die Welt wird erfahren, dass der Zug von verzweifelten Flüchtlingen keineswegs nachlassen wird.

Amnesty International klagt beide kriegführende Parteien unnötiger Grausamkeit und der Nutzung unangemessener Gewalt an. In der Tat häuften sich in den zurückliegenden zwei Jahren die Meldungen signifikant, dass die irakische Armee ihrerseits Massenhinrichtungen an Sunniten vornahm, Menschen so wie Daesh auch bei lebendigem Leibe verbrannt hatte und allgemein wahllos in den „befreiten“ Ortschaften Frauen, Kinder, Alte und Behinderte niedergeschossen hat.

Der kriegführende Westen, der sich mit Unmengen Waffen und Geld an diesem irakischen Vorstoß beteiligt hatte, verfügt auch heute wieder nicht über Pläne, wie es im Irak nach der Entfernung von Daesh weitergehen soll. Wie damals nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak weiß auch heute niemand, was nach Beendigung der Kriegshandlungen gegen Daesh gegen die Vernichtung der Sunniten im Irak unternommen werden soll. Man muss sogar sagen, dass das Schicksal der Sunniten niemanden interessiert.
Sobald Daesh als zu berücksichtigende und machtvolle Organisation fortfällt, kann der Westen mit seiner üblichen Politik wieder einsetzen und die Machthaber bewaffnen und bezahlen, die den freien Zugang zum irakischen Öl und Markt ermöglichen. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob ein pluralistisches Volk im Irak sicher leben kann oder ein zahlenmäßig stark reduziertes, rein shiitisches Volk regiert. Geschäft ist Geschäft.

Natürlich bedeutet das neu entstehende Vakuum im Irak, dass existierende Gruppen, Regierungen und Staaten dort hineinstoßen werden. Der Iran ist stark daran interessiert, mit dem Irak eine stabile und machtvolle Dependance zu besitzen. Die Kurden spekulieren auf einen eigenen Staat im Irak, weil sie randvolle Ölquellen damit erhalten und die irakische Regierung in Baghdad wird dies mit Waffengewalt unterbinden.
Im Ergebnis wird Daesh notwendigerweise in eine neue Terror- und Nachfolgeorganisation übergehen, denn die derzeit noch verbleibende, sunnitische Bevölkerung bedarf dringend militärischen Schutzes. Geographisch und demographisch verbleibt der gesamte Irak unter ungeheurem Gewaltdruck; mit Ausnahme der dort lebenden Zivilisten führen alle Genannten dort einen bequemen und abgezirkelten Stellvertreterkrieg.

Niemand diskutiert Schutzzonen unter Bewachung von UN-Blauhelmen etwa und die Frage „Warum eigentlich nicht?“ ist schnell beantwortet: es ist der Welt völlig gleichgültig, ob in den interessanten Regionen des Irak überhaupt Menschen leben. Der Tod der dortigen Bevölkerung ist für die Ölförderung nicht nur uninteressant – er ist absolut gleichgültig.
Der Bedarf der Sunniten dort ist lächerlich gering und stellt keinen interessanten Markt dar; würde man den Absatz dort ankurbeln wollen, so müsste zunächst für ungeheure Investitionen Infrastruktur saniert, repariert und neu errichtet werden. Und wer will schon Milliarden ausgeben, damit er in Zukunft vielleicht niedrigpreisige Güter dort anbieten kann?
Die Leute dort brauchen im Moment nur Brot, Wasser und Ziegel. Auf solche Bedarfsträger kann der Westen verzichten. Wenn Berlin dort HiFi-Anlagen, Maschinen, Kraftwerke, Parfum und Autos würde anbieten können, würde sich Angela Merkel garantiert für die dann plötzlich „ganz armen, verfolgten und bedrohten Sunniten“ annehmen. Aber so … ?
Diese Leute kaufen eben weder Panzer noch Tornados.

Zudem sind latente Feindseligkeiten und Zerstörungen gut für die regionale Politik. Viele Interessenten haben ein großes Interesse daran, die Lage dort heiß und unsicher zu halten. Man wird einen grundverstörten, faktisch in der Region nicht mehr existierenden Irak brauchen, um in der Nachbarschaft ebenfalls kriegerische Auseinandersetzungen entzünden oder aufrechterhalten zu können.

