Mein Ägypten – Der Weg ist das Ziel und oft liegt das Ziel auf dem Weg!

Eines Tages stand ich in Assuan an einer Straßenkreuzung und überlegte, wie ich meinen Rückweg nun gestalten sollte. Es war insgesamt ein gestohlener Tag; meine Frau war unpässlich und auf dem Schiff geblieben und mich hatte die Sehnsucht nach Ägypten wieder einmal (ehrlich gesagt: widerstandslos) in ihren Bann geschlagen. Nein – den bequemen Weg durch das touristisch aufgepeppte Assuan wollte ich nicht nehmen, soviel war sicher.

Unweit von mir unterhielt sich ein augenscheinlich sehr alter Mann mit seinem Enkel. Er hatte an einem Strick einen hübsch gepflegten Esel und war selbst beinah feierlich gekleidet. Wie ich aus einem Seitenblick entdeckte, blickten sie ab und zu in meine Richtung.

Die Straße war staubig; eine Brise erhob sich und hob etwas davon auf. Ich hatte noch immer keine Entscheidung getroffen und es war auch wirklich nicht ganz einfach. Links von mir lag das alte Viertel, in welchem sich Häuser so dicht und so hoch aneinanderdrückten, dass man kaum zwischen ihnen einhergehen konnte und in mancher dieser Gassen schaffte die Sonne selten den Weg bis hinunter auf den Boden. Das Gewirre der Gassen war unüberblickbar; tauchte man einmal darin ein und kannte sich nicht aus, begann man die Bedeutung des Wortes „Labyrinth“ erst richtig zu verstehen. Straßenkarten gab es dafür nicht; wollte man dies Viertel durchqueren, half einem nichts bei der Orientierung. Kein Minarett blickte in diese Gassen, kein Sonnenstand wäre ablesbar gewesen – es hilft in Ägypten in solchen Situationen nur ein simpler aber zuverlässiger Trick: man merkt sich, wenn man losgeht, wo der Nil verläuft. Wer dieses Bild im Kopf laufend aktualisiert, findet immer heraus.

Die beiden standen immer noch dort; der alte Mann schien dem Jungen etwas zu erklären. Jedenfalls verstand ich ein paar religiöse Wendungen und da der Junge den Alten nicht im Redefluss unterbrach, wurde ich unfreiwillig Zeuge eines Erziehungs- oder Bildungsversuchs. Zu meinem Erstaunen schwiegen sie ab und zu kurz beide und blickten in meine Richtung.

Rechts führte die Straße aus Assuan heraus und hinein in die Wüste. Ich stand gewissermaßen im Außenbereich. Bis dorthin war ich schon gut eineinhalb Stunden marschiert und hatte soviel Assuan wie möglich in mich aufgenommen, denn ich liebe diese Stadt sehr und es war ein Unglück, dass ich keinen meiner Freunde dort treffen konnte.
Rechts fiel für mich aus – ich wäre vermutlich erst zum nächsten Frühstück wieder zurückgewesen und mich einer Menge Fragen seitens meiner Frau ausgesetzt gesehen.
Geradeaus stieg die Straße an; sie führte um einen sanft ansteigenden Hügel herum in das moderne Zentrum Assuans.
„Was solls.“ dachte ich und wollte nichts anderes, als den Tag und die Stadt genießen.

Da tippte mir jemand auf die Schulter.
Ich drehte mich um. Es war der Junge. In diesem wunderschönen Gemengsel aus Arabisch und Englisch lud er mich ein. Ich sei doch ganz bestimmt verirrt, sagte er, und deshalb bräuchte ich jetzt dringend Gesellschaft, Essen, Trinken und Führung.
Er deutete über seinen Rücken auf ein Cafè und mein Blick dorthin streifte den Opa, der mich breit anlächelte, heftig nickte und selbst auf das Cafè deutete.
Ich lachte und begann, ihn auf arabische Art zu begrüßen und ihm sehr wortreich zu danken. Wer Arabien kennt weiß, dass dies ein zeitraubendes Unterfangen ist. Jedenfalls strahlte der Junge, seine Augen blitzten und er konnte kaum glauben, was ich ihm berichtete. Nein, sagte ich ihm, ich sei keineswegs verirrt, ich wisse um das alte Viertel dort (ich zeigte auf links), ich würde das neue Zentrum kennen (ich zeigte geradeaus) und dass ein üppiges Mahl auf mich warten würde, wenn ich das Schiff erreicht hätte.

Obschon der Junge seine religiöse Pflicht, einen armen Verirrten auf seinen Weg zu helfen und ihn zu versorgen, nicht erfüllen konnte, ging er zu seinem Opa zurück und berichtete ihm. Beide verhandelten miteinander, wie nun mit diesem „Franken“ zu verfahren sei der vorgab, kein Fremder zu sein.

Zwischenzeitlich befasste ich mich gedanklich mit dem alten Viertel. Ich wusste, dass ich, sobald ich dort eingetaucht war, mit einem gewissen „Linksdrall“ würde weiterlaufen müssen, denn dann würde ich in die Richtung Corniche gehen, an welcher irgendwann der Bug unserer altehrwürdigen „MS Cheops“ auftauchen musste.

Gerade wollte ich starten, da fühlte ich wieder einen Finger auf meiner Schulter. Diesmal war Opa gleich mitgekommen und während sein Enkel seine Ansprache mit der Einladung wiederholte, strich Opa liebevoll über die Decke, die auf dem Rücken des Esels lag, zeigte auf mich und lächelte breit. Man wollte mich reitend zum Schiff begleiten – aber erst, nachdem ich vorher etwas Gebäck und Chai zu mir genommen haben würde. Der Daumen des Jungen zeigte wieder auf das Cafè.
Nun „outete“ ich mich als deutschen Muslimen – ich hatte kaum eine andere Chance. Denn immer, wenn ich dies in Ägypten tue, passiert Erstaunliches und für gewöhnlich sind die nächsten Stunden dann futsch. Ich werde dann mit sanfter und überaus fröhlicher „Gewalt“ in Kreise hineingezogen, wortreich vorgestellt und interviewed. Man will die erstaunlichsten Dinge von mir wissen. Ob es denn in Deutschland auch Moscheen gäbe. Wie das Wetter dort sei. Wieviel Kinder ich hätte. Wie es meiner Familie geht – und Einwortsätze werden keinesfalls akzeptiert, meine Stellungnahmen müssen schon eine gute Geschichte abgeben.
Aber in dieser Situation schilderte ich wahrheitsgemäß die wachsende Besorgnis meiner Frau, denn ich war eigentlich schon etwas überfällig.

