Atheisten – ein Nachtrag; Thema „Szientismus“

Einige der Atheisten befriedigen sich selbst mit der faszinierenden Idee des „Szientismus“.

„Hui!“ dachte ich, „Jetzt lernst Du was Neues.“

Gott, so fabulieren sie, bedürfte eines naturwissenschaftlichen Beweises. Würde dieser nicht erbracht, so gäbe es ihn nicht. Basta. Sprach das Kind, das auf der Straße saß, sich die Hände vor die Augen schlug und bis zum Einschlag daran glauben wollte, dass es keine Autos gäbe. Schließlich sah es keine. Bis zum Einschlag.

Man verzeihe mir meine Zynik – diese Idee des „Szientismus“ aber ist für Denker und Muslime so abstrus, dass sie kaum nüchtern-objektiv analysiert werden kann.

Der Qur’an sagt es uns, und der ganz einfache Menschenverstand nickt dazu selbstverständlich: bloß, weil wir etwas nicht kennen, nicht beweisen können heißt das ja noch lange nicht, dass es das nicht dennoch gibt!

Hummeln können nicht fliegen, sie sind zu schwer dazu. Diese „Erkenntnis“ erfolgte in der Diskussion zwischen Luftfahrtforschern des ausgehenden, 18. Jahrhunderts. Als die Verfechter der Theorie konstruierbarer Luftschiffe, die insgesamt schwerer als Luft seien, mit der wissenschaftlichen Argumentationstechnik derer konkurrierten, die ausschließlich nur an Ballons glauben mochten. Sie nutzten das Formelwerk der Ballonverfechter – und befrotzelten das Ergebnis.

Eisenbahnfahrten jenseits der 60 Stundenkilometer sind auf jeden Fall tödlich. Dieser Ansatz jedoch war durchaus ernst gemeint und erfolgte als strikte Warnung von Medizinern an alle potenziellen Fahrgäste, als man die ersten Dampfloks auf die Schienen setzte. Ihrer Wissenschaft zufolge würde durch die Fliehkraft der hohen Geschwindigkeit das Hirn im Schädel an der Rückwand zerquetscht.

Heute dagegen umschwirren uns Hummeln, strecken uns dabei die Zunge heraus und wir brausen jenseits zweier Schallgeschwindigkeiten über die Erde.

Die von Allah geschaffene Realität entzieht sich in ihrer Komplexität, in ihren Geheimnissen unserer Vorstellungskraft; was wir heute für „Wissenschaft!“ halten, treibt zuweilen kuriose Blüten und hält der Zukunft ernstzunehmender Wissenschaft (natürlich) nicht stand. Unsere Erkenntnisse sind bestenfalls wenig verlässlicher Zwischenstand – und je mehr wir zu wissen glauben, desto unsicherer müssen wir dessen sein, was wir in Händen halten. Allein in den letzten paar Jahren häufen sich die Theorien zum Thema „Materie“ und so sind wir uns noch nicht einmal mehr des Bodens sicher, auf dem wir stehen. Natürlich dürfen wir auf das Erreichte stolz sein! Wir dürfen aber nicht überschnappen und Aussagen über Dinge treffen, die wir noch lange nicht beurteilen können – wenn uns das überhaupt jemals gelingen sollte.

Allah erlaubt uns nicht nur jede Art von Forschung, die uns nur einfallen kann, er ermuntert uns dazu – Er fordert uns geradezu dazu auf. Im Islam heißt es, der Sinn des Verstandes des Menschen liege darin, ihn auch zu gebrauchen; unablässig zu forschen, nach Erkenntnis zu suchen, Fragen zu stellen, Kritik zu üben – das zählt im Islam zu den vornehmsten Aufgaben der Menschen. Nur ein Glaube, der falsche „Wahrheiten“ vertritt, muss Forschung und Kritik zwingend ablehnen, Diskussionen und Erkenntniszugewinne verteufeln. Man wird jedoch im Qur’an ergebnislos nach finalen Aussagen über die Welt suchen, die gemäß heutigen Erkenntnisstandes widerlegt sein könnten. Deshalb hat uns Allah mir den Sinnen ausgestattet, über die wir verfügen.

Selbstverständlich ist uns Menschen auch die Konstruktion von allerlei Apparaten und Maschinen gestattet, die unsere Sinne um ein Vieltausendfaches verfeinern und unsere Kräfte verstärken – denn wenn dem nicht so wäre, hätten wir diesen Geist und Verstand nicht erhalten. Muslime schauen deshalb Popcornkauend völlig relaxt bei jedem Experiment zu; sie riskieren nichts. Eher im Gegenteil: beinah könnte man praktische Forschung sogar als „Gottesdienst“ bezeichnen. Es wäre angebracht und angemessen gewesen, nach Erlangung des letzten Beweises für die Existenz von Neutrinos beispielsweise „Allahu akhbar!“ auszurufen!

