Ägypten ./. USA – Dumpfreligiöses Pack regiert.

Es gibt sogar unter vermeintlich hochentwickelten, kultivierten Industriestaaten solche, die sich (zuweilen alkoholkranke) Psychopathen auf den Präsidentensessel setzen und ihnen die Macht geben, hunderttausende von Menschenleben auszulöschen und ganze Staaten von der Erdoberfläche wegzuradieren. Während mehrere Dutzend Länder unter solchen politischen Monstrositäten leiden und verzweifelt einen möglichst unblutigen Weg zu ihrer Entfernung suchen, werden diese Psychokrüppel woanders völlig legal gewählt und inthronisiert.

Unvergessen die TV-Aufnahme eines solchen behinderten Präsidenten, der völlig relaxed mit seinem Golfcaddy um sein Sommerhaus kurvte und unvermittelt auf einen kamerabewaffneten Journalisten traf. Seine Leidenschaft für Interviews war sattsam bekannt – und so hielt er auch an, lächelte dem Journalisten zu, kassierte auch eine spezielle, politische Frage und schaute sich absichernd nach allen Seiten um. Mit diebischem Vergnügen stellt er fest, dass seine Krankenschwester nicht um die Ecke linste und lachte dann ins Mikrophon:

Jetzt ist Condi nicht da. Sie verbietet mir immer, Interviews zu geben, wenn sie nicht da ist.

Und so gab er ein Interview und hat sich erstaunlicherweise nur ganz wenig dabei verplappert.

Unvergessen auch der Moment, den ein arabischer Diplomat beschrieb und seinen Namen nicht damit in Zusammenhang gebracht sehen wollte. Da er internationale Verwicklungen und massive Auswirkungen für seine persönliche Zukunft befürchtete, schilderte er den Augenblick, den er mit dem US-Präsidenten G.W.Bush einsam teilte der Presse nur anonym. Was diesen Diplomaten nachhaltig verstörte war der Umstand, dass Bush ihm frisch und frei im Plauderton mitteilte, dass er ja in „göttlichem Auftrag“ handele und dem Nahen Osten auf „Befehl Gottes“ Frieden bringen solle – koste es, was es wolle.

Das ist keine gute Situation.

Wir teilen uns diesen Erdball nunmal mit einigen Leuten und es gibt einige Konfessionen und sonstige, säkulare und politische Bekenntnisse. Deshalb darf global als kommunikative Drehscheibe nur ein nüchtern-neutrales Wertegeflecht für alle Menschen der Welt herrschen – und so in etwa ist die UN ja auch angelegt. Wenn man dann religiös behinderte und sonstwie durch psychische Krankheiten beschwerte Menschen in machtvolle Positionen hievt darf man sich nicht wundern, wenn sie eine dicke Blut- und Vernichtungsspur hinter sich herziehen.

Der ägyptische Diktator Abdel Fattah al-Sisi ist ebenfalls von einer schwiemeligen, fragwürdigen und etwas bizarren, religiösen Fieberphantasie geschlagen. Aufmerksamen Beobachtern Ägyptens ist natürlich das massive Ungleichgewicht zwischen dem, was der Diktator sagt und dem, wie er entscheidet, längst aufgefallen. Ich fand auf der Webseite eines im Nahen Osten angesiedelten, gut und ordentlich arbeitenden Nachrichtenmagazin einen Text, der meine eigenen, schlimmsten Befürchtungen noch weit übertraf:

Er glaubt, von Gott zum Präsidenten berufen zu sein. In einer geleakten Konversation mit einem Journalisten der al-Masry al-Youm enthüllte al-Sisi, dass er eine religiöse Vision hatte, in welcher er ein Schwert mit den in Blut eingravierten Worten schwang: ‚Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist Sein Prophet‘ * und in dieser Vision sah er den durch ein Attentat umgebrachten Anwar al-Sadat, der ihm versprach, Präsident zu werden.

(* Anmerkung: dieser obskure „Schriftzug auf dem Schwert“ bezieht sich auf die islamische „Shahada“ – das Glaubensbekenntnis aller Muslime)

Da wundert niemanden mehr, dass sich auch die aktuelle US-Regierung auf Basis einer bizarren Religiosität verhält, die sich wie ein eitergelber Faden quer durch das ganze Land zieht und sich reflexhaft mit anderen, religiös Verblendeten geradezu prächtig versteht.