Wir werden uns darauf einrichten können, in den nächsten Dekaden ein- oder zweimal die Woche von zerstörten Dörfern und Städten, gekreuzigten und verbrannten Menschen und großtechnischen Vernichtungsaktionen und Massakern zu hören.
Aber daran sind wir ja gewöhnt, das geht gut in Ordnung für uns.
Das stört uns nicht.

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Eine Reise … ein Buch …. eine Erinnerung …

Am vergangenen Donnerstag beendete ich im Süden Deutschlands eine Geschäftsreise, verzichtete dankbar auf das anschließende Essen und machte mich viel lieber auf den Weg zu meinem Sohn, der eine kleinere Bahnfahrkarte entfernt vom Einsatzort lebt und studiert.

Unser Großer erwies sich zusammen mit seiner Freundin beinah etwas unerwartet als wundervoller Gastgeber; da es recht breite Schnittstellen zwischen Vater und Sohn gibt, präsentierte er mir seine Studienstadt schwerpunktmäßig aus kultureller und historischer Sicht.

Als ich dann für die Rückfahrt in meinen ICE gestiegen, meinen Platz eingenommen und den beiden noch einmal wild zugewunken hatte, kramte ich in meiner Laptop-Tasche nach meiner Reiselektüre.
Ich liebe diesen Moment sehr. Das kleine Buch ist sehr kostbar für mich; ich hüte es wie einen Augapfel, weil es für mich mit Erinnerungen vollsteckt.

Es war ein Geschenk.
Vor vielen Jahren überreichte es mir eine liebe Freundin mit strahlendem Lächeln und blitzenden Augen. Jedesmal, wenn ich das Buch in die Hand nehme, werde ich in diesen Moment zurückversetzt und heute amüsiert mich der Gedanke, wie ahnungslos ich damals noch gewesen war.

Jedenfalls machte ich es mir in dem Zug bequem. Um bloß nicht meinen Umsteigebahnhof zu verpassen, programmierte ich mir sogar eigens einen Alarm, der mich rechtzeitig aufmerksam machen sollte. Ich kenne mich. Wenn ich mich in dieses Buch vertiefe, verliere und vergesse ich alles um mich herum. Die durchgeheizte Landschaft flog an mir vorüber. Einige Momente nach dem Losfahren verebbten die Gespräche und jeder gab sich seinen eigenen Dingen hin.
Ich las.

Jede einzelne Seite habe ich schon häufig umgedreht. Ich freue mich über meine eigene Sorgfalt, denn das Buch trägt bis heute im Grunde gar keine Abnutzungsspur. Und das, obschon ich es mehrfach um die halbe Welt getragen habe. Jede Zeile, die ich lese, trägt das Herz und die Hoffnung dieser Freundin in sich – und ich kann das fühlen.

Der Zug raste durch Bahnhöfe … nur das veränderte Geräusch ließ mich ab und zu aufblicken und dann erhaschte ich den einen oder anderen Blick von Menschen, die am Bahnsteig standen und auf ihren Anschluss warteten.

Und wieder vertiefte ich mich in das Buch, mit dem ich schon soviele Stunden verbringen durfte. Ich hatte darin gelesen, während ich mit meinen Zehen im Wüstensand spielte. Als ich mir im kalten und verschneiten Norden die Nase geputzt hatte. Beim Arzt. Im Krankenhaus. An sovielen Orten, die einen ungestörten Moment für mich bereithielten, eine Zeit des Wartens meistens.

Wir liefen in Frankfurt ein. Mein Buch hatte ich kurz zuvor sorgfältig in meine Tasche gesteckt. Nur keine Ecke umbiegen, keine scharfkantigen Gegenstände im gleichen Taschenfach. Kein Eselsohr – deshalb habe ich mir den Alarm zehn statt nur fünf Minuten vorher eingestellt. Nur kein Risilo; ich wünsche mir, dass mich dieses spezielle Buch bis an mein Lebensende begleitet. Dieses ganz spezielle muss es sein, auch wenn es in ungeahnt hohen Stückzahlen und Auflagen existiert. Aber keine könnte mir mehr bedeuten als dieses ganz besondere, in welchem beim Umblättern die tiefgründigen Augen der Freundin aufblitzen, die es mir damals schenkte.
Sie hatte im Gegensatz zu mir damals gewusst oder doch zumindest geahnt, dass dies Buch im Gegenwert von weniger als fünf Euro niemals mehr lange Zeit in einem Regal verstauben würde.