Also umarmte ich den Opa, dann den Jungen, klopfte beiden lächelnd auf den Rücken, bedankte mich überaus wortreich für den wundervollen Islam, den sie mir bewiesen hätten, wünschte, dass ihr Tag so schön wie der Duft von Jasmin sei, rief nach der Gnade und dem Wohlwollen Allahs für sie, lobte den Esel, erkundigte mich nach ihren Lieben, nach deren Wohlergehen bis hinunter zur Hauskatze und fand kurz sogar Eingang in den wunderschönen, arabischen Singsang, dessen Ursprünge bis tief hinein nach Afrika und die Geschichte reichen, der einem kurzen Segenssatz die halb gesungene Antwort „Alhamdulillah“ und „Inshallah“ hintanstellte und überquerte letztlich die Straße, um ins alte Viertel einzutauchen.

Als ich die erste Stufe der Treppe fand, die mich hinabführte, blickte ich mich noch einmal um.
Ich hatte da zwei gute Menschen in einem inneren Widerstreit zurückgelassen. Sie wunken, bis ich nichts mehr sah und ich wusste von der Verwirrung, in der sie waren. Sowas wie mich hatten sie dort, an diesem Punkt der Stadt, an dem wohl nie bis äußerst selten jemand Fremdes vorüberkam, noch nie getroffen und ich hatte ihnen jedes sonst geübte Denkmuster von Fremden, von „Franken“ und von Nichtmuslimen gründlich irritiert.

Aber: ich hatte mich benommen. Gut benommen. Ich habe sie mit allem bedacht, was ihres Geschenks der Fürsorge würdig war. Es war gut, es war ein sehr schönes Zusammentreffen zwischen Muslimen und Menschen. Das sind Momente, in denen ich über alle Maßen stolz auf meinen Glauben bin, denn wir Muslime sind eine liebende, weltumspannende Gemeinschaft, die in gleichen Gefühlen denkt und niemanden einen Fremden bleiben lässt.
Mich umfasst ein tiefes Vertrauen zu all den „kleinen, normalen, durchschnittlichen“ Muslimen.

Ich berichtete meiner Frau davon. Sie lächelte schief, weil sie Arabien nicht kennt und bezweifelte gerade meine Gedanken über Muslime.
Währenddessen entdeckten wir in der Abendsonne, wie zwei Leute eine Hügelkette emporstiegen und offenbar ein altes Mausoleum zum Ziel ihres Weges hatten. Sie waren wirklich weit, sehr weit entfernt und reduzierten sich im Auge beinahe auf zwei Striche. Ich sagte meiner Frau:
„Schau mal, ich zeig dir jetzt was. Alle Muslime sind immer freundlich, wenn man ihnen freundlich begegnet.“
Ich stand auf, trat an die Reling und machte „Männekes“ in die Richtung der Männer. Ich winkte stark übetrieben, dass es erkennbar sei, sprang auf und ab, winkte weiter und brüllte, mit zu einem Trichter vor dem Mund geformten Händen so laut ich nur konnte: „Saaalaaaam!“

Meine Frau blickte mit zusammengezogenen Augenbrauen herüber.

„Denkst Du, die machen sich da was draus?“ frotzelte sie …. und dann blieb ihr jedes weitere Wort im Halse stecken.
Denn die beiden Striche hatten innegehalten und wiederholten meine Gesten in meine Richtung, Es sah sehr lustig aus, wie die beiden sprangen, mit den Armen wedelten und ein gaaanz leises „Selam!“ zu mir zurückriefen.

Sie ist es, die Nichtmuslima, die diese Szene im Plaudern immer wieder mal erzählt…..

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Islam – und seine „schlechte Presse“

Was billigen und seit jeher qualitativ geringwertig und höchst populistisch veröffentlichenden Boulevardzeitungen niemals zuzutrauen wäre, gelang jetzt der ZEIT. In recht ungewöhnlicher Offenheit gesteht dort Kai Hafez ein, dass auch seine eigene Zeitung an dem unverdient miesen Image des Islam in Europa nicht ganz unschuldig ist.

Die Versuche der Medien, den Aufschwung des Rechtspopulismus in Ländern wie den USA, England, Deutschland oder Frankreich zu erklären, setzen unterschiedlich an.
Dies alles sind berechtigte Ansätze. Nur vergessen die Medien eine wichtige Ursache der aktuellen Misere: sich selbst nämlich.

Wow. Wer hätte das gedacht. Heute verstehen nur noch intelligente Menschen mit einem durchaus höheren Bildungsgrad, vermutlich auch höherem Gehalt und geistigem Zugang zu höherwertigen (Print-) Medien, wo das Problem liegt – und deshalb wird das eigentliche Problem auch überhaupt nicht offen, geschweige denn öffentlich diskutiert. Der Webfehler im System liegt in der Unfreiheit der Presse, die durch das Geld herbeigeführt wird: obschon niemand einem Chefredakteur die Auswahl seiner Themen oder die Aufmachung, die Inhalte vorschreibt, funktioniert die Zensur ja doch. Die betreibt der Käufer – und nicht der Staat.

Viele kluge Menschen analysierten den politischen Verkehrsunfall Trump, den regierungstechnischen Super-GAU, der einen nicht nur unfähigen wie unverschämten, sondern auch sehr gefährlichen Dummkopf auf den Thron hieven konnte. Und manche kommen zu dem Schluss, dass es das psychologische Moment der Angstlust gibt, dem viele Wähler anheim gefallen waren. Damit meint man das sogar sexuell erlebte Stimulans großer Angst, das vielen Menschen ein Wegschauen unmöglich macht und über dies manipulative, trojanische Pferd in den Aussagen Trumps im Wahlkampf den nun zu beklagenden Hype auslösen konnte, der tatsächlich zu seiner Wahl führte.

Dies Mittel haben beinah alle europäischen Medien seit Jahren vorher eingeübt, und damit zum Teil prächtige Auflagenziffern erzeugt. Mit bösen Bildern und Artikeln wurde die Angstlust der Pressekonsumenten künstlich herbeigeführt, was manchmal zu vollkommen abstrusen Vorfällen führte. So sollen plötzlich Gesetze gegen die Vollverschleierung erarbeitet und verabschiedet werden, obschon durch diese Verhüllung nie ein Sicherheitsproblem produziert wurde und ein solches Gesetz angesichts von wenigen hundert, tatsächlich vollverschleierten Frauen in Deutschland schierer Blödsinn ist. Verschleudertes Steuergeld.

