Wird es nun Zeit, jüdische Friedhöfe zu planieren?

Gestern begannen israelische Behörden mit der Durchführung ihres Plans, einen spirituell wie kulturell besonders wichtigen, islamischen Friedhof in Ost-Jerusalem …. sagen wir: „umzuwidmen“.

Der Bab al-Rahmeh-Friedhof schaut auf eine gut 1.400 Jahre währende Geschichte zurück. Dort sind sehr viele äußerst prominente Zeitgenossen der islamischen und allgemeinen Geschichte der Region bestattet. Der Friedhof soll nach Entfernung der muslimischen Gräber offenbar zu einem „jüdischen Park“ umgewidmet werden.

Am gestrigen Mittwoch begannen die Behörden nun, das Gelände weiträumig mit Stacheldraht zu versehen und somit für Bauarbeiten zu sperren. Nach ganz allgemeinem Verständnis der weitaus meisten Kulturen und Gemein- wie Gesellschaften auf der ganzen Welt ist dies nichts anderes als eine Schändung der Gräber, ein Vorgang, der durch eine Umbettung hätte vermieden werden können.

Israel hat zuvor bereits den noch weitaus historischeren, kulturell besonders bedeutsamen Friedhof Mamilla in West-Jerusalem geschleift, der nach etlichen Zeugenaussagen sogar die sterblichen Überreste von Gefährten des Propheten Mohammed (saws) beherbergte. Ganz besonders zynisch ist der Umstand, dass dort ein „Jüdisches Museum der Toleranz“ errichtet worden ist. Die bei der Vorbereitung des Bauplatzes insgesamt etwa 1.500 geöffneten und geschändeten Gräbern aufgefundenen Knochen wurden „fortgeworfen“, also vernichtet.

Die israelische Regierung bemüht sich seit vielen Jahren darum, solche Friedhöfe einzuebnen und deren Gräber zu vernichten – selbst wenn, wie berichtet wird, daraus nichts als wilde Müllkippen entstehen. Wie oben bereits erwähnt, spricht die völlige Abwesenheit jeder Absicht der israelischen Regierung, eine Umbettung vorzunehmen, von dem erklärten Willen zur Schändung. Dies ist Teil des Gesamtplans der israelischen Regierung, ganz Israel ethnisch nicht nur von den Lebenden, sondern nun auch von Toten zu säubern – das Land zu „judaisieren“.

Ohne jede Zynik, Boshaftigkeit und Politik stelle ich mir ganz aufrichtig und ernsthaft die Frage, aus welchem Grunde weltweit jüdische Friedhöfe jetzt noch geehrt und mit öffentlichen Mitteln gepflegt werden sollen. Niemand sollte auf das extrem tiefe Niveau der israelischen Regierung hinabsinken – nach diesem „Startsignal“ aber würde ich es für absolut gerechtfertigt halten, jüdische Friedhöfe durch Umbettung aus Innenstadtbereichen zu entfernen. Niemand sollte sich einer abscheulichen Grabschändung schuldig machen; da jüdische Kultur aber ganz offensichtlich keinen Wert auf Friedhöfe legt und keinen Respekt vor Gräbern hat, sollten ihre Gräber in Europa ausgeräumt und in schmucklose „Mehrfachgräber“ (in unterirdischer „Etagenform“ vielleicht?) in Randbezirken wie Gewerbe- oder Industrievierteln transferiert werden. Mir sind persönlich viele Orte in Deutschland bekannt, in welchen es „Judenfriedhöfe“ gibt und die sozial und wirtschaftlich interessante und wichtige Räume und Plätze mit Beschlag belegen – angesichts der israelischen Grabschändungen in tausenden von Fällen nebst der Vernichtung der sterblichen Überreste muss ich mich fragen, weshalb wir das tun.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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