Satire: Weihnachtsbäume über Syrien!

Ungefähr da, wo wir heute unsere Bomben werfen, vielleicht nur ein paar Meter weiter westwärts, da erschien der frommen Legende nach dieser hübsche Stern und kündete frohe Botschaft.

Die Weisen aus dem Morgenlande folgten dem Stern – so berichtet es uns der freundliche Pfarrer von nebenan und stimmt uns damit ein auf eine fried- wie freudvolle Weihnacht.

Heute ist es kein Stern, dem so viele Menschen auf seinem einsamen Weg über das Firmament folgen. Auch wenn es hell leuchtet und einen strahlenden Schweif hinter sich herzieht – es ist kein Stern, dem so viele Menschen folgen. Es sind Raketen. Die leuchten nachts auch und ziehen einen Schweif hinter sich her.

Wenn wir uns unter dem Bild des Sterns versammeln, der über den Spitzen unserer Weihnachtsbäume blinkt und funkelt, wenn wir darunter unsere Geschenke austauschen und öffnen, vielleicht, wenn die letzten Strophen der frommen und friedlichen Weihnachtslieder ausklingen, dann sollten wir einen unserer Gedanken den Menschen gönnen, die staunend auf die fauchenden und gleißenden Raketen und Cruise Missiles hinaufschauen, während wir Gänsebraten essen.

Kein „Stern von Bethlehem“ kündet ihnen frohe Botschaft – nur das Röhren von Raketentriebwerken, das Feuer aus den Triebwerken der Bomber erhellt den Himmel über Syrien. Immer hinein. Immer hinein mit unserer „frohen“ Botschaft zu Weihnachten. Tausende von Tonnen Sprengstoffen unverpackt, gratis und frei Haus – das sind unsere Geschenke an die Welt. Stilecht wie gleißende (Weihnachts-) Sterne am Firmament. Was für eine tolle Botschaft! Wie hell sie von Frieden klingt! Wir werden den Syrern schon beibringen, was Weihnachten für uns bedeutet: für uns die Gans und das Lied, für euch der Tod und die Flammen. Gnadenlos verabreichen wir Syrien Weihnachten – bis zum letzten Blutstropfen. Wir zwingen erbarmungslos den Frieden auf. Mit aller Härte. Und unseren „Sternen“.

Im Zweiten Weltkrieg warfen die großen Bomber über Deutschland in der Nacht große Schwärme von Leuchtkörpern über der exakten Zielregion als Markierung für die nachfolgenden Verbände ab. Sie wirkten wie funkelnde und strahlende Christbäume – und so wurden sie von den Piloten oben und den Opfern unten auch genannt.

Christbäume.

Wollen wir den Syrern das Sterben nicht durch solche „Christbäume“ ein wenig lichtvoller gestalten? Auch wenn das zweite, gesungene „Nacht“ in „Stille Nacht, heilige …..“ im Detonationsdonner unserer Bomben untergeht? Wenigstens ein bisschen weihnachtliches Glitzern am Himmel? Um das Sterben unter Trümmern ein wenig würdiger, feierlicher zu gestalten?

Wären das nicht erheblich besinnlichere Weihnachten in Syrien? Oben die röhrenden Raketentriebwerke als „Stern von Bethlehem“ und von den Wolken bis auf den Boden einen glitzernden „Christbaum“? Wollen wir ein wenig mit roten Schleifen geschmückte Tannenzweige dazu abwerfen? Kerzen? Oh nein …. die doch besser nicht …. es brennt ja ohnehin alles, wenn die besinnlichen Sekunden den ohrenbetäubenden Einschlägen weichen.

Lasset uns singen unter unseren Weihnachtsbäumen aus Nadelholz, unter unserem „Stern von Bethlehem“ aus Stroh. Gedenken wir, während wir ganz besonders laut singen (es sei denn, wir haben den Fernseher abgeschaltet, dann müssen wir die Explosionen in Syrien nicht übertönen), den vielen Menschen in Syrien, die sich kaum über ihre Weihnachts-„Sterne“ am Himmel freuen können, die wir ihnen schenken.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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