Syrien – Versuchsfeld für neue Waffen

Prekärerweise erinnert das heutige Vorgehen der versammelten Koalitionäre, die sich mit ihren Kampfjets in Schwärmen auf Syrien werfen, ein wenig an Hiroshima und Nagasaki.

Der erste Atombombenwurf über Hiroshima war gleichzeitig ein Waffentest. Hatte man die Waffe vorher zwar durchaus auf ihre Schlag- bzw. Explosionskraft getestet, ist sie allerdings vor dem Abwurf auf die japanische Stadt noch nicht unter Einsatzbedingungen ausprobiert worden. Das erledigte dann der Bomber Enola Gay. Statt auf einem Gerüst befand sich nun die Waffe in einem Bombencontainer, war mit einem Höhenmesser ausgerüstet, der die Detonation beim Abwurf herbeiführen sollte. Wie wir wissen, hat alles funktioniert.

So ein Schlachtfeld wie Syrien lädt mit seiner fatalen Unübersichtlichkeit geradezu zum Waffentest ein. Beinah spielerisch lassen sich neuentwickelte Testwaffen zur ersten Anwendung bringen; bei dem ohnehin längst erreichten, maximalen Grad der Verwüstungen sind Spuren von besonders widerlichen Waffen kaum auszumachen.

Jedenfalls registrieren einige irakische Behörden seltsame Waffenwirkungen bzw. Ereignisse, speziell in den Orten Tikrit und Baiji, sowie im kürzlich zurückeroberten Sinjar. Ein offizieller Behördenvertreter sagte:

[Internationale] Koalitionsflugzeuge von einigen Staaten [die nicht einzeln benannt werden] haben Bomben und Raketen während ihrer Luftoperationen gegen den „IS“ im Irak eingesetzt und Informationen besagen, dass sie einen Einfluss auf die Umwelt für Zivilisten, Tiere und Pflanzen in den Zielregionen hatten.

Insgesamt habe man drei verschiedene Berichte erhalten. Einen von einer militärischen Einheit und zwei von zivilen Organisationen. Dort sei die Rede von „verbrannten Leichen“, „giftigen Gasen“, „erstickenden Tieren“ und „vertrocknenden Pflanzen“. Einige der Bomben verursachen Blutgerinnsel und Hirnblutungen innerhalb eines Radius von 1.000 Metern um den Einschlagspunkt.

Das ist selbstverständlich auch noch nicht die ganze Erklärung für den medialen Fake der Koalition, zwar scharenweise Bomber, allerdings so gut wie keinen einzigen, regulären Soldaten in Syrien hineinzuwerfen. Unter diesem Aspekt scheint es vollkommen logisch: man würde zwar durchaus die eigenen Leute in eigenen Kampfstoffen umkommen lassen, allerdings fürchtet man den lästigen Aufschrei in den eigenen Bevölkerungen und ein lautes Lamento über die lästigen „Menschenrechte“ darüber. Es könnte Schadensersatzklagen in unendlicher Fülle und Höhe regnen – bloß wegen des „Kollateralschadens“, den man in den eigenen Reihen anrichten würde. In den zurückliegenden Jahrzehnten war man weit weniger zimperlich, sowohl die eigenen Kampftruppen, als aber auch den „Feind“ in Nebeln von Kampfgasen, sonstigen, chemischen und biologischen Schweinereien und Feuerwänden von Napalm zu opfern. Speziell die USA hatten noch nie ein Problem damit, unter Lügen eigene Soldaten zuhause testweise unter neuentwickelten Kampfstoffen verrecken zu lassen.

Jetzt redet man nicht über das „Testfeld Syrien“. Das wäre zu unappetitlich. Unsere Presse hier wird diese Information ganz konsequent „nicht haben“ – weil sie sie nicht haben will. Die ganze, schöne Kriegsbegeisterung erhielte einen Knacks, die einzelnen Nationalregierungen äußern sich voller Solidarität und zerstören nur aus Nächstenliebe. Sie bomben Syrien unser westliches Verständnis von Anstand ein – da kämen Nachrichten, dass man Syrien auch als Freiluftlabor benötigt, nicht so gut.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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