Köln – Randbemerkungen…

Um es gleich vorweg zu sagen: an den massenhaften Übergriffen von Männern auf Frauen gibt es weder etwas zu beschönigen noch zu relativieren – geschweige denn zu entschuldigen.

Es sind schon weitaus mehr als nur ausreichend Dumpfblöde aus der braunen Ecke unserer Republik unterwegs, die über harte Strafen und Konsequenzen gegenüber Fliehenden und Migranten allgemein nachsinnen.

Denen sollte folgendes nähergelegt werden:

Ich halte die überaus laut geführte Diskussion um die Vorkommnisse für ziemlich verlogen und heuchlerisch. Angeblich geht es (wieder einmal) darum, deutsche „Werte“ zu verteidigen und Frauen vor „Nordafrikanern“ zu beschützen. Ich hielte es für angebracht, wenn sich diese „Werte“-Schützer im Ausland, in Thailand beispielsweise, vor Thai-Mädchen stellen und diese vor der Geilheit ihrer Landsleute bewahren würden. Wenn sie damit fertig sind, fänden sie in den beliebten, millionenfach von Deutschen jährlich heimgesuchten Urlaubsregionen im Nahen und Mittleren Osten ein überreiches Tätigkeitsfeld. Ich selber habe Myriaden deutscher Frauen sehen müssen, die dort ihr (häufig überreichliches, welkendes) Fleisch freiziehen – und damit natürlich jedes Gastrecht mit Füßen treten. Seltsamerweise aber glauben Europäer, darauf irgendein Recht zu haben. Darauf angesprochen (und das habe ich getan!), erhält man zumeist aus dem Stand die aggressive Antwort, dass man das ja immerhin alles bezahlt habe und demzufolge tun könne, was einem beliebe.

Durch die Brille eines der so vielfach neuerdings gescholtenen „Nordafrikaner“ relativiert sich das Geschehen von Köln und Hamburg durchaus.

Erlaubt ist in Deutschland ganz generell, was Geld bringt. Wer sich also im Ausland eine Minderjährige kauft, der kann zumindest darauf hoffen, dass ihm die meisten europäischen Männer dies neiden. Hierzulande werden Frauen per Katalog eingekauft – Rücksendung bei Nichtgefallen inbegriffen.

Wir richten es uns hier schon recht hübsch ein – letztlich ist alles immer nur eine Frage der Definition. Wenn ein Türke seine Frau tötet, dann ist das immer ein „islamistischer Ehrenmord“ und wenn ein Deutscher seine Frau tötet, dann wird dies zu einer „Beziehungstat“ erklärt. Und das sogar dann, wenn der Täter ganz offen erklärt, dass er seine „Ehre“ gefährdet sah, als er tötete.

Wir erklären heute Ansammlungen von Ausländern / Migranten / Fliehenden zur potenziellen Gefahr und rufen nach Polizei und harten Strafen. Dass aber an ziemlich jedem Wochenende große Fußballspiele von Hundertschaften von der Polizei in voller Kampfmontur begleitet und massiv vor uns selbst beschützt werden müssen, verkommt nur zu gern zu Randnotizen in der Presse. Selbst kein Fußballfan, hat es mich anlässlich einer nachdrücklichen Einladung zu einem Spiel ziemlich heftig gegraust.

Tausende gröhlender, bereits vor dem Spiel angetrunkener oder gar sturzbesoffener Leute wälzen sich auf die Eingänge zu und müssen umringt werden von großen Mengen voll aufgerüsteter Polizisten. Auf dem Boden befindet sich eine undefinierbare Substanz, die aus Urin, Bier, Blut und Erbrochenem besteht. Darüber bewegen sich einige wenige Menschen, die sich furchtsam umblicken, wohl das Auftauchen von Hooligans befürchtend. Der Rest der Masse wirkt unkontrolliert, bedrohlich. Man wird das Gefühl nicht los, dass sich die ganze Szene innerhalb von wenigen Augenblicken in ein Kriegsgebiet voll fliegender Fäuste verwandeln könnte – was es zuweilen ja auch tut.

Es ist alles nur eine Frage der Definition.

Ich selbst nehme den muslimischen Tätern von Köln und Hamburg äußerst übel, was sie getan haben. Ich erwarte von Muslimen erheblich mehr Disziplin und ordentliche Lebensführung. Alle anderen Täter tragen geringere Schuld; nicht selten können sie recht eng an der Wahrheit behaupten, keine effektive Leitung, Erziehung und Regelwerke kennengelernt zu haben. Ein Jugendlicher, der in unserer Umwelt verzerrter, zu bloßen Abziehbildern verkommener „Werte“ aufwächst und täglich mitansehen muss, wie selbst gegen diese völlig unwirksamen Absichtserklärungen täglich tausendfach mit billigsten Entschuldigungen verstoßen wird, ist grundsätzlich dazu verführt, keine Rechte anderer beschützen zu müssen.