Leider habe ich diese Freundin damals kurze Zeit später vollständig aus dem Blickfeld verloren, nur eine vage Erinnerung ist mir geblieben. Und das Buch.

Dann stand das vorletzte Umsteigen an; wieder hatte ich unerwartet und unverschämtes Glück: es blieb viel unbesetzter Platz um mich herum frei und ich konnte es mir gemütlich machen. Da fiel mein Blick auf ein seltsames Kästchen, das vor meinem Platz auf dem Boden lag. Als ich es hochnahm, entpuppte es sich als IPhone (ich hatte nur das rückwärtige Cover gesehen). Eine Bahnbedienstete war kurz zuvor durch den Wagen gehuscht und ich behielt es in der Hand, um es dem nächsten Angestellten als Fundobjekt zu übergeben. Da tauchte die verzweifelte Besitzerin auf und nahm es überaus dankbar in Empfang.

Keine zehn Sekunden später las ich wieder.

Bis heute bin ich der Faszination des Buches vollständig erlegen – und es verblüfft mich immer wieder aufs Neue, es ist nie alt, ich lese jedesmal darin, als wäre es das erste Mal.
Es ist so klein … oft habe ich gerade bei nicht optimalem Licht sogar Probleme mit dem Lesen und muss es mir dichter unter die Nase halten … und trotzdem explodiert es jedesmal aufs Neue und fügt ein Universum für jede Zeile in meinem Kopf hinzu.
Und wieder sehe ich die Freundin vor mir und jetzt erst, nach all den Jahren, weiß ich, dass es ziemlich genau diese vielen Universen in ihrem Blick waren, die so schimmerten und glänzten, als sie es mir überreichte. Für sie war es ein verletzlicher Moment und ich bin dankbar, dass sie soviel Vertrauen in mich hatte. Ganz ohne es zu ahnen, geschweige denn zu wissen, wurde sie damals durch diese vielleicht fünfzehn Minuten zu einer meiner wichtigsten Lehrerinnen, die ich je im Leben gehabt habe.

Als der ICE durch den letzten Bahnhof vor meiner letzten Umsteigestation gepfiffen war und nur noch wenige Momente verblieben, bis ich in den Regionalzug stieg, der mich nahe meines Heimatorts bringen sollte, legte ich sorgfältig das rote Lesebändchen wieder ein und vergewisserte mich erneut, dass in dem Raum, den ich für das Buch vorgesehen hatte, nichts steckte, was es hätte beschädigen können.

Diese Qur’an- bzw. Tafsirausgabe ist mir das liebste aller Bücher, die in meinem Schrank dämmern und sie ist das einzige Buch, das keinen Staub ansetzt.

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USA – Das Fieber steigt, Trump ist als Erreger immer noch da.

Was tut man, wenn man sich einen Splitter einreißt oder welche Gefahr besteht dann? Ganz einfach: der Finger kann und wird sich womöglich böse entzünden. Schlimmstenfalls entsteht eine Sepsis, wenn der Finger unbehandelt bleibt.Man kann durchaus an einem winzigen Holzsplitterchen sterben.

Undenkbar?

In einer Weltgegend wie der unseren möchte man meinen: ja, undenkbar. Schließlich warten in Deutschland etwa tausende von Krankenhäusern rund um die Uhr, im Handumdrehen würde man dort den Splitter gezogen und ein Antibiotikum angewendet haben.
In was für einer Gegend würde man leben, wenn jemand an einem solchen Splitter stürbe? In einem Entwicklungsland.

Trump ist ein derartiger Splitter.
Man kann meines Erachtens getrost (so wie er selber!) alle erdenklichen Gedankenbremsen lösen, die nach Differenzierung, nach ausgeglichener Sprache, nach Vorsicht fragen und Trump genau als das benennen, was er ist: bösartig und blöd.
So würde ich einen Splitter in meinem Finger benennen – und verfluchen.

Der Patient USA verhält sich anders als ich es mit einem Splitter im Finger täte: der Patient USA setzt sich erschrocken neben die Werkbank, wo es geschah, glotzt auf seinen Finger und betrachtet nun seit Monaten das Entstehen der Entzündung und beobachtet, wie sich die beginnende Sepsis langsam als schwarzer Strich durch die Venen nach oben in Richtung Herz bewegt.
Die USA stehen nicht auf.
Sie suchen keine Heilung. Sie bestaunen sich und ihren Finger. Wer hätte schon geahnt, denken sie, dass man sich bei der Arbeit einen Splitter einreißen könnte?

