Glosse: Was ist Scheuer? Und wo geht man mit sowas hin?

Wer Scheuer ist?

Reflexhaft findet sich als erstes folgende, stichhaltige, korrekte und vielsagende Entdeckung:

„Scheuer“ ist in „be-scheuer-t“ zu finden. Man muss sich über diesen Wortzusammenhang ernsthaft Gedanken machen.

Linguistisch drängt sich diese phonetische Zusammengehörigkeit bis hin zur Unauflösbarkeit auf. Ihr ist definitiv nicht zu entkommen. Scheuer – das ist sinngleich mit bescheuert.

Scheuer – das steht demzufolge für eine Handlung, deren Problematik, Idotie, Unsinnigkeit, Gefährlichkeit unübersehbar ist. Man meint zeitgleich den „C“SU-Politiker Andreas Scheuer, wenn man jemanden dabei beobachtet, der seinem Auto etwa die Reifen zersticht, um es tieferzulegen. Man handelt wie Andreas Scheuer, wenn man, weil man nichts anderes, flüssiges zur Verfügung hat, Hausbrände mit Benzin löscht. Man könnte (oder müsste?) „Scheuer“ heißen, wenn man Hundekot aufsammelt und genüsslich mit Senf im Brötchen verspeist, bloß weil er vom Volksmund „Wurst“ genannt wird.

Sowenig man über Handlungen eines Clowns im Zirkus je ernsthaft diskutieren würde, weil sie ja im direkten Sinne bescheuert sind und deshalb nichts als Lachen zum Ziel haben, sowenig existiert irgendeine Nowendigkeit, sich mit Äußerungen des „Politikers“ Scheuer tiefer zu befassen – sie sind ja, wie sein Name sofort verrät, eben be-scheuert. In Wissenschaft liegt Wahrheit. Vertrauen wir also fest auf die Linguistik und bezeichnen nun künftig bescheuerte Handlungen mit exakt diesem Begriff – auch wenn wir dessen eigentlichen Ursprung heute neu verorten müssen.

Das ist völlig richtig so und wird von der Geschichte vieltausendmal unter Beweis gestellt und deutlich gezeigt. Bezeichnete man bis weit ins 18. Jahrhundert mit dem Wort Elektra noch eine Göttin, so dient ihr Name heute für eine Form der Energie, die in der Antike nicht bekannt war, als das Wort Elektra in unsere Welt kam. Begrifflich viel näher an unseren Scheuer kommt das Beispiel um Natrun. Das war einmal nichts als der Name für einen ägyptischen Ort, in dem die Substanz gefördert wurde, die wir bis heute als Natron kennen und in hunderttausenden von Tonnen jährlich auch einsetzen.

Scheuer selbst ist für diese Neudefinition in der deutschen Sprache zuständig und verantwortlich. Wer allen Ernstes fordert, straffällige Migranten ohne Gerichtsverfahren auf bloßen Vorwurf hin aus dem Lande zu werfen, der will Hausbrände mit Benzin löschen, zersticht zum Zwecke des Tieferlegens die Reifen seines Autos und sammelt mit Speichelfaden der Vorfreude am Mundwinkel Hunde-„Würste“ auf.

Das hätten wir also. Mehr brauchen wir um die Hintergründe zur Forderung Scheuers, sprachliche Begriffsdefinitionen neu zu fassen, nicht wissen. Selbstverständlich hat Scheuer seinen Vorstoß ausschließlich nur aus dem Grunde, endlich den persönlichen Weg in den Duden zu schaffen, überhaupt gewagt. Der eine sehnt sich nach seinem eigenen Eintrag in Wikipedia, der andere ins Strafregister, der nächste in Politikerlisten und der nächste will halt irgendwie in den Duden. Man muss sich darüber nicht wundern, immerhin ist er ja, wie wir jetzt verstehen, be-scheuer-t.

Allerdings muss Scheuer nacharbeiten – denn da stimmt etwas nicht:

Es ist deutsches Grundrecht, dass ein Verdächtiger nicht nur ein Recht auf eine Gerichtsverhandlung, sondern sogar auf einen kostenlosen Pflichtverteidiger hat. Und an der Stelle wird es eng für Scheuer und bringt uns Deutschen ein heftiges Problem: da er sich gegen deutsches Recht stellt, erfüllt sich seine Forderung direkt und sofort gegen ihn selbst.

Also gut. Was machen wir denn jetzt?

Eine Ausweisung ist unausweichlich. Aber wohin? Da er selbst Fliehende, Migranten von Gerichtsverfahren ausschließen will, erkennt er ihnen das Menschsein ab. Wenn er dies jedoch tut, verstößt er sich selbst aus diesem Grundrecht. Wir müssen Scheuer also nun verklappen. Da er auf dem Foto, das ich auf SPIEGEL-Online von ihm finde, nicht strahlt, kann er nicht im Fass in ein Atommüllendlager. Außerdem wäre er für einen Salzstock in hunderten Metern Tiefe viel zu toxisch. Sowas wie er dringt an die Bisophäre. Man könnte über eine Deponierung in der Arktis nachdenken; der Nachteil daran wäre, dass er sich jahrhundertelang frisch halten würde. Das muss verhindert werden.

Vielleicht sollte man mit den USA in der Richtung verhandeln, Guantanamo Bay doch offenzuhalten und Scheuer dort einzubringen. Er wird sich da sehr wohl fühlen – denn dort sitzen seit mehr als einem Jahrzehnt auch Menschen, denen ein ordentliches Gerichtsverfahren verweigert wird. Und so ein bisschen Folter verkürzt die Langeweile, Waterboarding pflegt die Haut und Elektroschocks machen frisch wie eine liebevolle Massage.

Wir sollten uns schnell entscheiden – sonst bleiben wir auf Dauer bescheuert.

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Asyl, Christen, Christentum, Deutschland, Flüchtlinge, Fliehende, Flucht, Folter, Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Leben, Pegida, Politik, Presse, Terror, Wissenschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.