Der „Kalif“, der „Islamische Staat“ und der „Djhad“ – eine Positionsbestimmung

Auf Basis meines nicht ganz unambitionierten Verständnis und fundamentiert durch den durch die  höchsten Autoritäten im Islam verfassten und unterzeichneten Briefs an den „Kalifen“ erläutere ich hier meine persönliche Position zu den genannten Begriffen.

Der „Kalif“

Ein Kalif kann in Zeiten höchster, militärischer Bedrängnis von der Gesamtheit aller Muslime der Welt gewählt und eingesetzt werden. Unabdingbare Voraussetzung hierzu ist die gesamtheitliche Zustimmung aller Muslime und die unwiderlegbare Existenz dieser ultimativen Vernichtungsbedrohung. Das ist die offizielle und auf den Qur’an und alle Hadith gestützte Regelung, die globale Bindung für alle Muslime darstellt.

Legt man dies auf den selbsternannten Karnevalsprinzen um, der sich in seinem unheiligen Wahn auch noch zu allem Überfluss selbst den Beinamen „Abu Bakr“ gegeben hat und damit den Namen eines der vorzüglichsten Prophetengefährten, Abu Bakr al-Siddiq, in den Schmutz zieht, dann ist Ibrahim Awwad al-Badri (so sein richtiger Name!) gar kein Kalif – sondern nur ein bösartiger Mörder, Vergewaltiger, Heuchler und Lügner.

Er versammelt nur eine kleine Schar von Muslimen um sich, von denen er sich „Kalif“ nennen lässt. Damit erklärt er die restlichen, ca. eineinhalb Milliarden Muslime der Welt zu Nichtmuslimen, wenn er an seinem Titel festhalten will. Dies zu tun, ist allein bereits ein Verstoß übelsten Charakters. Es ist Muslimen verboten, andere Muslime des Unglaubens oder des Abfalls vom Glauben zu bezichtigen – und solange es nur einen einzigen Muslimen auf der Welt gibt, der sich außerhalb eines „Islamischen Staates“ stellt, existiert kein „Islamischer Staat“ und kein „Kalif“. Nur ein Muslim, der selbst und unzweifelhaft von seinem Abfall vom Glauben Zeugnis ablegt, darf von Muslimen als Nichtmuslim bezeichnet werden. Solange er dies nicht tut und sich als Muslim bezeichnet, muss er unter allen Umständen als Muslim betrachtet und behandelt werden. Die Entscheidung, das Urteil, wer Muslim ist oder nicht, obliegt ganz allein Allah – und niemals einem Menschen. Und selbst wenn er dies Zeugnis ablegt, darf er weder bestraft noch getötet, sondern muss wie jeder Anders- oder Nichtgläubige auch respektiert werden.

In praktischer Umsetzung hätte dies zur Folge, dass al-Badri, der selbsternannte „Kalif“ also, persönlich von allen Muslimen der Welt das Zeugnis ihres Abfalls vom Glauben zur Kenntnis nehmen müsste – um sich erst dann zum Kalifen wählen lassen zu können, da er ja erst dann mit den Mitgliedern des „Islamischen Staats“ allein die Gesamtheit aller Muslime vertreten könnte. Es ist vollkommen blödsinnig annehmen zu wollen, al-Badri könne dies jemals leisten. Also existiert kein Kalif.

Ich beziehe mich hier bei weitem nicht nur auf meine ganz persönliche Meinung, sondern gebe hier die offizielle Bewertung der höchsten, lebenden und tradierten Autoritäten im Islam wieder.

Der „Islamische Staat“

Ich bin persönlich der Meinung, dass diese illustre Versammlung von Verirrten dringlich in „Satanischer Staat“ umbenannt werden muss. Wie durch das offizielle Schreiben aus Kairo, dass als „Fatwa“, als Rechtsgutachten auf höchster Instanz gewertet werden muss, klar und unmissverständlich dargelegt, fußt das bizarre „Staatsgebilde“ auf nichts als einem Haufen pervertierten Islams in seiner schrecklichsten Ausrichtung, wie ihn sich nur ein Shajtan, ein Teufel ausdenken könnte.

