Israel – die seltsamen Träume des Benjamin Mileikowski

Derzeit gibt es viele, extrem radikale Ideen auf Israels Straßen und sie zeigen extreme Auswirkungen. Auf kaum etwas davon kann man sich vorbereiten, kaum etwas davon erahnen und demzufolge wird man kaum vermeiden können, in die Irre geleitet zu werden. Nicht scheint zu sein, wie es hingestellt und verkauft wird.

Nehmen wir Benjamin Mileikowski. Seine Großeltern hießen Nathan und Sarah Mileikowski. Das ist völlig in der Ordnung so. Bisher läuft mit der Geschichte Benjamins alles seinen geregelten Gang. Wir müssen jetzt aber langsam aufpassen, weil es sich um Nathan, seinen Sohn Benzion und seinen Enkel Benjamin nun zu verwickeln beginnt.

Nathan und Sarah Mileikowski jedenfalls wanderten zusammen mit ihrem Sohn Benzion 1920 von Warschau aus nach Israel aus. Warum auch nicht. Die kleine Familie wohnte zeitweise in Jaffa, Tel Aviv und in Safed, bevor sie sich in Jerusalem endgültig niederließ. Alles in Ordnung soweit.

Nun wenden wir uns einem Ort in Israel zu, der irgendwie gar nichts mit dem Benjamin zu tun hat, dem wir uns widmen wollen:

Netanya

Netanya, gelegen an der Mittelmeerküste und außerhalb jedes Verdachts, bedeutsam oder besonders wichtig zu sein. Schauen wir uns die Satellitensicht von Netanya an:

Netanya 2

Zugegeben: aus dieser Perspektive entdeckt man keine U-Boot-Stützpunkte oder geheimen Raketensilos. Und wenn ich noch so sehr in meinem Hirnkasten grabe kann ich nichts zutage fördern, was Netanya aus historischer Sicht wichtig erscheinen ließe.

Und vor allem: was hat nun der beschauliche Ort Netanya mit Benjamin Mileikowski zu tun? Was soll das alles?

Das erscheint mir eine gute und interessante Frage zu sein. Sehr arabisch übrigens. Nehmen wir den Beinamen von Saddam Hussein, genannt „al-Tikriti“. Oder den Vorgänger des heutigen Großimams der Universität und Moschee al-Azhar zu Kairo: Dr. al-Tantaoui.

Verwirrt? Dann ist ja alles gut.

Die genannten Araber haben eine Gemeinsamkeit: sie tragen den Namen des Ortes in sich, dem sie, bzw. ihre Sippe entstammen. Hussein stammt aus Tikrit, Dr. al-Tantaoui ganz offensichtlich aus dem ägyptischen Ort Tanta.

Die Familie unseres Benjamins warf nach ihrer Ankunft in Israel weit mehr von sich fort als „nur“ ihre Geschichte und Kultur – sondern auch ihren Namen. Ob sie befürchteten, dass man sich über „Mileikowski“ lustig machen würde, weiß ich nicht. Jedenfalls richtete sich alles Sehnen von Benjamins Familie, der nicht wie seine Vorväter „Mileikowski“ heißen durfte, auf den Ort Netanya – und benannte sich in „Netanya-hu“ um. Vermutlich verhält sich das „-hu“ im Hebräischen ähnlich wie im Arabischen das angehängte „-i“ (vgl. „al-Tikrit-i„) – aber ich weiß das nicht, ich bin kein Linguist.

Das ist ja nicht schlimm. Es gab schon Menschen in der Musikwelt, die sich aus unerfindlichen Gründen erst „Prinz“ und dann „Der-Künstler-der-vorher-als-‚Prinz‘-bekannt-war“ („Tafkap“, „The artist, formerly known as prince“) nannten.

Wenn da nicht eine sehr seltsame Geschichte bekannt geworden wäre, nach welcher unser kleiner Benjamin Mileikowski (eigentlich ja) nicht von seltsamen Ideen angesichts eines Rings überwältigt worden wäre, den ihm irgendein Antikendirektor nach Ausgrabungen übergab. Er sei etwa 2.800 Jahre alt und trüge die Inschrift „Netanyahu“, den Namen eines höherrangigen Beamten und dadurch habe Mileikowski offenbar Vision erlitten, der Ärmste.

Seine Großeltern, die noch Nathan und Sarah Mileikowski geheißen haben, waren sehr rechtzeitig aus einer Region entflohen, die bald von einem Meer von Verrückten mit Wahnideen verbrannt werden sollte. Da waberten seltsame Heldenmythen wie Nebelstreife durch die Köpfe der Leute und sie sahen sich auf einmal alle mit Stahlhelmen auf dem Kopf, an dem lustige Gefügelteile angeschraubt waren und mit Speeren in der Hand – obschon sie fleißig Kanonen bauten und geschmackloses Braun am Körper trugen. Holla die Waldfee, wenn man sich mit den seltsamen Geschichtsträumen dieser Leute befasst, denkt man schon an die vielen Napoleons, die in Irrenhäusern leben.

Irgendeiner kam auf die verrückte Idee, dass der kleine Benjamin (eigentlich) Mileikowski statt Napoleon und Kaiser doch lieber Netanyahu und Präsident sein sollte – was ziemlich abgedreht klingt, wenn man sich das unter dem Eindruck seiner persönlichen „Ringparabel“ vorstellt.

Aber macht ja nichts. Das gab es alles schon. In Form eines kleinen, buckeligen Manns mit irrwitzigem Schnurbärtchen, den sie plötzlich alle als „Gröfaz“, als „größten Feldherrn aller Zeiten“ wahrgenommen und den sie als kühnen, germanischen Recken gesehen haben.

Dagegen gibt es Therapien. Und Tabletten. Und Häuser, in denen man sich um Germanen, „Präsidenten“ und Napoleons ganz professionell kümmert.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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