Israel – der Eklat ist der eigentliche Eklat

Es ist ja schon seit langer Zeit ein etwas bizarrer, eigentlich vollkommen inhaltsleerer und sinnloser, aber verbissen pünktlich und zuverlässig geübter Kult: jeden Monat tritt der UN-Sicherheitsrat über den Nahostkonflikt zusammen.

Was das soll, kann vermutlich niemand genauer erklären.

Demzufolge interessiert sich natürlich auch niemand für diesen Termin. Wozu auch. Seit jetzt Jahrzehnten erinnert die UN höflich Israel daran, dass dessen Siedlungspolitik im Westjordanland gegen jedes geltende Recht verstößt, zumindest gefühlt einige Dutzend Resolutionen kommentarlos von Israel fortgewischt, nie erfüllt wurden und erhält im Gegenzug meist noch nicht einmal eine Antwort. Die derzeitige israelische Regierung verwendet normalerweise überhaupt gar keine Anstrengung, sich wenigstens irgendeine diplomatische Antwort auszudenken. Es weiß ja ohnehin jeder, dass Israel gar nicht daran denkt, sich an internationales Recht zu halten – die derzeitige Regierung verfolgt den faschistischen Weg der ethnischen Säuberung und die Errichtung eines „Groß-Israel“.

Aber plötzlich passiert in diesem sonst so verzichtbaren Kaffeekränzchen etwas:

Der UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat ganz entgegen seiner sonst beinah etwas starr und aufgesetzten, asiatischen Höflichkeit und Zurückhaltung auf einmal seine Nerven verloren, aber dafür deutliche Worte gefunden:

Der Frust der Palästinenser wächst unter der Last von einer schon seit einem halben Jahrhundert andauernden Besatzung und einem gelähmten Friedensprozess, wie unterdrückte Völker in der Geschichte immer wieder gezeigt haben, liegt es in der menschlichen Natur, auf Besatzung zu reagieren, die oft als mächtiger Brutkasten für Hass und Extremismus dient.

Mir fehlt an dieser Stelle aber auch wirklich jede Idee, was an diesen Worten in Bezug auf die Sache verfehlt, falsch ausgedrückt oder gar feindselig sein sollte. Es gibt für seine Darstellung dutzende von Beispielen, die sich quer durch die Menschheitsgeschichte ziehen. Der normale Verstand kann an dieser Aussage solange keinen Anstoß nehmen, wie der Verstand normal ist.

Der Vorwurf normalen, intellektuellen Vermögens trifft allerdings die israelische Regierung nicht. Also war folgerichtig mit einer scharfen Beschwerde zu rechnen. Die kam ja denn auch von Netanyahu, der statt des abgenutzten Totschlagarguments „Antisemitismus!“ diesmal das etwas neuere wählt:

Die Bemerkungen des Uno-Generalsekretärs ermuntern zum Terror.

…. und ganz getreu nationalsozialistisch-deutscher Manier gleich mit einer Pauschalbehauptung fortzufahren, die genauso dämlich ist, aber ähnlich gut bei den Extremisten und sonstigen Holzköpfen verfängt:

Die palästinensischen Mörder wollen keinen Staat errichten, sondern einen Staat zerstören.

Aha. Wir kennen solche Pauschalbehauptungen. „Alle Juden sind Rasseschänder!“ klingt genauso wie: „Die Palästinenser wollen nur unseren Staat zerstören!“ – bloß die Elemente des Satzes sind angepasst. Das Netanyahu’sche Geheule, alle Welt sei antisemitisch und ein Feind aller Juden und Israels, wird zwar von seinen dummen wie vernagelten Anhängerschaften sofort kopiert (aber nicht kapiert), auch wenn es derart stark nach den Hitler’schen Weinereien klingt, niemand verstünde Deutschland und alle wollten ihm nur Böses. Mir kommen die Tränen.

Netanyahus Entgegnung ist aber aufgrund eines aus der obigen Beobachtung heraus erkannten Phänomens besonders faszinierend: Sie hält außer seinen sonstigen Auswürfen gar nichts Konkretes und zeigt daher seine vollkommene Hilflosigkeit Ki Moon’s Äußerungen gegenüber. Er hat nichts, was er sachlich entgegnen könnte. Da ist nichts. Ihm bleiben nichts als rassistisch und faschistisch stark eingefärbte Behauptungen, die zu allem Überfluss auch noch mal eben mit dem kleinen Finger der linken Hand argumentativ zu entwerten sind.

Das Israel eines Netanyahu erlebt durch seine Bemühungen derzeit eine sich dramatisch auswachsende Eskalierung und Polarisierung. Die Bestrebungen Netanyahus richten sich augenblicklich konzentriert darauf, vollendete Tatsachen zu schaffen, ein faschistisches „Groß-Israel“ zu errichten, in dem die rechtmäßigen Eigentümer des Landes, die Palästinenser, plötzlich völlig fehl am Platz erscheinen. Sie sollen zu Fremdkörpern im eigenen Land gemacht werden. So wie Hitler die militärisch eroberten Ostgebiete mit Siedlungen bestückte und endlose Karawanen von Deutschen dorthin auf dem Wege waren um Polen beispielsweise einzudeutschen, so sollen die Palästinenser heute gleichermaßen zurück- und im eigenen Land zusammengedrängt werden.

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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