Alle Verurteilungen, Hinrichtungen, Folterungen und Verstümmelungen, begangen durch die Mörder (das Wort „Soldaten“ wäre hier eine Beleidigung für alle rechtschaffenen Soldaten!) des „Islamischen Staates“ sind ausnahmslos unrechtsmäßig und gegen jedes im Islam geltende Verbot erfolgt. Die Methoden der Hinrichtungen, Folterungen, Versklavungen, Vergewaltigungen sind allesamt abscheulich. Die gedanklichen Verrenkungen des „Islamischen Staats“ sind ganz grundsätzlich eine Beleidigung und Schande für jeden Muslimen.

Hinzu kommt eine zusätzliche Abirrung: der Verehrte Prophet Mohammed (saws) sagte, dass es nach der Vertreibung der Muslime aus Mekka nie wieder eine Aufforderung zur Auswanderung für Muslime geben dürfe – aber genau das propagiert der „Islamische Staat“, in dem er Muslime weltweit zum Auszug aus ihrem jeweiligen Land aufruft.

Der „Djihad“

Grundvoraussetzung für das Führen eines Djihads „des Schwerts“ wäre ein allgemeiner Angriff aller Nicht- oder Andersgläubigen auf Muslime aus rein religiösen Gründen. Diese Grundvoraussetzung liegt jedoch definitiv nicht vor; regionale Attacken auf muslimische Gemeinden folgen politischen und wirtschaftlichen, zuweilen genozidären Motivationen – begründen sich jedoch als Kriegsgrund nicht auf die Religionszugehörigkeit der Angegriffenen. Dies schließt jeden Djihad des Schwerts kategorisch aus; wer einen solchen verkündet, begeht noch in zweiter Hinsicht eine schwere Sünde: es ist dem Einzelnen im Islam strikt verboten, allein und aufgrund eigenen Dafürhaltens einen solchen Djihad zu erklären, geschweige denn zu führen. Ein Aufruf dazu von Einzelnen darf nicht erhört werden. Allein die Versammlung aller Muslime bzw. ihrer höchsten Autoritäten kann und darf das Signal geben, dass eine solche Voraussetzung erfüllt wäre. In unseren Tagen besäße ausschließlich die ehrwürdige al-Azhar-Moschee in Kairo als Sitz höchster Gelehrsamkeit eine solche Stimme; sie allein hält das spirituelle Vertrauen aller Muslime weltweit. Andere Autoritäten sind keine, sondern stellen grundsätzlich immer nur vereinzelte Meinungen, niemals jedoch eine beachtenswerte Stellungnahme, geschweige denn eine „Fatwa“ dar und sind daher rigoros abzulehnen.

Da jedoch eine sehr klare und unmissverständliche Fatwa seitens der al-Azhar existiert, die diese Grundvoraussetzung als nicht erfüllt ansieht und daher jeden Djihad „des Schwertes“ kategorisch verbietet, darf ein Muslim an einem solchen definitiv auch nicht teilnehmen. Selbst wenn ein solches Signal von der al-Azhar ausginge, so wäre der Aufruf zu einem Djihad „des Schwertes“ an eine hochkomplexe, strikt einzuhaltende Regelung gebunden, die nicht gebrochen werden darf. Hierzu würde ein „Kriegsherr und [temporärer] Oberbefehlshaber aller Muslime“ gewählt werden müssen – ein rechtmäßiger Kalif eben – und den gibt es nicht und es kann ihn nicht geben.

Mir ist es ganz persönlich höchst unangenehm, dass dieser Shajtan „Kalif“ den Qur’an in hocherhobener Faust in die Welt hält und ihn so wie den ganzen Islam beleidigt.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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10 Antworten zu Der „Kalif“, der „Islamische Staat“ und der „Djhad“ – eine Positionsbestimmung

  1. schnipseltippse schreibt:

    Vielen vielen Dank für diesen Beitrag. Er spricht mir aus der Seele.

