Stephen Hawking und die Aliens.

„Außerirdische“ – ha! Das ist für mich ein absolutes Spaßthema! Es hat maximalen Unterhaltungswert und kann ganz ungeheuer spannend werden, wenn man sich mit Aliengläubigen unterhält. „Krieg der Welten“ von H.G. Wells habe ich geradezu verschlungen und nicht viel häufiger amüsanteren Lesestoff gehabt. Wells kam für mich immer gleich nach Ephraim Kishon, dem Großmeister der Satire, dessen Lebenswert ich beinahe zur Gänze gelesen und den ich sogar einmal selbst getroffen habe.

Ich selbst habe gar nichts gegen Außerirdische. Sie sind mit allzu bekannten Wesen verwandt, die bereits seit vielen Jahrtausenden mitten unter uns leben. Wir nennen sie für gewöhnlich „Geister“.

Ich mag Geister und ich mag Außerirdische – nur ist leider nie auch nur einer davon bei mir vorbeigekommen. Vielleicht aus Höflichkeit weil ich sonst verunsichert wäre, welche Tentakel ich zur Begrüßung schütteln sollte?

Denn nämliche sind grundsätzlich immer dann vollständig und restlos verschwunden, wenn man ihnen mit überzeugender, leistungsstarker Technik auf den Leib rücken will. Was eben noch klopfte, stöhnte und einen anfasste, ist auf einmal weg. Dabei gibt es „Fotos“ in Hülle und Fülle von ihnen. Aliens sind aus gleichem Stoff gewebt; auch von ihnen existiert keine einzige, verwertbare, überzeugende oder nachvollziehbare, zu analysierende Spur. Aber dafür hunderttausende von „Fotos“ und viele, viele „Filme“.

Der Astrophysiker Stephen Hawking, durch seine aufsehenerregenden Entdeckungen und Schlussfolgerungen international bekannt, ja regelrecht berühmt, irritiert in letzter Zeit durch Äußerungen der eher etwas abstrusen oder auch abwegigen Art: unlängst behauptete er ohne den sonst bei ihm gewohnten Beweis, dass es seiner Ansicht nach gar keinen Gott gäbe und heute will er sich finanziell erheblich an einem Projekt beteiligen, welches gezielt Kommunikation mit Aliens zustande bringen will. Über seinen Geisteszustand will ich nichts sagen; ein Dummkopf kann er unmöglich sein und Humor hat er wohl auch. Was ihn allerdings nun dazu trieb, mit Kleinkindermärchen Furore zu suchen und unhalt- wie unbeweisbare Äußerungen zu machen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft völlig.

Dafür schätze ich seine seriösen Entdeckungen und Erläuterungen nicht weniger; obschon ich sie als Kaufmann nur in marginalen Ansätzen verstehe und auf kenntnisreiche Darlegungen von Experten angewiesen bin habe ich doch immer verstanden, dass er die Astrophysik um entscheidende Gedanken, Analysen, Werte und Folgerungen bereichert hat.

Alles, was Mythen und Mystik angeht, macht mich grundsätzlich immer sehr vorsichtig und im täglichen Leben bewege ich mich immer auf einer dicken Betondecke namens „Wissenschaft“. Man hat mich wohl das letzte Mal in meinen Kindertagen mit einem „bösen Watz“ erschrecken können und ich enttarnte lange vor meinem zehnten Lebensjahr meinen Schwimmlehrer im Nikolauskostüm. Er kam nie wieder.

Die Menschen wollen glauben – die wenigsten wollen wissen.

Und die meisten wollen Märchen und deshalb glauben sie bereitwillig vieles, wogegen sich ihr normaler Sachverstand eigentlich zur Wehr setzen müsste und was kaum einer genaueren Überprüfung standhält. Märchen und Mythen, Außerirdische und Geister, definieren für uns das Unbekannte und Bedrohliche, das Namenlose ebenso wie das Befürchtete. Sie spielen sich immer genau dort ab, wo wir gerade nicht sind und nicht hinschauen können. Als Kind träumte ich bei abendlichen oder gar nächtlichen Autofahrten und starrte durchs Fenster. Da, jenseits der Bäume am Straßenrand, im Dickicht, in der Schwärze der Nacht, da tobte der Teufel gackernd vor Vergnügen durch den Wald, da tanzten Elfen auf den Lichtungen im Sternenglanz und da hob der Wolf seinen Kopf und schaute in den Mond. Vermutlich sind dort auch die Außerirdischen gelandet, wenn ich damals nur von ihnen geahnt hätte.

Hawking sagte unlängst zu meinem Missvergnügen, die Welt käme angeblich auch ganz gut ohne einen Gott aus und es würde schon ein Tag dämmern, an welchem uns der Beweis für die Gottlosigkeit unseres Daseins in den Schoß fiele. Ich bezweifele seine Kompetenz nicht – aber hier fischt er in Gefilden, für die er keinen Köder, keine Angel hat und wo es keine Fische gibt. Auf die Nachfrage des Reporters, auf welche Hin- oder Beweise er sich da stütze, gab er erfrischend offen zu Protokoll, dass er weder das eine, noch das andere habe – sondern nur Vertrauen in die Physik. Das hab ich auch. Allah existiert trotzdem.

Nun fischt er also nach Außerirdischen und unterstützt eine Suchaktion, bei welcher gezielt massiv Funkwellen ins All gerichtet und dann alle Lauscher aufgestellt werden. Deshalb sinkt er nicht in meiner Achtung, bloß weil er plötzlich mit Archäologen und viel teurem Equipment nach dem Stein der Weisen sucht oder nach dem Elixier der ewigen Jugend. Ich finde das bunt, farbig und amüsant; nicht unbedingt passend für einen seriösen Wissenschaftler, aber sehr unterhaltsam. Bedauerlich finde ich es, dass er natürlich nichts findet und damit viele hunderttausend, wenn nicht Millionen Träume und Märchen zerquetscht.

Hach – es gäbe soviele wirkliche, gehaltvolle Märchen!

Wie die Theorie etwa (der ich selbst übrigens anhänge!), nach welcher die Sargkammer des Chufu (genannt „Cheops“) in der Großen Pyramide tatsächlich nie gefunden und dafür in aller Hilflosigkeit ein „Neben- / bzw. Seelengrab“ zur Grabkammer erklärt worden ist. Tatsächlich ruhen bis heute, begraben unter Millionen Tonnen von Stein, vermutlich Dutzende von Tonnen reinen Goldes, hunderte Juwelen und kostbarste Gegenstände neben der Mumie des Pharaos unangetastet in der Pyramide. Ist das nicht herrlich?

Was würde Stephen Hawking wohl dazu sagen?

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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