Israel – das nächste Massaker wird erheblich teurer

Manchmal ist die Diskrepanz der Empfindungen in Bezug auf neue Nachrichten zwischen einzelnen Menschen schier unerträglich. Das Folgende wird von vielen mit großer Freude aufgenommen, produziert Hoffnung, Zuversicht und Stolz – für andere, so wie für mich, ist dies buchstäblich vernichtend, traurig, tragisch und vor allem falsch:

Die Qassam-Brigade ist der militärische Arme der Hamas und mit dieser nicht zu verwechseln. Die Verbindungen zwischen beiden sind zuweilen brüchiger als zu erwarten und hoffen stünde; nicht selten musste die Hamas in buchstäblich letzter Sekunde intervenieren, um einen gefährlichen und falschen Alleingang ihrer Qassam-Brigade zu verhindern.

Abdel-Sattar Qassem, Professor an der Birzeit Universität, stellt eine ungebrochene Aktivität aller Widerstandsgruppen im Gaza-Streifen fest und registriert angestrengte Bemühungen um Fortifikation und Neubewaffnung für den nächsten, israelischen Militärschlag. Die Planung fußt auf der Erkenntnis, dass Israel in etwa alle fünf Jahre mit großangelegten Bombardements, stellenweise mit chemischen, international geächteten Massenvernichtungswaffen, ganz offensichtlich gezielt Massaker an Zivilbevölkerung anrichtet und daher einen Planungsintervall von 5 Jahren sinnvoll erscheinen lässt.

Zwar hatte Israel beim Massaker in 2014 anders als in 2009 diesmal auf die Anwendung von Phosphor-Brandbomben über Gaza-Stadt verzichtet; die darauf erschienenen Bilder von furchtbar zugerichteten, bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Babies fielen international ein wenig zu unappetitlich aus und haben „Freunde“ Israels dazu gezwungen, wenigstens halblaut „Mäßigung!“ zu murmeln. Unterdrückt wurde natürlich die Analyse, dass die Anwendung dieser Waffen nur über klar erkennbaren und sicher identifizierten Ansammlungen feindlicher Streitkräfte „gestattet“ ist – und auf keinen Fall über Gebieten erfolgen darf, die von Zivilisten bewohnt werden. Soviel Gehorsam, in den Medien diese Meldung zu unterdrücken, wurde Israel noch gezollt.

Dafür aber setzte Israel beim Massaker in 2014 auf sehr breit angelegte, stundenlange Kanonaden auf Wohngebiete und zerstörte damit in Form eines Hagels von sprengstoffgeladenen Granaten ganze Wohngebiete.

Die Qassam-Brigaden aber arbeiten, produzieren und entwickeln weiter.

Mittlerweile erhalten die privat zusammengebastelten Qassam-Raketen sogar Modellnummern:

M75 – dies ist das „Standard“-Kurzstreckenmodell; es fliegt in grenznahe Bereiche

R160 – erreicht immerhin nun theoretisch Haifa

J80 – könnte im Anwendungsfall inmitten Tel Avivs für Tod und Zerstörung sorgen.

Die Produktion bzw. Forschung an diesen Systemen wird durch Israel nicht gestört; die Sprengung von ein paar Tunneln, die Seeblockade etwa verfolgen sowieso ganz andere Ziele und nichts davon unterbindet die Versorgung der Brigaden. Besonders bedenklich wird diese Entwicklung für den Fall, dass der Brigade Kampfgase oder andere, chemische Stoffe in die Hände fallen. Durch US- und syrische Produktion finden sich noch immer etliche Mengen davon in der Region verteilt. Hinzu kommt dass Hamas und die Qassam-Brigade gelernt haben, dass Israels gefeiertes „Iron Dome“-Konzept ein Schlag ins Wasser war; einige tatsächlich abgefangene Raketen wurden medial gefeiert aber es wurde nicht weiter erwähnt, dass es bei einigen, gleichzeitigen Starts immer etliche Qassams durch diese „Gummi-Kuppel“ geschafft haben. Die Brigade wird also im nächsten „Anwendungsfall“ einerseits auf das Überraschungsmoment, andererseits auf Massenstarts setzen und erleben, dass, wie gehabt, maximal 25 Prozent aller gestarteten Raketen abgefangen werden (können) – und der Rest seinen tödlichen Flug ungestört tief nach Israel hinein fortsetzt.

Desweiteren hat sich die israelische Armee vor einigen Fallen entsetzt, die einigen Soldaten das Leben gekostet haben und beim nächsten Massaker wird auch diese recht erfolgreiche Taktik ausgebaut und breit vertreten sein. Spätestens in 2019 also werden ganz erheblich mehr Israelis infolge des selbst angestrengten Massakers sterben und Teile ihrer Städte in Flammen aufgehen oder unter Giftgasnebel verschwinden sehen.

Persönlich halte ich einen Muslimen, der eine solche Rakete startet, für verdammt. Er hat sich dummerweise auf das niedrige Niveau seiner Feinde herabbegeben und verlangt nun wie diese auch nach der Vernichtung von Unschuldigen. Der Qur’an verbietet solche Waffen explizit und definiert die Tötung eines Wehrlosen, eines Nichtkämpfers unter den Feinden als abgefeimten Mord.

Wenn auch die Strategie Israels, gezielt auf Wehrlose, auf Krankenwagen, sichtbar gekennzeichnete, unbewaffnete Hilfskräfte und auf Kinder zu schießen, besonders viel Leid und Wut produziert, dürfen Muslime nicht das gleiche Verbrechen begehen – und der Start von Raketen ist ein solches Verbrechen. Säkulare, gewissenlose Kriegstreiber mögen darin keine Verwerflichkeit erkennen – alle anderen müssen sich schaudernd vor solchen israelischen Soldaten und muslimischen Qassam-Startern distanzieren.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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