Ägypten – das Schießen auf Demonstranten geht weiter.

Heute morgen sind in Ägypten wieder einmal Demonstranten von der Polizei erschossen worden.

Nach dem Morgengebet hat sich ein Demonstrationszug in Giza, einem Stadtteil südlich von Kairo, zusammengefunden und in Marsch gesetzt. Hier an diesem Punkt beginnen nun zwei Geschichten „zu leben“:

1. Ägyptische Medien berichten, es habe sich um „Anhänger der Muslimbruderschaft“ gehandelt, die angeblich eine „Polizeistation angegriffen“ hätten.

2. Die Polizei hat nach Auskunft außerägyptischer Medien und nach Zeugenaussagen unprovoziert und völlig ohne jeden Anlass das Feuer auf die Demonstration eröffnet und dabei sofort scharfe Munition eingesetzt.

Die Unterschiedlichkeit der Geschichten ist die erste Auswirkung des unlängst vom Diktator al-Sisi unterzeichneten „Anti-Terror-Gesetzes“; hiernach darf unter Strafandrohung niemand Informationen in Bezug auf solche Vorgänge verbreiten, die im Widerspruch zu den offiziellen wie öffentlichen Erklärungen der Regierungen bzw. Polizeibehörden oder des Militärs stehen. Der Diktator wünscht diese spontanen Exekutionen weder in der ägyptischen, noch in der ausländischen Medienlandschaft als solche bezeichnet sehen und hinzu kommt, dass er mit dieser massiven Manipulation für all diejenigen, die ihn unterstützen, passende Berichte in den Zeitungen produziert – und damit Geschichte „macht“.

Gemäß der neutralen, außerägyptischen Pressemitteilung eröffnete die Polizei offenbar ohne jede Vorwarnung das Feuer mit scharfer Munition, weil sie den Demonstrationszug auflösen wollte; den behaupteten „Angriff auf die Polizeistation“ hat es überhaupt nicht gegeben, er ist bloße Erfindung. Die offizielle Erklärung der Polizei, es habe vier Tote gegeben, wurde von anwesenden Journalisten sofort bestritten; die korrekte Zahl der Todesopfer und Verletzten kann zur Stunde (noch) nicht festgelegt werden. Die Polizei setzte neben Tränengas und Maschinengewehren auch Schrotflinten ein, die von diesen Flinten gerissenen Wunden sind immer erheblich und großflächig, jedoch nur selten tödlich. Viele der so Getroffenen werden sich unverzüglich und ohne gezählt worden zu sein vom Tatort geschleppt haben oder gerettet worden sein.

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.