Die „Grünen“ – Ihr Abschied von ambitionierter Politik ist vollzogen

Vielleicht ist es ein frühkindliches Trauma. Vielleicht haben sie dem kleinen Cem immer viel zu kalten oder zu heißen Tee hingestellt. Vielleicht haben ihn seine türkischstämmigen Alterskameraden wegen seiner Nase gehänselt oder wegen seines beständig hochgehaltenen, spitzen Zeigefingers und seiner endlosen Tiraden gefoppt. Seine sehr seltsame Abneigung gegen die Türkei muss doch Gründe haben.

Zum Thema: „Wer führt warum Krieg gegen wen?“ sollte Özdemir sich im Hinblick auf die Türkei in Form eines Moratoriums jedweder Aussage enthalten. Man müsste ihm sonst die Frage stellen, weshalb er samt seiner Partei einem Afghanistankrieg kommentarlos und wiederholt zugestimmt hatte. Seit vielen Jahren, eigentlich bereits kurz nach seinem Auftakt, haben internationale Experten diese Intervention als sinnlos, kontraproduktiv und somit als falsch gebrandmarkt. Es half alles nichts. Die GRÜNEN ließen sich noch nicht einmal von Berichten von ihrer Zustimmung abhalten, nach welchen eine hochrangige Delegation russischer Militärs den USA leider völlig ergebnislos angeboten hatte, in Washington von ihren unseligen wie furchtbaren Erfahrungen mit ihrem Angriff auf Afghanistan zu berichten. Sie hatten dem westlichen Bündnis helfen und von dem Krieg abraten wollen – es half nichts.

Aber das ist nur die eine Seite.

Die andere spiegelt die mangelnde Erfahrung und mangelnde Empathie für die Heimat seiner eigenen Vorväter wieder und es müsste sich einmal irgendjemand finden, der ihm bildhaft den Terror der PKK darlegt. Man müsste Özdemir einfach einmal mitteilen, dass die Terrororganisation ungefähr 40.000 Tote zu verantworten und immer recht angestrengt versucht hat, die türkischen Militärs in der Disziplin Folter und Willkür möglichst weit zu übertreffen. Darüberhinaus sollte Özdemir vielleicht einmal weniger Parteirevolverblättchen, sondern mehr objektive und internationale Presse frequentieren; ihm könnte dann klar sein, dass es eine PKK war, die erst vor wenigen Monaten Ankara ganz offen mit Terror für den Fall bedroht hatte, dass die Türkei nicht umgehend Waffenhilfe in Ain al-Arab („Kobane“) leistet.

Vielleicht verwirrt Özdemir zusätzlich, dass es seine eigene Partei war, die der Aufhebung des Verbots der PKK in Deutschland vermittels einer Rede seiner Parteifreundin Irene Mihalic am 26.02.15 vor dem Bundestag entgegengetreten war. Wenn ich da mal aus der Rede zitieren darf:

„Auch für einen Gewaltverzicht der PKK gibt es meiner Ansicht nach keine überzeugenden Anhaltspunkte. In offiziellen Äußerungen setzt die PKK die Türkei mit dem „Islamischen Staat“ gleich und sagt, dass beide bekämpft werden müssen.“

Aber was stört einen Özdemir das Geschwätz seiner Partei von gestern?

„Ich sehe ein Land, das ohne Not durch seinen Herrscher ins Chaos gestürzt wird.“

Wenn Özdemir „ohne Not“ sagt, dann drückt er damit aus, dass die liebe PKK offensichtlich keineswegs gemeint haben kann, was sie sagt – jedenfalls, wenn man seiner Parteifreundin Mihalic glauben darf.

Die politische Landschaft wird von professionellen Politikern, die ihre eigenen Standards nicht allzu ernst nehmen und wie eine Angela Merkel aufgrund ihrer Machtorienthiet genausogut in eine „C“DU wie in die „LINKEN“ passen, ganz nach Geschmack heute so – und morgen anders dargestellt.

„Wir können nicht wegschauen, wenn ein Land, das bis gestern noch in die EU wollte, sich unter Erdogan in ein Mini-Pakistan mit einem autoritären Herrscher direkt an der europäischen Grenze verwandelt“

Er schaut aber sehr aufmerksam auf die Wählerwirksamkeit seiner Worte. Die Diskrepanz in dem, was er sagt und dem, was ist, gerät beinahe spaßig. Özdemir arbeitet hier nach der Merkel’schen Agenda eines Politgewinners – denn soviel ist richtig: beide wissen, dass es mit dem Kurzzeitgedächtnis deutscher Wähler nicht weit hin ist, die Leidensfähigkeit aber vermutlich noch sehr viel mehr Geschichtsklitterei, Halbwahrheiten und seltsam gezogene Schlüsse zulässt.

In Zusammenhang mit einer Presse, die dem Verkauf zuliebe bestimmte Nachrichten pusht, andere hingegen zur Randnotiz verkommen lässt, ergibt sich damit ein einseitig belastetes Bild von der Türkei. Plötzlich spricht kaum noch jemand davon, dass es ein Erdogan war, der das Demonstrationsrecht in der Türkei von polizeilicher und militärischer Bedrückung befreite und damit genau die Demonstrationen damit erst ermöglicht hatte, deren Inhalt ihm heute vorgeworfen wird. Das sieht mir persönlich nicht so sehr nach einem „autoritären Herrscher“ aus. Bisher wurde auch noch keine Vermutung kolportiert, nach welcher die zurückliegenden Wahlen, die Erdogan zu dem gemacht haben, was er war und ist, irgendwie gefälscht oder manipuliert gewesen wären. Wie Özdemir zu dem Ausfall, die Türkei geriere sich zu einem „Mini-Pakistan“, gekommen sein könnte, entzieht sich meiner Fantasie.

Özdemir möchte offensichtlich die liebe PKK zu „lupenreinen Demokraten“ erklären – weil es ihm augenblicklich gut in seine populistisch angelegte Strategie passt. Richtet sich jedoch Terror mittelbar gegen ihn selbst, dann wird er weinerlich, obschon ihm kein Härchen gekrümmt worden war:

Die Neonazis verfolgten ihn während seines gesamten Rügen-Aufenthalts, machten Fotos. Auch einen NPD-Stand bauten die Rechten auf, anscheinend unangemeldet. „Jeder anderen Partei wäre dies untersagt worden.“ Auch als der Grünen-Chef mit seinen Parteifreunden später noch in ein Lokal gehen wollte, haben sich dort schon die Neonazis breitgemacht, berichtet Özdemir.

So beschreibt „BILD“ eine Talk-Show, an der auch Özdemir zum Thema Rechtsradikalismus teilgenommen hatte. Warum Özdemir aber militärische Angriffe der Türkei auf eine gewaltorientierte und bekennend türkeifeindliche PKK verurteilt, wird umso unverständlicher.

Da sich bisher keine Kritik aus den GRÜNEN gegen die undifferenzierte, ebenso platte wie substanzlose Kritik Özdemirs an Erdogans Vorgehen vernehmen lässt, vertritt er also die Position der Partei – und macht sie deshalb ebenfalls zu politischen Haien, die völlig instinktgesteuert, beinah automatisch, der Blutspur im Wasser in Richtung Macht folgen und darauf ihre Politik ausrichten.

Tja – das wars dann wohl. Obschon ich zugeben muss, die GRÜNEN noch nie gewählt zu haben kann ich nur feststellen, dass dies auch für die Zukunft gilt: die sind nicht wählbar.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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