Mangels eigener Kompetenz haben die Redaktionen „den Islam“ größtenteils selbst nicht im Ansatz begriffen und haben sich deshalb nie um Differenzierungen bemüht. Wenn der „kleine Journalist“ zwar schreibt, aber selbst nicht versteht, wie soll er da einen abgewogenen Artikel produzieren? Und wenn er dies täte und einen Text veröffentlichte, der den Tenor: „Es gibt kein generelles Problem mit dem Islam – sondern nur mit einer handvoll von Extremisten!“, dann würde die Angstlust des Lesers nicht angetriggert und er kauft das Blatt nicht. Das ist ganz einfach. Auch zu verstehen. Nur der Katzenjammer, der jetzt Journalisten wie Hafez umtreibt, zeigt, dass die Redaktionen erst jetzt langsam daran arbeiten, ihr eigenes Tun zu hinterfragen.

Das unausgewogene Medienbild des Islam aber, das kaum positive Aspekte kennt, macht aus der islamischen Sphäre eine Gegenwelt zur westlichen Gesellschaft. Statt Aufklärung, Humanität und Demokratie gibt es dort scheinbar allein religiösen Wahn, Brutalität und Tyrannei.

Genau diesem Effekt versuchte ich sehr bewusst seinerzeit mit meiner eigenen, kleinen „Ägypten-Reihe“ entgegenzuarbeiten. Ich habe Anekdoten, Lustiges, Wuseliges, Lachhaftes, Spannendes aus den Straßen von Kairo berichtet und werde die Arbeit daran wohl auch wieder aufnehmen.
Wer den Islam kennenlernen will, der muss sich auf die Straße begeben; der muss sich einladen lassen in das Alltagsgetriebe einer „normalen“, völlig durchschnittlichen, muslimischen Familie. Nicht als Gast im engeren Sinne, dem gestelzt ein Tee serviert wird, während alle gespannt, vorsichtig und mit großen Augen im Wohnzimmer versammelt sind. Nein. Er muss in die Supermärkte, ins Cafè, auf die Straße, in die Küche. Er muss mitlaufen – quer durch die Menschen, dabei seine westlich/europäisch/christlichen Ängste und Vorbehalte vergessen und sich einlassen. Ich habe dabei Tränen vergossen. Lachtränen. Weil selbst ich immer wieder mit meiner eigenen, völlig verblödeten Prägung zu kämpfen hatte und natürlich mit der Realität kollidieren musste. Dankenswerterweise waren die Anlässe grundsätzlich immer höchst lustiger Natur. Das liegt wohl nicht an mir. Das liegt an der natürlichen Heiterkeit und Offenheit „durchschnittlicher“ Muslime.

Dank unserer „Qualitäts“-Medien aber ist die Chance dafür ganz wesentlich kleiner geworden, weil der Schaden fix und fertig angerichtet ist. Die Angstlust der Pressekonsumenten, die gezielt von „bösen Muslimen“, Bomben, Steinigungen, Schreiereien und Selbstmordattentätern ständig dominiert werden muss um zu funktionieren, hat ihr Ziel erreicht: Misstrauen.

Das Bildungssystem stellt trotz vieler positiver Initiativen weder in der Schule noch in der Wissenschaft ausreichend Wissen über den Islam als Querschnittkompetenz in allgemeinen Fächern zur Verfügung. Spezialisierte Fächer wie die Orientalistik gelten zu Unrecht nach wie vor als Orchideenfächer.

Das ist meiner Überzeugung nach allerdings Absicht. Hier verfolgt die Bundesregierung eine Strategie, die sich nicht ganz zufällig wunderbar von der durch dem Druck von Auflagenziffern korrumpierten Presse flankieren lässt: die Bundesregierung muss zwingend sicherstellen, dass sich ein breites Bildungsdefizit in Deutschland etabliert. Nur miserabel gebildete Bürger lassen sich, wie im Fall Afghanistan geschehen, von einer behaupteten „Notwendigkeit“ zu einem Krieg überzeugen, obschon spätestens beim zweiten Nachdenken klar werden muss, wie unsinnig, zynisch und erfolglos ein solcher Waffeneinsatz ist. Kein wirklich aufgeklärter und gebildeter Soldat ließe sich in eine derartige Mission jagen – es braucht schon eine große Menge von Blöden, um solche Kriege zu führen. Vor deutlich mehr als zehn Jahren roch wenigstens schon mal der SPIEGEL den Braten und titelte angesichts des Einsatzbeginns in Afghanistan:

Müssen die Deutschen das Sterben lernen?

Der Artikel spielte seherisch mit der Idee, dass die zur totalen Ineffizienz herabgesunkene Bundeswehr, die sogar massive Probleme mit der Idee hatte, das eigene Land verteidigen zu können, Erfahrung im kritiklosen Killen und Sterben brauchte, um künftige Einsatzfelder bedienen zu können. Wir wissen nicht erst seit heute, dass Öl endlich ist und dass man, wenn man den eigenen Wohlstand sichern und mehren will, einst einmal die restlichen Ressourcen von ihren rechtmäßigen Eigentümern freischießen muss.
Es galt, den Spagat einzuüben zwischen offiziell dahergebeteten „Werten“, die man ja angeblich verfolge und den blutigen Raubzügen, die durchgeführt werden sollen. Das bedarf einer breit angelegten Desinformationskampagne beim gleichzeiten „Tieferlegen“ des Bildungsangebots.
Es mussten halt ein paar hundert bis tausend Zivilisten erschossen werden, damit das Schießtrauma der Bundeswehr verschwand. Berlin brauchte Fotos von zurückkehrenden Zinksärgen, damit die Bevölkerung das Hinnehmen von Kriegstoten wieder einübt. Das ist alles gelungen – mittlerweile glaubt die deutsche Bevölkerung, angefeuert von den Auflagenbemühungen der gezielt einseitig arbeitenden Presse, selbst, dass ihre eigenen Kinder für das Öl anderer und deren Privatkonten sterben müssen. Es läuft doch geradezu wundervoll für die Regierung. Mittlerweile zuckt niemand mehr, wenn deutsche Soldaten auf einmal irgendetwas irgendwo „verteidigen“ sollen – obschon sie weit außerhalb ihrer Heimat blutige Angriffe führen.