Trump hat die Immunabwehr der USA nur wenig geschickt, aber dafür extrem brutal einfach abgeschaltet: er erzählt dem Körper USA, dass die Sepsis, die er bringt, nicht tödlich, sondern eine Erlösung sei.

So etwas geht eine zeitlang gut:
Vor einigen Jahren machte man in den USA eine unerwartete, erstaunliche und wissenschaftlich höchst wichtige und faszinierende Entdeckung: man grub ein Tyrannosaus-Weibchen aus und nannte es "Sue". Sue war ein vom Skelett her gut erhaltenes, erwachsenes Exemplar. Faszinierend an ihr war vor allem, dass sie geradezu jämmerlich verendet sein musste, weil eine entsetzliche Entzündung in ihrem Bein gefressen und sie letztlich getötet hatte. In ihrem Fall handelte es sich um die fatalen Folgen eines wohl missglückten Angriffs auf eine Beute.
Hätte es damals westliche Krankenhäuser gegeben, Sue würde nach kurzer Rekonvaleszenz wieder ihren Mahlzeiten nachgestellt haben können. Aber so währte ihr Verenden nicht Stunden, nicht Tage, wohl auch nicht Wochen, sondern wesentlich länger. Ihre letzten Stunden müssen sie vor Qualen rasend gemacht haben.

Wird der Erreger Trump aus den USA eine neue Sue machen?
Werden diese USA in ihrem Fieber- und Entzündungswahn Halizunationen ausbilden und sich selbst und ihre Umwelt auffressen?
Vermutlich ja.
Wir als Menschen erleiden und beseitigen täglich wohl dutzende von Mini-Infektionen. Berühren wir nur die Klinke einer Tür, vervollständigen wir die Sammlung von Keimzellen auf unserer Haut um ein halbes Dutzend weiterer Exemplare. Wenn jemand in unserer Nähe niest, spielen hunderte von Viren und Bakterien auf unserer Kleidung und unseren Schleimhäuten. Aber davon bemerken wir im Idealfall nichts.
Die USA sterben an einem Splitterchen – und vergeblich suchen wir nach Anzeichen einer angekurbelten Immunabwehr. Da geschieht …. nichts.

Teile des US-Nervensystems sind bereits nekrös: eine Gesellschaft, die einen "Präsidenten" derart rüpelhaft, unverschämt und offen boshaft gegen eigene Bevölkerungsteile ungestraft weitermachen lässt, muss daran zugrundegehen.
Wir als Deutschland sind selbst ein "alter Mann". Aber wir tragen Handschuhe und besitzen einen Verbandskasten in der Werkstatt: als unser Bundespräsident bei einer Zeitungsredaktion anrief und sie beeinflussen wollte, verlor er sein Amt. Das war das Werk nur weniger Tage, und schon die beobachteten manche Deutschen mit aufkommender Nervosität, ob unsere Sicherungsseile, unsere Immunabwehr wohl noch funktioniert.
Sie funktioniert, stelle ich fest.

Sue sank langsam in der Nähe eines Flussbetts zu Boden.
Ihr Bein war regelrecht aufgeplatzt und ein Eiterrinnsal hatte sich gebildet. Sie wird zu diesem Zeitpunkt den Verstand bereits längst verloren und nur noch furchtbare Visionen und Schmerzen gehabt haben.
Aber wer traute sich damals schon an einen Tyrannosaurus? Wahrscheinlich haben etliche Tiere den riesigen, sterbenden Saurier umstanden und sein Verrecken beobachtet. Nur die wenigsten werden sich am Leid von Sue nicht gefreut haben.

Wo steht der Raubsaurier USA heute?
Wenn er sich durch den Wald schleppt, den er schon nicht mehr genau erkennt, sieht er schon das Flussbett …. ?

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Die Ibn-Rushd-Goethe-„Moschee“ – also mir reichts jetzt!

Es gibt ein paar Dinge, die haben das Zeug dazu, mich spontan zuerst misstrauisch zu machen und dann schwer zu verärgern. Und am leichtesten zuverärgern bin ich, wenn man mich über den Tisch zu ziehen versucht.

