Israel – der Henker.

Sein Name ist nach Richard Silverstein, einem bekannten und wegen angeblichen „Verrats“ sehr geschmähter, israelischer Blogger, Elor Azarya – und so sieht er aus:

 

elor_azarya

Die Identifikation des Henkers von Abd al-Fattah al-Sharif, der, verletzt und erkennbar hilfos am Boden lag und mit einem gezielten Kopfschuss hingerichtet wurde, wurde nach Silversteins Meldung umgehend von Ynet news, einer israelischen Newsplattform, bestätigt. Auch das Militär bestätigte zwischenzeitlich – anhand des obigen Fotos übrigens, auch wenn das Gesicht vom Militär unkenntlich gemacht worden war.

Er wirkt im Video eher klein. Auch, als er am Tatort nach seinem Todesschuss dabei gefilmt wurde, wie er einem Siedler (der ihm zur Hinrichtung gratuliert hatte?) die Hand schüttelte, wirkt er wirklich klein. Das Foto stammt von seiner eigenen Facebook-Seite. Seine Uniformjacke wirkt in den Ärmeln zu lang, das ist aber weniger der Jacke, als seinem Wuchs geschuldet.

Der Mann, dem Azarya übrigens die Hand schüttelte, war niemand geringeres als Baruch Marzel. Marzel ist Teil der berühmt-berüchtigten Bewegung „Kach“, aus der heraus Baruch Goldstein 1994 in einer Moschee 29 Palästinenser niedermähte. Nun möge sich jeder allein ausdenken, ob dieses Händeschütteln mehr bedeuten kann als Zufall. Tatsächlich wurde wiederholt beobachtet, dass sich radikale und extremistische, israelische Siedler sehr gern in die Nähe der Armee begeben. Man inspiriert sich sozusagen gern gegenseitig.

Azarya schreibt auf Facebook, das „Kahane richtig lag“ – und das ist eine Information für Israelis, Palästinenser und Insider. Mit Meir Kahane ist nämlich ein jüdischer, extremistischer Rabbi gemeint, der zu nichts anderem als zur totalen Entfernung aller Palästinenser auf israelischem und israelisch besetztem Gebiet rät und eine erhebliche Anhängerschaft in Israel genießt. Der Begriff „Kahane“ steht beinah längst als Synonym für „Tötet sie alle!“, denn Kahane begrüßt deutlich jedes Mittel – insbesondere letale.

Nach Silversteins Recherchen agierte Azarya tatsächlich nicht auf eigene Faust. Im Gegenteil: er hat seinen Vorgesetzten vor dem Todesschuss gefragt, ob er diesen setzen dürfe. Der Vorgesetzte bejahte. Azarya schoss. Das Video zeigt eindrucksvoll die riesige Blutlache, die sich daraufhin um den Kopf des liegenden Abd al-Fattah Yusri al-Sharif bildete.

Diese Vorgehensweise ergab sich nicht zufällig – sie ist Standard in der israelischen Armee und trägt den Begriff „Todesbestätigung„. Sie wurde beim 13-jährigen Iman al-Hams in Gaza in 2004 wohl das erste Mal in dieser Form durchgeführt bzw. beobachtet. Man muss den Begriff, aus dem Hebräischen über das Englische ins Deutsche überführt, richtig verstehen: er soll eine „Sicherstellung“ der angestrebten Tötung darstellen und steht im Range eines „Fang“-Schusses.

Ich finde aber weitere Meldungen aus den Vorgängen nach der Hinrichtung beinahe noch bemerkenswerter als das Milch- und Bubigesicht des halbwüchsig wirkenden Mörders:

Israels TV-Sender Channel 2 startete eine Umfrage und meldete im Ergebnis, dass 57 Prozent aller Befragten in Israel keinerlei Notwendigkeit sehen, in diesem Fall überhaupt zu ermitteln.

Eine Online-Petition mit der Forderung, dem Henker eine Medaille zu verleihen, zählt zwischenzeitlich mehr als 42.000 Unterschriften. Die Gemeinde Beit Shemesh rief auf ihrer offiziellen Website alle Bürger zur Teilnahme an einer machtvollen Demonstration auf, um Azaryas Freilassung einzufordern.

In der irrigen Annahme, man könne unangenehme, außerisraelische publicity für diesen Fall (noch) stoppen, griffen israelische Soldaten das Haus des Vaters des Hingerichteten, Khalid Yusri al-Sharif, an. Ebenso blieb die unmissverständliche Drohung, die gegen den Kameramann des Videos, Imad Abu Shamsiyyeh, seitens der anwesenden Soldaten ausgesprochen wurde, wirkungslos – das Video eilte da bereits millionenfach um die Welt.

Nicht zuletzt setzte die Mutter des Henkers noch allem die Krone auf. Sie verfasste umgehend einen Brief an den israelischen Verteidigungsminister Moshe Yaalon, der persönlich 1988 in Tunis Khalil al-Wazir, einen PLO-Vertreter, im Vollzug einer solchen „Todesbestätigung“ abknallte. Sie wollte Yaalon in Gedenken an dessen eigene Tat in die Pflicht nehmen und ihn dazu bringen, ihren Sohn umgehend freizusetzen und von aller möglichen Schuld freizusprechen.

Ich kratze mich am Kopf und frage mich allen Ernstes, wer denn eigentlich in Deutschland nun die Bundeskanzlerin so harsch, so pampig, so nachhaltig zur harten Kritik gegen Israel aufruft wie sie es im Falle der Satire-Entgleisung eines Erdogans tun sollte. Das ganze Land regt sich über die Stille des Bundeskanzleramts auf – warum eigentlich, wenn das gleiche Amt das hemmungslose Töten anderer Ethnien durch „Freunde“ ebenfalls vollkommen unkommentiert lässt?

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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