AfD : Weg mit den Frauenrechten!

 

 

Bisher vermeldet Presse, Politik und Volkesmund, dass Muslime rückständig und brutal sind und ihre Frauen am liebsten vollständig entrechtet sähen. Das mag für einen Bruchteil von ihnen sogar auch zutreffen – diese Minderheit ist jedoch weltweit keineswegs größer als die europäisch-nichtmuslimische, die die gleichen Ideen haben.

Medial ist das Kunststück, Muslime unter Generalverdacht zu stellen und von ihnen pauschal solches Denken anzunehmen, aufs wahrhaft Beste auch gelungen: es gibt kaum Nichtmuslime die denken, dass die überwältigende Mehrzahl aller Muslime in ihren Frauen Partner auf Augenhöhe sehen.

Nun gerät das Thema Frauenrechte zur Groteske; ohne die signifikanten Wahlerfolge der AfD („Alles für Doofe!“) müsste man sich damit im Grunde nicht befassen, weil die Ideen der AfD zu diesem Thema wegen des darin steckenden Irrsinns eher peinlich totgeschwiegen, aber keinesfalls diskutiert werden müssten.

Wir lassen uns das mal auf der Zunge zergehen: Frauen, die während ihres Studiums oder danach ein Kind bekommen, brauchen ihr BaFög nicht zurückzahlen. Dies soll einen Sog erzeugen, der Frauen aus der Arbeits- und Universitätswelt abzieht und an den eigenen Herd spült. Die AfD setzt wegen viel zu kleiner Geburtenziffern ganz klar auf das Zurückdrehen von Rechten, die einem ungehemmten Zugriff von Männern auf Frauen im Wege stehen. Wenn seitens der AfD davon die Rede ist, dass der Individualismus Schuld an vielen Schieflagen in der deutschen Gesellschaft ist, dann ist die logische Konsequenz daraus, ganzen Teilen Rechte auf Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit einfach abzuerkennen. Die einfachste, denkbare Lösung für das Problem verortet die AfD in der Entrechtung von Frauen; sind sie erst frei verfügbar, ihrer Meinung und Rechten beraubt, kann sich auch der unsicherste Mann wieder ungehindert an Frauen vergreifen – und es gibt wieder mehr Kinder.

(Zitate: Frankfurter Rundschau; Artikel von Bettina Hoffmann, frauenpolitische Sprecherin der Grünen)

Der Spitzenkandidat der AfD in Thüringen, Björn Höcke, fordert, „schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen“, zu beenden.

Die arisch-teutonische (nach Höcke „natürliche“) Geschlechterordnung erkennt in der Frau seit Jahrhunderten nichts als verfügbare Masse, die man sich zulegen, von der man sich trennen und die man nach Belieben benutzen kann.

Höcke ist mit diesem traditionalistischen und insgeheim von vielen Männern geteilten Bestreben nicht allein. Zum größten Entsetzen unterdrückt die AfD keine gegenteiligen Ansichten von Frauen – weil sie es gar nicht muss:

Bundessprecherin Frauke Petry nennt es „wünschenswert, dass eine normale deutsche Familie drei Kinder hat“, und fordert ein Volksbegehren für eine Verschärfung des Abtreibungsparagrafen 218.

Da ist der Gedanke an gezielte Zucht in der Nazi-Form des „Lebensborns“ nicht mehr weit. Und da entgleist die Artikelautorin Hoffmann gedanklich; sie erkennt die Idee nicht, die hinter den Bestrebungen, auch auf Frauen und Kinder von Flüchtlingen schießen zu lassen, steckt_

Beatrix von Storch vertritt die Positionen der selbst ernannten „LebensschützerInnen“ – wie sie das mit ihrer Aussage zusammenbringt, zur Abwehr von Flüchtlingen müsse auch auf Frauen und Kinder geschossen werden, ist ihr Geheimnis.

Natürlich verweigert man ungläubig und reflexhaft zu interpretieren, was von Storch zwingend damit ausgedrückt sehen will: die Frauen und Kinder, auf die geschossen werden soll, sind eben keine Deutschen (und wohl auch keine Arier). Es gibt für die AfD halt nun mal die Frauen, auf die man schießt und die, mit denen man züchtet.

