Frieden – warum eigentlich geht das nicht … ?

Auf meiner nun beendeten Reise nach Dänemark ist es mir wieder einmal aufgefallen: Friede ist ganz einfach.

Wir hatten den Genuss unseres Urlaubs in einem hübschen Strandrestauration direkt am Ringkjöbing-Fjord mit einem geradezu festlichen Mahl beendet und dabei eines der Erlebnisse gehabt, die ich mir so gern wie eine Erinnerungsperle auffädele. Der Ober, ein gestandener Däne, erkannte in uns sofort Deutsche und begann direkt eine humorige, joviale und erheiternde Plauderei. Ein Hüne mit rotblondem, allerdings schütterem Haar ist er und keine fünf Minuten hatte es gedauert, bis wir seine halbe Lebensgeschichte in wirklich gutem Deutsch kannten. Als es ums Essen ging, wussten wir weitere zwei Minuten später, was ihm bereits als Kind schon als Vorspeisenleckerei vorgesetzt wurde – und entschieden uns, eben dies Gericht selbst zu kosten. Er bezeichnete es, ich schreibe es hier lautmalerisch nieder, als „Thunmush“ und nachdem er es uns vorgesetzt hatte, vergewisserte er sich gleich mehrfach, ob und wie es uns schmecken würde. Es war köstlich.

Nein, ich missioniere nicht. Grundsätzlich nicht. Weil ich in vollendeter Arroganz davon ausgehe, dass nicht jeder mit anderen Lebens- und Glaubensrezepten so souverän umgeht wie ich. Es bestand überhaupt keine Notwendigkeit, diesem freundlichen Mann mein Anderssein zu präsentieren und so blieb dies Zusammentreffen eine höchst angenehme Erfahrung. Es ist so erschreckend einfach.

Ich bin nicht vernagelt. Eine Landschaft ohne Minarett ist deshalb keine hässliche für mich. Ich muss nicht in eine Moschee flüchten – weil ich meinen Glauben im Herzen trage und somit immer bei mir habe. Ein freundlicher Wikinger ist mindestens ein so guter Mensch wie ich selbst. Einfach mal die Klappe halten – wo ist das Problem? Säße ich mit ihm einige Abende zusammen, würde ich bei ihm zuhause Kaffee trinken, mithin ihn viel besser kennen oder kennenlernen wollen, so würde es einen Zeitpunkt geben, an welchem er mehr von mir erführe – und da er mich dann eine ganze zeitlang erlebt haben würde, wäre die Kenntnisgabe meines Glaubens für ihn kein Erschrecken. Es geht ganz leicht.

Es war ein wunderbares Essen, wir hatten köstlichen Butt an Kartoffeln mit einer feinen Sahnesauce, die den Fisch geschmacklich nicht erschlug. Unser Ober hatte uns vom selbstgewählten an einen größeren, direkt am großen Fenster befindlichen Tisch verfrachtet und von dort aus genossen wir einen herrlichen Ausblick auf den windgezausten Fjord und die Möwen, die sich wie angeklebt in die Luft gestellt hatten. Es war ein perfekter Dreiklang zwischen dem wunderbaren Essen, dem Ausblick und die Erinnerungsperle, die uns unser Ober durch seine freundliche und heitere Zuwendung beschert hatte.

Ich bin deutsch genug, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und gute Organisation zu schätzen. Die Sucht, überall und jedem gegenüber eine daraus gezogene Überlegenheit klar machen zu müssen, ist mir allerdings vollkommen unbekannt. Ich habe keinen spitzen Zeigefinger im Kopf, keine Belehrungen für andere, keine Geringschätzung – denn alles ist, weil Allah es so wollte und auf etwas, auf jemanden zu zeigen und sagen zu wollen: „Der und das ist schlecht, ies sollte beseitigt werden!“ würde heißen, Allahs Schöpfung als krank, schlecht, geringwertig und vernichtenswert zu betrachten. Da Allahs Schaffen aber perfekt ist, gebricht es höchstens mir am Verstand, wenn ich Fehler darin zu entdecken glaube.

Dieser Ober jedenfalls, der rotblonde, hochgewachsene Wikinger, den man sich leicht am Ruder eines Drachenbootes würde vorstellen können und der seinem Land, seinem Volk und sich selbst soviel Ehre gemacht hatte, der würde mir auch morgen noch fröhlich aus der Ferne zuwinken, wenn ich ihn auf dem Markt seines Heimatortes träfe. Und ich natürlich ihm.

So einfach geht Friede.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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2 Antworten zu Frieden – warum eigentlich geht das nicht … ?

  1. qq schreibt:

    entspannt ein restaurant aufsuchen, ist also das friedensgeheimnis…
    das ist schon der zweite artikel über dänemark, ein land, das seine muslimischen einwanderer mittlerweile noch kritischer sieht, als deutschland. wie passt das mit der beschreibung der dänen als freundlich und entspannt zusammen? es passt zusammen: die konflikte liegen nicht am gastland.

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    • echsenwut schreibt:

      Natürlich ist DAS das Friedens-„Geheimnis“! Wer immer mit Fingern auf andere, auf seine Staatslenkung, auf seine Vorgesetzten zeigt und nach den ganz großen, allumfassenden Lösungen fragt statt im Kleinen bei sich selbst anzufangen, der will gar keinen Frieden, sondern ausschließlich nur eine Entschuldigung für seinen persönlichen, kleinen, kranken Unfrieden. Zudem SIND die Dänen freundlich und entspannt – und damit sind sie zugänglich. Für Dänemark habe ich im Gegensatz zu Deutschland deshalb noch echte Hoffnung; das Land hat noch eine echte Chance, sich nach einer vergleichsweise kurzen Zeit einer Neuorientierung auch hinsichtlich des Islam wieder seiner freundlichen, entspannten Haltung hinzugeben. Wenn Sie sich eine Radikalisierung Dänemarks hinein in dumpf-blöde Aggressionen wünschen, denke ich, dass Sie da leer ausgehen werden.
      Die Konflikte liegen zu großen Teilen in den Gastländern: bei dem hiesigen Bildungsangebot ist das Vorhandensein größtenteils völlig irrationaler „Ängste“ so etwas wie eine Eiterbeule im Gesicht. Es dürfte sie überhaupt nicht geben. Tatsächlich aber verweigern die weitaus meisten Bürger Europas hartnäckig und starrsinnig Bildung und halten sich (absichtsvoll?) selbst in ihren komischen „Ängsten“ gefangen. Den Regionen, aus denen die Fliehenden entstammen, kann man kaum ein über- wie umgreifendes Bildungsangebot unterstellen. Niemand hat je bezweifelt, dass es bedingt durch hohe Zuwanderungszahlen zu neuen Herausforderungen für unsere Staaten kommen kann und wird. Einer Wirtschafts- und Vermögensgemeinschaft wie Europa aber ist auf jeden Fall (!) abzuverlangen, damit fertig zu werden. Schließlich haben wir von den Märkten und Kriegen in der Region, die wir eilfertig mit großen Waffenmengen füttern, jahrzehntelang prächtig gelebt.

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