Israel – und das Entlarvende des Films

Meine Idee, dass die Flut von allerlei Videos, die israelische Bestialitäten, Grausamkeiten und Lügen offenlegen, dem Extremisten Netanyahu recht unangenehm sein müssen, wird nun bestätigt:

Wie die arabische Presse verlässlich meldet, hat Google das Anersinnen der israelischen Regierung abgelehnt, eine gemeinsame Überwachungsaktivität zu Video-Uploads zu generieren.

Die Presse schreibt, dass die Menge an Videos, die seit Beginn Oktober viele furchtbare Übergriffe israelischer Polizei und seines Militärs zeigen, von Israel mit dem Begriff „Anstiftung zur Gewalt“ belegt wird – und von der Google-eigenen Firma Youtube gelöscht sehen will.

Natürlich will Israel das.

Es war wohl Netanyahu persönlich, der mit Google auch Facebook und Twitter im Vorfeld konkret dazu aufgerufen hat, diese verräterischen Videos fortzuzensieren. Am letzten Wochenende schickte er die Stellvertretende Außenamtsministerin, Tzipi Hotovely, in ein Gespräch mit Juniper Downs von Google und Youtube-Chefin Susan Wojcicki.

Das Gespräch verlief keineswegs wie gewünscht. Israel hatte sich wohl unvorsichtigerweise darauf verlassen, dass die globale Presse für gewöhnlich regelrecht kriecherisch auf seine Wünsche reagiert. Downs und Wojcicki haben ganz entgegen israelischer Erwartungen eine betonharte Position eingenommen. Gleichzeitig haben beide indirekt und noverbal damit die Botschaft gesendet, dass solcher Druck auf anderen Ebenen und auf andere Weise auf sie ausgeübt werden müsse.

Um dennoch irgendwie Zugzwang, unangenehme Hintergrundgespräche und politischen Druck aufzubauen, entschied sich das Außenamt dazu, eine regelrechte Falschmeldung zu streuen indem es auf seinem eigenen Webauftritt behauptete, Google stimme einem gemeinsamen Überwachungsprogramm zu. Nach dem empörten Veto zu dieser Ente drehte das israelische Außenamt seine eigene Webmeldung zähneknirschend wieder zurück.

Bisher jedenfalls, Netanyahu hat seine Aufforderung offensichtlich (noch) nicht über seine Seilschaften in Washington formuliert, bisher jedenfalls weisen die angesprochenen Firmen allgemein und Google im Speziellen derartiges Anersinnen brüsk zurück:

Wir verlassen uns auf die Youtube-Community, dass sie uns Beiträge anzeigen wird, die mit unseren Richtlinien nicht zu vereinbaren sind.

Das wird sich ändern.

Im Hintergrund werden in vergleichsweiser naher Zukunft all diese Videos von Youtube verschwinden. Wenn Google auch diesem extrem ungeschickt aufgebauten Druck in der aktuellen Konstellation nicht nachgeben konnte, so wird es ihm jenseits der Presse und Weltöffentlichkeit auf Druck Washingtons dennoch selbstverständlich nachkommen.

Aber selbst dieser Trick wird und kann Israel nur eine kurze Atempause auf dem Weg zum Totalverlust der Medienkontrolle bieten. Das Internet ist groß. Es ist weit. Und es hat Hunderttausende und Millionen unerreichbare Inselchen für die Filme. Die israelische Regierung hat offenbar zwischenzeitlich erkannt, dass sich all diese Filme wie Säure durch ihre Lügengeflechte fressen und spät hat sie verstanden, dass diese Technik dabei helfen kann, sie mindestens mittelfristig zu Fall zu bringen. Jüngst im Fall Mohammed Abu Khudeir nahmen zum großen Entsetzen Israels selbst die USA unerwartet zwei Videos offiziell zur Kenntnis, die Bestialitäten israelischer Polizei gegen ihren Staatsangehörigen zeigen.

Israel hat die Herrschaft über Ton, Bild, Meinung und Präsentation und damit den Medienkrieg verloren. Es agiert nicht mehr, es hetzt nur noch hinterher, versucht, Löcher zu stopfen, die es selbst gerissen hat und Flammen auszutreten, die es selbst angezündet hat. Die Regierung hat kein neues Rezept, keine Idee mehr. Verzweifelt versucht sie nur noch, wirklich alles, was sich kritisch mit ihr auseinandersetzt, mit der ebenfalls längst zerbrochenen, abgedroschenen und nur noch ärgerlichen „Antisemitismus!“-Schreierei zu erdrücken und merkt nicht, dass sie sich damit nicht nur lächerlich, sondern jämmerlich macht.

So reagiert eine Regierung, die nicht mehr weiterweiß. Die ihre alten Wunderrezepte zerfallen und keine neuen sich entwickeln sieht. Blanke Hysterie, die nur noch schießen, verhaften, prügeln, lügen und schreien kann. Das sind die Anzeichen einer kippenden, schwankenden, stolpernden Regierung.

Es wird weltweit immer Tausende und Abertausende Blogger (wie mich) geben, die als Multiplikatoren wiederum Hunderttausenden Zugang zu diesen Filmen bereithalten werden – und allein deshalb war der Vorstoß Netanyahus halbgar, dumm geradezu, verräterisch und zeigt, nach welchen Hälmchen vagester Hoffnung er mittlerweile greift.

Ein Geschichtsschreiber würde aus der Erfahrung der Historie heraus vermutlich flüstern: Jetzt gehts aufs Ende zu.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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