Deutschland, Deine Blöden ….

Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob ich wirklich ganz allein bleibe mit der Erkenntnis, dass Deutschland weder von „Angst“, noch von „Sorge“, geschweige denn von der Drohung einer „Islamisierung“, sondern tatsächlich ganz trivial nur von Blödheit heimgesucht und durchgeschüttelt wird.

Manche ereilt die Erleuchtung spät … und mitunter äußert sie sich nur in halblautem Gemurmel, gespickt von Vokabeln der Unsicherheit und der Hoffnung, man würde sich irren. Über diesen Punkt bin ich seit nunmehr vielen Jahren längst hinaus.

Sascha Lobo vom SPIEGEL ist nicht der Nabel der publizistischen Welt. Er ist lediglich einer von vielen Journalisten und nur einer von ganz wenigen, die ihr mulmiges Bauchgefühl langsam in Zeilen gießen: jawoll, Deutschland verblödet.

Hunderttausende, möglicherweise jetzt schon oder bald Millionen Deutsche hätten vor zehn, zwanzig Jahren noch eingedenk ihrer selbsterkannten Blödheit verschämt die Klappe gehalten. Da galt Bildung noch etwas und der Mangel daran wurde von vielen noch mit Scham empfunden. Sie haben sich zurückgehalten, vielleicht sogar noch zugehört, wenn sich Gebildete unterhalten haben. Heute dagegen glauben sie, sie hätten eine „Meinung“.

Nehmen wir meinen Troll „WS“, von dem ich nun lange nichts mehr gehört habe. Wenn er einerseits damit auch genau das tut, was ich vor Monaten schon geschrieben habe und sich damit selbst als blöder Troll, als gesellschaftlich/politischer Totalausfall, als ungebildeter Problempunkt unserer Gesellschaft und damit als nutzlose Belastung für das politische Deutschland outet, so stellt er doch einen qualitativen Durchschnitt dessen dar, was unser Gesellschaftssystem ursprünglich einmal verhindern wollte.

Das Gebet der Stunde nach der Kapitulation infolge des letzten Weltkriegs war mit „Pluralismus“ überschrieben und wies im Text eine ungeheure Angst der Verfassungsväter vor dem Ungeheuer der Dummheit, der Meinungslosigkeit, der mangelhaften Bildung auf. Denn diese Elemente hatten Millionen in Soldatenuniformen und ins Gas gesteckt. Blöde Schafe; nichts im Hirn als ein vollkommen substanzloses Herrschergefühl, eingebildeter Bevorrechtigung, erträumter Überlegenheit ihrer „Rasse“ und der anschließenden Feigheit, zu den eigenen Verbrechen zu stehen. Also sowas wie mein Troll. Der tickt genauso.

Zurück zu Lobo. Er schreibt:

Was sich an Schwachsinn in die sozialen Medien ergießt, ist mittlerweile nicht mehr auszuhalten. Oft scheint es, als sei es gar nicht Hass, sondern vor allem Dummheit, die sich da Bahn bricht.

Zu spät. Diese Erkenntnis kommt um viele Jahre zu spät. Die Bundesregierung hat es sich in den politischen Verhältnissen, die sie mit Aufrüstung und aufmerksamer Unterstützung der rechtsradikalen Szene selbst ganz bewusst und zielgerichtet geschaffen hat, recht gemütlich gemacht. Sie verfügt nun über so ziemlich genau die Verhältnisse der verblödeten „Furcht“ auf unseren Straßen und in den Köpfen, mit denen es sich sehr angenehm regieren lässt. Denn soviel ist auch einem Lobo nicht aufgefallen: niemand spricht mehr von Überwachung, Durchschnüffelungen, voreiligen und hektischen Verhaftungen, von der sich intensivierenden, beängstigenden Nähe zu den USA.

Warum auch. Die Quadratur des Kreises ist längst erreicht: wir haben heute soviel Freiheit, dass die Blöden ganz offen nach Überwachungen, Verhaftungen, Durchschnüffelungen,  immer härteren Gesetzen und nach völlig unverhältnismäßigen Übergriffen von Privatleuten und der Regierung selbst gegen alle rufen, die nicht deutsch sind.

Der Medienkritiker Hans Hoff gibt diesem Umstand eine massenmediale Dimension: „Es ist nicht schlimm, dass sich heutzutage jeder Depp öffentlich äußern kann. Das ist gut für eine Demokratie. Es ist indes schlimm, dass heutzutage jeder Depp ernst genommen wird, dass so getan wird, als wäre noch die abstruseste Theorie eine Meldung wert.“

Ich oute mich als Zuschauer von „Deutschland sucht den Superstar“. Einerseits freut es mich, einer der Ersten sein zu können, wenn ein ganz frisches, hervorragendes Talent aus dem Nichts vor das Mikrophon tritt und großes Können zeigt. Andererseits fasziniert mich das Ausmaß der Selbsttäuschung von peinlichen Nichtskönnern, die nicht nur ein bisschen, sondern ganz gewaltig schief singen – und trotzdem der Ansicht sind, sie könnten etwas. Erst gestern abend krümmte sich meine Frau, selbst musikalisch immerhin weit genug gediehen, dass sie sich vor vielen Jahren mit einem ordentlich produzierten Song beim Eurovision Contest beworben hatte, unter der nicht enden wollenden Knute einer solch grauenvollen Peinlichkeit, die Zahnschmerzen verursacht. Sie murmelte halblaut: sagt denen denn niemand, wie sie singen? Haben die niemanden, der sie vor einem solchen Auftritt schützt?

