Die Bibel – steht für eine „Religion des Friedens“?

Für gewöhnlich macht es keinen Sinn, Religionen miteinander zu vergleichen. Sinn macht dies nur, wenn man jemandem gegenübersteht, der glaubt, alles ganz genau zu wissen.

Und davon ist das Netz übervoll. Momentan versuchen mir Tausende von Websites wortreich und gespickt mit Argumenten endlich zu erklären, warum ich dumm, aggressiv, rückständig, verschlagen und verlogen bin. Sie reißen Verse aus dem Qur’an und glauben, mit diesen verstümmelten, blutigen Sinnfetzen damit etwas in der Hand zu halten, was ihre bizarre Haltung, ihre Wut und ihre Aggressivität zur „Verteidigung“ macht.

Dies Video beweist nur eines vollkommen klar: mit der richtigen „Argumentationstechnik“ formt man auch aus dem christlichen Glauben eine Ansammlung aus Leichen, Folter, grauenvolle Tötungsabsichten, Engstirnigkeit und Intoleranz. Das geht ganz leicht. Nach wenigen Augenblicken findet man genügend „saftige“ Zitate in der Bibel – und mit der gleichen Technik des Auseinanderreißens findet man auch darin den gleichen Antrieb für Massenmord und Quälereien.

Der Haken daran ist nur: dumme Plapperer lesen all diese Schriften nicht; sie fragen nicht, sie hören nicht zu, sie wollen nicht lernen. Deshalb begreifen sie auch nicht und Tausende und Abertausende plärrender, blökender Schäfchen laufen auf ihre Schlächter zu, die ihnen den Weg zum Schlachtblock mit diesen herausgerissenen Seiten markieren.

Ich war noch nie ein verstandesfreier Dogmatiker. Deshalb habe ich mich grundsätzlich immer standhaft geweigert jemanden zu hassen, ihm Übles zu wollen, bloß weil irgendjemand mit dem Finger auf ihn zeigt und mir befehlen wollte: „Du musst ihn hassen.“

Deshalb habe ich auch Shiiten grundsätzlich immer sehr aufmerksam zugehört und sorgfältig geprüft, was sie mir über spirituelle Fragen sagten. Und jetzt ist es der iranische Ajatollah Chamenei, der mit seiner Rede an die Jugendlichen Europas einige sehr weise, eindringliche und leicht nachvollziehbare Gedanken gegen den Hass in unsere Länder sandte. Er legt mit seiner Rede Ehre für den Islam und mehr als einer Milliarde Muslime ein, verleiht ihnen die ihnen zustehende Würde – trotzdem missioniert seine Rede nicht und sie will es auch gar nicht.

Ajatollah Chamenei ruft zur Ruhe auf und auch dazu, die wahrhaft schrecklichste und zerstörerischste Waffe der Welt scharfzumachen und auch zu benutzen:

den Verstand.

Denn das ist ein Terrorismus, den die Kriegsherren und -Hetzer der Welt am weitaus meisten fürchten. Diese Waffe, einmal gezündet, frisst sich durch die ganze Welt, sucht und findet falsche Pläne, Lügen, Schauspielerei, Fälschung und vernichtet sie. Gegen die Lüge und sinnentleertes, hasserfülltes und hässliches plappern hilft: Lesen. Nachdenken. Fragen. Hinschauen.

Die Gegenwehr gegen diese ultimative Waffe stellt sich derzeit schon auf: immer mehr „Experten“ und „Ängstliche“ plappern immer lauter, finden immer mehr Gründe zum Schießen, Hassen, Vernichten, Lügen. Der Ajatollah hat recht: wir, die Generation 40 +, wir alle sind die Verlorenen, die Gekauften, die Feigen, die Tatenlosen und die Lügner. Die Hoffnung liegt allein auf unseren Kindern, selbst wenn wir ihre Milch schon mit dem Grün des Hasses mischen.

Wir, die Generation 40+, wir alle haben versagt – weil wir uns davongestohlen haben, als es an uns gewesen wäre, die Kriege gegen den Irak und gegen Afghanistan zu stoppen. Wir waren alle weg. Die einen „mussten arbeiten“, die anderen „bauen ein Haus“, die nächsten „waren in Urlaub“, niemand hatte Lust auf das Problem und alle wählten viel lieber die Joker-Entschuldigung „Wir haben Angst!“, weil wir uns hier mit „Angst“ und Angst gut auskennen und gelernt haben, das Angst alles entschuldigen kann. Jedes Versagen.

Tun wir einfach nur das völlig Unvorhergesehene. Das in den Augen der Mächtigen Schlimmste. Wagen wir alle, Atheisten, Muslime, Christen, Nichtmuslime einfach mal ein verrücktes  Experiment:

Einfach mal aufhören zu hassen.

Und dann schauen wir einfach mal, was passiert. Und während wir darauf warten, beschäftigen wir uns mit uns. Wir hören uns einfach mal zu. Wir essen miteinander. Wir feiern. Und hören auf zu schießen. Und zu hassen.

Wäre das nicht mal eine spannende Abwechslung?

 

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Atheismus, Atheist, Bibel, Christen, Christentum, Djihad, Geschichte, Gesellschaft, Glaube, Islam, Jude, Juden, Judentum, Kultur, Leben, Liebe, Muslim, Muslime, Politik, Revolution, Shia, Shiiten, Sunniten abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.