Israel – Glückwunsch, die Massaker führen langsam zum Erfolg!

Der Preis für den Etappensieg war zwar hoch, aus Sicht der jüdischen Extremisten wie Benjamin Netanjahu und Ayelet Shaked beispielsweise aber durchaus zu rechtfertigen: es wird wohl nur noch ein paar wenige, massive Vernichtungsaktionen gegen den Gaza-Streifen brauchen, bis das Gebiet vollends zusammenbricht und möglicherweise sogar durch äußeren Druck zwangsweise Israel zugeschlagen wird. Das ist die Kalkulation der israelischen Regierung.

Die UN hat nun eine Lageeinschätzung vollendet, die die Situation und künftige Lage des Gaza-Streifens näher beleuchtet (Zitate: SPIEGEL-Online)

Die Vereinten Nationen warnen vor einer humanitären Katastrophe im Gazastreifen: Die Lebensbedingungen sind so schlecht, dass das Gebiet innerhalb der nächsten fünf Jahre unbewohnbar werden könnte.

Moshe Feiglin, der Stellvertretenden Sprecher der Knesset, wird sich durch diese Nachricht seinen Träumen von einem ethnisch endgültig gesäuberten, freigeräumten Gaza-Streifen näher fühlen. Er postete auf seinem Facebook-Account während des letzten Massakers von seinen Visionen, dass man nun die Gelegenheit habe, das Gebiet vollends Israel einzuverleiben. Seine Ideen waren durchaus weitreichend; er verbreitete ganz ernsthaft Vorschläge während der stundenlangen Kanonaden der israelischen Armee in Zivilgebiete, nach welchen nun alle Palästinenser aus ihren Häusern gejagt und auf einen Fußmarsch nach Ägypten gezwungen werden sollten. Dabei zeigte er Herz: (Geh-) Behinderte wollte er auf Armeelaster verladen. Die Palästinenser, die sich hartnäckig weigern, nunja, die solle man an Ort und Stelle erschießen.

Die totale Blockade des Gaza-Streifens hat exakt dies zum Ziel: die Lebensbedingungen sollen zu Not und Hoffnungslosigkeit führen. Sicherlich fühlt sich die israelische Regierung längst durch den bisher noch immer völlig ungebrochenen Widerstands- und Überlebenswillen der Bevölkerung schwerst belastet; wirtschaftlich brachte der letzte Vernichtungsangriff Israel in eine nennenswerte und durchaus ernste Schieflage. Das Land erschöpft sich.

In ihrem in Genf veröffentlichten Jahresbericht schreibt Unctad, die drei israelischen Militäroffensiven seit dem Jahreswechsel 2008/2009 hätten im Gazastreifen wirtschaftliche Verluste in fast dreifacher Höhe des Wirtschaftsvolumens verursacht.

Unter normalen Umständen wäre kein Staat mit derartigen Verlusten überlebensfähig; hier handelt es sich aber nicht um einen normalen Staat. Israel leidet darunter zwischenzeitlich recht bedeutend, dass die Bevölkerung im Gaza-Streifen nunmehr über jahrzehntelange Erfahrung und Routine darin besitzt, der Vernichtung zu entgehen. Netanjahu hat daraus gelernt: während einzelne Erschießungen im Westjordanland die, wie eines der von ihm geförderten Programme offen fordert, „Judaisierung“ des Gebiets fortschreiten lässt und Palästinenser wirksam zurückdrängt, muss er im Falle des Gaza-Streifens zusätzlich auf die Vernichtung von Infrastruktur setzen, um die Lebensbedingungen nachhaltig negativ beeinflussen zu können:

Ohne Beendigung der Blockade werde auch die Unterstützung internationaler Geber die Situation im Gazastreifen nicht umkehren können, heißt es in dem Bericht. Selbst vor dem israelischen Militärangriff 2014, der eine weitere Zerstörung der Infrastruktur des Gazastreifens zur Folge hatte, wurde der dortige Strombedarf demnach nicht einmal zu zwei Fünfteln gedeckt.