Daraus entsteht die Wagenburgmentalität unserer Gesellschaft: was wir tun, kann immer von irgendjemandem gesundgebetet werden. Es findet sich immer einer, der einem schlau erklären kann, weshalb eine „C“SU oder „C“DU beispielsweise ihr „C“ nicht endlich aufgeben. Die Fakten sprechen eine andere Sprache; Christen dürfen keine Waffen an irgendjemanden liefern – sie dürften sie noch nicht einmal bauen. Christen dürfen jemanden, der in Not ist und zum Überleben Hilfe braucht, nicht vor der Tür stehen lassen. Eine Argumentation in Richtung „Obergrenze“ oder „Kontingent“ ist demzufolge für Christen im Ansatz bereits verlogen und heuchlerisch.

Wir erlauben uns aber, andere Menschen und Gesellschaften auf Basis unseres eigenen Anspruchs (dem wir selbst nicht gerecht werden!) zu beurteilen, zu bewerten und zu kritisieren. Der „Nordafrikaner“, der sich gegen eine Frau vergeht, ist ein „dreckiger Islamist“. Der Deutsche, der exakt das gleiche tut ….. meine Güte …. der war halt betrunken …. ist doch nix passiert ….. kommt doch jeden Tag vor.

Da spielt es auch überhaupt keine Rolle mehr, dass langsam aber sicher die Sprachregelung offiziell relativiert wird. An Neujahr war noch die Rede von „Nordafrikanern“, später von Leuten „mit überwiegend nordafrikanischem Aussehen„. Liebe Güte ….. wenn ich nach drei Wochen aus der Sonne komme, findet mich auch niemand als Europäer heraus, wenn ich mit „Nordafrikanern“ zusammenstehe. Dann war von „Migranten und Flüchtlingen“ die Rede – plötzlich aber wurde von „langjährig bekannten Intensivtätern“ gesprochen.

Zu spät. Der Shitstorm gegen Nordafrikaner, Fliehende und/oder Migranten hatte sich längst warmgelaufen.

Auf einmal konnte die Öffentlichkeit die kleinlaut vorgetragene Meldung, nach welchen punktuell vorgetragene Massenangriffe offenbar organisierter Täter seit Jahren bekannt und somit keine Neuigkeit sind, wahrnehmen – obschon auch das längst keinen Unterschied mehr macht.

Das Vorkommnis in meiner westfälischen Heimatstadt (nicht Dresden oder Leipzig zum Beispiel!) vor wenigen Jahren, als Horden Duteznder organisierter Rechtsradikaler gröhlend, prügelnd und zerstörend vom Bahnhof aus eine Spur der Verwüstung durch das Örtchen zogen, einige Leute zusammengeschlagen, bestohlen und erniedrigt haben, fand nur sehr beiläufig Erwähnung im örtlichen Käseblättchen – und keinesfalls darüberhinaus Kenntnisnahme.

Erst jetzt sickern immer mehr Detailinformationen in die Öffentlichkeit und vervollständigen das Bild. Zu spät. Die Täter hatten sich offenbar aus einer unüberblickbaren Menge von Menschen gelöst, die ohnehin vollkommen betrunken Feuerwerkskörper und -Raketen aufeinander gefeuert und geworfen hatten und sowieso längst losgelöst agierte. Da erscheint es zumindest höchst schwierig zu sein, die Täterschaft überhaupt auch nur „überwiegend“ aus  „Nordafrikanern“ zusammengesetzt gesehen haben zu wollen.

Waren es nun achthundert Ausländer – und zweihundert Deutsche?

Waren es nun achthundert Deutsche – und zweihundert Ausländer?

Oder jeweils fünfhundert? Oder mehr? Oder weniger?

Und was ist ein Täter, der in zweiter Generation Deutscher ist? Irgendwie doch „Nordafrikaner“? Ist das so? Und ein Täter, der in dritter einer ist? Und was ist mit Heribert Kowalski, der Kind einer polnischstämmigen Familie in vierter Generation ist? Ist das ein „mieser Pollacke“?

Egal. Differenzierung ist in Zeiten einfacher Lebensrezepte nicht sehr populär. Es gibt eine neue Sucht nach Verflachung, Vereinfachung und Polarisierung. Tatsächliche Werte haben keine Konjunktur.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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