Australien, Israel – und die „Besiedlung“

Die Front der hyperaggressiven Betonköpfe von der Fraktion der Israel-„Freunde“ wird … oder muss vielmehr die derzeit in Australien geführte Diskussion über semantische Fragen in Bezug auf ihr Land fasziniert und aufmerksam verfolgen.

Sie wird sich jedoch eher die Fingernägel ausreißen als zu erkennen geben, dass sie dies tun. Denn die australische Diskussion kann mit einem Fingerschnipp auch in Israel losgetreten werden.

Nach nunmehr Jahrhunderten blättert das Tip-Ex in den Geschichtsbüchern jetzt endlich ab – und zum Vorschein, zum Bewusstsein gelangt eine krude, bizarre Schieflage in der Wahrnehmung der eigenen Landesgeschichte.

Australien wurde nämlich nie „entdeckt“.

Zugegebenermaßen ist mir diese schiefe Wortverwendung schon in Bezug auf ganz andere Länder aufgekippt: denn ein Land, das „entdeckt“ wird, kann ja nie zuvor von Menschen bewohnt gewesen sein. Die Ureinwohner Australiens wurden zu der Zeit, als der Seebär und Haudegen James T. Cook Australien fand, definitiv nicht als Menschen betrachtet. Sie galten noch als irgendeine seltsame Art von menschenähnlichem Tier, als man in England schon laut darüber nachzudenken begann, ob schwarzhäutige Bewohner Afrikas zur eigenen Art zählen würden.

Heute ist uns die Idee, dass diese Ureinwohner nicht von vornherein und mit großer Selbstverständlichkeit das Gütesiegel des Menschseins zugesprochen bekommen haben, durchaus ein wenig peinlich. Den meisten jedenfalls; einige Australier hängen der Idee des Tieres angesichts eines Ureinwohners bis heute noch begeistert an.

Und so wird es eines Tages auch mit Israel sein: eines fernen Tages wird man auch in und über Israel offen darüber sprechen, mit welcher Brutalität und Rücksichtslosigkeit zunächst England und dann Israel selbst Land geraubt und gestohlen hat. Man wird eines Tages offen über die Grausamkeiten reden, mit der Israel vermittels schwerer Kanonen zum Zwecke der Menschenvernichtung in Wohngebiete hineingefeuert hat – nur um die, denen das Land zu eigen war, irgendwie von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Man wird in Schulen einige der vielen tausend Videos zeigen, auf denen Araber, Palästinenser und solche, die nur ein bisschen so aussahen wie diese, abgeknallt, zusammengeschlagen, beleidigt und verbrannt werden.

Diese Diskussion wird kommen. Sie wird Schulstoff sein. Man wird sich erschüttert fragen, wie das unter unseren Augen jahrzehntelang geschehen konnte. Man wird Denkmäler für die Opfer der herausragend grausamen Attacken errichten und man wird in Israel selbst irgendwann einmal ganz offen darüber reden, welch schwere Verbrechen die Gründung des Staats Israel nach sich gezogen haben und mit wieviel Irrsinn, Rassismus und Raserei versucht wurde, die Anwesenheit der Eigentümer des Landes zu verbergen, zu unterdrücken – und zu eliminieren.

Wie man sich heute international über die „Appeasement“-Politik der Alliierten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs mokiert, den Scheibenwischer macht und sich fragt, wie es nur möglich war, dass man sich angesichts der neuen „Konzentrationsläger“ hat beschwichtigen und ruhigstellen lassen, so wird man dies auch im „Fall Israel“ in nicht allzu ferner Zukunft diskutieren.

Für Hunderttausende wird es jedoch viel zu spät sein und der Sand wird die meisten ihrer Gräber schon verschluckt haben. Milliarden Tränen von Millionen werden versickert sein und an den Schmerz, von dem sie hätten berichten können, bleibt dann nichts als eine handvoll ehrlicher Zeilen in den Schulbüchern.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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