Ägypten – Justizminister will 400.000 Menschen hinrichten

Ahmad al-Zend, der Name hat Klang. Allerdings kaum einen wohltönenden, denn al-Zend zählt zu den furchtbarsten Politikern, die das wundervolle Ägypten seit den Tagen des Soldatenpharaos Haremhab je zur Welt gebracht hat. Und Haremhab ließ in seinen Tagen „nur“ etwa 20.000 Menschen erschlagen, weil sie seiner Volte zurück in die Dunkelheit der Tempel nicht folgen wollten. Dank ihm, so Zeitgenossen der Geschehnisse, war der Nil rot von Blut und man konnte ihn über die vielen Leichen, die in ihm schwammen, trockenen Fußes überqueren.

Auch wenn das zugegebenermaßen pathetisch klingt, will mir kaum eine andere Wendung einfallen.

Ahmad al-Zend hatte schon unter Mubarak in Diensten gestanden und saß dem hochrangigen und mit Regierungsauftrag betrauten Berufungsgericht Ägyptens vor. Als der Diktator davongejagt war und der gewählte Präsident Dr. Mohammed Mursi vereidigt werden sollte, hatte er schon gemurmelt, dass er ihn auf jeden Fall stürzen wolle. Alle Bestrebungen Dr. Mursis, einen der erklärt schlimmsten Feinde der Demokratie Ägyptens von seinem Posten zu entheben, misslangen und trugen ihm den Vorwurf der Einflussnahme auf die Justiz ein. Das Berufungsgericht kann per Veto Gesetzesvorlagen kippen und alle Versuche, diese Kompetenz zur Ermöglichung der Säuberung in eben dieser Vereinigung vorübergehend per Erlass auf die Regierung zu übertragen, trug Dr. Mursi ein internationales Aufheulen ein.

Ahmad al-Zend blieb als einer der schlimmsten Feinde der Demokratie, wo er war und schlussendlich gelang es ihm tatsächlich, mit Hilfe des Militärs und der sogenannten „Opposition“ einen Putsch herbeizuführen. Nun, im Schoße des neuen Diktators und Blutsäufers al-Sisi untergekommen, heute klingt er noch ganz wesentlich schriller als jemals zuvor. Er sagte kürzlich in einem Interview mit einem ägyptischen Sender:

Ich schwöre zu Gott, dass das Feuer in meinem Herzen nicht eher verlöscht bis mindestens Zehntausend Muslimbruderschaftsmitglieder für jeden getöteten Polizisten hingerichtet sind.

Damit schwenkt al-Zend auf die Linie seines Herrschers ein und prolongiert die Lüge, nach welcher nicht etwa Terrororganisationen im Umfeld des Daesh (genannt „Islamischer Staat“), sondern ausschließlich nur Muslimbrüder für die vielen Dutzend mörderischer Terroranschläge verantwortlich sind, die es in den letzten wenigen Monaten gegeben hatte. Und für die in der überwältigenden Zahl aller Fälle überzeugende Bekennerschreiben dieser Organisationen existieren.

Auf die Nachfrage seines Interviewpartners, dass es in ganz Ägypten überhaupt nur noch insgesamt 10.000 Muslimbrüder gäbe, entgegenete al-Zend, dass sich seine Verdammung natürlich nicht nur auf jene, sondern auch auf alle Unterstützer der Muslimbruderschaft erstrecke.

Dabei hat Ägypten, von der Weltöffentlichkeit beinahe unbemerkt, in den vergangenen zweieinhalb Jahren bereits hunderte von Todesurteilen ausgesprochen und auch vollstreckt. Nebenbei bemerkt frage ich mich aufrichtig, weshalb die vergleichsweise geringe Menge von Todesurteilen, die Daesh („IS“), Saudi-Arabien und der Iran vollstreckt hat, weltweit so ungeheures Medienecho produziert. Alle Genannten zusammen haben lediglich einen Bruchteil der Hinrichtungen zu verantworten, die Ägypten im gleichen Zeitraum vollstreckt hat. Man muss natürlich die Demonstranten, die von ägyptischen „Sicherheits“-Behörden bei vollem Tageslicht und ganz offen auf der Straße abgeknallt worden sind, hinzurechnen. Regelmäßig wird Demonstranten, die mit nichts als einer Blume „bewaffnet“ sind, mindestens eine Ladung Schrot ins Gesicht oder eine Kugel in die Brust gejagt. Hunderte von Menschen sind auf Nimmerwiedersehen in Foltergefängnissen verschwunden und ganz generell wird Inhaftierten jede medizinische Versorgung verweigert. Sogar Spuren von Folter bleiben unbehandelt; niemand macht sich Gedanken über eine Klage, über negatives Presseecho oder Anzeigen.

Bis zur nächsten Revolution werden weitere Zehn- oder Hunderttausende von dem Putschisten al-Sisi umgebracht, soviel scheint allerspätestens nach dem Ausfall al-Zends völlig sicher.

Auch ein von außen angetriggerter Machtwechsel verspricht keine Linderung; wie aus arabischen Kreisen zu erfahren ist, wählt Saudi-Arabien neben Kuwait für den Putschisten al-Sisi bereits heute den Nachfolger im Amt. Entgegen aller Beteuerungen hat es der Dikator bis jetzt nicht verstanden, die ägyptische Wirtschaft flott zu bekommen und heute steht das Land um einiges elender und bedürftiger da als zur Amtszeit des legitim gewählte Präsident Ägyptens, Dr. Mohammed Mursi. Dabei war genau dieser Vorwurf, Mursi könne nicht schnell genug Jobs und Gehälter unter das Volk bringen, einer der zentralen Gründe für seinen Sturz. Daran gemessen muss man sich wundern, dass al-Sisi überhaupt noch an der Spitze Ägyptens steht.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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