Israel – das Öl und der „Islamische Staat“, beste Freunde … ?

Seit deutlich mehr als einem Jahr blitzen immer wieder eher seltsame Informationen auf. Am 18.02.2014 wurden Fotos von Netanyahu gemacht, der in einem israelischen Krankenhaus verletzten al-Qaida-Kämpfern lächelnd die Hand schüttelt. Die gefürchteten Terroristen genossen freie Behandlung in Israel – und wie auf den Bildern zu erkennen ist, aufmerksame und überaus freundliche Aufnahme.

Desweiteren ist es durchaus fragwürdig, dass Israel, der selbsternannte „Judenstaat“, als der schlimmste Feind aller extremistischen Organisationen bis heute keinen einzigen Anschlag, keinen einzigen Angriff und keinen einzigen Toten durch all die Terrororganisationen zu erleiden hatte, die nur wenige Kilometer entfernt alles töten, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Selbstverständlich ist das zunächst einmal über alle Maßen erfreulich – erregt jedoch beim zumindest zweiten Hinschauen allerdings Argwohn.

Diesen Umstand mit „Glück“ kommentieren zu wollen, wäre einfach nur blöd. Es muss dafür Gründe geben.

Plötzlich tut sich dann eine sehr scharf zwischen der Türkei und Russland geführte Diskussion um das angeblich in die Türkei geschmuggelte Öl des „Islamischen Staats“ auf. Wie Recherchen zeigen, haben sowohl Putin, als aber gleichzeitig auch Erdogan Recht.

Ein irakischer Offizier hat diverse wie detaillierte Informationen zum Geschäft ums Öl gegeben – und demnach verläuft das Geschäft folgendermaßen:

Der „IS“ fördert an hellen Tagesstunden aus den erbeuteten Ölfeldern im Irak.

Das Öl wird auf Tanklastzüge verladen und in den irakischen Ort Zakho gebracht. Dies liegt etwa 88 Km entfernt von Mossul.

Dort wird die Ware an Bieter aus der Türkei, dem Iran, Irak und aus dem kurdischen Teil des Iraks versteigert.

Die Fahrer geben ihre Züge ab – und erhalten jeweils leere zurück. Andere Fahrer, die Erlaubnisscheine zur Überquerung der Grenze zur Türkei halten, übernehmen die beladenen Tanker.

Da die Türkei die Übernahme von Rohöl über diesen Transportweg verbietet, macht der Konvoi Halt an einer Raffinerie, die die Ware letztlich nur kurz erhitzt. Dadurch erhält das Öl nun ein offizielles Dokument von irakischen Behörden – und kann die Grenze zur Türkei legal passieren.

Die Türkei kann das Öl aus diesem Zulauf unmöglich von dem unterscheiden, welches völlig legal von Kurden im Irak gefördert und offiziell in die Türkei transportiert bzw. verkauft wird. Es besitzt die gleichen Papiere.

Ein Mittelsmann, als „Dr. Farid“ bestens bekannt, nimmt das Öl auf. An diesem Punkt hat der „IS“ etwa zwischen 18 und 19 US-Dollar Profit an jedem Barrel Öl gemacht – und ist aus dem Geschäft.

„Dr. Farid“ besitzt eine Import-Export-Firma samt Transportkapazitäten, auch für Seewege. Über die türkischen Häfen Mersin, Ceyhan und Dortoyl führt der Weg des Terror-Öls …….

……. nach Israel.

Im August 2015 stellte die Financial Times fest, dass Israel über die vorgenannten Häfen 75 Prozent seiner Öleinkäufe bei irakischen Kurden abwickele – deren Öl sich durch nichts vom „IS“-Öl unterscheidet. 30 Prozent aller dieser Einfuhren werden im Hafen Ceyhan umgeschlagen.

Da Israel jedoch keine modernen, geschweige denn leistungsstarken Raffinerien betreibt, veräußert es den größten Teil seiner Importe über den Hafen Ashdod an „Mittelmeerländer“ und verleiht ihm mit den neuen Exportpapieren einen „semi-legalen“ Status. Israel verlangt für dies Öl zwischen 30 und 35 US-Dollar pro Barrel – macht also Gewinn.

Innerhalb von einem oder zwei Tagen wird das Öl von Israel an die Empfängerländer weiterveräußert; einen bedeutenden Anteil davon kauft Italien. An diesem Punkt ist das Öl „sauber“. Auf Befragen äußern „europäische Industrielle“ (die, verständlicherweise, nicht mit Namen bekannt sein wollen), dass der „IS“ das Öl ohne die freundliche Aufnahme durch Israel im Dreieck Türkei, Syrien und Irak verbleiben – mithin dem Weltmarkt nicht zur Verfügung stehen würde.

Dem „IS“ übrigens ist diese Geschäftsachse über Israel selbstverständlich bekannt – aber immerhin unangenehm. Das „IS“-Ölmanagement zieht sich auf Befragen offiziell auf den Standpunkt zurück, dass man keineswegs direkt an Israel liefere, sondern lediglich an „Mittelsmänner“.

Wenn also nun Putin seinem Kollegen Erdogan vorwirft, die Türkei „betreibe ein Ölgeschäft mit dem ‚IS'“, so ist das noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Wenn Erdogan alle Verbindungen seines Landes zum Terror-Öl verneint, so ist das ebenfalls noch nicht einmal die halbe Wahrheit.

Man muss schon mal in Israel nachfragen, wer wohl in der Liefer- und Käuferkette beim Terror-Öl den meisten Reibach macht. Und beantwortet sich damit wohl selbst die Frage, weshalb Israel so sehr freundlich mit islamistischen Terrorgruppen und insbesondere so aufmerksam und intensiv mit einem „Islamischen Staat“ zusammenarbeitet.

Öl ist wohl dicker als Blut.

 

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Öl, Gesellschaft, Irak, Islamischer Staat, Israel, Krieg, Naher Osten, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.