USA – Schießen, töten, lügen ….

Wie verrückt, wie hysterisch, wie unorganisiert und infolgedessen brutal und grauenvoll der kriegstechnische Waffengebrauch aller westlichen Staaten zwischenzeitlich gerät, wird aus guten Gründen nicht sonderlich breitgetreten, geschweige denn überhaupt bekanntgemacht.

Erst gestern traten US-Militärs vor die Mikrophone der Welt und räumten hinsichtlich der katastrophalen wie folgenreichen Bombardierung des Krankenhauses in Kunduz mit gut zwei Dutzend unschuldiger, unbeteiligter Tote eine Kausalkette von Fehlern, Irrtümern und mangelhaft ausgestalteter Prozesse ein. Nichtsdestotrotz sind diese Menschen alle tot. Und das US-Militär spricht, als handele es sich um einen angekratzten Kotflügel beim unachtsamen Einparken: ja, man habe Fehler gemacht, daraus wolle man lernen, es war halt ein Unglück.

Kein einziges Wort der Zerknirschung, keine Entschuldigung, noch nicht einmal Bedauern fand Eingang in die hochoffizielle Stellungnahme der Warlords in den USA.

In anderen Fällen wird noch ganz anders gelogen, vertuscht, gefälscht und wahrheitswidrig behauptet. Der ungeheure Verlust an Menschenleben durch fehlerhaft ausgeführte Drohnenangriffe wird ganz einfach totgeschwiegen oder schlicht negiert. Uns Bürgern soll das Bild des lächelnden und angeblich so freundlichen Obama erhalten und der Eindruck fernbleiben, die USA richte absichtsvoll mehr oder weniger „ungezielt“ Menschen hin.

Hart gelogen wird seitens der USA nicht gerade selten.

Der Vater von sechs Kindern, Muawiyya al-Amouri, verlor bei einem dieser tragisch verlaufenen Luftangriffsoperation der USA am 11. August ’15 im syrischen Atmeh nahe der türkischen Grenze sechs seiner insgesamt acht Kinder. Sechs Raketen schlugen in sein Haus ein und forderten neben dem Tod seiner Kinder auch den von drei Flüchtlingen ein, die er beherbergt hatte. Seine Frau wurde dabei schwerst verletzt und traumatisiert. Seit dem tödlichen Angriff spricht sie kein einziges Wort mehr und kann nicht mehr laufen.

Ein weiterer Vater, Yet al-Amouri, verlor bei dem gleichen Angriff fünf seiner Töchter. Er habe, wie andere Nachbarn auch, keinerlei Kenntnis von der Anwesenheit des „Islamischen Staats“ in seiner Region; seit gut zwei Jahren halten sich dort keine Terrorgruppen auf.

Doch selbst als die Kommandozentrale der USA („Centcom“) mit detaillierten Informationen über die Folgen ihres fehlgegangenen Angriffs konfrontiert wurde, reagierte diese stereotyp mit der Aussage, das Informationen bezüglich ziviler Verluste als „unbegründet“ zurückgewiesen würden und daher „unglaubwürdig“ seien. Dies Verfahren wird bei ähnlich fehlgegangenen Drohnenangriffen gewohnheitsmäßig angewendet.

Ein Arzt, der aus Furcht vor Repressalien namentlich nicht bekannt sein will, befürchtete bei dem Angriff, dass die Raketen eigentlich für das Krankenhaus gedacht gewesen seien, in dem er Dienst tut.

Major Tim Smith, Sprecher von Centcom, wiederholte die Aussage, es seien angeblich Einheiten des „IS“ sowie andere Terrorgruppen bei dem Angriff ins Visier genommen – und auch zerstört worden und es gäbe keinerlei Anzeichen ziviler Verluste. Die weit mehr als zehn toten Kinder werden also posthum von den USA zu „gefährlichen Terroristen“ erklärt.

Auch Tauqir Sharif, der als britischer Staatsbürger im nahegelegenen Flüchtlingscamp arbeitet, weiß nichts von angeblichen „Terrorgruppen“ dort. Auch andere Zeugen bestätigen, dass vom „IS“ seit einer Schießerei vor beinahe zwei Jahren und der Errichtung von Checkpoints nichts mehr zu sehen gewesen sei:

Sie haben weder Soldaten noch Militärpersonal getötet. Das [ebenso getroffene] Warenhaus war ein Warenhaus und das Haus ganz klar ein ziviles Haus. Es geschah sehr präzise, sie haben auf das Haus gezielt. Nichts blieb übrig.

Der Angriff sei bei Sonnenuntergang geschehen und erst am folgenden Morgen um 05:30 habe man im Licht von Fackeln das letzte, tote Kind bergen können.

Und wir fragen uns allen Ernstes, warum es Terror gibt und woher er kommt. Wer ihn produziert und welcher Gesinnung er wohl wäre. Dabei bräuchten wir uns nur die Trümmerfelder, die wir hinterlassen, einmal genauer anzuschauen um ermessen zu können, wie hoch der Anteil derer unter den Toten ist, die wir tatsächlich haben treffen wollen. Wir lassen aber tausende von verzweifelten Familien zurück und unsere angeblich ach so „Werte!“-volle Fratze lügt ihnen frech ins Gesicht: eure Toten gibt’s ja gar nicht. Wir schauen ihnen in die Augen und sagen ihnen, dass ihre Kinder in Wirklichkeit abgefeimte Terroristen – oder nie dagewesen wären. Und dann drehen wir uns fort, weil es dort, wo wir schießen, noch jede Menge anderer Mütter gibt, die (noch) Kinder haben, auf die wir zwar nicht zielen, die wir aber umbringen.

Und dann tun wir wieder ganz erschrocken, wenn wieder einmal Bilder von Menschen durch die Welt gehen, die unter Tränen und knirschenden Zähnen Fäuste in den Himmel recken und uns nur ein bisschen was von dem Tod gönnen, den wir anderen zumuten.

Und dann zeigen wir wider mit Fingern auf jene, behaupten, uns ganz dolle zu fürchten vor den bösen Muslimen und dass man Schluss machen müsse mit all dem Kram.

Und dann schießen wir aufs nächste Dorf, auf das nächste Krankenhaus und töten die nächsten Kinder.

 

 

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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