Das sieht Hafez im Grunde ganz genauso:

Von der Berichterstattung über terroristische Extremisten angefangen hin zum stereotypen Islambild vieler Menschen ist es kein weiter Weg. Große Medien bereiten so den Boden für gesellschaftliche Feindbilder, die ultrarechte Politiker dann politisch aufsammeln.

Zugegeben: das war insgesamt schon eine echte Meisterleistung. Es ist der Regierung mithilfe der willfährigen Presse tatsächlich beinahe vollumfänglich gelungen, eine Sicht auf Menschen unterschiedlichen Werts zu etablieren. Reflexhaft wären mittlerweile viele Bundesbürger dazu fähig, anderen Menschen grundlegende Rechte zu entziehen und den Wert dieser Menschen auf ihre Religionszugehörigkeit zu reduzieren. Es ist schon faszinierend zu erleben, dass Muslimen in Deutschland plötzlich Nacktheit und Schweinefleischverzehr abgetrotzt werden soll – und das von Verordnungen und Gesetzen flankiert.

Doch die Medien beeinflussen das Islambild nicht nur, indem sie Stereotype immer neu verbreiten. Der Effekt ist ein ähnlicher, auch wenn sie kritisch über Islamfeindlichkeit berichten.

Wahnsinn, wie das funktionieren kann! Der Effekt eigentlich wohlgemeinter Veröffentlichungen kann sich mittlerweile in sein Gegenteil verkehren: wenn stereotyp öffentlich besprochen werden soll, dass längst nicht jeder Muslim einen Sprengstoffgürtel trägt wird dadurch erst die Idee populär, dass viele solcher Gürtel getragen werden. Ich muss doch nur lang, ernst und oft genug öffentlich darüber diskutieren, dass eigentlich gar keine Juden das Blut christlicher Babies für ihre Opferbrote brauchen – irgendwann erzeuge ich das Gefühl, dass man als christlicher Nachbar eines Juden vielleicht doch besser auf seine Kinder aufpassen sollte…..

Die mediale Abwertung des Islam bei gleichzeitiger Aufwertung des Rechtspopulismus sind zwei Aspekte, die sich wissenschaftlich unter dem Begriff der Medienmalaise bündeln lassen. Oft ist es nicht die Politik selbst, sondern die zu negative Darstellung der Politik, die Politikverdrossenheit bei den Bürgern erzeugt.

Dies ist ein Effekt, der beweist, dass Verblödung der Massen um sich greift – denn jemand, der gründlich und gut (aus-) gebildet ist, blickt selbst weit genug hinter den medialen Vorhang und versteht selbst. Er ist auf die (gezielte Des-) „Information“ einer BILD-Zeitung nicht nur nicht angewiesen, sondern kauft sie erst gar nicht. Auch hier lauert ein Beweis: die Auflagenstärke der BILD nebst ihres Konsums zeigt, dass große Teile der deutschen Bevölkerung qualitativ höherwertigere und detailreichere Berichterstattung überhaupt nicht (mehr) verarbeiten kann.

Demzufolge räume ich dem Folgenden auch überhaupt gar keine Erfolgschancen ein:

Es gibt schon Reformansätze: ARD und ZDF haben islamische Pendants zum christlichen Wort zum Sonntag im Internet und andere Sendungen zum Thema Islam entwickelt. Der Begriff Islamfeindlichkeit hat es in die Nachrichtensendungen geschafft.

Das kommt um zwei bis drei Dekaden zu spät. Als die ersten Türken in den siebziger Jahren zu uns kamen (nicht weil man sie ließ, sondern weil man sie explizit dazu einlud!), wäre für eine Bildungsoffensive dieser Art der richtige Zeitpunkt gewesen. Heute ist der Schaden angerichtet; die notorisch islamophoben Mit-„Bürger“ wird man wohl nicht wieder eingefangen bekommen und muss tatenlos dabei zusehen, wie diese ihre eigenen Kinder im eigenen Ungeist erziehen.

Auch diejenigen, die für diesen Flurschaden direkt verantwortlich sind, sind größtenteils machtlos dagegen, den von ihnen selbst durch die Geldgeilheit ihrer Verleger ausgelösten Effekt der Islamophobie einzugrenzen:

Die durchaus zahlreichen kritischen und selbstkritischen Journalisten stehen der islamophoben Logik der Nachrichtenproduktion oft hilflos gegenüber.

Und deshalb erleben wir heute wieder einmal einen Punkt „of no return“, wie er schon oft in der Geschichte erreicht wurde und der schon oft dazu führte, dass hunderte, tausende oder hunderttausende Gräber geschaufelt werden mussten. Irgendwann wird es vermutlich einmal gelingen, dem Islam eine faire, objektive Presse zu gewähren und irgendwann einmal wird es wieder böse sein, einen Menschen wegen seiner Zugehörigkeit zum Islam geringzuschätzen.

Aber ob ich das noch erlebe …. ?

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Israel und sein Henker – eine Option?

Der Soldat Elor Azaria wurde im Januar verurteilt und heute steht das Strafmaß für seine Tat also fest: 18 Monate Haft. Er hatte einem Wehrlosen einfach in den Kopf geschossen. Ich hatte mehrfach hier zu diesem Thema geschrieben.

Warum? Weil ich im Hinterkopf an der zugegebenermaßen etwas verrückten Idee herumgebrütet hatte, ob die über Azaria in Israel ausgebrochene, offene Diskussion zu einem wertvollen Dialog, zu einer kritischen Umschau und Positionsbestimmung führen würde. Meine ersten Entdeckungen, während ich durch israelische und arabische Presse in dieser Sache recherchierte, hatten mich zunächst erschrocken: es schien sich eine große Menge israelischer Bürger zu der Auffassung zu versammeln, Azaria solle straffrei bleiben. Stimmen wurden laut, ihm stünde gar ein Orden und eine Belobigung für diese feige wie völlig unnötige Hinrichtung zu.

Die westliche Presse hatte den ganzen Vorfall stiefmütterlich behandelt; als er geschah und Azaria deshalb angeklagt wurde, bemühte sich im Grunde kein ernstzunehmendes Presseorgan um eine Darlegung, die drei Zeitungszeilen überschritten hätte. Heutigen Datums fällt die Berichterstattung zu meinem Erstaunen größer aus; renommierte Blätter widmen sich dem Fall heute detaillierter.