Als ich die ersten Hinweise darauf las, dass ein illustrer Kreis die „erste, wirklich freie!“ Moschee in Berlin gründen wolle, war ich bereits misstrauisch.
Mit wenigen Ausnahmen wurden und werden in Deutschland Moscheen gebaut und Islam-Vereine dafür von Gemeindemitgliedern gegründet. Für gewöhnlich geht alles seinen meist sehr langsamen, aber stetig beschrittenen Weg. Man stellt erst einen Bedarf fest; vielleicht bemerkt man, dass sich irgendwie immer mehr Freunde, Nachbarn, Verwandte auf den Weg zur nächstgelegenen Moschee machen und irgendwann denken sie: „Wieso nicht eine eigene in der Nähe bauen?“
Dann wird Geld gesammelt, vielleicht findet sich sogar ein Sponsor und die eine oder andere mehr oder weniger großzügige, dickere Spende. Das kann viele Jahre dauern.
Irgendwann denkt die Gemeinde, halbwegs genug zusammen zu haben, den Rest der Baukosten aus eigener Tasche und mit eigenen Muskeln zuwege zu bringen und das ist dann der Anfang vom Ende der Story, es geht dann recht schnell: man verhandelt über einen Bauplatz, feiert die Grundsteinlegung, schuftet, schachtet, baut und schleppt.
Und irgendwann ist sie dann zur großen Freude aller fertig, die Moschee.
Natürlich gibt es immer schönere, größere, reichere, kostbarere Moscheen – aber diese „Nachbarschaftsmoscheen“ erreichen immer mein Herz. Sie sind wunderschön, weil jede Fuge mit Hingabe an Allah gefüllt, jeder Pinselstrich am Ornament mit Liebe zu Allah gezogen und jeder einzelne Stein im tiefen Glauben an Allah zumeist aus eigener Tasche bezahlt und hineingeschleppt worden ist.

Wenn man dies „Gründungsmuster“ kennt und es beim Löwenanteil aller existierenden Moscheen wiederfindet, dann erweckt jede Moschee lebhaftes Misstrauen, die sozusagen aus dem Nichts heraus „mal eben“ hingeknallt und eröffnet wird. Dahinter stecken meist besondere Interessen.
Aber auch das kann völlig rechtens sein: wenn ein paar Nachbarn Teile eines großzügig geschnittenen Hauses nach geringfügigen Baumaßnahmen „auf einmal“ zu einer Moschee erklären, weil sie einem speziellen Verein, einer besonderen Schule beispielsweise angehören.

Wenn ich aber höre, dass hier Leute aus der Öffentlichkeit zusammentreten, die Eröffnung einer „wirklich freien!“ Moschee verkünden, eine GmbH gründen und kurz darauf Fotos von hochwertig und aufwendig renovierten Räumlichkeiten kursieren lassen – dann werde ich misstrauisch. Denn diese Moschee ist NICHT natürlich gewachsen, geschweige denn entstanden. Sie ist NICHT Teil einer Gemeinschaft, NICHT von Nachbarn, Verwandten und guten Freunden gegründet und gebaut. Das Geld kommt von der Bank, gehört einer Gesellschaft und die Handwerkeraufträge werden von irgendeinem Betrieb ausgeführt, der keine Ahnung, keine Leidenschaft für die Materie hat und lediglich der billigste war.

Aber Goethe! Jeder, der mich kennt, weiß um meine Goethe-Leidenschaft!
Nebenbei bemerkt habe ich bis heute keine Ahnung, wie der Name des Alten aus Weimar in diese „Moschee“ hineingeraten konnte – aber mittlerweile ist mir das auch egal.

Dann steht da federführend eine „Imamin“ mit Namen Seyran Ateş, eine Rechtsanwältin aus Berlin. Jeder Muslim, der sie nicht persönlich kennt, hängt damit womöglich schon am Fliegenfänger, weil sich ihr Name so wunderbar außerdeutsch anhört dass man meinen möchte, da könnte sich Islamkompetenz finden lassen.
Wie enttäuschend, dass grad das Gegenteil die Wahrheit ist.
Ateş hat nach eigenen Angaben unter dem Islam kaum weniger gelitten als Hamid Abdel-Samad, dessen Schilderungen seines (angeblichen?) Leidens- statt Lebensweg unglaublich lukrativ für ihn ausgefallen waren. Was will der Ärmste nicht alles durchgestanden haben! Angeblich als Junge mehrfach von älteren Jungs vergewaltigt, vom Vater, der Imam sei oder gewesen sei, regelmäßig verprügelt worden und nichts als Unbill, Schmerz, Enttäuschung und Strafe will er vom Islam erlebt haben. Ateş schwadroniert ebenfalls von einer Kindheit und Jugend der Erniedrigung im Islam und pflegte reichlich Kontakte zu Islam-„Kritikern“ vom Range eines Abdel-Samad.

