Flüchtlinge – die hässlichen und die guten Europäer

Es war ein beeindruckendes Signal großer Stärke in einem Augenblick der ultimativen Schwäche: gestern bestieg eine Frau in Ungarn ihren Bus – und noch bevor sich die Türen schlossen, rief sie laut und vernehmlich den Ungarn zu:

Ihr seid ein widerliches Volk!

Im Gespräch mit meiner Frau befand sie meine Kommentare zu Ungarn in den letzten Tagen oftmals als zu harsch; sie warf mir Gleichmacherei vor und beharrte darauf, dass die Geringschätzung des ungarischen Volkes ebenso falsch sei wie die „der Deutschen“ in vielen Teilen der Welt.

Sie wurde jedoch eines Besseren belehrt.

Was ist von einem Land zu halten, für dessen menschliche Ehre noch nicht einmal eine handvoll Bürger einsteht und mit Wasserflaschen, Brot und Decken vordringlichste Not lindert? Warum sieht man in keinem TV-Bericht empörte Ungarn, die wenigstens Kranken, Schwachen und kleinen Kindern helfen wollen – sondern das Feld den haarsträubend verblödeten Rassisten und Nazis von dem widerlichen Verein „Jobbik“ überlassen? Diese Hammelherde doofer Rassisten und Faschisten, die, ihre widerlichen Auswürfe blökend, in die Kameras der Welt glotzen. Spätestens nach den gestrigen Ereignissen und dem Umstand, dass meine Frau auf meinen diesbezüglichen Einwand hin beinah verzweifelt auf Fotos, in Reportagen und sonstigen Berichten ohne jedes Ergebnis ungarische Helfer suchte, denkt sie um.

So wie Europa, so wird gerade auch Deutschland an seinem hehren Anspruch, an den rhetorisch so häufig bemühten „Werten“ gemessen – und Deutschland scheint zu meinem Erstaunen diese Probe zu bestehen. Die vielen Menschen am Münchner Hauptbahnhof, die zum Willkommen Teddys, Wasser, Brot, Kleidung und ihre Tränen hatten, haben mich berührt. Oftmals hatte ich einen Kloss im Hals; ganz einfache Menschen mit nicht viel mehr als ihrem eigenen Job und zwei Tüten voller Dinge, auf die sie z.T. selbst nicht leicht verzichten können, eilten zu den Bahnhöfen. In der zweiten Gemeinde unserer Nachbarschaft wurde in der letzten Woche eilends eine Notunterkunft eröffnet; gestern plakatierte ein Fleischer am Einkaufssträßchen: „Willkommen!“

Deutschland ist offenbar besser als sein Ruf, seine Politik und das, was man als seine eigene „Kultur“ bezeichnet. Die sozialen Halteseile beschützen unser Land vor dem Absturz in hässliche Gefilde und es sind die Menschen hier, die diese Seile knüpfen und spannen. Nicht die Politik, denn die ist unmenschlich und sucht wie ein Schwein die Trüffel nur Stimmen und Geld.

Die staats- wie humanitärpolitischen Totalversager von der „C“SU haben sich zwar aufrichtig und angestrengt bemüht, ihre engstirnige und misstrauische, bräsige Schweinehaxnpolitik zu betonen um das global erstaunlich positiv ausfallende Echo für Deutschland wieder in den Minusbereich zu drücken, haben aber dankenswerterweise keinen Erfolg damit. Das Votum der Deutschen in Form ihrer Präsenz, hochgekrempelten Ärmeln, Empathie und Engagement ist mehr als eindeutig. Gerade die Münchner Bürger weisen den Ewiggestrigen von den politischen Krautfressern und zurückgebliebenen Schuhplattlern den Mittelfinger und provozieren die Frage, ob eine „C“SU heute in Deutschland integrationsfähig ist. Ich denke nein.

