Ägypten – Flug KGL9268 in der Luft auseinandergebrochen

Die meines Erachtens dramatisch vorschnelle Information, es müsse sich bei diesem Flug um eine pannen- und problembehaftete Maschine gehandelt haben und der Absturz sei keineswegs ein Anschlag gewesen, kommt mir verdächtig vor.

Die Maschine ist nach ersten Angaben in einer Flughöhe von ca. 9.000 Metern auseinandergebrochen. Hier ist ein Video, das aus einem Helikopter gedreht worden ist, der über der Absturzstelle kreist:

Es zeigt ganz zweifellos ein ganz extrem ausgebreitetes Absturzfeld; große Teile der Maschine liegen in großer Entfernung zueinander. Eine Maschine, die „am Stück“ abstürzt, hinterlässt keinesfalls ein solch ausgedehntes Trümmerfeld. Das Flugzeug war ein 18 Jahre alter Airbus A 321. Auch, wenn man häufig im Zusammenhang mit diesem Absturz davon liest, dass dies angeblich ein Methusalemalter für eine Verkehrs- und Passagiermaschine sei,  macht es diese Legende nicht wahrer. Das Flugzeug wurde als absolut intakt bezeichnet und viele Maschinen im aktiven Passagierdienst sind ganz erheblich älter und werden auch von kleineren Fluglinien sicher betrieben. Zudem ist es ganz extrem ungewöhnlich, dass ein Flugzeug plötzlich und ohne Vorwarnung bei der als „mittel“ bezeichneten Flughöhe auseinanderbricht. Zum Zeitpunkt des Vorfalls haben auch keine außergewöhnlichen Naturereignisse oder bedrohliche Wetterlagen vorgelegen.

Zu einer spontanen Instabilität des Rumpfes kommt es natürlich fast nur, wenn die Hülle durch eine starke Kraft punktuell gestresst wird. Solche Kräfte haben in Bezug zu Flugzeugen beinahe nur Bomben bzw. Raketen.

Andererseits wird bestritten, dass der „Islamische Staat“, der auf dem Sinai in der Nähe der israelischen Grenze überaus aktiv und präsent ist, Boden-Luft-Raketen parat hielte, die eine solche Flughöhe überhaupt erreichen können. Solche Waffensysteme sind hochspeziell, nicht von jedem bedienbar, überaus teuer und nicht aus der Garage des Nachbarn zu klauen. Damit wäre an der These, dass die Maschine von Terroristen abgeschossen worden sein könnte, durchaus Zweifel angebracht.

Aber bitte keine allzu starken.

Der „IS“ konnte sich über etwa zwei Jahre reichlich an den Waffenvorräten im Irak bedienen, die die USA dort zurückgelassen hatten. Dabei handelt es sich definitiv nicht um ein paar Kisten mit Gewehrpatronen, sondern um eine extrem große Bandbreite hochspezieller Rüstungsgüter. So fielen dem „IS“ u.a. auch Kanonen nebst Munition mit ganz außergewöhnlicher Reichweite und Treffgenauigkeit aus modernster US-Fertigung in die Hände. Dazu kommen Panzer, Kampfjets, Raketensysteme der unterschiedlichsten Art. Ganz generell sind größte Bedenken gegen jede Äußerung angebracht, dass einem „IS“ irgendeine waffentechnische Fähigkeit fehlen könnte. Sehr praktisch für die Terroristen war es auch, dass sie hunderte von irakischen Armeeangehörigen festsetzen konnte, die ihrerseits durchaus willig zum Fahnenwechsel waren und gut wie gründlich an all diesen Systemen ausgebildet worden sind. Annehmen zu wollen, dass der „IS“ mit all diesen erbeuteten Waffen nichts anzufangen wüsste hieße, sich die Lage schöndenken zu wollen.

Ohne der ägyptischen Regierung eine Lüge vorwerfen zu wollen, melde ich an der brüsken Zurückweisung eines Anschlagverdachts jedoch noch größere Zweifel an.

Im Wesentlichen stütze ich mich dabei auf diese fünf Punkte:

  1. Kein Flugzeug bricht in der Luft „mal eben so“ auseinander!
  2. Der Absturz ereignete sich über dem extrem terrorgeplagten Sinai
  3. Niemand kann es als „unmöglich“ bezeichnen, dass der „IS“ diese Fähigkeit hat.
  4. Russland betätigt / äußert sich als Feind des „IS“
  5. Ägyptens Diktatur erklärt sich zum Feind des „IS“

All dies lässt mich stark bezweifeln, dass dieser Absturz eine Erklärung finden könnte, die sich jenseits eines Terrorakts befindet.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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