Niemand Politisches im Westen, aber wirklich niemand scheint sich wirklich daran zu stören oder überhaupt zu registrieren, dass der brutale und grausame Putsch des Diktators verrückterweise das exakte Gegenteil bewirkt und beabsichtigt, was er seit gut zwei Jahren nun behauptet: den Einfluss radikaler Islamisten zurückdrängen zu wollen. Der Diktator bedrückt das religiöse System seinerseits massiv mit Vorschriften, mit welchen Wortlauten die im Islam ganz besonders wichtige Freitagspredigten in den Moscheen ausgestaltet zu werden haben und er fördert selbst radikale und extremistische Sichtweisen im Land.

Der vormalige Großmufti Ägyptens, Ali Gumah, hielt vor dem vor zwei Jahren ablaufenden, entsetzlichen Massaker von Rabaa, bei welchem das Militär gut tausend wehr- wie ahnungslose Menschen „großtechnisch“ mit Maschinengewehren, Panzern und Granaten auf einmal umbrachte, eine schier unerträgliche Hass- und Brandrede. Anwesend dabei war u.a. natürlich auch der spätere Diktator selbst. Er hat sich ziemlich wortgetreu an den Ratschlag des Muftis gehalten – hier ein Auszug daraus:

Schießt ihnen [den Demonstranten] ins Herz …. Gesegnet sind die, die sie töten und die, die durch sie getötet werden …. Wir müssen Ägypten von diesem Gesindel reinigen … sie beleidigen uns …. sie stinken. So hat Gott sie geschaffen. Sie sind Heuchler und Abtrünnige … weicht nicht von der Stelle. Gott ist mit Euch und der Prophet Mohammed ist mit Euch und die Gläubigen sind mit Euch …. Viele Visionen bestätigen dass der Prophet mit Euch ist. Gott soll sie zerstören, Gott soll sie zerstören, Gott soll sie zerstören. Amen!

Alhamdulillah bin ich der unumstößlichen Überzeugung, dass nicht ich es bin, der im Vergleich zu diesem grotesken Mufti ein seltsames und tatsächlich krankes Verständnis vom Islam hat. Mir ist so wie allen Menschen auch von Allah nicht erlaubt zu entscheiden, wer glaubt und wer vom Glauben abgefallen ist – dennoch distanziere ich mich entsetzt und in aller Entschiedenheit von den Worten dieses Großmuftis und weise jede Vermutung, dass dessen Auswürfe irgendetwas mit meinem Islam zu tun haben könnten, entschieden zurück. An dieser Stelle sollte nur noch ergänzend erwähnt werden, dass die Tötung eines Muslimen durch einen Muslimen eins der wohl schwersten Verbrechen im Islam darstellt und mit ewiger Verdammnis geahndet ist …. das spricht gerade zu den ersten, vom Mufti dahergestammelten Sätze ganze Bände, da es wohl ausgeschlossen sein dürfte, dass bei einer Demonstration zur Unterstützung einer islamisch ausgerichteten Regierung Nichtmuslime anwesend gewesen sein sollten.

Der Diktator hat mittlerweile seinen brutalen Einfluss u.a. auch mit extrem gewalttätigen Mitteln über alle gesellschaftlichen Kreise ausgedehnt; leider verfügt er auch über ein gerüttelt Maß an willfährigen, vorgeblich gebildeten Muslimen in entscheidenden Positionen und so hat er ganz offensichtlich auch das Dar al-Iftaa („Haus der Fatwas“) unter seine Kontrolle gebracht. Dies war einmal eine altehrwürdige und hochgeachtete, damals unkorrumpierbare Organisation, die auf Basis eines modernen wie moderaten Islam „Fatwas“ („Rechtsgutachten“) überprüfte, die von Imamen erstellt und publiziert wurden. Eine „Fatwa“ ist nicht, wie so häufig angenommen, ein „Urteil“ – sondern folgt einer streng geregelten Qur’an-Exegese zu einer bestimmten, zumeist von Privatleuten gestellten Frage und hat den nicht bindenden Rang eines Gutachtens, oder auch einer Empfehlung. Plötzlich aber donnert das Dar al-Iftaa in der Öffentlichkeit vernichtend gegen bestimmte Medien und deren Vertreter; es nimmt keinen Bezug auf religiöse Inhalte, sondern verdammt politische Statements und Journalisten – in eklatant offensichtlicher Übereinstimmung mit den Wünschen des Diktators. Ich empfinde das als höchst widerwärtig. Christen mögen dies nicht weiter auffällig finden, sie sind massive Einflussnahme von Politikern auf die Kirchenkanzeln seit Jahrhunderten gewöhnt – für Muslime, gerade aber für ägyptische Muslime ist ein derartiges Vorgehen einer islamischen Instanz unerträglich.

Auf den Straßen Ägyptens und den USA macht zunehmend extremistische, religiöse Kreischerei Klingeln in den Ohren; der Wahn, subtil oder brachial von den Regierungen befeuert, grassiert immer schlimmer.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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