Gut – das mag ja alles so sein.

Ich habe mich längst an eine gewisse Starrsinnigkeit in meinen Überzeugungen gewöhnt und pflege diese kaum weniger liebevoll als meine Frau. Tausende andere werden der AfD auch in dieser Hinsicht begeistert zujubeln, weil sie entweder dem durchaus vorhandenen Trend zugehören, der Frauen wieder zurück in ihre traditionellen Rollen treibt oder weil sie schlicht nicht verstehen, welch dramatischen Rückschritt eine solche Politik bedeutet. Seit Jahren registriere ich bereits, dass manche junge Frauen mit der Freiheit und den Rechten, die Tausende vor ihnen mit Blut und Tränen erkämpft haben, kaum noch etwas anzufangen wissen. Wenn es in meiner Jugend noch keiner Frau eingefallen wäre auszudrücken, dass der Schulabschluss irgendwie völlig gleichgültig sei weil man ja doch halbwegs lukrativ zu heiraten gedenke, begegne ich dieser Idee heute zu meinem Entsetzen immer häufiger. Den Turbo auf diesem Weg schalten dann Sendungen wie „Bachelor“ zu, auf die meine eigenen Damen bei mir zuhaus regelmäßig allergisch und schäumend vor Wut reagieren weil sie es ähnlich mir kaum ertragen können, welches Frauenbild da erzeugt und transportiert wird.

Nein – ich finde die Idee eines (etwas blöd) kichernden Weibchens, das mit umgebundener Schürze in der Tür steht und mich unterwürfig nach meinen Befehlen fragt, durchaus unerträglich. Als ich erkannte, dass ich mit seelischer und etwas körperlicher Gewalt und Dominanz meine erste Ehe sicherlich hätte retten können, hatte ich sie damals beendet. Ich lebe so nicht. Und ich denke nicht sonderlich gut oder nett über solche Weibchen, die sich aus eigenem Antrieb so geben.

Aber das Modell macht Mode …. ein kaum einzuschätzendes Heer von Männern sieht eine goldene Zeit auf sich zukommen. Man darf gespannt bleiben; die AfD ist noch für so manchen Bonmot gut.

Meiner Frau und mir kann das alles herzlich egal sein. Wir schmieden seit Jahren schon Pläne für unsere Auswanderung und zwischenzeitlich konzentriert es sich auf ein hübsches Inselchen. In wenigen Jahren werden wir diesem Land ohnehin den Rücken kehren, ich halte es sowieso für nicht mehr zu retten. Der Peak, bis zu welchem noch Ergreifendes hätte aufgehalten werden können, ist längst überschritten. Wenn sich schon eine Bundeskanzlerin mit dem Vermerk, ihre Partei möge sich nun doch bitte verstärkt dem rechten Rand der Gesellschaft widmen, hören lässt, ist kaum noch Sorge, sondern beinah nackte Panik angesagt.

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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2 Antworten zu AfD : Weg mit den Frauenrechten!

  1. Jessie schreibt:

    Eigentlich möchte ich zur AfD keinen einzigen Satz schreiben; ich mag die Wut nicht, die sich meiner jedes Mal bemächtigt, wenn sie soviel Aufmerksamkeit, ja regelrechte Zuwendung erhält, statt dass man ignoriert, was teils aus Provokation, teils aus Dummheit, teils aus sehr bewusst dargelegter böser Absicht abgesondert, dann von den Medien bereitwillig aufgegriffen und bis in den hintersten Winkel des Landes sowie erst recht darüber hinaus weitergereicht wird.

