Israel – die „dritte Intifada“ läuft ab wie geplant

Das Ungleichgewicht in der medialen Aufarbeitung der Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Regierung zeigt das schreckliche Bild von Verrückten, die aus dem Nichts heraus mit gezückten Messern Passanten niederstechen. Ohne aktive Beihilfe seitens der mit Israel „befreundeten“ Nationen wäre die Installation dieses Bildes nicht möglich; zwischenzeitlich existieren von etlichen Zwischenfällen dieser Art recht überzeugende Videoaufnahmen, die das Gegenteil von dem beweisen, was die israelische Polizei und Regierung behaupten.

In Zahlen: seit dem dritten Oktober erschoss die Polizei 24 Palästinenser, davon acht Kinder und eine schwangere Frau. Insgesamt wurden 1.300 Menschen verwundet. Nur am letzten Sonntag wurden 174 Menschen verwundet, davon sind 52 lebensbedrohlich verletzt.

Diese Zahlen tauchen in der westlichen Presse nicht auf – weil sie nicht mit den israelischen Verlautbarungen über Zwischenfälle zusammenpassen.

Ich zitiere einen Bericht von Amnesty International:

Israelische Kräfte töteten mindestens zwei Palästinenser, einer davon ein Kind, unter Umständen die zeigen, dass die Tötungen unrechtmäßig waren, möglicherweise außergerichtliche Hinrichtungen und exzessive Gewalt in erheblichem Ausmaß anwandten, einschließlich des Gebrauchs von scharfer Munition gegen Menschen, die keine unmittelbare Lebensgefahr dargestellt hatten oder durch die schwere Verletzungen drohten.

Da die israelische Regierung um die Gefahr, dass dennoch Nachrichten, Bilder und Informationen über ihre Politik nach außen dringen, weiß, verpasste sie der israelischen Presse einen Maulkorb.

Zwei israelische Journalisten, Anat Kamm und Uri Blau, wurden in 2010 zu jeweils drei Jahren Haft verurteilt, weil sie Dokumente der Regierung über deren Attentatsplanungen in die Öffentlichkeit lanciert hatten. Diese Dokumente hatten bewiesen, dass Israel spezielle Attentatseinheiten vorhält, die politische Führer und Kämpfer der Palästinenser hinrichten und ihren Tod später als „Unglück“ infolge einer gescheiterten Festnahme verkleiden sollen.

Desweiteren existieren Videos von verkleideten Israelis, die sich als Palästinenser ausgeben, unter Protestierende mischen und diese zum Steinewerfen auffordern. Greift einer der Protestierenden zu einem Stein, ziehen diese Einsatzkräfte ihre Waffen und verhaften. Das ist jedoch nicht alles – denn die Absicht dahinter vervollständigt sich im Rahmen der jüngst erlassenen bzw. dramatisch verschärften Gesetze, nach denen sie zu „Terroristen“ erklärt, ihre Häuser binnen zwei Wochen abgerissen, ihre Aufenthaltsgenehmigung für Israel zurückgezogen und den Angehörigen verboten wird, das Haus neu zu errichten. Die israelische Gesetzgebung ist durch die widerliche Rassistin und Extremistin (Beweise dafür können geliefert werden!) und bezeichnenderweise Justizministerin Ayelet Shaked im Vorfeld passend dazu vorbereitet worden.

Damit die Gewalt seitens Israel effizient wird, gab die Regierung für die Bevölkerung die Nutzung des 0.22 Ruger-Gewehrs frei.

Die Hinrichtung des Fadi Alloun am vierten Oktober ist gleich durch zwei Videoaufnahmen bestens belegt; beide Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen, dass Alloun ohne jeden erkennbaren Anlass aus größerer Distanz niedergeschossen wurde – begleitet von erregten, hebräischen Rufen wie beispielsweise: „Knall ihn ab! Er ist ein Araber!“. Die Aufnahmen zeigen einen fliehenden, jungen Mann, der in einer künstlich durch Absperrungen angelegten Sackgasse voller Angst einen Ausweg sucht um zu fliehen. Die israelische Regierung und Polizei sollte anschließend behaupten, Alloun habe angeblich ein Messer gezückt, eine lebensbedrohliche Gefahr dargestellt und habe erschossen werden müssen. Eine ganz klar erkennbare Lüge.

Diese Vorkommnisse finden ihren Weg in unsere Medien nicht. Jüdische hardliner auch hier in Deutschland wischen sie vom Tisch und bezeichnen sie als „Paliwood“ was andeuten soll, dass diese Aufnahmen gestellt sein sollen.

Benjamin Netanjahu ist aufgrund seiner extrem schwachen Regierung, die lediglich dank einer einzigen Mehrstimme regiert, auf seinen jüdisch-extremistischen, politisch agierenden Background dringend angewiesen. Selbst wenn, was ich persönlich nicht ansatzweise glaube, er selbst die exzessive Gewaltanwendung zumindest bedauern sollte, hat er keine Möglichkeit, dem ein Ende zu setzen – weil er damit seiner eigenen Regierung ein Ende setzen würde. Ihm bleibt nur der Weg in die Radikalität; er muss die Bevölkerung ausreichend aufstacheln, um mit ihrer Hilfe und der Kumpanei der „befreundeten“ Staaten weitere, ethnische Säuberungen durchführen und für eine weitere Radikalisierung sorgen zu können.

Diese „dritte Intifada“ ist sorgsam von seiner Regierung geplant und im Vorfeld ausgearbeitet und vorbereitet worden. Den Wellen der exzessiven Gewalt wurde eine dazu passende Gesetzeslage vorgebaut. Die Dynamik der Geister, die Netanjahu rief, hat er größtenteils unterschätzt und er wird in naher Zukunft ein Opfer seiner eigenen Politik. Denn die alten Widerstandskräfte Palästinas reagieren bei weitem nicht so aggressiv wie von ihm geplant, dafür aber ergreift eine ganz wesentlich jüngere, entschiedenere Generation in Palästina die Initiative und schlägt vermehrt zu. Wie in allen Fällen zuvor auch, so wird Israel die Büchse der Pandora, die es diesmal selbst geöffnet hat, nicht mehr schließen können. Wieder einmal wird die israelische Regierung zu lernen haben, dass man die Bestie der Gewalt nicht zügeln, nicht zähmen und nicht reiten kann. Aber diesmal, fürchte ich, werden nicht nur viele Palästinenser, sondern mit ihnen auch viele unschuldige und gänzlich unbeteiligte Israelis den Tod finden.

Vielleicht wird es noch eine, zwei oder drei Wochen dauern – aber soviel scheint mir sicher: die alten Kräfte in Palästina werden und können sich den Rang nicht ablaufen und die Kontrolle über die Aggressionen fortnehmen lassen. Sie werden sich mit Feuerüberfällen auf Schulbusse etwa, Sprengstoffanschläge in dichten Menschenmassen und Ähnlichem blutig zurückmelden. Es wird natürlich zu Anschlägen kommen, gegen die kein massives Polizei- oder Militäraufgebot, keine Straßensperren und keine Waffenfreigabe für die israelische Bevölkerung helfen werden – oder könnten.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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