Nach eigenen Angaben sind in dieser „Moschee“ Kopftuchträgerinnen „nicht willkommen“ und Niqab-Trägerinnen haben sogar tatsächlich Eintrittsverbot. Das ist, vorsichtig ausgedrückt, höchst unislamisch! Selbst wenn man als Muslim und/oder Muslimin beide Kleidungsstücke ablehnt, dürfen sie nicht zum trennenden Merkmal gemacht werden, mit denen man den einen Muslimen den Eintritt in eine Moschee gewährt und den anderen verbietet – wo kämen wir denn da hin? Was wäre das für ein Islam? Eine solche Religion, in der solches verlangt würde, würde ich SOFORT verlassen!
Spirituell halte ich diese Herangehensweise nicht nur für höchst problematisch, sondern sogar für besonders verwerflich und entlarvend. Selbst wenn man der Meinung wäre, dass diese Kleidungsstücke abgeschafft gehören würden, müsste man selbstverständlich (!) Trägerinnen Einlass gewähren, denn nur in der Schutzzone einer Moschee kann man die Menschen erreichen und ihnen Argumente entgegenbringen. Wer sich mit dem Staat gemein macht, der die Kleidungsstücke mit blöden Gesetzen und roher Gewalt von den Körpern reißen will, der schlägt natürlich alle Türen zu, verhindert Dialoge und macht das Problem in aller Regel nur noch größer und schwerer.

Jetzt bleibt nicht mehr viel von dieser Moschee übrig, die eigentlich nur eine „Moschee“ ist.

Ich habe Myriaden schwerer und schwerster Vorwürfe aus der muslimischen Welt gegen die Betreiber mitbekommen – und schließe mich ihnen an.
Diese „Moschee“ ist ein künstliches, trojanisches Pferd; gesattelt von verkappten Islam-„Freunden“ (um mich um die Vokabel „Muslim“ herumzumogeln), die mit ihrem merkwürdigem Gehabe schweren Schaden in die Welt der deutschen Muslime tragen und erschreckend ist, dass genau dies das Ziel von Ates zu sein scheint.

Ich weiß nicht, was das für ein seltsamer Verein und für ein komischer Raum ist, der den Namen Goethe so missbraucht, weil grad dieser Mann zeit seines ganzen Lebens mit großer Leidenschaft für den Islam geworben und sich für die freundliche Aufnahme von Muslimen in Deutschland so engagiert eingesetzt hatte. ER war es, der so unendlich fasziniert von den Qualitäten des Islam war, dass er eigens zur Anfertigung einer der ersten, ernstzunehmenden Qur’an-Übersetzungen die arabische Sprache erlernt hatte.

Goethe würde sich im Grabe herumdrehen wenn er mitbekäme, was heute für ein unerträglicher Schindluder mit seinem Namen getrieben wird.
Der nächste Missbrauchte heißt Ibn Rushd. Über ihn steht in Wikipedia nachzulesen:

In Koran-Versen wie »Denkt nach, die ihr Einsicht habt!« findet Ibn Ruschd nicht nur die Aufforderung an die Muslime, über ihren Glauben nachzudenken, sondern auch, die bestmögliche Beweislage für ihr Denken zu finden, und diese sieht er eindeutig in der Philosophie und zumal in der aristotelischen Beweisführung gegeben.

„Denkt nach, die Ihr Einsicht habt!“ und „Schaut doch hin, wollt Ihr die Zeichen nicht erkennen?“ und „Wollt Ihr nicht sehen?“

Ibn Rushd, den man Averroes nannte und der der erste, methodisch arbeitende Mediziner nach Avicenna war, der ebenfalls muslimischer Gelehrter war. Ibn Rushd beeinflusste mit seinen Standardwerken die gesamte, bis dahin bekannte Medizin. Er würde sich gleichermaßen entsetzen, wenn er auf diese komische „Moschee“ blickte, deren philosophische Verkrüppelung mit seinem Namen unkenntlich gemacht werden soll.

Beinahe halte ich selbst die Benennung dieser „Moschee“ für eine recht hässliche Beleidigung des Islam und der leider längst verstorbenen und daher wehrlosen Personen, deren Namen man darüber gezogen hat.

