„BDS“ ./. Matsyashu – zu weit gegangen.

Generell stehe ich hinter dem Ziel und den Vorstößen des „BDS“ („Boycott, Divestment, Sanctions“) – keine Frage.

Diese Aktion ist die einzige weltweit, mithilfe derer das Thema Palästina prominent gemacht werden und Öffentlichkeit erfahren kann. Sie spricht üblicherweise konkret Unternehmen an, die in israelischem Staatsinteresse zur „Judaisierung“ des Westjordanlandes illegal dort ansiedeln, Umsätze erwirtschaften und die Steuern darauf exklusiv an Israel abführen. Die Aktivisten nehmen Kontakt mit den Firmen auf, im Falle multinationaler Konzerne mit deren Zentralen, weisen diese Unternehmen auf die Illegalität hin und klären Verbraucher über diesen Umstand auf. In der Vergangenheit haben sich demzufolge bereits mehrere, u.a. auch bedeutende Konzerne aus ihren illegalen Ansiedlungen im Westjordanland vollständig zurückgezogen. Das sind unbestreitbar Erfolge.

Empfindlich geschadet hat die Bewegung „BDS“ ihrem Zweck und Ziel durch blanke Hysterie in einem Vorkommnis um den israelischen Künstler Matsyashu  – und liefert damit leider israelischen Hetzern Munition für ihr übliches „Antisemitismus!“-Geschreie, mit dem nun größere, weitere Teile der Aktion diskriminiert werden – und werden können.

Was ist passiert?

Der in den USA geborene und nach Israel emigrierte Reggae- und Beatboxer Matsyashu hat in seiner neuen Heimat und weit darüber hinaus nicht unwesentliche Popularität erlangt. Er hatte sich nach seiner Einwanderung zunächst den Chassiden angeschlossen, trug die Schläfenlocken und spielte jüdisch inspirierte Musik, bis er sich von der Strömung abwandte und die Locken ablegte.

Er war zum „Rototom Sunsplash Festival 2015“ in Spanien eingeladen und dort ins Fadenkreuz (leider nicht nur) übereifriger „BDS“-Aktivisten geraten. Diese nahmen Kontakt mit den Organisatoren des Festivals auf und produzierten einen in keiner Weise nachvollziehbaren Druck auf Matsyashu aus. Er wurde, letztlich auch im Namen der Organisatoren, ultimativ dazu aufgerufen, sich zu einem Staat Palästina zu bekennen. Da er dieser Aufforderung nicht nachkam – erfolgte tatsächlich die Ausladung.

Meines Erachtens völlig zu Recht hatte der Künstler dem Druck nicht nachgegeben und darauf verwiesen, dass er nunmal Musik, und nicht Politik mache und somit etwas betriebe, was Menschen miteinander verbindet. Ziel und Sinngebung von „BDS“ kann nicht sein, auf Kosten der Kunst Politik zu machen. Lediglich in dem Falle, dass sich ein Künstler massiv rassistisch, abfällig, faschistisch, ungefragt gegen einen palästinensischen Staat stellt und allgemein despektierlich gegen Araber und Palästinenser äußert, wäre eine Aktion seitens „BDS“ angemessen.

Dieser Vorstoß von „BDS“ ist abzulehnen, er gereicht keinem Araber, Palästinenser und Muslimen zur Ehre und hätte in jedem Fall unterbleiben müssen. Ich fürchte sogar, dass sich die Betreiber dieser Aktion tatsächlich von Antisemitismus haben leiten müssen – und das bedeutet, dass sie auf das Niveau des „offiziellen“ Israels herabgesunken sind.

Das ist nicht nur schade.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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