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  2. echsenwut schreibt:

    Wie Sie auf die Idee kommen, Todenhöfer auf diese Weise zu kritisieren, mag sich Ihnen selbst erschließen, mir aber nicht. Lesen Sie seine Bücher. Es sollte Ihnen zu denken aufgeben, dass ein Mann mit Geld und einer CDU-Vergangenheit schreibt, was er schreibt. Im Gegensatz zu vielen selbsternannten „Experten“ ist er nicht nur vor Ort gewesen, sondern dahin gegangen, wo sich keiner hintraut, der hier den großen Maxen spielt und behauptet, sich auszukennen.
    Über antiwestlichen Hass muss man sich nicht erschrecken, den gibt es auf mehr als der Hälfte der gesamten Erde – und wenn ich mir so anschaue, welche Subjekte und Elemente hier mit spitzem Zeigefinger einherstolzieren und jedem ihre (krude und bizarre) Weltsicht aufnötigen wollen und das auch noch für eine „segensreiche“ Botschaft halten, dann wird mir regelmäßig schlecht. Sie kämpfen offenbar für eine gefühlte Überlegenheit des Westens, das ist mindestens ebenso „durchgeknallt“. Und nur noch „Witzfiguren“ halten an einer solchen Idee fest.

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    • ws schreibt:

      Auf Ihre Antwort unten kann ich nicht antworten, deswegen kopiere ich sie hier nochmal:
      „Dann müssen Sie verstehen lernen, und DAS war die Aussage meiner Antwort auf Ihre Nachfrage, dass Islam eine höchst individuelle Aufgabe darstellt. Warum andere einem, wie Sie sagen, Rigorismus anhängen, das müssen Sie diese fragen. Mein persönliches Islamverständnis jedenfalls endet da.“

      Diese Ausflucht ist zu billig… Sie leugnen also nicht, dass es diesen evidenten Zusammenhang gibt, wollen aber über die Gründe nicht nachdenken. Ein Kind geht so mit Widersprüchen um.

      Ich habe mich in der Zwischenzeit auf Ihrem Blog umgesehen und muss meinen halbwegs positiven Eindruck zurücknehmen: Hier hat ja der ganz normale moslemische Verfolgungswahn und Antisemitismus (ja, genau der) eine Heimat gefunden.

      Was beweisst, dass Todenhöfer mal CDU-Mitglied war? Mahler war erst Links-, dann (intellektueller) Rechtsterrorist. Haltlose Borderliner suchen sich immer starke Weltanschauen, das Vorzeichen ist dann eher zufällig.

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      • echsenwut schreibt:

        Welche „Zusammenhänge“ Sie da sehen wollen, erschließt sich mir nicht. Sie halten da offenbar im Bedürfnis, Ihrer Sichtweise Bestand zu verleihen, recht krampfhaft an Überzeugungsmustern fest, die mit der Realität nun wirklich nicht viel zu tun haben. Das mögen Sie tun (vielleicht MÜSSEN Sie das sogar!); es liegt mir fern, Sie zu überzeugen. Ich KANN Sie auch gar nicht überzeugen, denn dafür liegt Ihr Werturteil viel zu eisern und betoniert vor. Sie suchen keinen Dialog, kein Verständnis; Sie suchen jemanden, der ob Ihrer gefühlt unerreichbaren, intellektuellen Überflughöhe demütig einsieht, dass Sie natürlich immer in allem Recht haben.Sie hören nicht zu, Sie wollen belehren; eine solche Geisteshaltung wünsche ich auf meinem blog nicht. Im übrigen ist es geradezu schwachsinnig, MIR Antisemitismus vorwerfen zu wollen.
        Für wie bescheuert würden Sie wohl den Ansatz halten, wenn Ihnen jemand, der in einer stahlharten Diktatur aufwächst, zum Thema „Demokratie“ einen Wladimir Putin vorhält und darin insistiert, dass es da ja wohl „Zusammenhänge“ zwischen Angela Merkel und Putin gäbe – was Merkel genauso verlogen, verschlagen, listenreich, gewaltverliebt, unzuverlässig und vor allem undemokratisch erscheinen ließe.
        Sie würden ebenfalls politische Verwandtschaft zu Putin entrüstet leugnen und behaupten, er wäre alles, aber keinesfalls demokratisch. Und dann wird Ihnen ein Depardieu, ein Schröder und der Satz: „Putin ist ein LUPENREINER Demokrat!“ nebst weiterer „Zusammenhänge“ um die Ohren gehauen. Dann wäre auch für Sie der Punkt erreicht, in dem Sie den „Diskutanten“, von dem Sie sehr schnell den Eindruck gewinnen, dass er Ihnen bloß seine bizarren Überzeugungsmuster, aber keinerlei echtes Intereresse entgegenbringt. Sie erkennen dann sehr schnell das Gebetsmühlenhafte an seinen Tiraden – und dazu den ihm eigenen Starrsinn.
        Es tut mir leid – aber ich erkenne in Ihnen genau diesen Mitmenschen. Ich verabschiede Sie mit einem Satz, den Sie diesem überzeugten Diktaturbürger entgegenhalten würden (weil Sie Ihre gefühlte Deutungshoheit und „eingebaute“ Überlegenheit betonen müssten) – ich nehme Ihnen Ihre Meinung nicht, Sie dürfen Sie ganz für sich behalten.

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  3. echsenwut schreibt:

    Wenn Sie sich für die Thematik interessieren, weshalb es irgendwie immer ähnlich gestrickte „Argumentationsmuster“ gibt, müssen Sie sich wohl oder übel näher mit den Inhalten dieser „Muster“ befassen.
    Verständlicherweise sehnt sich der Mensch immer nach übergeordneten Ideen, Überschriften, um eine Anzahl von beobachteten Phänomenen verallgemeinern zu können. Dies Muster wirkt ja auch bei allen anderen religiösen, gesellschaftlichen und politischen Ideen. Allzuschnell heißt es: „Jaja, die Kommunisten.“ und häufig höre ich auch aus muslimischen Gemeinschaften den fatalen Satz: „Naja. Christen sind eben so und so.“
    Der etwas blöde Satz im Nahen Osten, dass G.W. Bush den Irak ganz allein unter der Motivation eines „Kreuzzuges“ angegriffen und zertreten hat ist nicht wahrer oder unwahrer als die europäische Wahrnehmung, es seien eben irgendwie grundsätzlich immer Muslime, die Terror veranstalten.
    Dies zum einen.
    Zum anderen, und das Wissen darum ist in Europa kaum bis gar nicht verbreitet, „tickt“ der Islam ganz generell anders als alle anderen Religionen; Muslime sind durch den Qur’an und andere, ursprüngliche Schriften gebunden und aufgefordert, sich selbst ihren Weg zu Allah zu suchen. Ihnen ist auferlegt, andere, vermeintlich gelehrte Stimmen genau auf ihren Wahrheitsinhalt zu untersuchen und sie zu akzeptieren, wenn sie auf Basis ihrer Glaubenskenntnis keine Widersprüche registrieren und sie zurückzuweisen, wenn diese Inhalte nicht im Einklang mit ihrem persönlichen Glaubensbekenntnis stehen. Das führt zu der Situation, dass weit mehr als neunzig Prozent aller Muslime Vorhaltungen, sie stünden Terror, Steinigungen und Verstümmelungen nahe, brüsk von sich weisen – und sie können, sie müssen das sogar so tun. Muslimen sind Kämpfe und Streitigkeiten um Glaubensinhalte verboten; wenn einige von ihnen das anders sehen und die Waffen erheben, so gehen sie im Glauben fehl. Für uns Muslime gilt das göttliche Gesetz, dass niemnand andere für seinen eigenen Glauben und seine eigenen Fehler verantwortlich machen darf. Es kann also vor Allah niemand mit Fingern auf andere zeigen und sagen: „Der da hat gemacht, dass ich gesündigt habe!“.
    Deshalb ist es absolut notwendig, dass Muslime (so wie ich) in aller Öffentlichkeit nicht nur erklären, sondern auch beinahe starrsinnig darauf pochen und verweisen, dass der Islam der Terroristen, Schreihälse, Steiniger, Verstümmeler nichts mit „dem“ Islam zu schaffen hat.
    Ich habe meinen Qur’an gelesen und kann insofern mit ihm umgehen, als dass ich die „zentrale Botschaft“ des Islam glaube verstanden zu haben. Natürlich gibt es einige Suren mit Inhalten, die Gewalt beschreiben und akzeptieren, aber noch weit mehr andere, die genauer auf die grundlegenden Situationen eingehen, für dies der Fall ist – und dann relativiert sich alles wiederum. Technik extremistischer Muslime sowie ihrer Gegner aber ist es, die „Gewalt-Suren“ aus dem Qur’an herauszureißen und isoliert zu betrachten; schon unser Prophet Mohammed (saws) hat explizit erklärt, dass dies nicht möglich und nicht statthaft ist. Deshalb ist es meiner festen Überzeugung nach beispielsweise (!) bösartige Lüge zu glauben und zu verbreiten, Muslime seien angeblich dazu aufgefordert, Juden umzubringen. Der Gegenbeweis ist in wenigen Augenblicken angetreten, liegt sogar in einem offiziellen Statement der obersten, spirituellen Autoritäten des Islam schriftlich vor – wird aber von Hetzern auf Seiten der Extremisten und der Feinde des Islam (selbstverständich) ignoriert, unterdrückt und zurückgewiesen.
    Als Konvertit bin ich „Quereinsteiger“; mich bedrücken all diese vorgeschobenen, isolierten und herausgerissenen Suren des Qur’an deshalb nicht, weil ich den gesamten Qur’an gelesen und daher die „zentrale Absicht“, die Schönheit und die unverbrüchliche Logik nicht nur der Schrift, sondern auch des ganzen Glaubens entdeckt habe. Im Gegensatz zu meinen Feinden und Gegnern, zu denen nicht nur Islamophobe, sondern auch extremistische Muslime (wie Salafiten etwa) zählen, kann ich mit Fug und Recht kriegshetzerische Exegesen zurück- und auf die ultimative Friedens- und Liebesbotschaft des Islam hinweisen – so wie Tausende, Hunderttausende und Millionen andere Muslime mit mir. Gleichzeitig mache ich den „Scheibenwischer“ wenn ich zum gefühlt tausendsten Male aufgerufen werde zu erklären, dass ich mich von extremistischen Schreihälsen distanzieren soll. Auch ein solches Verlangen finde ich beleidigend, unzumutbar. Ich stehe für „meinen“ Islam und ich habe mich nach meinem Tode auch genau dafür zu verantworten. Selbst Christen kennen dies: nimmt sich etwa irgendein christlicher, praktizierender US-Amerikaner irgendetwas von Busch’schen Kreuzzugs-Wahn an? Fühlt sich einer von ihnen dazu aufgerufen oder verpflichtet, öffentlich seine Distanzierung davon zu erklären? Falls nicht, weshalb nicht?
    Würde es nicht im Gegenteil auf Beleidigtsein treffen, wenn irakische Muslime sie persönlich dazu auffordern würden, dies zu tun, weil man sonst argwöhnisch auf alle Christen reagieren müsse?
    Dieser gläubige Christ wäre ZU RECHT beleidigt und verletzt; er hat vielleicht sein Leben lang schon für Bedürftige gesammelt, keine Messe verpasst, Fremden den Weg gezeigt, gespendet, seiner nahegelegenen Schule geholfen und aus Überzeugung als guter Christ jede alte Dame über die Straße geleitet – und wäre niemals auf die Idee gekommen, die Waffe gegen jemanden zu erheben, bloß etwa weil der etwas anderes glaubt als er selbst.
    Verstehen Sie, was ich meine?