Und aus Ägypten erhalte ich eine ebenso kluge wie weitsichtige Abhandlung. Der Journalist unterstellt dem israelischen Militär völlig zu Recht, mit der medialen wie juristisch recht gut durchgeführten Aktion der Anklage und des Verfahrens international Anerkennung zu erhalten und darzulegen, dass Menschenrechtsverletzungen keinen Platz in der israelischen Armee hätten. Das ist leider nach hinten losgegangen – und es war die israelische Bevölkerung, die der Armee und Justiz einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Von dort sind im Umfeld des Verfahrens zahlreiche Stimmen lautgeworden, und Azaria selbst hat diese Entgegenhaltung offiziell durch seine Anwälte vortragen lassen, dass „hunderte ähnlicher Vorgänge ohne jede Ahndung“ geblieben seien und demzufolge nicht einzusehen sei, dass Azaria nun verurteilt werden solle.

Keine Frage – was Recht ist, muss Recht bleiben: mir scheint nach allen Informationen ein in allen Teilen sauber durchgeführtes Gerichtsverfahren vorzuliegen; die Urteilsbegründung der drei Richter weist (natürlich!) alle Politik weit von sich und konzentriert sich sehr konsequent auf die Beweislage und auf geltendes Recht. Insofern ist sogar dem Urteil selbst in seiner Qualität nichts nachzusagen zu sein.

Israel selbst steht viel zentraler im Licht als der Henkerjunge. Sowohl Naftali Bennett, der ganz offen alle Friedensbemühungen mit Palästina als gescheitert betrachtet und für eine schlichte Annexion weiter wie wichtiger Teile des Westjordanlandes eintritt, hatte sich sehr klar für Azarias Freisprechung positioniert. Er hatte immerhin schon vor Jahren freimütig und wörtlich erklärt, er habe (außerhalb von Kriegshandlungen!) „schon viele Araber getötet. Das ist gar kein Problem“. Damit hat er sich natürlich selbst zu einem geisteskranken und wahnhaften „Herrenmenschen“ erklärt. Dabei ist Bennett nicht irgendein unwesentlicher Geisteskranker, sondern wichtiges Mitglied der Regierung, mit Ministeramt betraut und damit Teil der offiziellen Sprache Israels.

Nein – was mir wirklich noch Hoffnung macht, dass sich Israel vielleicht doch irgendwann von innen heraus selbst reinigen kann ist, dass diese offizielle Sprache des Hasses und des Todes nicht unwidersprochen bleibt und dass deutliche Kritik aus dem Land selbst trotz aller Bemühungen, trotz allen widerstrebenden wie angestrengen Weghörens dennoch gehört wird. Das ist neu. Die Zahl und die Mitglieder von oppostionellen Gruppen steigt stetig und die Größe ihrer Demonstrationen nimmt zu. Eine Vielzahl von Menschenrechtsgruppen ist entstanden

Netanyahus Regierung versuchte, jede Lufthoheit über alle Definitionen zu erlangen und installierten weitreichend die Überzeugung, dass jeder Israeli, der einem Araber etwas anderes wünscht als den Tod, ein Vaterlandsverräter sei. Sie schufen ein Land, in dem Hass und Waffen alltäglich sind. So alltäglich, dass mein jüdisch-israelischer Hausarzt tief erschrocken aus einem Urlaub aus Jerusalem zurückkehrte und mir von seiner Bedrückung berichtete, die er beim Gang durch sein Jerusalem empfand. Der Anblick der vielen Waffen stieß ihn ab, die Härte, die Feindseligkeit.

Die Regierung wird ihr Ziel nur ganz knapp verfehlen; der Umbau in das unselige wie faschistische Konstrukt, das ihr vorschwebt, wird nicht gelingen. Die Zeit und die Welt haben sich verändert, Israel erfährt zwischenzeitlich weitaus mehr Kritik, Ressentiments, Zurückhaltung als je zuvor. Sogar die Bundeskanzlerin hat unter erkennbar fragwürdigen Umständen eine Regierungskonsultation mit Israel abgesagt – und nutzte dafür die die diplomatische Formel der Terminabsage, um Netanyahu für seine immer hysterischer geratende Raserei die kalte Schulter zu zeigen.

Objektiv kann momentan jedenfalls folgende Erkenntnis als gesichert formuliert werden: die Wahrnehmung Israels in der Welt hat sich nachhaltig verändert und die manipulativen Eingriffe seitens der eigenen oder verbündeter Regierungen erzielen weniger Erfolg, werden häufiger öffentlich. In Israel selbst bilden sich progressive Kräfte, die auf Dialog und Frieden setzen.

 

 

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Ein Special für „Ron Jeremias“

„Ron Jeremias“ mag sein, wer immer er will. Für mich steht er für die Gesamtheit aller geistig mal stärker, mal weniger stark eingeschränkten Israel-„Freunde“, die diesem Land dabei helfen, in mittel- oder unmittelbarer Zukunft unterzugehen.

Er steht für mich stellvertretend gemeinsam in einer Reihe mit all den Deutschland-„Freunden“, die im Dritten Reich dabei helfen wollten, die Nazi-Kultur zu verteidigen und zu vermehren – weil sie damals wirklich glaubten, dies sei der richtige Weg.

Betonköpfe, die prügelnd, zündelnd, schießend und beleidigend durch die Weltgeschichte ziehen, habe ich ganz generell schon immer zutiefst verachtet. Denn dies sind die tatsächlich Dummen und Verblödeten dieser Welt, die gern, singend und fröhlich als Schafe ihrem Schlachter in die Arme laufen. Die von jedem, der auch nur über zwei Hirnzellen mehr als sie selbst verfügt, verarscht, betrogen, ausgenommen, und mit Waffen unterm Arm gegen vermeintliche „Gegner“ geschickt werden können.

„Ron Jeremias“ ist so einer.

Ihn hat einer meiner Beiträge zu Israel zutiefst verletzt; die dort dargelegten und recherchierten Fakten tun ihm weh, sie stehen in vollendetem Kontrast zu seinem eigenen Israelbild und würden ihn daran zweifeln lassen müssen – wenn er, wie eigentlich alle seiner unappetitlichen Trollkollegen auch, zum Zweifel überhaupt in der Lage wäre.
„Ron Jeremias“ würde das kritisch betrachten und wahrscheinlich zurückweisen müssen, woran er glaubt, und das ist ihm nicht möglich.

Denn nähme er an, was ich schreibe, würde er sich einzugestehen haben, dass er sein (Phantasie-) Bild von Israel vor der Annahme nicht gut (genug) geprüft hat, was wiederum zu Selbstkritik führen müsste und für ihn den schlechten Geschmack der Erkenntnis hinterließe, tatsächlich zu einer solchen Prüfung intellektuell überhaupt nicht in der Lage zu sein.

