Nofretete – rätselhafter als ein Sphinx

 

nefertiti

Dies Foto hat nicht nur eine Geschichte.

Zunächst einmal habe ich von der Existenz dieses Bildes erst vom WordPress-User „11k2.wordpress.com“ aus seinem Beitrag erfahren und empfehle den Besuch seiner Seite, da er explizit hierzu die weitaus besseren Informationen hat als ich. Das Thema um dieses Bild habe ich also, wenn man so will, geklaut. Obschon es mich persönlich tief berührt.

Blicken wir dieser Schönheit einmal nur völlig befreit von aller historischen, archäologischen Bedeutung kontemplativ einfach nur ins Gesicht und lassen uns inspirieren:

Wir sehen eine Modernität, eine Makellosigkeit (wenn man von den angebrochenen Ohren einmal absieht), die uns die Distanz von mehr als dreitausend dahingegangener Jahre vergessen macht. Diese Frau, diese Dame kann uns in der Einkaufszone begegnen; nichts an ihr verrät ihre tiefe Geschichte. Natürlich kennen wir alle die Fotos von der Original-Büste der Königin, so wie sie täglich vieltausendfach in Berlin bestaunt wird. Hier aber handelt es sich um ein von Farbe befreites Stück – zustande gekommen durch eine dreidimensionale Laserscannung, die den Blick auf Form und Oberfläche, auf die Komposition dieses einzigartigen Kunstwerks lenkt und uns von der Leidenschaft, Exaktheit und Originalität des ausführenden Künstlers erzählt. Wer auch immer sie erschaffen hat (sie stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis), der muss die Königin aufrichtig geliebt haben. Mit handwerklichem Geschick und konsequenter Qualitätssicherung in der Ausführung ist die vollendete Schönheit dieses Stücks nicht vollständig zu erklären. Wir sehen ein zartes Antlitz; eines, das man vorsichtig in die Hände nehmen möchte. Eines, dessen Lebendigkeit zumindest mich tief innerlich berührt – beinah ein wenig erschüttert. Wer immer vom „Lächeln der Mona Lisa“ schwärmt und sich an der Diskussion beteiligt, ob es überhaupt eines ist, der hat sich noch nicht intensiv genug mit dieser Büste befasst. Da Vinci bleibt um Längen hinter Thutmosis zurück.

Zumal sie in einer völlig verrückten Zeit entstanden sein muss, die von Brüchen, Hastigkeit, Eile, Erneuerung und Kampf geprägt war. Die Atemlosigkeit der Kunst, die diese Epoche unter Ankh-Aton („Echnaton“) geschaffen hat, drückt sich in Stelen, Graffiti und allen anderen, bildnerischen Darstellungen in dieser Form aus. Sie wirken seltsam „hingeworfen“, teilweise anachronistisch proportioniert, ja beinahe cartoonhaft und müssen die Zeitgenossen tief erschreckt haben.

Die hier besprochene Büste aber ist in vollendeter Harmonie und tiefer Ruhe geschaffen, als habe der Künstler nicht nur ein besonderes Verhältnis zu seinem Handwerk, sondern auch gegenüber der Königin besessen und die Unrast seiner Zeit gefühlt, der er etwas anderes entgegensetzen wollte.

Es existiert im Ägyptischen Museum zu Kairo eine weitere Plastik, die Nofretete zugeschrieben wird. Sie empfindet im Wesentlichen die hier gezeigte nach, wirkt jedoch massiver, befindet sich im Rohzustand und weist noch die roten Peilstriche des Künstlers auf. Ich habe persönlich die Idee, dass diese, unvollendet geblieben, die erwachsene, späte Königin darstellt, während wir in der oben gezeigten die ganz junge Nofretete erkennen. Als wäre der Zeitpunkt der Herstellung der späteren Büste, wenn man meiner Empfindung folgen wollte, ein Synonym für die fehlende Endbearbeitung. Es muss, als diese Büste geschaffen wurde, in Ägypten ein vollendetes Chaos, Zerstörung, Untergang, Massaker gegeben haben, die die von Ankh-Aton eingeleitete Zeitenwende sprichwörtlich gegen den Uhrzeigersinn wieder zurückdrehte. Insofern könnte kaum verwundern, dass die spätere Büste unvollendet geblieben ist.

Nofretete „verschwand“. Ob sie, nachdem sie unter Beobachtung in eine Art Hausarrest gestellt wurde, einfach wenige Jahre regelrecht sprachlos verstarb, oder ob wir in ihr den rätselhaften Zwischenkönig Semenchkare wiederfinden, ist momentan reine Spekulation und (noch) ein Geheimnis des Alten Ägyptens.

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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