Israel – 150 Millionen für Schmierkampagnen

Wie schon häufiger berichtet, hat die israelische Regierung zwar um vieles zu spät, dennoch zwischenzeitlich höchst intensiv, die globale Öffentlichkeit ins Visier genommen. Netanyahu hat zusammen mit Angela Merkel die Zeichen der Zeit um gut zehn bis fünfzehn Jahre lang regelrecht verschlafen und es deshalb verabsäumt, das Internets als zu bearbeitendes Betätigungsfeld zu betrachten.

So konnte es gelingen, dass seit einigen Jahren in sehr stark ansteigendem Maße Meinungen, Bilder, Filme, Berichte aus Israel, dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland ihren Weg in weltweite Zeitungen, TV-Sendungen, Radioreportagen und sogar Parlamente gefunden und mittlerweile große Bedeutung erlangt haben.

Als die Regierung das Dilemma erkannt hatte, war es im Grunde längst zu spät. Das offizielle Israel hat die Deutungshoheit längst verloren.

Die Menschenrechtsbewegung „Peace Now“ hat sich dieser Entwicklung gewidmet und ein paar erstaunliche Daten zusammengetragen:

In den Jahren zwischen 2006 und 2013 hat die israelische Regierung insgesamt etwa 150 Millionen US-Dollar an neun rechtsextremistische Organisationen überwiesen. Die Quelle von mehr als 93 Prozent dieser Gelder ist offiziell „unbekannt“. Ein Großteil dieser Gelder stammt aus den USA und wird von wohlhabenden Juden genauso eingesammelt wie von fundamentalistischen Christenorganisationen, die den Siedlungsbau im Westjordanland unterstützen. Allein 25 Millionen US-Dollar stammen von der israelischen Regierung selbst. „Molad“, ein progressiver, israelischer Think-Tank, hat im Jahr 2009 anlässlich der Wahl Netanyahus registriert, dass zu diesem Zeitpunkt von Netanyahu besondere Anstrengungen unternommen wurden, noch mehr Rechtsextreme zu unterstützen. Wir kennen diese Art der heimlichen Stimmungsmache seitens einer Regierung hier in Deutschland sehr gut: weit länger als zehn Jahre lang bezahlte die deutsche Regierung Unsummen, um im Osten und auch im Westen mühevoll rechtsradikale Organisationen mit terroristischer Agenda aufzubauen. Es gingen mehrere hunderttausend Euros an Einzelpersonen, Bundesbehörden lieferten Sprengstoffe, Detailinformationen über gegnerische Politiker, Waffen und liehen Agenten an die Zöglinge aus, die (wie sie vor Kameras prahlerisch zugaben, man recherchiere nach „Tino Brandt“) nicht nur prächtig selbst von dem Geld lebten, sondern dank dieser aufmerksamen Hilfe überhaupt erst in der Lage dazu waren, brandgefährliche Organisationen aufzubauen.

Die israelische Regierung überwies allein bei der Wahl 2009 etwa 40 Millionen US-Dollar an illegale Siedlungen und verband diese Zuwendung mit der Anweisung, das Geld direkt an die private Organisation „Yesha Council“ weiterzuleiten. Zu diesem Zeitpunkt saß Naftali Bennett der Organisation vor, der später zum Vorsitzenden der „Jewish Home“-Partei und Erziehungsminister wurde.

Die großzügigen Anweisungen an die Siedler sind keineswegs für Blumenrabatte gedacht und richten sich auch nicht gegen Schlaglöcher in Straßen, sondern gegen Menschen. Das „Samaria Settlers’ Committee“, damals mit Naftali Bennett so umfangreich mit Geld von der Regierung eingedeckt, finanziert damit die israelische Website „Walla“. Diese wiederum bezahlt Ad Kan für seine heimlichen Lausch- und Schnüffelaktionen gegen Menschenrechts- und Antibesatzungskampagnen.

Die bezahlten Siedler haben einen Film produziert, der Unterstützer und Aktivisten dieser Menschenrechtsorganisationen mit „Kapos“ gleichsetzt. „Kapo“ nannte man in den Konzentrationslägern von Nazis gekaufte Juden, die zu Verrätern wurden. Ezra Nawi, ein Aktivist der „Taayush“-Organisation, wurde aufgrund eines solchen Films festgenommen. Klar ist, dass der Film nur Vorwand war und seine Verhaftung nur zum Ziel hatte zu unterbinden, dass er die palästinensische Öffentlichkeit über Maßnahmen unterrichtet, wie sie den Enteignungsversuchen von Israelis wirksam Widerstand leisten können. Nawi ist nicht nur Israeli und Jude. Er ist Mizrahi und entstammt der Region selbst.

Und eben genau dieser Umstand muss nationalistischen und vernagelten Faschisten der israelischen Regierung extreme Sorge bereiten: sie haben Israel längst nicht mehr in der Hand und immer öfter dringt scharfe und schärfste Kritik aus den eigenen Reihen in die Weltöffentlichkeit, immer öfter bemühen sich Israelis darum, mithilfe Insider-Wissens, Geldern und allerlei Unterstützung palästinensische und auch israelische Aktivisten zu unterstützen, die sich gegen das Regime Netanyahus richten und sich für wirkungsvolle Dialoge einzusetzen.

Ad Kan aber ist Netanyahu ein ebenso treuer Knecht wie es Göbbels für Hitler war. Er beschnüffelte auch Treffen der Organisation „Breaking The Silence“ und registrierte dabei, dass Alon Liel der Organisation aufmerksam mit Rat und Tat zur Seite stand. Von Liel stammt der Vorschlag, dass sich „BTS“ verstärkt um internationales Echo und Gehör bekümmern sollte, da die Fronten für Aufklärungsarbeit in Israel selbst viel zu verhärtet seien. Alon Liel ist nicht niemand. Er war Mitglied der israelischen Delegation beim UN-Hauptquartier, Generaldirektor des Misrad ha-Kalkalah we ha-Tichnun (Wirtschafts- und Planungsministerium), Generalkonsul in Atlanta mit Amtsbereich Southeastern United States und Sprecher des israelischen Außenministeriums.

Der israelische Göbbels Ad Kan gedachte daraufhin, Liel als „Verräter“ zu bezeichnen, der „für ausländische Mächte und gegen Israel“ arbeite. Natürlich kommt er keineswegs auf die Idee darüber nachzudenken, was wohl in Israel schieflaufen könne, dass ein Staatsbeamter mit einer derartigen Reihe von Kompetenzen und offiziellen Ämtern einen solchen Weg beschreiten muss. Dafür würde Kan nicht bezahlt.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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