Kein Zweifel: die Welt braucht solche „Ron Jeremias“! Ohne sie gäbe es keine Soldaten, die nach Belieben und mit einem Bisschen Schmus überall auf der Welt zum Schießen und Sterben geschickt werden können, wo sich die Profitkurve unserer Konzerne nach unten neigt. Märkte wollen erobert werden und dies braucht ebenso Dumme wie Israel sie braucht, um senen extremistischen und grundaggressiven Kurs weitersteuern zu können.

Aber all diese „Ron Jeremias“ der Welt sind gleichzeitig auch immer die Verlierer; wenn der Kurs, auf den man sie programmiert geschickt hat, nicht mehr genehm ist, werden sie an vorderster Front ganz einfach allein gelassen. Sie werden militärisch oder politisch als Problemrückstand entsorgt, weil ihre Tätigkeit nicht (mehr) opportun erscheint.
„Ron Jeremias“ wird niemals zu den Gewinnern zählen; einerseits, da er im Zuge seiner angestrengt selektiv gestalteten Wahrnehmung nur extrem einseitige Informationen frequentiert und daher um viele Fakten grundsätzlicher Art nicht weiß und andererseits, weil er niemals den Zeitpunkt erkennt, an welchem innegehalten und der eigene Standpunkt kritisch neu bewertet werden müsste.

Alle Selbstmordattentäter heißen „Ron Jeremias“, alle Rechtsradikalen heißen so, alle Israel-„Freunde“ und alle Antisemiten.

Ich habe gar nichts gegen sie.
Sie sind eine Schöpfung wie ich selbst auch und sie folgen ihrem Programm, ihrer Aufgabe und können daraus nicht ausbrechen. Man kann, sagte mir mal ein weiser Bruder, Licht nicht schätzen, wenn man die Dunkelheit nicht will. Physiker wissen wie Muslime auch, dass es nach dem hermeneutischen Grundsatz zu jedem „oben“ immer ein „unten“ und zu jedem „großen“ auch immer das „kleine“ gibt. Ein Zustand, in welchem man immer nur eine Seite der Existenz sieht, muss immer bedenklich sein, weil ein solcher Zustand nur in der Einbildung, niemals aber in der Realität existiert.
Ich hege keinen persönlich gefärbten Hass gegen Kakerlaken zum Beispiel; sie zählen zu meiner Welt ebenso wie Paradiesvögel. In meinem Haus muss ich keine Kakerlaken dulden – deshalb lösche ich alle „Ron Jeremias“-Anwürfe kommentarlos, die sich hier in Form von „Kommentaren“ (die keine sind, sondern nur schwachsinnige Auswürfe) melden.

„Da draußen“, auf der Straße, ist in steigender Tendenz immer mit solchen „Kakerlaken“ zu rechnen und da dürfen sie auch sein.

Wohlan denn .. wer immer glaubt, er müsse sich in einem Kommentarfeld unter meinen Beiträgen austoben, ist dazu immer herzlich eingeladen. Alle „Ron Jeremias“ aber müssen der Möglichkeit eingedenk sein, dass ich ihre „Ausführungen“ einfach nur lösche (größtenteils, ohne sie gelesen zu haben)

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Israel – der Wahnsinn muss in einen Krieg münden!

Es wird schwierig für Israel und es wird eng. Kurzsichtige werden sich vorübergehend noch über die unerwarteten Geschenke aus den USA freuen, die Jerusalem zu einer israelischen Hauptstadt, Palästinenser entrechten und Siedlungen demnächst ausbauen könnten.

Benjamin Netanyahu weiß das und hat die für ihn höchst unangenehme Aufgabe, die Folgen seiner politischen Haltung nun selbst einzugrenzen – um nach Möglichkeit nicht tun zu müssen, was er vorgeblich seit Jahren zu erreichen versucht. Eine bizarre, groteske und vor allem für Israel ganz extrem gefährliche Situation.

Netanyahu weiß, dass er unter keinen Umständen auch nur die US-Botschaft nach Jerusalem umziehen lassen darf. Ihm ist vollkommen klar, dass dies die höchst fragile Waffenruhe zwischen ganz Arabien und Israel schwer erschüttern wird. Viele der Despoten in den Golfstaaten müssen aufgrund mehrerer Faktoren um ihre Zukunft fürchten: das Öl beginnt zu versiegen, der Spaß aus seiner Förderung wird geringer und in den Köpfen der Menschen beginnen die Eisenklammern aufzusprengen, die ein lautes Nachdenken über Israel bisher mithilfe der rohen Gewalt ihrer Regierungen verhindern konnten. Schon 2011 hat sich die Welt allgemein und die ganze Nahostregion im Speziellen schwer darüber erschrocken, welche Menschenmassen sich nach dem Fortjagen von Hosni Mubarak in Ägypten durch Kairos Straßen gewälzt, die Aufgabe des ungeliebten Friedensvertrags mit Israel und Feindschaft gegen Netanyahu gefordert hatten. Es kam auch zu feindseligen Übergriffen auf die israelische Botschaft. Unter anderem auch deswegen goutierte der Westen den Militärputsch und lebt pragmatisch gut mit dem folternden, schießenden und politisch wie wirtschaftlich total versagenden Diktator al-Sisi.
Und wieder sind es die Kurzsichtigen, die den Schwelbrand nicht registrieren, der knapp unter der Oberfläche in ganz Arabien zu immer mehr Hass und Feindseligkeit Israel gegenüber führt – und dessen offenen Ausbruch wohl keiner der Despoten am Golf überleben könnte.

Der Westen verhält sich wie ein Fensterputzer, der am fünfzehnten Stock aus seiner Gondel fällt und sich beim Erreichen der zweiten Etage auf seinem Flug mit der Erkenntnis beruhigt: „Na. Bisher ist doch alles gut gegangen.“

Der Aufschlag wird hart werden – und wenn die ganze Welt Glück hat, dann reduziert sich die Gefahr auf ein paar hunderttausend Tote, die aus dieser Ignoranz entstehen können.
Und genau das ist Netanyahus größte Not: er ist ein Dackel und hat sich vor den Kameras der Welt und den Rechtsradikalen in seiner Regierung als Deutsche Dogge verkauft. Jahrelang hat er gebellt, dass er irgendwann dem Rottweiler aus der Nachbarschaft den Knochen Palästina einfach wegnehmen wolle – und nun schubst man ihn an die Gartentüre des Rottweilers und sagt: „Jetzt geh und tu einfach, was Du schon immer wolltest: bring den Rotti um und hol dir jetzt den Knochen.“

Der Rotti ist nicht allein. Dutzende von arabischen Staaten leben in Unruhe und ihre Mühe, den Gärvorgang der Wut auf den Westen und Israel zu ersticken, zeigt immer weniger Erfolg.

