Was ist das eigentlich – „deutsch“ ?

Nicht das Foto, das Erika Steinbach auf Twitter verbreitet hat, sondern die Reaktion darauf finde ich enorm verräterisch.

Mich persönlich hat es belustigt. Ich halte es für einen guten Gag, betrachte es vollkommen grundentspannt und wundere mich ganz unglaublich über die öffentlichen Prügel, die Steinbach daraufhin von allen Seiten erntet.

Wo ist das Problem bei diesem Foto?

Rassismus? Was sollte an diesem Foto rassistisch sein? Der satirisch unterstellte Umstand etwa, dass Deutschland im Jahre 2030 überwiegend schwarz sein könnte? Ja und? Was weiter? Ich wiederhole mich: wo ist das Problem?

Das Foto enthält nur dann ein Problem, wenn man andere Hautfarben als Mangelerscheinung, als Minderwertigkeit, als Unfähigkeit empfände. Der, der in diesem Foto ein Problem findet – der hat ein Rassismusproblem.

Mir wäre nun nicht bekannt, dass ein Schwarzer aus genetischen Gründen kein Schützenfest feiern oder Weißwurst essen könnte. Ich wüsste nun auch nicht, was einen Araber aufgrund seiner Herkunft davon abhalten könnte, in Deutschland vertrauenswürdiger Vorsitzender eines Karnickelzuchtvereins sein zu können. Und wenn man nun im Jahre 2030 plötzlich nur noch schwarze, arabische Karnikelzüchtervorsitzende in unseren Fußgängerzonen Weißwürste mampfen sähe wüsste ich nicht, was nun daran gefährlich wäre. Ich würde mir nur den sehr ironischen Seitenhieb auf die Rassisten- und Faschistenfront in Form der Frage gönnen, wo sie denn alle hin wären, die blonden, arischen, kampf- und arbeitserprobten Recken des Abendlandes. Sind sie alle erschlagen worden? Und wenn all diese blonden Recken verschwunden wären so gälte es die Frage zu beantworten, ob ihre bräsige wie hässliche und isolatorische Grundhaltung schlicht vor den Zeichen der Zeit, der Globalisierung und der schieren, menschlichen Weiterentwicklung versagt hat – und deshalb sowieso und dringend in den Mülleimer der Geschichte gehört.

Wo stünde geschrieben, dass auf Fotos mit Winterlandschaften, Bergen und Alphörnern kein Schwarzer auftauchen darf? Und wo bitte liegt die Eigentumsurkunde Europas, die ausschließlich (niedergehenden) weißen Germanen das Land zuschreibt?

Was würde denn eigentlich passieren, wenn auf einmal die Mehrheit der Deutschen eine andere Hautfarbe hätte? Würden, könnten sie beispielsweise Weihnachten abschaffen? Und falls sie es könnten – wo wäre denn dann die (offensichtlich vollkommen verschwundene) „indigene“ Bevölkerung geblieben, die ihr Weihnachtsfest würde behalten wollen?

Mir kommen die Tränen. Sollen wir Naturschutzgebiete für toitsche Arier einrichten, weil sie auf der freien Wildbahn nicht (mehr) überleben können und sich nicht mehr vermehren? Sind sie die Neanderthaler von heute? Brauchen wir Zucht- und Schutzprogramme? Der Satiriker geht an dieser Stelle mit mir durch und suggeriert mir noch viel lustigere Ideen.

Ich würde eine Steinbach verwundert anblinzeln und sie angesichts dieses Bildes fragen: „Und jetzt?“

Wo stehen wir eigentlich? Vor zwei, drei Generationen wurde eine Diskussion um Frauenwahlrecht mit ähnlichem Zungenschlag geführt. Auch da verkaufte es die Betonkopf-Fraktion der ewiggestrigen Männerherrschaft grundsätzlich als „Problem“, wenn Frauen wählen oder sogar gewählt werden können. Die Vandalen sind ebenso untergegangen wie Kimbern, Teutonen, Alemannen und wie sie nicht alle geheißen haben und das war auch gut so. Sie haben sich stillschweigend ins Aussterben davongeschlichen – weil weder ihre Kultur noch sonst irgendetwas dazu prädestiniert hätte, zu überleben.

Nun mag also (irgendwie kann ichs kaum erwarten!) der endgültige Untergang der toitschen Arier auf der Agenda stehen und damit verlässt uns das große Problem einer hoffnungslos überalterten und in Teilen pervertierten Kultur, die in ihrer Beschränktheit nichts mehr als ihr Geld und sich selbst feiert. Es ist hohe Zeit für etwas Neues. Die Menschen hier haben sich aus ihren Werten, ihrer Demokratie und ihrer Geschichte seit langem verabschiedet; sie sind verbraucht, grundsätzlich unehrlich, sie kennen weder Menschlichkeit noch Solidarität. Sie verwerfen Bildung und Politik als „langweilig“ und sind nichts als nur noch ganz genau die Herde blökender Schafe, aus denen die Menscheitsgeschichte schon seit mehr als zehntausend Jahren immer die Verlierer, die Untergehenden, die Vergessenen gemacht hat.

Kommt ihr alle zu uns. Belebt uns, verfärbt uns, macht uns neu. Spannend, zeitgemäß, dynamisch, warmherzig. Füllt unsere Straßen, unsere Köpfe, unsere Häuser mit neuem Leben. Ich verspreche uns allen: es würde unendlich lustig, eines Tages ein Deutschland vorzufinden, das so wäre wie auf dem Foto.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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