Israel – Zahlen und Fakten zu extremistischem Hass

Nachdem sich die europäische Öffentlichkeit über den neuerlichen Vorfall im Westjordanland entsetzt, bei dem ein 18 Monate altes Kind lebendig verbrannte, entsetzen sich aufmerksame Beobachter der Region über genau dieses „Entsetzen“ – denn das ist, zumindest seitens der Politik, nur kaltschnäuzige Heuchelei.

Es ist die israelische Menschenrechtsaktion B’Tselem, die acht Vorfälle seit 2012 zählt, bei welchen palästinensische Gebäude von rasenden, israelischen Extremisten angezündet worden sind. B’Tselem betont, dass die israelische Regierung durch ihre Verweigerung, Gesetze gegen derartige Übergriffe zu verstärken, zu solchen Anschlägen zumindest indirekt ermuntert.

Noch am vergangenen Sonntag wurde der 56-jährige Amad Abu Sharah, ein palästinensischer Bürger Israels, in der Stadt Lod von drei Angreifern brutal zu Boden geprügelt. Er wurde aufgrund seiner arabischen Abstammung angegriffen; die Täter sind, wie üblich, geflüchtet – und werden ganz sicherlich nie gefasst. Die Ermittlungen werden, wie üblich, sehr bald eingestellt werden. Sollten die Täter dennoch aufgrund eines Fehlers gestellt und angeklagt werden, dann findet sich bestimmt auch diesmal eine „Notwehr“-Situation für sie. Irgendwie. Darauf hat die israelische Justiz in solchen Fällen abonniert.

Der Journalistin Susan Abulhawa zufolge sind seit dem Jahr 2002 insgesamt 1.895 Kinder durch extremistische Siedler oder israelisches Militär zu Tode gekommen. In keinem einzigen Fall wurde ein Schuldiger zur Verantwortung gezogen.

Das United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) registriert etwa einen gewalttätigen Übergriff pro Tag durch israelische Siedler und zählt allein für 2014 insgesamt 399 solche Überfälle.

Da mutet das innerisraelische „Aufschreien“ doch insgesamt unglaubwürdig und speziell auf die Regierung bezogen sehr verlogen, heuchlerisch an. Sogar die Rede des Präsidenten Israels, Reuven Rivlin, stieß auf eine Welle der Ablehnung und scharfer Kritik; vielsagend nichtssagend murmeln israelische Ermittlungsbehörden, man prüfe, welche der Rückläufer aus der Bevölkerung auf der Facebook-Seite des Präsidenten offen zu Hass und Gewaltanwendung gegen ihn aufriefen. Das Bild, nach welchem spätestens jetzt nicht mehr von einzelnen, isoliert auftretenden und handelnden Verrückten, sondern von einer durchaus breit angelegten Bestätigung getragenen Bewegung gesprochen werden muss, rundet sich immer weiter ab. Und diese Bewegung hat machtvolle Unterstützer; Netanjahu kann auf die Radikalen und Rassisten nicht verzichten, da seine eher schwachbrüstig aufgestellte Regierung ansonsten zerbräche.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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