Die Zeit läuft ihm davon. In der Welt setzt trotz der Mittäterschaft der „Freunde“ Israels, die seine Regierung durch gezielt einseitige Berichterstattung und Meinungsmanipulation beschützt, sind „besondere Vorstöße“ vor allem der Armee medial nicht mehr zu unterdrücken. „Unglücke“ beginnen sich aneinanderzureihen, so waren zufällig vier ausländische Journalisten zugegen, als die israelische Marine vor der Küste absichtsvoll und gezielt mehrere Raketen auf spielende Kinder abfeuerte. Nach extremistischen Schreihälsen aus jüdischen Rabbinern wie Dov Lior etwa, der im Vorfeld von Militäreinsätzen zu „Ermunterungsaktionen“ zur Armee gerufen wird, ist das Töten von nichtjüdischen Kindern nicht nur zu akzeptieren, sondern wird dringlich empfohlen. Netanjahu weiß, dass die Weltöffentlichkeit nicht positiv auf Kindstötungen und Folter von Kindern reagiert, weshalb u.a. auch deshalb armeeinterne „Untersuchungen“ des Vorfalls selbstverständlich trotz gegenteiliger Zeugenaussage der vier Journalisten keinen Fehler der Raketenschützen feststellen konnten – oder besser: durften.

Die Zeit läuft Israel davon.

Internationale Kritik nimmt breitflächig zu. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag muss sich nun mit einer sehr fundierten Klage gegen Israel wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auseinandersetzen – die Schreierei der Regierung, man präsentiere nun selbst solche Klagen gegen die gegnerische Partei, dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vergleichsweise gegenstandslos sein.

Die israelische Regierung wird sich verstärkt um die weitere Absenkung der Versorgung im Gaza-Streifen bemühen. Möglicherweise wird es in näherer Zukunft wieder zu einem breit angelegten Vernichtungsangriff führen. Im Jahre 2009 setzte die Armee (international geächtete) Phosphor-Brandbomben zur Massenvernichtung von Zivilisten über Gaza-Stadt ein. Die Fotos davon gingen um die Welt, und die Berichte von verbrannten Zivilisten auch. Das geriet in den Medien arg unappetitlich. Deshalb setzte im Jahr 2014 die Armee auf stundenlanges Dauerfeuer schwerer Artillerie, die gezielt in Wohngebiete feuerte und auf Scharfschützen, die nach Beendigung der Kanonade in Stellung gingen und auf Flüchtende und Krankenwagen schoss.

Die israelische Regierung wird innerhalb der kommenden zehn Jahre eine endgültige Entscheidung herbeiführen und sowohl das Westjordanland wie auch den Gaza-Streifen „judaisieren“ wollen. Unter diesem erklärten, ausformulierten und niedergeschriebenen Ziel sollte eine neue Eisenbahnlinie Israel mit dem Westjordanland verbinden. Das war das erste Mal meiner Kenntnis nach, dass die extremistische Regierung völlig offen über ihre Vorhaben sprach.

Tragisch ist diese rasende Hysterie und dieser blutgierige Extremismus für all die Juden in Israel, die nicht in unmittelbarer, aber mittelbarer Zukunft darunter zu leiden haben und ihren Glauben beschmutzt sehen. Es ist nun Zeit für sie, und es gibt durchaus bereits nennenswerte Aktionen und Aktivitäten in Israel, sich dagegen zu Wort zu melden und öffentlich die Schönheit, Respektabilität und Friedfertigkeit ihres Glaubens zu verteidigen. Das israelische, insbesondere aber das jüdische Volk Israels muss sich von seinen widerlichen Schreihälsen und Mördern in seiner Regierung befreien – denn das, was diese anrichten, das hat weder Israel, noch Palästina, kein Muslim und kein Jude verdient.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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