Wie füttert man den „Islamischen Staat“?

Eigentlich ist es ganz einfach: da die Waffenlieferungen aus allen Himmelsrichtungen ohnehin und sowieso beständig und reichlich neue Bestände in die Region des Irak spülen, ist man dieser Sorge enthoben und muss nur noch den Nachschub an Menschen organisieren. Seit etlichen Jahren nun pumpt der Westen tausende von Tonnen Waffen in die Region – um Frieden zu schaffen (mag dies irgendjemand verstehen – ich tus nicht).

Hierzu gibt es einen Trend, der auch langfristig den Zustrom an neuen Kämpfern und verzweifelten „Unterstützern“ garantieren kann. Es ist ein Programm mit dem Namen „Angst“.

Die Metzger vom „IS“ haben der Welt gezeigt, wie es geht: sie haben absichtsvoll und zielgerichtet vor laufenden Kameras unvorstellbare Grausamkeiten begangen. Nur für die dummen Gefolgsleute war dies ein Beweis der Stärke; die Führung des „IS“ setzt dabei auf einen ganz anderen Effekt – nämlich eben der Angst. Erreicht hatten sie damit, dass zahlreiche Ortschaften weit im Vorfeld einer möglichen, militärischen Aktion bereits die Waffen erst gestreckt und diese dann intakt, vollständig und gepflegt an den „IS“ überreicht haben, während sich die Bewohnerschaft dieser Orte wohl oder übel über einen Treueeid an den „IS“ binden ließen. Hätten sie dies nicht getan, wären sie entsetzlich zu Tode gebracht worden. Zahllose Massengräber sprechen Bände davon.

Nun übernehmen irakische Einsatzkräfte diese Strategie. Unter den Augen ihrer Unterstützer und Bewaffner, der westlichen Staaten, bringen nun sie ihrerseits Sunniten von der Gegenseite auf entsetzlichste Weise um. In einem der letzten, aktuellen Fälle tat sich ein Kämpfer mit dem großmäuligen wie hässlichen Namen „Abu Azrael“ („Vater des Todesengels“) dadurch hervor, dass er den Leichnam eines gegnerischen Kämpfers, der verbrannt mit den Füßen nach oben aufgehängt war, scheibenweise mit einem Schwert vom Seil schnitt. Wie Döner. Oder, wie berichtet wird, wie Shawarma, also ein sehr ähnliches Gericht

Nach bester „IS“-Manier wurde hiervon ein Video produziert und in die Öffentlichkeit lanciert. Darauf sind neben diesem „Abu Azrael“ Männer von der shiitischen Miliz „Popular Mobilisation Units“ (Volksbewegungseinheiten) beim Absingen von Kampfliedern zu sehen. Da mit großer Sicherheit nicht davon auszugehen ist, dass die westlichen Regierungen Einfluss auf die irakischen Streitkräfte ausüben werden um solche Grausamkeiten zu unterbinden, wird diese Strategie der mit ihnen verbundenen Milizen natürlich ebenso Früchte tragen und den Zustrom an Kämpfern für den „IS“ noch weiter verstärken.

Massenerschießungen, Enthauptungen und auch Verbrennungen am lebendigem Leib führen die Shiiten unter dem Befehl Baghdads ohnehin bereits seit mindestens einigen Monaten durch, bisher aber hielt negative Presse sie offenbar davon ab, davon auch noch Filme anzufertigen um sie nach der Gewohnheit ihrer Gegner online zu stellen. Diese Hemmung haben sie offenbar nun fahren lassen; es wird den Unterstützern Baghdads nun zunehmend schwerer fallen, diese Vorkommnisse in den Medien gänzlich zu unterdrücken.

Im Gegensatz zu den Shiiten verfügen die Sunniten des „IS“ über weltweite Quellen an Menschen und dieser Zulaufstrom wird durch die neue Medienstrategie der shiitischen Militärkräfte des Irak definitiv verstärkt. Schiere Geländegewinne im Irak werden den überwiegend shiitischen Militär- und Milizenkräften des Irak noch erheblich schwerer fallen, da die Motivation ganzer „IS“-Ortschaften, sich nunmehr buchstäblich bis zum letzten Blutstropfen gegen angreifende, irakische Einheiten zu verteidigen, ganz ungeheuer ansteigen wird – weil muss; im Falle einer Niederlage ist mit grauenerregenden Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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