Deutsche Kultur – und niemand will sie …..

Es gab eine Zeit, da hätte es tatsächlich funktionieren können.

Eine Epoche in Deutschland, die zum Taktgeber, zum Vordenker wurde und eine unvergleichliche Avantgarde hervorbrachte. Kritische, neue und entflammte Geister, die die Düsternis, die triviale Plattheit, die Härte und Kälte der Vergangenheit zugunsten neuer Ideen abgeschüttelt hatten. Das beginnende 19. Jahrhundert brachte eine ganze Reihe großer Denker hervor, denen kritisches Hinschauen Programm war; sie stellten die Dunkelheit des Mittelalters, seine Dogmen und vor allem seine Brutalitäten, Menschenverachtung und die aus Dummheit geborene Hörigkeit in Frage. Sie haben eine neue Welt entworfen.

Legendär ist die Auseinandersetzung zwischen Johann Wolfgang von Goethe, dem Universalgelehrten und wortgewaltigen Literaten und Friedrich Schiller, dem Heißblütigen, dem Widersacher, dem Rebellen. Die Reibung zwischen diesen beiden war überaus fruchtbar – und vor allem der Sehnsucht nach neuen Definitionen und Lebensrezepten entsprungen. Ein neuer Humanismus hatte beide verbunden und dem waren sie beide verpflichtet.

Auf diesen philosophischen Grundfesten errichteten die Väter der neuen Bundesrepublik Deutschland einen neuen Staat; sie waren bis ins Mark von den Verbrechen, den rasenden und blökenden Massen und einem bisher noch nie dagewesenen Ausmaß an Zerstörungen erschrocken und entsetzt. Millionen tumber Idioten, besoffen von einem verrenkten, bis ins Wahnwitzige hochstilisierten Germanismus, hatten ein Deutschland in die Welt getragen, das völlig zu Recht mit einer versammelten Erhebung der Welt vernichtet werden musste. Deshalb bin ich ein unbeirrbarer Fan des Deutschen Grundgesetzes; es ist für mich nicht nur die fortschrittlichste und weitreichendste Verfassung eines modernen Staates, sondern zumindest zwischen seinen Zeilen be- und verarbeitet es das maßlose Entsetzen über die damals jüngere Vergangenheit.

Ich zitiere einmal aus einer Rede eines Vorstandsvorsitzenden, der als Repräsentant eines multinationalen Großkonzerns mit deutschem Sitz unlängst sagte:

„Denn wer Menschen nur nach Leistung bewertet, der verliert die Chance auf eine Gesellschaft, die Stärken aus ihrer Vielfalt zieht. Menschlichkeit und Mitgefühl gehören untrennbar zum neuen Leitbild des Deutschen Traums“

Wo ist diese Gesellschaft hingeraten, dass die Vertreter ihrer Industrie die Politik und die Bürger an Werte erinnern muss, die sie von den Genannten vorgedacht und umgesetzt sehen müsste. Wo sind wir bloß hingekommen, dass diese wahrhaft urdeutschen Träume, diese letzten überlebenden, ja fast schäbigen Reste deutscher Kultur ausgerechnet von Vertetern der Industrie angesprochen und verteidigt werden müssen – während Bürger und Politiker nur blöken.

Der „German Dream“ beruhe auf dem Versprechen des Friedens. Deutschland habe sich aufgrund seiner historischen Verantwortung auf die friedliche Lösung von Konflikten verpflichtet. Dieses Friedensversprechen gründe auch auf der politischen Stabilität der sozialen Marktwirtschaft, die soziale Sicherheit sowie Teilhabe und gesellschaftliche Integration und Anerkennung durch Erwerbsarbeit und Bildung garantiert. „Das Friedensversprechen und der Wohlstand unseres Landes üben auf Millionen Menschen eine ungeheure Anziehungskraft aus“

Ich halte es für entlarvend und hochnotpeinlich, dass sich niemand in der Politik findet, der diese und solche Sätze laut und vernehmlich sagt – sondern nur Schranzen, die auf ihre nächste Wahl schielen und von „Verständnis“ fabulieren, welches man den besoffenen Massen „entgegenbringen“ und dass man angeblich deren „Sorgen verstehen“ müsse.

Muss man nicht.

Goethe war für seine aufbrausende, zuweilen arrogante und hochnäsige Art bekannt. Diese eher schlechteren Charaktereigenschaften offenbarte er jedoch nur dummen Menschen gegenüber, die ihre selbstgewählte Dummheit mit wohlfeilen „Argumenten“ beschützen wollten. Das war etwas, was Goethe nie mochte und auch nicht ertrug: gedankliche Bewegungslosigkeit aus Bequemlichkeit. Er applaudierte und förderte Menschen, die nach Bildung strebten, Erkenntnisse suchten, nach Höherem griffen – und das war für ihn Merkmal „deutscher Kultur“. Sein Werk, seine Errungenschaften, seine Methode waren vorbildlich und all das wäre etwas gewesen, auf das Deutschland wirklich stolz hätte sein können. Man würde diese Medaille als Deutscher jedoch nur auf dem Revers tragen können, wenn man auch folgendem, unerschütterlichen Grundsatz Goethes Treue schwören würde:

Ein Land, das seine Fremden nicht ehrt, wird untergehen.

Die wenigsten Deutschen, die mit Goethe mehr als folternde Langeweile aus dem Schulunterricht verbinden, realisieren jedoch, dass er der erste aller vornehmsten, streitbarsten und glühendst überzeugten Muslime Deutschlands selber war. Bräsige Deutsche, denen dies nicht in ihr seltsames Gemanentum passt, würden unter völliger Negation und Ignoranz des Werks Goethes diesen gern aus diesem „Verdacht“ retten wollen – der Versuch ist jedoch völlig sinnlos, wenn man allein nur folgendes Gedicht aus seiner Feder würdigt:

Wofür ich Allah höchlich danke?
Dass er Leiden und Wissen getrennt.
Verzweifeln müsste jeder Kranke,
Das Übel kennend, wie der Arzt es kennt.

Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam »Gott ergeben« heißt,
In Islam leben und sterben wir alle.

Dabei gibt es noch eine ganze Reihe von Anmerkungen, Gedichten, ja schriftlichen und unzweifelhaften Bekenntnissen Goethes für diese Tatsache. Selbst den Moment seines Sterbens lassen diese fragwürdigen, „deutsch“-tümelnden Ignoranten nicht von ihrem Versuch unberührt, Goethe aus seinem Bekenntnis zu zerren: dem Tode nahe, nicht mehr fähig zu sprechen, „malte“ Goethe mit letzter Kraft mit einem Finger ein Zeichen in die Luft, welches man immer als „W“ gedeutet haben wollte. Das arabische Schriftzeichen (Goethe las und schrieb fließend arabisch!), dass unserem „W“ ähnelt, steht für das Wort „Allah“ – und es ist vornehmste Pflicht eines Muslimen und höchste Gnade Allahs, beim Eintritt des Todes Seiner zu gedenken.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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