Israel – das „arme Opfer“ arabischer Gewalttätigkeit an einem Beispiel

Die Juden Nazideutschlands sind auf Befehl eines Palästinensers umgebracht  worden. Israel kenne keinen Rassismus, keinen Faschismus, sei stets auf Frieden bedacht – und die Erde ist eine Scheibe. Das ist es, was uns dieser seltsame Benjamin Mileikowski, genannt „Netanyahu“, weis machen möchte.

Betrachten wir einmal einen Ort im Westjordanland: Hebron. Nur mal so als Beispiel.

In Hebron kam der herzkranke Hashem al-Azzeh nach der Inhalation von Tränengas zu Tode. Er hätte nicht sterben müssen. Theoretisch hätte ihn ein Krankenwagen erreichen können – und dann wieder doch nicht: Israel verbietet Palästinensern im Westjordanland (also genau dem Land, welches gemäß UN-Statur als palästinensischer Staat auszugründen ist!) die Nutzung von zumindest bestimmten Straßen durch Palästinenser. Diese Straßen im außerisraelischen Hebron sind für israelische Siedler reserviert.

Hashem al-Azzeh erlitt eine Herzattacke und seine Nachbarn transportierten ihn so gut es eben ging hügelabwärts bis zum nächsten israelischen Checkpoint (ein militärischer Checkpoint Israels außerhalb Israels also).  Dort wurden sie trotz zunehmender Beschwerden Al-Azzehs mitten in einer Tränengaswolke gute zehn Minuten festgehalten. Als die Leute mit dem Kranken das Krankenhaus erreichten, konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Er hinterlässt seine Frau Nisreen und vier Kinder. Das älteste davon ist 16.

Die dicht gelegene, illegale, israelische Siedlung Tel Rumeida beherbergt bekanntermaßen besonders viele besonders extremistische, rassistische, israelische Siedler.

Ein Neffe al-Azzehs, damals gerade neun Jahre alt, erhielt von einigen von ihnen einen Stein in den Mund gedrückt, was ihm mehrere Zähne ausschlug. Al-Azzeh erhielt bei einem Überfall von Siedlern auf sein Haus ebenfalls Zähne ausgeschlagen, während das Haus verwüstet und alles Mobiliar zerstört wurde.

Journalist Bassam Shweiki: „Die Siedler von Hebron sind die fanatischsten Siedler im Westjordanland.“

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Die „armen Opfer“ unter den israelischen Siedlern hinterlassen schon mal recht bizarre und höchst fragwürdige „Grüße“ an den Wänden palästinensischer Orte. „Gas the Arabs!“ – wirkt das nicht sehr seltsam, wenn ein Jude solche Sprüche sprüht …. ?

Das „JDL“ der Unterschrift bezieht sich auf die „Jewish Defense Legue“ („Jüdische Verteidigungsliga“) und verrät, dass sich diese angreifenden, hasserfüllten und extremistischen Juden Palästinensern ebenso überlegen und bevorrechtigt fühlen wie seinerzeit Nazideutsche gegen Juden. (Die Deutschen schmierten damals „Jude verrecke!“ an Häuserwände – und nun finde ich den Unterschied zu „Gas the Arabs!“ nicht).

Hashem al-Azzeh besaß eine kleine Olivenplantage. Durch Hindernisse, Blockaden, Angriffe und ähnliche Maßnahmen der israelischen Siedler konnte er nach fünf Jahren erstmals wieder Oliven ernten. Die Oliven, die von den israelischen Siedlern nicht bereits gestohlen worden waren. Nach der Ernte drangen Siedler unter der Führung des bekannt extremistischen Rabbiners Baruch Marzel in die Plantage ein und erklärten, dass natürlich nicht nur die Oliven, sondern auch das Land israelisches Eigentum seien, weil es „ihnen von Gott gegeben sei“. Die anwesenden Soldaten wussten um das reale Eigentumsrecht von al-Azzeh – und verwiesen ihn dennoch für den Rest des Tages seines Landes, während die Siedler darauf verblieben.

Den Soldaten der israelischen Armee ist es untersagt, mit polizeilicher Gewalt gegen Siedler vorzugehen. Ihnen ist jedoch aufgetragen, israelische Bürger mit allen Mitteln zu beschützen. Das führt regelmäßig zu der Situation, dass Siedler in Anwesenheit israelischen Militärs in palästinensische Ortschaften einfallen, Häuser vernichten und besudeln (vgl. Foto), Menschen angreifen, misshandeln, beleidigen, verletzen und töten. Lässt sich daraufhin ein Palästinenser zu Verteidigungshandlungen (in seinem Dorf, in seinem Land) hinreißen – wird er von der Armee erschossen. Unterbinden darf die Armee die Angriffe der Siedler nicht – da sie ja keine Polizeigewalt hat.

Auf diese und ähnliche Weise sind in vielen Jahren hunderte von Menschen ums Leben gekommen, verhaftet und gefoltert worden.

Die neue, israelische Anbiederei durch Netanyahu an extrem rechtsgerichtete Strömungen Europas ist zusammen mit der geschmierten Forderung von oben, man möge Araber vergasen, ein weiterer Schritt in die Richtung eines Staatswesens, dass womöglich, wenn es nicht von allein zur Besinnung kommt, ähnlich Nazideutschland damals mit Gewalt einer Staatengemeinschaft von außen zur Räson gebracht werden muss.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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