Vielleicht tut das ja jemand. Aber so, wie sich die Blöden einreden, sie hätten eine (politische) Meinung und sogar auch noch ein „Recht“ darauf, diese zu äußern, so wischen sicherlich viele vorsichtige und liebevoll gemeinte Zweifel, ob ihre Sangeskunst mehr könne als zu peinigen, mit Selbstbewusstsein vom Tisch – und denken, sie wären Künstler. Sie sind keine Künstler, sie sind blöd.

Vor vielen Jahren stand ich nach einer Lesung mit einigen Journalisten zusammen und beantwortete Fragen zu unserem Bühnenprogramm. Da stellt sich ein junger Mann dazu, der sich plötzlich an dem Interview beteiligen wollte und über seine Texte sprach. Wir hatten ihn mild, aber bestimmt schon Monate zuvor zurückgewiesen, weil seine Texte nichts als Müll waren. Ich schickte ihn fort und fragte mich, weshalb er sich so vehement gegen die Erkenntnis weigerte, nichts zu können und warum er seine Aggressivität, sich irgendwie ins Spiel und Gespräch bringen zu müssen, immer weiter steigerte.

Blödheit.

Wer etwa drei Minuten die begeistert-empörten Kommentare auf der Facebook-Seite studiert, muss Pegida nicht als politische Bewegung, sondern als Phänomen der schieren Dummheit begreifen. Zu Beginn schien das in Teilen differenzierter, aber inzwischen implodierte mit der Radikalisierung offensichtlich auch jeder Restsinn für gesellschaftliche Diskussionen.

Sorry, Lobo, aber hier verteidigen Sie lediglich Ihr eigene Wunschdenken. Diese „Differenzierung“ hat in Wahrheit nie existiert. Die Blöden hatten sich lediglich vorübergehend einer etwas gemäßigteren Sprache bedient, mehr nicht. Nicht ihr Denken hat sich verschärft, die Dämme sind einfach nur gebrochen und zwischenzeitlich redet sich jeder Idiot ein, er habe eine „Meinung“.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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Eine Antwort zu Deutschland, Deine Blöden ….

  1. echsenwut schreibt:

    @ „WS“:
    Ganz sicherlich ist ein „Deal“ keine besonders gute Idee. Nach der Lektüre Ihrer ersten zwei, drei Kommentare glaube ich eine unüberwindbare Distanz zwischen uns wahrzunehmen – sie überbrücken zu wollen hieße, von meinem augenblicklichen Standpunkt aus viel zu viel investieren zu müssen. Lesen Sie meinen Beitrag: „Ich habs satt“ und Sie werden feststellen, dass ich zu solch nerven- und kraftaufreibenden Aktionen keine inneren Kräfte (mehr) habe.
    Allein dass wir uns gemäß Ihres Vorschlages versprechen müssten, Verbalinjurien zu unterlassen spricht Bände. Dennoch stelle ich gern fest, dass Sie sich offenbar bewegen; geistige Bewegung ist grundsätzlich immer gut. Ich meine das durchaus lobend und weder ironisch noch zynisch. Wahrscheinlich sind Sie doch kein unverbesserlicher, rechtsradikaler Idiot. Verstehen Sie mit mir meine Zurückweisung insofern bitte richtig – hier und jetzt liegt die Verantwortung dafür sicher bei mir und nicht bei Ihnen.
    Sie sollten sich hinsichtlich meines blogs nicht täuschen: einerseits registriere ich tatsächlich nicht viel Kommentare, andererseits ist mir das beinahe vollkommen gleichgültig. Ich reflektiere hier MICH SELBST und MEIN Erleben, und das FÜR MICH. Keine halbe Silbe ist konkret im Hinblick auf Klicks oder Applaus geschrieben. Deshalb ist und bleibt mein blog hundertprozentig authentisch. Man kann das u.a. auch daran bemerken, dass ich zwar Quellen zitiere, mir die Mühe, die Quellen nach universitärer Manier „sauber“ (per Fußnote etwa) anzugeben, einfach erspare.
    Und: Danke der Nachfrage. Ich habe eine außergewöhnlich große Familie und daher keinen extraordinären Bedarf an Selbstbestätigung oder Liebhaben. 😉

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