Und diese Forschung wird eines niemals leisten können: die Existenz Allahs zu negieren. Das ist es, was Atheisten schier wahnsinnig macht. Sie können immer nur behaupten, grundsätzlich aber nichts beweisen. Deshalb empfinden sie es als „schlau“, u.a. Muslimen einen „Gottesbeweis“ abzuverlangen – und wenn man ihnen diesen liefert, schäumen sie aber erst recht:

Man stelle die Frage nach dem Beginn von Allem …. und erhält zur Antwort: „Na! Der Urknall war der Beginn jeder Existenz!“. Die Frage, was denn davor war, wird gern mit: „Na! Ein Urknall natürlich!“ beantwortet. Man treibe diese Nachfragerei weiter und weiter und weiter und wird finden, wie sich u.a. auch so rennomierte Forscher und Theoretiker wie Stephen Hawking zu winden beginnen. Mit einer gewissen, wirklich nicht gerechtfertigten Hochnäsigkeit befanden Exzellenz Hawking vor Kurzem: „Ich denke, dass wir zur Erklärung der Welt Gott nicht brauchen.“, obschon er selber zugibt, die Annahme Seiner Existenz nicht fundiert zurückweisen zu können. Es ist ihnen, all diesen religions-„Kritikern“ sichtlich unangenehm zugeben zu müssen, dass es (irgendwann einmal) selbstverständlich eine andere, schöpferische Kraft gegeben haben muss, die den ersten Urknall entzündete. Wenn ich dies jedoch zugebe, zerrinnt mir die Vermutung, es gäbe keinen Gott, wie Sand zwischen den Fingern.

Wir machen dabei zwei frappierende Entdeckungen: zum Einen liefert die Wissenschaft selbst in ihrem logischerweise zu erwartenden Zugeständnis, dass es keine endlose Kette von Urknallen gegeben haben kann, den Gottesbeweis selbst und zum Anderen findet sie keinen einzigen Beweis gegen die Existenz Allahs. Wenn nun also Atheisten in dem eleganten Begriff „Szientismus“ eine Keule gegen Religionen gefunden zu haben glauben, dann zimmern sie sich diese selbst aufs Hirn. Das ist aber auch ein wirklich schönes Wort; auf manche Zeitgenossen macht es ganz bestimmt irrsinnig Eindruck.

Schon jetzt befindet sich die aktuelle Wissenschaft auf einem Level, den kein einziger, lebender Mensch kraft eigenen Geistes mehr erreichen kann. Die Wissenschaft selbst hat, zu meiner größten Erheiterung übrigens, festgestellt, dass der letzte Mensch, der von sich in Anspruch nehmen konnte, alles seinerzeit vorhandene Wissen aller Menschen auf sich vereinigen zu können, wohl Erasmus von Rotterdam war. Der gute Erasmus lebte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Das ist ja alles nicht schlimm – das darf ja so sein! 🙂

Werkeln wir also fröhlich fort in unseren Laboratorien – immer eingedenk der Tatsache, dass unser gegenwärtiger Stand der Wissenschaft arg löcherig ist und nicht im Ansatz eine Aussage fundieren kann, dass es Allah nicht gibt. „Szientismus“ ist m.E. Unsinn – Wissenschaft hingegen nicht, denn sie ist nur die Bemühung, Allahs Aufgabe, die er uns mit unserem Geist geschenkt hat, auch wahrzunehmen, mit Leben zu füllen. Selbstverständlich dürfen wir hinaus ins All fliegen, in die Tiefen der Ozeane tauchen, neue Elementarteilchen entdecken – denn dazu sind wir geschaffen. Wer immer forscht und der Welt neue Erkenntnisse entdeckt, der betreibt vorzüglichen Gottesdienst.

Ein weiser Muslim sagte einmal: „Naturgesetze sind die Sprache Allahs“ – und dem schließe ich mich begeistert an. Wir verstehen die Sprache Allahs jedoch noch lange nicht richtig und kommen daher immer wieder zu häufig haarsträubenden Irrtümern. Deshalb ist es geradezu dumm von einigen Atheisten, (zumindest!) Muslimen mit der Keule „Wissenschaft!“ kommen zu wollen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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2 Antworten zu Atheisten – ein Nachtrag; Thema „Szientismus“

  1. Atheismus?

    dietrichstahlbaum8889 August 14, 2015

    Theismus – Atheismus: Unserer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
    Was unterscheidet den Gläubigen vom „Ungläubigen“?
    Der Gläubige glaubt an die Existenz eines Gottes.
    Der „Ungläubige“ glaubt an die Nichtexistenz eines Gottes.
    Dazwischen ist der Agnostiker*. Er sitzt zwischen den Stühlen,
    denn er glaubt weder das Eine noch das Andere.
    Die beiden ältesten Agnostiker waren wohl Lao Tse und Siddharta Gautama Shakyamuni, der Buddha, wie er genannt wird, der Erleuchtete, der Erwachte, wir können auch sagen: der Aufgeklärte.
    Auch Sokrates war Agnostiker: “…dieser glaubt doch, etwas zu wissen, was er nicht weiß, ich aber, der ich nichts weiß, glaube auch nicht zu wissen. Ich scheine doch wenigstens um ein Kleines weiser zu sein als dieser, weil ich, was ich nicht weiß, auch nicht zu wissen glaube…”
    ————-
    *vom Griechischen ágnostos: unerkennbar, unbekannt, auch a-gnoein: “nicht wissen”

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    • echsenwut schreibt:

      Zunächst einmal: herzlich Willkommen, alter Freund! 🙂
      Das ist genau der springende Punkt: die Relativität des Wissens! Entscheidend ist doch, welche Bedeutung Wissen hat – und welches Ausmaß. Zu wissen, dass man nichts weiß, ordnet das tatsächliche Wissen des Einzelnen bereits ein und verleiht ihm im Kontext dessen, was eigentlich alles gewusst werden MÜSSTE, recht tief ein. 😉
      Ich sags mal so: wir wissen, dass wir in einer recht starken Dunkelheit leben; unser Verstand und Augenlicht reicht gerade einmal ein paar lächerliche Galaxien weit und das verhält sich, als säße man in einer tiefen Höhle und zündete dort ein Streichholz an. Damit kann ich maximal erkennen, dass die nächste Wand vielleicht mehr als drei Meter entfernt ist, die reale Distanz jedoch kann ich nicht ermessen.

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