Israel – Hinrichtung & Wahrheitsverdrängung

Wie schon häufiger und in immer schneller aufeinanderfolgenden Wellen beobachtet, wird die israelische Regierung zunehmend von der Realität ereilt. Netanyahu gleiten die Zügel aus der Hand; viel zu lange hat er alternative und parallele Wege von Nachrichten, die sein Land verlassen, nicht ernst genommen. Als er bemerkt hatte, dass hier sein Hebel für Manipulationen, Druck, Drohungen anzusetzen wäre, war es längst zu spät.

Wie hier schon berichtet, bedient sich die israelische Regierung nicht unbedingt sehr subtiler Mittel im Kampf um die Deutungs- und Nachrichtenhoheit. Um unliebsame Meldungen zu unterdrücken, sogar existierende von Presseorganen im Nachhinein zurechtschnitzen zu lassen, werden Botschaften, Diplomaten, Außenministerien mit recht unverhohlenen Forderungen in Form übler Briefe überschüttet. Die englische BBC hat dies gleich mehrfach ereilt; sie musste auf Druck der englischen Regierung, die entsprechende Briefe, Drohungen und Anrufe vom israelischen Botschafter erhalten hatte, gelieferte Nachrichten verändern.

Aber das funktioniert kaum noch. Selbst wenn die israelische Regierung prominente Presseorgane noch über diplomatische Kanäle manipulieren kann, versagt dies bei dem dicker werdenden Strom von Nachrichten, die auf ganz anderen Wegen ihren Platz in der Öffentlichkeit erhalten – und nun auch nicht mehr von „befreundeten“ Regierungen einfach ausgeblendet, totgeschwiegen und ignoriert werden können.

Die USA hatten unlängst zum großen Entsetzen der israelischen Regierung anlässlich der Folterung eines ihrer Staatsbürger tatsächlich zwei Videoaufnahmen als Beweis für eben diese Folterung offiziell zur Kenntnis genommen. Diese Aufnahmen stammten von Privatleuten und fanden ihren abenteuerlichen Weg bis hinein ins Oval Office, auf den Bildschirm des US-Präsidenten und hinein in seinen Kopf. Beim besten Willen war die Zurkenntnisnahme dieser Filme nicht mehr aufzuhalten oder zu unterdrücken.

Auf Basis einer Flut von Augenzeugen- und Videobeweisen, die defintiv von niemandem mehr geleugnet und ignoriert werden können, schält sich nun die Erkenntnis ebenfalls global offiziell heraus, dass ein zwar unsicherer, allerdings mit Sicherheit recht hoher Prozentsatz aller Tötungen von Palästinensern, denen stereotyp einfach und lapidar eine „Messerattacke“ vorgeworfen wird, nichts als willkürliche Hinrichtungen waren.

Nun gibt es Länder, denen es aufgrund ihrer Ignoranz und ihres Schweigens extrem schwer fällt, Wirkung zu zeigen und Israel offen anzuklagen. Der Dolch der Wahrheit würde sich gegen sie selbst in Form der Frage wenden, weshalb man denn solange geschwiegen und dem hemmungslosen Töten zugesehen habe.

Schweden gehört nicht zu diesen Ländern. Dessen Außenministerin, Margot Wallstrom, verdächtigt Israel nun auf höchster Ebene ganz offen willkürlicher Hinrichtungen und fordert Untersuchungen ein. Da Israel gewohnheitsmäßig als letzte Abwehrmaßnahme gegen die Möglichkeit, dass Wahrheit ans Licht kommen könnte, meist reflexhaft eigene Untersuchungen ankündigt um sie selbst fälschen zu können, schob Wallstrom gleich hinterher, dass es „gründliche“ und, vor allem, „glaubwürdige“ Untersuchungen sein müssten. Solche gibt es nämlich nicht in Israel. Grundsätzlich nicht.

Man hätte die Uhr danach stellen können, wenn man Netanyahu und seine zuweilen polternde Ungeschicklichkeit kennt. Statt den Vorfall möglichst totzuschweigen, was er ebenfalls ganz gern und gelegentlich als Stilmittel einsetzt, brüllt er los, vermeidet keine noch so hanebüchene und sogar zynische Verbalisierung dabei und macht im Grunde nur noch alles schlimmer – und, alhamdulillah, auch lauter, offener.

Ich denke, was die schwedische Außenministerin gesagt hat, ist empörend. Ich denke es ist amoralisch, es ist ungerecht und einfach nur falsch.

Das hört sich eher an wie ein plärrendes Kleinkind, dass sich den Hintern nach einem väterlichen Klaps reibt.

Als der messerschwingende Terrorist in Paris erschossen wurde, war das eine willkürliche Hinrichtung? Schlägt die schwedische Außenministerin eine Untersuchung dazu vor, was in Paris geschehen ist?

Nun … dass die Erschießung eines erkennbar Bewaffneten in Paris im Gegensatz zu etlichen, von israelischen „Sicherheits“-Kräften abgeknallten Kindern keine Hinrichtung gewesen sein kann, das weiß Netanyahu selbstverständlich auch selbst. Dass dieser einmalige Fall in Paris nicht mit den vielen toten Palästinensern zu vergleichen ist, bei denen keine Waffe, keine Aggression, keine Bedrohung nachgewiesen werden konnte, ist ihm natürlich völlig klar. Es geht ihm hier ausschließlich nur darum, die Herrschaft über das wieder zu erlangen, was er „Wahrheit“ nennt. Er hat sie längst verloren.

Es nutzt weder ihm, noch seiner Regierung irgendetwas, wenn er seine Stellvertretende Außenministierin Tzipi Hotovely anweist, ihrer schwedischen Kollegin fürderhin jede Einreiseerlaubnis nach Israel zu verweigern. Das sind Kleinkindspielchen. Das spricht für Beleidigtsein. Aber auch von dramatischer Hilflosigkeit. Denn soviel ist natürlich auch klar: diese Maßnahme bewirkt nichts. Sie bedroht niemanden anderes, sie (be-) schädigt Schweden nicht – nur Israel selbst.

Wie man einem sterbenden Gaul mitleidig ein schnelles Ende wünscht, so hoffe ich, dass der Zusammenbruch der derzeitigen, israelischen Regierung zügig vonstatten geht. Sie ist eine Schande für das Land, sie manifestiert nichts als Lüge, Hysterie, Faschismus und Apartheid. Das ist nicht jüdisch. Das ist grauenvoll.

 

Advertisements

Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Gesellschaft, Israel, Juden, Judentum, Krieg, Kultur, Leben, Naher Osten, Netanyahu, Politik, Presse, Terror abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.