Muslime – und der tödliche Bannstrahl des christlichen Gottes

Es gibt Momente, da lösen sich die Grenzen zwischen Realität, Wahn, Wunsch und Zwangsvorstellung bis zur Unkenntlichkeit auf. Aber das ist größtenteils mit einem milden Lächeln hinnehmbar; unsere Gesellschaft lebt davon. Sie bezahlt riesige Heere, die das Wort „Entertainment!“ auf ihre Standarte pinseln, ihre Zirkuszelte aufstellen und uns heimsuchen. Meist allabendlich in Form abstrusester, einfallsreichster, buntester und wirklich unterhaltender Beiträge.

Warum denn auch nicht.

Ich selbst ziehe kulturell ansprechende und herausfordernde Beiträge im Netz und TV der Dauerbeschallung trivialer Belletristik in jeder Erscheinungsform meistens vor, schäme mich jedoch nicht, mich ab und zu tatsächlich mit den Simpsons und Sponge-Bob zu amüsieren. Ein wenig panem gehört zum circenses, ist genehmigt und macht Spaß.

Ich liebte den Film „Excalibur“, da er sich auf das Einfühlsamste mit der Artus-Sage auseinandersetzt, die ich schon als Kind toll fand und die mich ein Leben lang begleitete wie Robinson Crusoe etwa oder eben auch Kara ben Nemsi.

Excalibur.

Das gibt es jetzt in einer etwas verstörenden, neuen Version: Der US-Waffenhersteller Spike’s Tactical hat nun ein neues Schnellfeuergewehr gebaut und preist es als magischen Zauberstab an, mit dem sich sozusagen auf Wunsch Muslime pulverisieren lassen. Allein nur die Berührung dieses Gewehrs mit der Bezeichnung AR-15 „Crusader“ durch einen Muslimen soll, so der Sprecher des Unternehmens, Ben “Mookie” Thomas, möglichst einen Blitz aus dem Himmel auf den Ketzer hinunterfahren lassen und diesen auf der Stelle töten.

Das ist jetzt kein Witz – das lässt sich bequem googlen. (Man gebe nur „AR-15 Crusader“ ein!)

Dies zu erreichen, schlug man mehrere mystische, verschwurbelte und verrückte Embleme und Bibelsprüche ins Metall des Gewehres. Da ist das Wappen der Kreuzfahrer zu sehen und seitlich prangt der Psalm 144:1, der, vom Gewehr ins Deutsche übersetzt, heißt:

Gesegnet sei der Herr, mein Fels, der meine Hand für den Krieg übt und meine Finger für den Streit.

Der Sicherungshebel der Waffe kennt drei Stellungen (bei normalen Schnellfeuergewehren ist dies Dauerfeuer, Einzelschuss und Sicherung): „Krieg“, „Frieden“ und „Gott will es!“

Mir ist nun nicht ganz klar, inwiefern dies ganze Gewehr vom Hersteller nur als Werbegag mit solchen Symbolen überzogen und mit einer krankhaften Geschichte umkleidet worden ist, nach welcher sich die Waffe in Kreuzfahrermanier in Verbindung mit christlichem, kranken Wahn ausschließlich gegen Muslime wenden soll. Ich halte mich da an einen empörten US-Amerikaner, der verlauten ließ, dass sich also wohl nur christliche Terroristen eine solche Waffe zulegen werden.

Natürlich wird das Gewehr ein toller Verkaufshit. Gegen die falschgläubigen Muselmanen mit ihrer komischen Gottesanbetung helfen offenbar nur Fetische, Reliquien, geweihtes Wasser, Qur’an-Zerstörungen, Gottesdienste, Gebete, geweihte Waffen – und ein möglichst großes Ausmaß an Dummheit.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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