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Europa – Polen sind besser als Türken!

Deutschland müht sich an Polen ab. Das Land triggert den deutschen Reuereflex ebenso routiniert und elegant an wie es Israel auch versteht. Heraus kommt dabei, dass sich beide Länder problemlos an allen Menschenrechten nach Belieben vergreifen, diese brechen und offen darüber reden können, ohne dass Deutschland auch nur Kritik übt. Von Maßnahmen, Konsequenzen, Strafen und Korrekturmaßnahmen gegen diese Länder ist weit und breit nichts zu sehen.Unsere deutsche Politik nimmt dafür auch in Kauf, dass die eigenen Staatsbürger in den betreffenden Ländern zu Schaden oder sogar ums Leben kommen. Und selbst wenn das geschieht, erstickt die deutsche Politik diese Vorkommnisse mit einer dicken Decke des eisigen Schweigens.

Jedes größere und kleinere Vergehen der Türkei wird von balkendicken Überschriften, lautem Aufjaulen, einbestellten Botschaftern und energischen Worten aus Berlin begleitet. Auf einmal sieht man die Demokratie in der Türkei in Gefahr, man ahnt einen erzkonservativen, islamischen Staat am Horizont heraufdämmern und sieht somit ganz Europa brüskiert.

Polen ist da in einer ganz wesentlich besseren Ausgangslage. Dort grassiert ein harter Rechtsradikalismus – der jedoch nirgendwo in der deutschen Politik auch nur Erwähnung findet, geschweige denn Kritik provoziert. Hier einmal ein paar Auszüge von ZEIT.de, die vom überaus freundlichen Empfang deutscher Schüler in polen handeln:

Muslimische Schüler der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule aus Berlin-Moabit sind auf einer Reise nach Polen mehrfach rassistisch beleidigt, bedroht und angegriffen worden. Das berichtet das polnische Nachrichtenportal Wirtualna Polska unter Berufung auf die Schüler und die polnische Zeitung Fakt.

Polen ist auf seinem Weg zur Rechtsradikalisierung wesentlich weiter fortgeschritten als Deutschland; dort hat man bereits einen Vorstoß hinter sich, nach welchem alle Juden des Landes namentlich in eine Liste aufgenommen und öffentlich zur Kenntnis gebracht werden sollten. Im wahrlich letzten Moment drehte die Regierung bei und bestand nicht mehr auf dieser Liste. Wahrscheinlich aber wird sie tatsächlich doch geführt.

Während sich in Deutschland wenigstens die Staatsmacht selbst noch damit abmüht, ihre eigene Rechtslastigkeit nach Möglichkeit zu verleugnen und zu verstecken, ist man in Polen bereits diesen Schritt weiter:

Demnach wurde eine kopftuchtragende Schülerin nach eigenen Angaben am 21. Juni im ostpolnischen Lublin bespuckt und beleidigt. Freunde der Muslima, die ihr helfen wollten und Streifenpolizisten auf den Vorfall aufmerksam machten, wurden demnach ignoriert. Als sie ein weiteres Kommissariat aufsuchten, um den Übergriff zu melden, seien sie für ihre Beschwerde ausgelacht worden, sagte Magdalena Zagórska, eine in Deutschland geborene Polin, die der Reisegruppe als Übersetzerin diente.

Polen agiert wie Israel: die Behörden samt all ihrer Vertreter werden künstlich aufgehetzt und zu Übergriffen geradezu ermuntert. Die Vorgesetzten eröffnen den Beamten die Möglichkeit, sich völlig frei von Verfolgungsdruck gegen andere in ihrem Hass und in ihrer Brutalität gänzlich ausleben zu können.

Eine Menschenmeute, die sich aus dummen Individuen rekrutiert, bedarf lediglich eines Startschusses, um über vermutet wehrlose Minderheiten herzufallen. Dieser Automatismus funktioniert in Israel, in Polen und er funktioniert natürlich auch in Deutschland, auch wenn die Effizienz in den Augen konservativer, deutscher Politiker durchaus noch zu wünschen übrig lässt.
In Polen und Israel aber mehren sich die Übergriffe und die Härte derselben nimmt dramatisch zu (was man von der Türkei sicherlich nicht behaupten kann!):

Wie Wirtualna Polska berichtet, waren die Vorfälle in Lublin nur ein Teil von zahlreichen rassistischen Beleidigungen und Demütigungen, denen kopftuchtragende Mädchen auf der Reise ausgesetzt waren: Während ihres Aufenthalts in Łódź wurden mehrere von ihnen beim Vorbeigehen von Passanten beleidigt. Einer der Schülerinnen wurde Wasser über ihre Kleidung und Kamera gegossen. Einer anderen wurde angedroht, dass sie Essen ins Gesicht geschmissen bekomme.