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    • ws schreibt:

      Leider ist meine Frage damit nicht beantwortet. Sie verweisen auf Ihre ausschließlich persönliche, subjektive Sicht Ihres Glaubens, der für Sie Rigorismus ausschliesst – für viele andere aber nicht.

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      • echsenwut schreibt:

        Dann müssen Sie verstehen lernen, und DAS war die Aussage meiner Antwort auf Ihre Nachfrage, dass Islam eine höchst individuelle Aufgabe darstellt. Warum andere einem, wie Sie sagen, Rigorismus anhängen, das müssen Sie diese fragen. Mein persönliches Islamverständnis jedenfalls endet da.

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  4. ws schreibt:

    Ich möchte gerade auf den Post antworten, da erscheint im Kommentarformular das „about“: Ein Islamkonvertit. Schade, aufgrund des guten Sprachstils wollte ich mich schon über gelungene Integration freuen – egal.
    Zum Artikel: Die Abgrenzung des „wahren Islams“ vom Islamismus als unislamisch (das einzige Argumentationsmuster zb. des Verbandsislam) habe ich schon zu oft gelesen. In aller Kürze nur die Frage, warum es immer nur der Islam ist, der auf diese Art und Weise „missbraucht“ wird und zwar quer durch Ethnien und Kulturen. Es muss einen inneren Grund geben und darüber nicht nachdenken zu wollen ist, nun ja, Feigheit? Angst vor unliebsamen Einsichten?

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    • echsenwut schreibt:

      Und wenn Sie mir einen Nachsatz erlauben:
      Es gibt in Deutschland Millionen (!) von gläubigen, praktizierenden Muslime wie mich. Man darf nie vergessen, dass es immer nur die üblen Schreihälse in die Presse und somit in die breitflächige Wahrnehmung schaffen. Vergleichen Sie: die Presse schreibt, dass die Gesamtzahl „bedenklicher“ Muslime ca. 5.000 deutschlandweit beträgt. Und nun schauen Sie sich im Land um und schätzen ein, wieviel „bedenkliche“, nichtmuslimsche Bundesbürger es wohl gibt; selbst wenn Sie die Relation beachten, dürften Sie zu einem interessanten Schluss kommen.
      Bitte glauben Sie mir: ich habe schon erwachsene, gestandene, wirklich gute, staatstreue und friedliebende Muslime in Tränen ausbrechen sehen, weil sie mit den üblen Unterstellungs-, Forderungs- und Vorwurfskanonaden aus ihrer Umwelt nicht fertigwerden und darunter wirklich leiden. Es hat allein in 2015 bis jetzt (!) schon 23 Attacken auf Moscheen gegeben – alle mit fremden- und ausländerfeindlichem Hintergrund. Aber all diese Muslime sind stille, unauffällige Zierden ihrer und der bundesdeutschen Gesellschaft. Ein Knöllchen wegen Falschparkens ist ihnen bereits peinlich. All diese Menschen krümmen niemandem ein Haar, nehmen niemandem etwas weg, (be-) schädigen niemanden und zahlen jeden Euro Steuerschuld bis zum letzten Cent.

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      • ws schreibt:

        Diese Zahl von 5.000 „bedenklichen“ Moslems kann ich nicht nachvollziehen. Schauen Sie sich mal in den sozialen Medien um, klicken Sie in den Kommentarbereich der Facebookseite der durchgeknallten Witzfigur Todenhöfer. Dort gibt es, je nach Thema, bis 25.000 Kommentare. Der antiwestliche Hass und die gefühlte moralische Überlegenheit ist erschütternd.

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