Aus dieser Angst heraus, in einen ungewollten und vernichtenden Krieg hineinzuschlittern, der tatsächlich „von der Straße aus“ initiiert und von der Drohung, andernfalls die Regierenden hinwegfegen zu wollen flankiert ist, haben etliche Golfherrscher im letzten Jahr beinahe verzweifelt ein Geheimtreffen in Jordanien arrangiert. Dabei anwesend waren der US-Außenminister John Kerry, der Gastgeber Jordanien, der für einige seiner Nachbarn sprach, der ägyptische Diktator und Benjamin Netanyahu. Arabien machte Netanyahu hierbei sehr weitreichende Zugeständnisse; so wollte man zum Preis des Siedlungsstops bzw. der Aufgabe von Siedlungen Israel zähneknirschend als „jüdischen Staat“ anerkennen. Mit im Angebot war die Anerkennung Jerusalems als „gemeinsame Hauptstadt von Israel und Palästina“, was der UN-Gründungscharta zu Israel klar widerspricht, denn dort ist explizit geregelt, dass niemand Jerusalem als Hauptstadt in Anspruch nehmen darf. Dieser ursprünglich arabische Vorstoß, den Kerry seinerseits nicht ersonnen, sondern nur übernommen hatte, wurde von Netanyahu ebenso brüsk zurückgewiesen wie jedes andere Angebot auch. All die Angebote aus Arabien hatten eine endgültige Friedenssituation zum Ziel und zum Preis des Friedens wären die Menschen Arabiens vermutlich willens, wenn auch mit einer Faust in der Tasche, hinter die UN-Charta zurückzufallen.

Faszinierenderweise hatte sich Netanyahu bei diesem Geheimtreffen am 20. Februar 2016 verplappert: er gab zu, persönlich nicht in der Lage zu sein, seiner eigenen, radikalen Regierung diese Vorschläge zu unterbreiten – und da sah man ihn wieder, den zur Dogge getarnten Dackel.
Netanyahu mauerte bei diesem Treffen und gestand gar nichts, überhaupt nichts zu, was den Kurs Israels irgendwie zugunsten eines Friedens relativieren, weicher machen könnte. Insider und Begleiter dieser Unterredung stellten ernüchtert fest, dass Netanyahu gar nichts bedachte oder erwog, sondern ausschließlich nur Bereitschaft zu einem weiteren der völlig unnützen und sinnlosen Treffen mit Mahmoud Abbas zeigte. Wohl fast weinerlich zeigte er damit den vermutlich recht erschütterten Unterhändlern, wie machtlos er im Grunde ist und das ihm gar nichts gelingen kann, was den Fantasien der Extremisten in seiner Regierung nicht schmeckt.

Netanyahu bewies damit, dass er tatsächlich vollkommen unfähig ist, eine große, vielleicht sogar sehr große und breit vernichtende Auseinandersetzung selbst dann zu vermeiden, wenn er selbst ganz gegenteiliger Meinung und Absicht ist. Er KANN nicht. Er MUSS diesen allumfassenden Krieg und die vollendete Destabilisierung der gesamten Region nebst Israel selbst hinnehmen und führen. Er wird als „Held“ wider Willen auf seinem Weg von seinen Anhängern nach vorn gestoßen. Fast muss man das als tragisch betrachten; wenn erst der letzte Schuss im bevorstehenden Krieg gefallen und die letzte Rakete eingeschlagen sein wird, wird man diese Tragik über den offenen Gräbern erkennen und beweinen.

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Israel – wenn Zwiebeln Politikern beim „Trauern“ helfen müssen.

Also gut. Je mehr ich über das Thema nachdenke, desto überzeugter bin ich davon, dass ich unter keinen Umständen einen neutralen oder gar objektiven Ton beibehalten kann. Dieser Text wird mir ganz sicher zur beißenden Satire verkommen …. was möglicherweise daran liegen kann, dass die sachlichen und nüchternen Informationen viel zu schrill sind, um (von mir) anders behandelt werden zu können.

Aber von vorn. Was ist der Anlass der Überschrift?

Der israelische Wirtschaftsminister Arye Deri brach bei einer Aufzeichnung seiner Wahlrede aus Trauer über den dahingegangenen Rabbi Ovadja Josef in Tränen aus.
Zugegeben: bis hierher ist eher nichts lustig.

Man ziehe sich das folgende Video zu Rate:
https://www.youtube.com/watch?v=3QwieaWhjPo

… Und jetzt beginnt es wirklich schrill zu werden. Deri reibt sich Zwiebelsaft in die Augen, um am Mikrophon passend weinen zu können.

Aber wer eigentlich ist Arye Deri und wer ist Ovadja Josef …. ?

Rabbi Yosef ist der Gründer der ultraorthodoxen Schas-Partei, der er als maßgeblicher Vordenker bis zu seinem Tode angehört und deren Politik vornehmlich mit bestimmt hatte. Josef war ein meiner Meinung nach vollständig geisteskranker Extremist, der in seiner Raserei die im Holocaust umgebrachten Juden selbst bezichtigte, schlimme Sünder gewesen zu sein, weshalb Gott sie zur Strafe alle habe sterben lassen. Deshweiteren betrachtete er den Hurrican Katrina, der New Orleans beinahe vollständig dem Erdboden gleichgemacht hatte, als "Strafe Gottes".
Noch im Jahr 2010 lehrte Josef, dass alle Nichtjuden von Gott nur als Diener von Juden geschaffen und daher vollständig rechtlos seien. Man könne sie ganz nach Belieben töten und solle dabei allerdings Babies und Kleinkinder nicht verschonen, da aus ihnen später Feinde werden könnten.
Auch Josef folgte der in Israel durchaus verbreiteten Ansicht, dass Palästinenser Ungeziefer seien und, wie er ausführte, dass man mit Raketen auf sie schießen und sie ausrotten müsse. Jeder halbwegs normale Mensch würde höchstens Freudentränen vergießen, wenn Allah das Leben solcher gefährlich verrückten Leute beendet, noch bevor sie größeren Schaden anrichten können.

