Israel – diese Kinderfolter ist sogar den USA zuviel.

Tariq Abukhdeir, 15 Jahre alt, hat zwei angeborene Probleme und einen Fehler gemacht, und das hat ihm viele, wuchtige Schläge und Tritte nebst Gefangenschaft eingebracht:

Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Das war sein Fehler. Seine Probleme sind seine palästinensische Abstammung und die Tatsache, dass er auch so aussieht. Obschon er US-Bürger samt Pass ist.

Am 3. Juli vergangenen Jahres geriet er an zwei israelische Soldaten, einen Tag, nachdem sein Cousin, der 16 Jahre alte Muhammad, von israelischen Extremisten lebendig verbrannt worden war.

Auch dieser Vorfall ist gleich von zwei Videoaufnahmen begleitet, die das weite, vielfache Ausholen des Soldaten mit dem Bein zeigt, mit dem er in das Gesicht des Jugendlichen tritt, als dieser längst am Boden lag und das Bewusstsein schon verloren hatte:

(Neben jeder sachlichen Debatte zum Fall stellt man sich rein menschlich die Frage, welches Vieh überhaupt dazu in der Lage ist, einen Jungen zu zweit derart zu malträtieren. Solche Exzesse kennt man aus Dokumentationen zum Dritten Reich – aber nicht aus heutigen Zivilisationen)

Schaut man sich die „Verhaftung“ so an muss man sich wundern, dass der Junge noch ein heiles Knöchelchen im Schädel hat. Im Nachgang zu den Fotos vom vollkommen verschwollenen Gesicht Tariqs ging eine Welle von Jubel- und allerlei Freudereaktionen aus dem extremistischen Israel durchs Netz.

Das ist natürlich kein Einzelfall. Derlei geschieht täglich, wird aber leider noch nicht ausnahmslos mitgefilmt – da ist noch Arbeit zu tun, Palästinensern müssen noch viel mehr Videokameras zur Verfügung gestellt werden. Allerdings ist auch das nicht ganz ungefährlich, denn zwischenzeitlich bedrohen israelische Soldaten filmende Zuschauer mit gezogenen und durchgeladenen Waffen und in zumindest einem Fall wurde einem Palästinenser mit dem Tod gedroht, wenn er die Aufnahme aus einer Überwachungskamera nicht ausliefern würde, die die Soldaten erst nach der erfolgten Erschießung eines Jugendlichen entdeckt hatten.

Im vorliegenden Fall wurde nun das Urteil des israelischen Gerichts gesprochen: (einer!) der Täter muss 45 Tage „gemeinnützige Arbeit“ leisten. Damit bleibt seine Strafe unter der, die Tariq bereits insgesamt angediehen wurde. Der Junge wurde im letzten Jahr verletzt ins Gefängnis gesteckt und dann in Hausarrest entlassen.

Zwei Umstände mussten offenbar vorliegen, um die israelische Justiz zum Handeln zu zwingen: die USA haben die oben gezeigten Videos offiziell zur Kenntnis genommen und Tariq hat einen US-amerikanischen Pass. Wie unangenehm für die israelische Regierung. Die USA, in Person des Außenamtssprechers John Kirby, musste gezwungenermaßen reagieren – und tadelte Israel.

In einer gestrigen Presseerklärung wand sich Kirby offenbar unter Schmerzen einen bizarr verdreht wirkenden Satz ab:

Wegen der klaren, auf Videofilm festgehaltener Beweise von exzessiver Gewaltanwendung ist es schwierig zu verstehen, wie dies Urteil volle Verantwortlichkeit für die Aktionen des Polizeibeamten darstellen soll.

Bei anderer Gelegenheit hatte Kirby gesagt:

Die Sicherheit, die Gefahrlosigkeit und das Beschützen amerikanischer Bürger in Übersee ist von überragender Bedeutung für die Regierung.

Aber das gilt, wie man sieht, vermutlich nur für weiße, katholische und in den USA geborene US-Bürger – mit den anderen nimmt man es nicht soooo genau. Da darf etwas Schwund schon mal sein, bevor man Gefahr läuft, Israel zu sehr mit Kritik, Tadel oder gar Maßnahmen zu verärgern.

Angesichts dieser völlig irrationalen Angst der US-amerikanischen Regierung vor dem Zwergenstaat Israel scheint es schon überaus bemerkenswert, dass Washington überhaupt reagiert hat.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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