Israel – und die vielen tausend „Einzelfälle“

Wenn zwei das gleiche tun, ist’s noch lang nicht dasselbe!

Ein geflügeltes Wort.

Es gibt dafür ein ganz einfaches Beispiel: immer, wenn sich Palästinenser und sonstwo Muslime zusammenfinden, mit dem Leid ihrer Leute, die zu Fremden im eigenen Land gemacht werden sollen, nicht mehr fertigwerden und Fäuste in die Kameras schütteln, dann ist das ausweislich westlicher und insbesondere israelischer Presse immer nur die Nachricht vom „üblichen und überall unter Muslimen vertretenen Antisemitismus“. Dann tauchen solche Fotos und Filme plötzlich überall auf, werden öffentlich breit diskutiert und zur Geige der Medien schlägt die israelische Regierung den Takt.

Man wisse ja, wird dann zumindest als Randbemerkung grundsätzlich nie vergessen, dass alle Muslime und besonders Palästinenser nichts anderes können als die armen, israelischen Opfer zu verhöhnen, sie zu beleidigen und mit dem Tode zu bedrohen.

Solche Aufnahmen allerdings findet man in der oben bezeichneten Presse eigentlich nie:

Kunststück. Das würde auch das Bild eines angeblich so friedensbemühten und um Versöhnung verzweifelt ringenden Israels, dessen Bewohner alle den Islam respektieren, ankratzen. (Ganz nebenbei bemerkt: das Video wurde von B’Tselem, einer israelischen Menschenrechtsorganisation, gedreht und veröffentlicht. Aber die gelten u.a. wegen solcher Aktionen auch breitflächig als „Verräter“ unter den Extremisten Israels.)

Die im Video gezeigten Israelis johlen, lachen und tanzen zu einem beleidigenden Lied, das zielgerichtet und absichtsvoll genau an der Siedlungsgrenze abgespielt und somit als Beleidigung gedacht war. Angesichts der Aufnahme kann es keinen Zweifel geben: hier sollten Palästinenser absichtsvoll provoziert werden. Und das nicht irgendwo. Nicht etwa in Israel. Sondern außerhalb Israels in der palästinensischen Siedlung Kiryat Arba bei Hebron.

 

hebron_graffitti

Deshalb findet sich auch nirgendwo in unserer Presse ein Foto wie dieses hier … das zeigt, dass Extremisten Israels (von der „Jewish Defence Ligue“, kurz „JDL“) „Vergast die Araber!“ auf ein palästinensisches Wohnhaus geschmiert hatten. Das ist mal schon eine heftige Hausnummer: Juden fordern zum Vergasen auf. Was nicht alles möglich ist, wenn der Hass nur groß genug ist. Juden. Vergasen andere. Das lasse man sich auf der Zunge zergehen.

Glaubt man den durch die israelische Regierung massiv beeinflussten Medien, könnten einem die Tränen vor Mitleid kommen. Solche Übergriffe seitens kreischender Israelis werden, selbst wenn sie dutzendfach und jeden Tag geschehen, ganz einfach unterdrückt. Ist ihr Bekanntwerden nicht mehr zu verhindern, dann handelt es sich eben ganz einfach nur um ein „paar verwirrte Einzeltäter“, derer man schon habhaft werden könnte – wenn man es denn wollte. Man will aber gar nicht.

Erst kürzlich musste die BBC öffentlich wie offiziell eingestehen, ihre Berichterstattung zugunsten israelischer Propaganda so verrenkt und verfälscht zu haben, dass sich komplette Sachverhalte ganz anders darstellen – nämlich ganz im Sinne der Regierung Israels. Anhand eines mitgeschnittenen Interviews, in welchem absichtsvoll falsche Eindrücke erzeugt und Informationen verfälscht worden sind, wurde der Vorfall konkret bekannt – und er ist beleibe kein Einzelfall.

Da laufen offizielle Israelis viel lieber mit demonstrativ zerrissenem Gewand und schluchzend vor Verzweiflung durch die Welt und greinen, sie wüssten angeblich überhaupt nicht, warum die Palästinenser so böse auf sie wären. Natürlich können sie auf die medialen Siebe im Westen vertrauen, die negative Schlagzeilen über Israel zurückhalten und alle offiziellen Beteuerungen und Behauptungen im Handumdrehen veröffentlichen.

Denn seien wir mal ehrlich: haben wir Fotos und Filme wie die hier gezeigten schon mal von westlichen Medien präsentiert bekommen?

Nein?

Warum nicht?

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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