Über den Verlust eines solchen Rabbis also bracht Arye Deri unter Zuhilfenahme von Zwiebelsaft theatralisch in Tränen aus. Ich habe selbst von den schlimmsten Kreischern im Islam kaum widerwärtigere Auswürfe vernehmen müssen als von diesem Josef.

Über Deri selbst gibt es auch Interessantes zu berichten – selbst wenn es aufgrund der recht bizarren Häufung der Vorkommnisse in der gesamten Regierung Israels kaum Beachtung erfährt: Deri wurde am 03.09.2000 rechtskräftig wegen Korruption, Betrug und Amtsmissbrauch zu vier Jahren Haft verurteilt. Er dürfte damit allerdings noch zu den "Guten" zählen, da zu diesem Schuldkonto sehr häufig bei seinen Ministerkollegen noch sexueller Missbrauch und Vergewaltigung hinzugezählt wird.
Dabei ist ihm sogar noch zugute zu halten, dass er sich lange und vehement für einen Frieden mit Palästina und für eine Teilautonomie eingesetzt hatte. Für Israel selbst vertrat er allerdings auch Positionen im Rahmen der Sozialpolitik, die einige Israelis die Entstehung einer Theokratie befürchten ließ.

In was für einem bedauernswerten Zustand ist die israelische Regierung! Netanyahu hält mit letzter Mühe ein zerbrechliches Konstrukt zum Teil höchst gefährlicher Extremisten, ja ganz offensichtlich gefährlicher Geisteskranker zusammen und hält Rassisten die Stange, weil sie ihm die Macht erhalten.

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Industrielle Menschenvernichtung als „Spaß“. Aha.

Es gibt im Internet sehr viele Formate und Angebote, die zumindest indirekt ein konsequentes Fortschreiten allgemeiner Verblödung zum Ziel haben. Die Idee, dass dumme Konsumenten unkritisch und für Anbieter höchst bequem nichts als Entertainment nachfragen und damit auch bizarre politische Aussagen transportieren, ist erstens nicht neu, zweitens deshalb nicht überraschend und drittens nicht besorgniserregender als vor zwanzig Jahren etwa, als das Internet selbst kaum eine Rolle spielte.
Da versorgte längst schon die „BILD“ mit ihren halbwegs oder gern auch vollständig zusammengefälschten Nachrichten einen wesentlichen Teil der deutschen Bevölkerungen mit großformatigen Artikeln fragwürdiger Substanz.

Die Bemühungen dieser „Informations“-Anbieter, denen aus Überzeugung keine einzige deutsche Bundesregierung jemals etwas entgegengesetzt hat, tragen Früchte. Große Teile der Internetuser sind tatsächlich grundlegend verblödet. Nur so kann erklärt werden, dass dumme Jungs mit kreischendem YouTube-Angebot Furore machen, großen Erfolg haben und zum Teil viele Millionen Klicks für ihre bizarren Beiträge erhalten.
Einer dieser sehr dummen Jungs nennt sich „PewDiePie“, heißt im wirklichen Leben Felix Kjellberg und tritt ganz gern schon mal in braunen Uniformen vor die Kamera und wie ich lese, weisen zumindest neun seiner YouTube-Videos knallharte Nazi-Elemente auf.

(Zitat: DIE ZEIT)

Er habe lediglich zeigen wollen, wie „verrückt die moderne Welt“ sei. In keiner Weise unterstütze er „irgendwelche hasserfüllten Einstellungen“ und er sei davon überzeugt, dass sein Publikum von ihm keine politischen Kommentare erwartet, sondern bloß Unterhaltung. Er verstehe aber, „dass die Witze anstößig waren.“

Kjellberg ist meiner Meinung nach damit kein geringerer Idiot als Böhmermann, der ebenfalls nur unter dem Schutz weltweiter Empörungshaltung gegen Erdogan ein wenig mitverdienen wollte und deshalb davon überzeugt war, dass seine geschmack- wie stillose Schreierei ungestraft bleiben und ihm noch mehr Aufmerksamkeit und grinsendes Schulterklopfen eintragen würde. Böhmermann ging es wie Kjellberg überhaupt nicht um die Sache, sondern nur um die noch etwas schrillere Schreierei, um das Quentchen Aufmerksamkeit mehr, um ein lachend gemurmeltes: „Na, der traut sich was.“
Böhmermann hat sich verhalten wie ein kleines, dickes Kind, das im Schutz der großen Brüder auch mal was Unanständiges, was Böses tun wollte und sich nicht vorstellen konnte, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden – Kjellberg ist ganz einfach nur ein blöder Idiot, der seine eigenen, rechtsradikalen Geschmacklosigkeiten selbst auf Nachfrage zu „bloßer Unterhaltung“ degradiert. Vor solchen Leuten pflege ich auszuspucken, ich verachte sie zutiefst.

Wobei Böhmermann wenigstens noch den Vorteil Kjellberg gegenüber hat, dass er sich an jemandem vergriffen hat, der sich wehren kann. Kjellberg weidet nur eine Symbolik für sich aus, die Aufmerksamkeit und Klicks garantiert – um den Effekt, der dieser Aufmerksamkeit folgt, der aus der Verletztheit von Nazi-Opfern und der Bestätigung sonstiger Rechtsextremen besteht, schert er sich nicht.

Diese allgemeine Verblödung und Unempfindlichkeit, die nichts anderes als ausschließlich nur das eigene Wohlbefinden im Fokus und sonst keine anderen Sorgen hat, grassiert gerade in den jüngeren Generationen. Nachhaltiger Hirnschwund, mangelhafte (Aus-) Bildung, völlig abwesendes Interesse an Staat und Politik neben dem einzigen, nachhaltig verfolgten Interesse an qualitativ wie quantitativ maximierten Konsum machen diese Generation größtenteils zu gesellschaftlich wertloser Masse und zu willfährigen Opfern aller erdenklichen Einblasungen, da ihnen mehrheitlich alle erforderlichen, intellektuellen Qualitäten fehlen, die eine gewisse Immunisierung dagegen herstellen könnten. Willfährige Idioten, Polit-Zombies wie der YouTuber „JuliansBlog“, dem als Kommentar auf die Streikaktivitäten der GdL schon mal einfällt zu publizieren, man solle „die Mistviecher vergasen“. Der wird in seiner grenzenlosen Retardierung nicht schlecht gestaunt haben, als er deshalb wegen Volksverhetzung plötzlich verurteilt wurde.

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