Israel – Update zu den Leichenspielen

In den letzten Tagen haben israelische „Sicherheits“-Behörden tatsächlich einige Leichen an ihre jeweiligen, palästinensischen Angehörigen zurückerstattet. Insgesamt hielt Israel seit Beginn Oktober vergangenen Jahres achtzig Leichen zurück. Allerdings war die Herausgabe an Bedingungen gebunden: die Leichen mussten unverzüglich nach Herausgabe und nur nachts bestattet werden – und eine Autopsie wurde verboten.

Die Leichen sind auf -35 Grad Celsius heruntergekühlt abgegeben worden. Das ist international ganz extrem ungewöhnlich; üblicherweise bewegen sich die Aufbewahrungstemperaturen in einem Bereich von +2 bis maximal -25 Grad. Sabir al-Aloul von der Forensik der Al-Quds-Universität bezeichnet dies als Abwehrmaßnahme gegen eine Untersuchung der Leichen; bei diesen Temperaturen ist eine Autopsie völlig unmöglich. Er zitiert seinerseits einen Gerichtsmediziner, nach dessen Auffassung die Leichen in einem insgesamt „schlechten“ Zustand wären.

Er findet bei vielen Leichen viele Einschüsse, abgegeben aus geringer Entfernung, in Kopf und Brust, den Verwundungen nach kamen sogenannte „Dum-dum“-Geschosse zum Einsatz. Zudem finden sich bei einigen Leichen so wie bei der von Mamoun Khatib, 16 Jahre alt, Spuren von Folter.

Mahdia Hammad, eine Mutter von vier Kindern, ist regelrecht hingerichtet worden. Am 25. Dezember wurde sie  in Silwad, einer kleineren Stadt nahe Ramallah, von mehr als einem Dutzend Kugeln getroffen worden. Als die Frau bereits tot über ihrem Lenkrad zusammengebrochen war, sprang ein weiterer Polizist zum Auto und feuerte eine weitere Salve in ihren Kopf ab. Vorwürfe gegen sie, sie habe angeblich mit ihrem Auto eine Straßensperre rammen wollen, sind durch zahlreiche Zeugenaussagen klar zurückgewiesen worden. Wohl um ganz sicher zu gehen, dass die Frau auch wirklich tot war, hinderten israelische Polizisten Sanitäter so lange am Zutritt, bis sie vollständig ausgeblutet war.

Im Allgemeinen ist es wohl beinah nur glücklichen Umständen zu verdanken, wenn eine Autopsie dennoch gelingt. In Nablus wurde Maher Hussein al-Jabi, 45, eher irrtümlich in seinem Auto erschossen. Als er überprüft werden sollte, geriet ein Soldat ins Stolpern und stürzte. Ein anderer Soldat, der dies aus dem Augenwinkel heraus erkannte, feuerte reflexhaft auf das vorfahrende Auto. Al-Jabis Leiche wurde von einem Explosivgeschoss (!) in den Kopf und eine Hand getroffen.

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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