Israel – frohe Botschaft für seine Menschen!

Was macht man, wenn man einen schwerkranken Verwandten oder Freund zu seiner Operation begleitet? Wenn ein besonders aufwendiger Eingriff auf ihn wartet – der vielleicht sicher gelingt, aber eine schmerzvolle, lange Zeit der Gesundung erfordert?

Hält man den Freund davon zurück? Sagt man ihm, dass man die längst nach außen schlagenden, nässenden Geschwüre weder sehen noch riechen würde? Dass der Freund völlig gesund sei? Will man ihm die lange und schmerzhafte Zeit bis zur Genesung ersparen?

Wohl eher nicht. Ich würde den Kranken in den Arm nehmen, wenn er die Entscheidung zum Eingriff getroffen hätte und würde ihm die Zeit nach Abschluss der Gesundung in schillerndsten Farben schildern:

Begleiten wir von nun an Israel auf dem Weg zur Gesundung. Hoffen wir für das Land, seine Bürger und seine Nachbarn, dass der Eingriff erfolgreich und schnell und die Zeit der Schmerzen danach kurz sein möge. Es wartet eine Zeit ohne stinkenden Hass, ohne beständige Bedrohung, ohne Kriege auf die Leute Israels – wer immer sie sein mögen: Juden, Muslime, Nichtjuden, Nichtmuslime, Weiße, Schwarze, Rote, Gelbe. Irgendwann wickelt man den letzten Verband von einer Wunde und plötzlich steht ein Jude neben einem Muslimen und erntet Oliven, baut Geräte am Fließband, presst Tabletten und es wird egal sein, ob es nun ein „jüdisches“ oder „muslimisches“ Medikament ist, denn beide Arbeiter sind auf ihr israelisches Mittel stolz. Da hebt ein Ahmed die fallengelassene Börse von Yitzchak auf und lächelt dabei und Menachem drückt Mohammed eine Münze in die Hand, weil der grad nichts Kleines für die Parkuhr hat. Aishe spielt mit Rebecca im Sandkasten und Feisal mopst mit Aaron bei der Oma frische Kekse. Das ist das Israel der Zukunft und das wartet auf alle, wenn der letzte Verband verschwindet.

Die Bewegung „BDS“ („Boycott, Divestment, Sanctions“), die mit steigender Tendenz außerhalb Israels für den Stop von Investments werben, die illegalerweise von Israel im Westjordanland angeworben worden sind, verzeichnet in steigendem Maße Erfolg. Die Geschwüre Israels, die mit ihrem eigenen Land auch die Nachbarschaft in Unruhe, Kämpfen, Not, Elend und Hass verstrickt halten wollen, haben bereits reagiert und heulen getroffen auf.

Weltweit hat die Aktion bereits Investionsvolumina in mindestens zweistelliger Millionenhöhe vernichtet. Namhafte Konzerne wie etwa Veolia und Orange zogen bereits allein Millionenwerte zurück. Der dänische Pensionsfond ist ein äußerst finanzstarkes Unternehmen und vergibt millionenschwere Investitionen. Er zieht sich gerade ebenfalls aus Israel zurück. Israels Wirtschaft hat längst zu leiden begonnen; die Ausfuhr von Gütern (zu denen auch die im Westjordanland illegal hergestellten Waren gerechnet werden!), hat in einer Größenordnung von ca. 50 Prozent nachgelassen. Das ist eine für Israels Wirtschaft höchst bedeutsame Größe; zusammen mit dem Einbruch der Verkäufe ins Westjordanland von ungefähr 25 Prozent gerät das Land damit in sichtbare Schieflage. Die Regierung Netanyahu hat das Problem viel zu spät erkannt. Nun, da die Aktion BDS weltweit immer größere Ausdehnung, Kraft und (Verhandlungs-) Geschick erwirbt und sich die Zahl der Unternehmen, die sich aus dem Westjordanland und Israel insgesamt zurückziehen konsequent weiter ansteigt, greifen die hilf- wie ratlosen Defamierungskampagnen im Grunde gar nicht mehr.

Die Israellobby geht zwei Wege: die eine Hälfte steckt den Kopf in den Sand und plärrt: „Alles gar nicht wahr!“ und weigert sich, das Bedrohliche an „BDS“ einzugestehen. Die andere glaubt, sie könne mit Schmierereien in Zeitungen und alten, zahnlosen wie unfreiwillig lustig gewordenen Greisen wie Henryk M. Broder, abgefeimten Einflussnahmen über die Politik und Gerichtsverfahren eine Kursänderung herbeiführen. Das alles aber funktioniert nicht mehr.

Der Patient verlässt die Tür seines Hauses – und beginnt seinen Weg zum Krankenhaus. Sein Bett wartet schon auf ihn, sein Name steht schon darauf:

Vielen mag es eine Petitesse und unwichtig gewesen sein, aber auch dieser vermeintlich kleine Trippelschritt war sehr bedeutsam: Palästina hisste seine Flagge vor dem UN-Gebäude. Das extremistische und hasserfüllte Israel kreischte deshalb allein schon so laut auf, als habe man Netanyahu selbst vergiftet.

Am 22. Dezember nun bog der Patient Israel um eine Häuserecke und vielleicht kann er schon, noch fern am Ende der Straße, etwas vom Krankenhaus entdecken:

Das griechische Parlament erkennt Palästina nun offiziell auch als Staat an – schon das allein ist für die Geschwüre Israels ein tiefer Schnitt. Griechenland ist nur eines von vielen Ländern auf diesem Weg – es wird, so sagt es, künftig seine Briefe nie wieder an die „palästinensische Behörde“, sondern an „Palästina“ richten. Wie gern wäre ich im Kreise meiner Geschwister dort gewesen, als diese Nachricht eintraf! Soviel Freude! Soviel Tränen! Soviel Hoffnung!

Die Extremisten um Netanyahu wissen längst, dass sie ihr „Groß-Israel“ nie erleben werden. Ihre feuchten Träume von einem ethnisch gesäuberten Faschistenstaat zielen ins Leere, ihre Brutalitäten bleiben ohne Erfolg. Schon an den vielen namhaften und bemerkenswerten wie unverhohlenen Drohungen, als es sich wieder einmal am Tempelberg vergreifen wollte, musste dieses faschistische und vernagelte Israel erkennen, dass es bald am Ende sein wird. Es wird noch Tausende, vielleicht Zehntausende in den Tod treiben und reißen. Es wird noch Hunderte, vielleicht Tausende von Kindern verbrennen, Menschen foltern, erschießen, verhaften, vergiften und belügen – aber Erfolg wird es nicht haben. Wenn es nicht die Politik der Weltgemeinschaft ist, die das kranke Israel operieren und die Geschwüre aus dem Leib Israels herausschneiden wird, dann wird dies eben die Weltgemeinschaft tun. Zur Not auch ohne ihre Politik. Denn die wird sich zögerlich, knurrend und trotz heftiger Gegenwehr von ihren Wählern in die Ächtung des heutigen Israels hineinziehen lassen (müssen!).

Du wirst sterben, Geschwür Israels. Auf die eine oder andere Weise herausgeschnitten blutig oder unblutig. Dein Leib, das Land mitsamt all seiner Menschen und Nachbarn wird gesunden und überleben – soviel ist sicher. Es wird sein wie damals in al-Andalus, in Istanbul, in Marokko und es wird wie damals und dort völlig egal sein, ob nun Juden oder Muslime in der Mehr- oder Minderheit sind:

keiner wird den anderen wegen seiner Abstammung oder Religion hassen.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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