Es bliebe nur zu hoffen, dass bei den nächsten Wahlen nicht vergessen sein wird, wer sich heute als giftiger „Vaterlandsverteidiger“ zeigt und jetzt muss die Diskussion endlich offen darüber geführt werden, wer denn da wohl diese unglaublichen Mengen an Waffen in die verschiedensten Krisenregionen der Welt gepumpt hat und damit direkt für das unvorstellbare Leid und die Zerstörungen verantwortlich ist, die heute Millionen Menschen aus ihrer Heimat auf die Flucht ins Ungewisse zwingen. Denn das war eben auch genau die „Mother Merkel“, die sich für ihre Bewaffnungs- statt Friedenspolitik schämen muss. Berlin hat wie so viele auch nie politisch, geschweige denn aus humanitären Gesichtspunkten heraus, sondern immer im Sinne einer üppigen Geschäftslage für Waffenexporte und Ölimporte gehandelt.

Wir, der Westen, haben jahrzehntelang hunderttausende von Tonnen übelsten Schießgerümpels in die Region gepumpt – sarkastischerweise immer mit dem Anspruch, damit „Frieden“ schaffen zu wollen. Das war blankeste Zynik. So als zeige der Schlachter dem Schaf grinsend das blutige Messer vor dutzenden toter, ausblutender Schafen und würde grinsen: damit machen wir jetzt deine Maniküre, damit du hübsch für die Wiese wirst, meine Süße. „Rein zufällig“ spülte diese „Friedens“-Politik allein im letzten jahr 1,8 Milliarden in die Kasse und „rein zufällig“ brachen Ölpreise ein und „rein zufällig“ hetzten die Militäreinsätze von Außen die Menschen im Innern der Region aufeinander.

Es grenzt an Ironie, wenn die Ziele unserer Waffen nun zu Millionen zu uns kommen und uns Live-Berichte von der Wirkung unserer Artillerie, unserer Gewehre und unserer Granaten liefern können. Man könnte das eine Militär-Leistungsschow nennen. Wir Deutschen können angesichts der Flüchtlingsströme wirklich stolz auf die Effizienz unserer Rüstungsindustrie sein – deutsche Waffen, die schaffen schon anständig was weg. Eigentlich müssten Generäle aus kaufwilligen Ländern an den Grenzen auf Tribünen sitzen und die Parade der Flüchtlinge abnehmen – klatschend. Denn jeder einzelne dieser Flüchtlinge weiß von Bombardements, Erschießungen, Folter und Giftgas zu berichten; „rein zufällig“ entspricht das dem Bereich an Rüstung, mit dem Berlin den meisten Umsatz macht. Schon Hosni Mubarak ließ mit Linzenzbauten deutscher Schützenpanzer etliche Demonstranten zu Tode quetschen und Saudi-Arabien würde so gern deutsche Kampfpanzer kaufen, die explizit mit Sonderausrüstungen bestellt werden sollen, mit der sich hocheffizient Demonstrationen zerquetschen und auseinanderjagen lassen (die System werden übrigens international genau mit diesem Gedanken angepriesen!)

Es ist definitiv und ultimativ das Problem der geldgierigen Politik, wenn sich heute tatsächlich eine brennende Grenze durch die Bevölkerungen Europas zieht und aufrichtig von „Guten“ und „Bösen“ gesprochen werden kann. Es ist die Schuld dieser Politik, die, allerdings zumeist von Wählern und deren Votum alleingelassen, nunmehr die Menschen ihrer Länder vor die Entscheidung stellt, zu welcher Gruppe sie gehören wollen:

zu der der Verlorenen, zumeist psychisch Gestörten, Zurückgelassenen und Zurückgebliebenen, die vollkommen ohne jede Aussicht auf Erfolg ihre kärglichen „Kultur“-Reste zusammenkratzen und „verteidigen“ wollen oder

zu der derjenigen, die etwas gelernt und begriffen haben. Die Herz und Verstand haben, nicht lange nachdenken und ihre Pflicht tun, die sie als Menschen haben.

Es gibt sie, die Hässlichen und die Guten.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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