Die gezielt gewählte Wortwahl und vor allem das überaus gezielte Schweigen von Regierungen ist ein breit zu entdeckendes Aktionsmuster, mit dem Übergriffe provoziert werden können, ohne dass sie den Regierungen selbst vorgeworfen werden könnten. Nur selten schlagen Politiker dabei über die Stränge.
Israels Politiker betonen immer kurz vor militärischen Massenvernichtungsaktionen im Gaza-Streifen, dass Palästinenser "Ungeziefer" und "Schädlinge" seien, nur boshaft und niederträchtig wären und samt und sonders nur die besonders lieben und friedfertigen Juden Israels schlachten wollten. Polen kann das aber auch:

Der Parteivorsitzende der PiS, Jarosław Kaczyński, sagte, die Flüchtlingskrise käme der "Invasion" gleich. In der Vergangenheit hatte er Flüchtlinge unter anderem als "Getier" und "Lumpenpack" bezeichnet.

Aber das macht nichts.

Polnische Ausfälle und Verstöße gegen Menschenrechte sind allesamt keine, weil die EU sich davon peinlich berührt und theoretisch zur Reaktion gezwungen sehen würde, wenn man dies rechtsradikale und rassistische Wüten offiziell zur Kenntnis nähme.
Deshalb darf Israel völlig frei auch deutsche Staatsbürger töten und deshalb sind deutsche Muslime in Polen keine deutschen Staatsbürger, sondern minderwertiges Geschmeiß, an dem der eigenen Regierung (!) nichts liegt.
Berlin wird wegen dieser von vorn bis hinten missglückten und entlarvenden Reise deutscher Schüler nichts unternehmen. Es fand noch nicht einmal die Kraft, den Hinterbliebenen der ganzen, deutschen Familie, die durch israelischen Beschuss zerfetzt wurde, den Tod ihrer Angehörigen offiziell zu bestätigen. Bis heute, Jahre nach dem Vorfall, weigert sich sowohl die deutsche Regierung, als auch das Auswärtige Amt, dies zu tun.

Es gibt also Deutsche mehrerer Klassen: wer als hellhäutiger Arier mit urdeutschem Nachnamen im Ausland auftritt, hat theoretisch bei Schwierigkeiten die Möglichkeit, sich auf seine Staatsbürgerschaft zu berufen und seine Regierung zur Hilfe aufzurufen.
Wer als nicht deutlich arisch erkennbarer, deutscher Mensch mit fremd wirkendem Nachnamen im Ausland auftritt sollte hoffen, dass seine Regierung augenblicklich nicht grad ein Interesse daran hat oder haben könnte, seine Folterung, Inhaftierung und seinen Tod vollkommen zu verschweigen, unter den Tisch fallen zu lassen.
Sinngemäß das gleiche gilt für erkennbare Nichtarier mit fremd wirkendem Nachnamen, muslimischen Bekenntnisses und dem Kopftuch, nur liegt hier die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Regierung überhaupt gar nichts unternimmt oder sagt, wenn man zu Schaden kommt, bei nahezu 100 Prozent.

Nur für die Türkei gilt das alles natürlich nicht.
Hier ist die kleinste Übertretung seit Jahrzehnten schon immer ganz grundsätzlich ein "schweres Vorkommnis", ein "massives Problem" – und das zieht sich vom inhaftierten Journalisten bis hin zu kleineren Vorkommen, die in ganz Europa jeden Tag geschehen.
Gegenüber Polen äußert man immer leise "Besorgnis" – der Türkei gegenüber schreit man vor Schmerz getroffen auf und wittert die Vernichtung der Demokratie.
Israel tötet, stiehlt Land und lässt Millionen von Menschen unter ihrer illegalen (!) Knute im Gaza-Streifen unter rechtswidriger Belagerung seit Jahren leiden – aber hier äußert die Bundesregierung noch nicht einmal mehr "Besorgnis", hier weigert sie sich schlicht, die Realität offiziell zur Kenntnis zu nehmen.

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