Israel – die Lüge als Staatsdoktrin

Ein bisschen Appeasement muss wohl sein: am Wochenende meldete sich die israelische Staatsführung zu Wort und fand starke Ausdrücke. Zugleich veröffentlichen westliche Magazine großformatige Fotos von trauernden Israelis, denen ob des Todes um die von einem Extremisten bei der Gay-Parade niedergestochene Shira Banki, die Augen von Tränen überlaufen. Herzzerreißend. Wirklich.

Israel besteht aus einer Gesellschaft, die das Zurkenntnisnehmen hunderter von Fotos mit eisigem Schweigen ganz einfach verweigert, die entsetzlich entstellte Babies zeigen, die von den Phosphor-Brandbomben Israels im Jahre 2009 qualvoll zu Tode verbrannt wurden. Langsam übrigens, Phosphorfeuer frisst sich sehr, sehr langsam in die Haut und ist durch nichts, weder durch Luftabschluss noch durch Wasser zu löschen.

Wenn ich es verantworten könnte, dann würde ich hier eine ganze Reihe von Links veröffentlichen, die Zugang zu diesen Fotos gewähren. Es sind keine Fotos von irgendwelchen Aktivisten, sondern solche, die Ärzte zur Dokumentation des unvorstellbaren Grauens geschossen haben. Ich kann die möglichen Folgen allerdings nicht verantworten, weil die Bilder in der Tat Traumata auslösen können. Nicht nur das Bildmaterial als solches, sondern darüberhinaus die schiere Fülle dieser Fotos entfacht ein Grauen, das sich für lange Zeit auf die Seele legt.

Wenn ich dann im SPIEGEL-Online Sätze lese wie diese:

Mit Ali und Shira haben die Opfer des jüdischen Terrorismus plötzlich ein Gesicht bekommen.

… dann wird mir speiübel und ich frage mich, wie das Wort „plötzlich“ dort hineinrutschen konnte. Ich frage mich und die ganze Welt aufrichtig und ganz ernsthaft:

Wie kann das sein, dass uns der Tod dutzender, qualvoll verbrannter Babies und vieler anderer unbekannt geblieben ist? Hat denn hier niemand die vielen Fotos und Filme der über Gaza-Stadt gezündeten Phosphor-Brandsätze gesehen?

Hat sie niemals irgendjemand hinterfragt? Hat man hier etwa angenommen, dass sich die vielen hunderte Bomblets, die sich in der Höhe über Gaza-Stadt vom Geschoss getrennt haben und mit dicken, weißen Spuren zu Boden gegangen sind, auf dem Pflaster in duftende Rosen verwandelt haben?

Ist es nicht bezeichnend, dass Präsident Revlin, als er am Wochenende eine Rede hielt, die das Ausland beschwichtigen ssollte, ein Proteststurm, ein veritabler Shitstorm entgegenschlug? Bloß, weil er den blutigen Anschlag von extremistischen Siedlern im Westjordanland als „Terror“ bezeichnete?

Man muss sich darüberhinaus fragen, warum Israel diesen Vorgang plötzlich für die Welt überhaupt als „Terror“ empfindet, wo doch brutale wie z.T. extrem blutige Anschläge auf Araber in Israel mittlerweile niemanden mehr aufregen. Längst ist es kein Einzelfall mehr, dass sich gelangweilte Jugendliche zusammenrotten, mit beispielsweise Eisenstangen bewaffnen und in der Horde gezielt Araber zusammenschlagen. Und es ist auch kein Einzelfall mehr, dass die Verletzten einfach liegengelassen werden und israelische Polizei tatenlos weiterzieht – und noch nicht einmal einen Krankenwagen ruft.

Aber hier gibt es ein tödliches, eisiges Moratorium auf der Welt – dieser Wahnsinn wird ganz einfach nicht gemeldet. Er findet auf Wunsch der israelischen Führung in den Medien ganz einfach nicht statt; ebensowenig wird breit wie offen diskutiert, dass Israel hunderte von Minderjährigen inhaftiert und systematisch foltert.

Die Welt, und auf dieser ganz vorn Deutschland, erstickt Palästina ganz offen mit einer rosafarbenen Decke der „Freundschaft“, die es über Israel wirft. Durch ganz gezielte Blindheit wird Palästina erdrosselt; in der Öffentlichkeit präsentiert sich Israel dank dieser Hilfe als „armes Opfer“ und schießt, foltert, verhaftet und verbrennt Menschen.

Für die israelische Regierung ist die Lüge Staatsdoktrin; nichts wird als das beschrieben, was es wirklich ist und vieles wird gar nicht beschrieben. Deshalb ist der angebliche „Aufschrei“ in Israel nichts als eine ganz entsetzliche, systemisch aufgezogene (Lebens-) Lüge. Es wird sich daran nichts ändern, weil sich daran nichts ändern kann: der Extremist Netanjahu ist politisch dringlich auf die Rechtsradikalen angewiesen und selbst, wenn er es wollte, könnte er sie weder zügeln noch zurechtweisen, ohne sein eigenes, politisches Überleben sofort zu beenden. Deshalb führen auch konsequenterweise keine Ermittlungen zu einem Ziel – oder sie münden in ein von den Behörden zusammengelogenes Szenario, dass Täter straffrei halten soll. Üblicherweise schießen Polizei und Soldaten Palästinenser nieder und behaupten anschließend, sie hätten angeblich in Notwehr gehandelt, weil sie angegriffen worden seien. Gerade in den letzten Wochen häufen sich Videoaufnahmen, die natürlich etwas ganz anderes zeigen – beinah alle Getöteten hatten sich (mitunter zur Flucht) erkennbar abgewandt und waren unbewaffnet, als sie von Kugeln in den Rücken getroffen wurden. Aber das ist bekanntlich nie „Terror“ – das ist dann immer „Notwehr“. Der Vorwurf des „Staatsterrorismus“ Israels manifestiert sich in der Beobachtung, dass auch nach Präsentation dieser Videoaufnahmen weder eine Neuaufnahme von Ermittlungen, noch die Festsetzung der (immer bekannten und identifizierten!) Todesschützen erfolgte. Es blieb halt dennoch immer bei „Notwehr“.

Ganz Israel hofft, dass es zu keinem derartigen „Aufschrei“ mehr kommt – und dass künftige Massaker wie gewohnt wieder außerhalb der Öffentlichkeit gehalten werden können. Diese Schmierereien, blutigen Angriffe seitens der extremistischen Siedler, die sich feige aus ihren illegalen Siedlungen herausschleichen, sind seit Jahren ebenso üblich wie Todesfälle in der Folge.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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