    Ich mag die Vereinnahmung in Kombination mit einer gewissen Zuordnung nicht, der sich Frauen ausgeliefert sehen, falls sie es wagen gerne Hausfrau und Mutter zu sein, weil sie ihre Kinder nicht schon nach wenigen Monaten von Fremden betreuen lassen wollen. Mir zieht sich heute noch das Herz zusammen wenn ich an all die Momente denke, die ich versäumte, als ich aus Gründen der Not gezwungen war, möglichst bald nach der Geburt wieder arbeiten zu gehen. Ich werde nie vergessen, was es bedeutete, mein Kind nicht selbst trösten zu können, wenn es sich wehtat oder einfach nur Heimweh hatte. Es fühlt sich immer noch falsch an, den Rückhalt, von dem gerade sensible Kinder besonders viel brauchen, an andere Personen delegiert zu haben statt als Mutter einfach da zu sein in den ersten, besonders wichtigen Jahren. Dass gerade heute junge Frauen verstärkt wieder eine Familie gründen und in ihr eine zentrale Rolle als ruhender Pol einnehmen möchten, sollte nicht als Affront gegenüber jenen Frauen, die sich trotz widrigster Bedingungen dankenswerter Weise für unsere Rechte samt Gleichberechtigung einsetzten, gewertet werden. Es hat seinen Ursprung großteils in der Sehnsucht nach jener Geborgenheit, die den jungen Menschen in ihrer eigenen Kindheit fehlte, wenn sie täglich frühmorgens hektisch außer Haus gebracht und irgendwann spätnachmittags von den nun erst recht abgehetzten Elternteilen abgeholt wurden. Mich hat der Satz „Qualität statt Quantität“ aus manchem weiblichen Mund so richtig zornig gemacht, wenn er vorrangig zur Beruhigung des schlechten Gewissens diente, als könne man außer den vielen Anderen sich selbst belügen. Man kann es nicht, sobald sich etwas nicht richtig anfühlt, und als Mutter fühlt man – sofern man sich solche Gefühle überhaupt noch leisten kann oder will, wann etwas falsch läuft und man aus einer Reihe von unangenehmen Gründen dennoch nichts dagegen tun kann.

    Dass ausgerechnet dieser verdammte Zwiespalt von Müttern der AfD in die Hände spielen soll, bereitet mir äußerstes Unbehagen, mehr noch, ich wehre mich entschieden gegen solchen Missbrauch eines Umstandes, der so mancher Mutter aus völlig natürlichen Gründen fernab politischer Spielchen und Hetzereien ohnehin schon genügend Herzschmerz, im Mindesten aber einiges Kopfzerbrechen bereitet.

    Und weil das nicht nur mit Müttern und Kindern geschieht, sondern mit allen in irgendwelchen Gruppen leichtfertig zusammengefassten Individuen, gefällt mir das Herumgeschiebe von Menschen, deren Meinung vielleicht zufällig in die Ansätze irgendeines Schemas passt, ganz und gar nicht. Das ist fast so nervig wie all die Wählerstromanalysen, obwohl es sich doch um angeblich geheime Wahlen handelt. Nicht, dass ich das Ihnen persönlich unterstellen würde – ich wollte es nur mal, weil es gerade so schön passt, quasi ergänzend zu Ihrem wie üblich sehr guten Beitrag hier einbringen, mit den besten Wünschen an Ihre liebe Frau zum Muttertag und herzliche Grüße an Sie beide.

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    • echsenwut schreibt:

      Vielen Dank – für die geradezu erforderlichen (Ergänzungs-) Hinweise, die ohne Sie hier wirklich gefehlt hätten!
      Selbstverständlich stimme ich Ihnen sofort und vollumfänglich zu: wieder einmal scheint es interessant geworden zu sein, eine ganze Bevölkerungsgruppe zum Zweck des eigenen Vorankommens herumschubsen zu wollen.
      Mir war es, gerade auch in der Erziehung unserer Tochter, grundsätzlich immer sehr wichtig, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen ohne jede Fremdbestimmung treffen. Es darf nie wieder so sein, dass Frauen etwas tun oder lassen, „nur“ weil sie eben eine Frau sind. Alle Gesetze, die einen Weg in eine derartige Fremdbestimmung ebnen, sind daher abzulehnen – denn sie haben nur eine ebenso gewichtige wie grundfalsche Folge: sie ermuntern die Gesellschaft, Frauen wieder einmal als ein zu gängelndes, unmündiges Wesen hinzustellen. Eine Lebensentscheidung, sich als Frau und Mutter in eine Erziehungszeit zu begeben, die gleichzeitig eine „wirtschaftlich unproduktive“ Phase darstellt, darf keiner Politik folgen oder von ihr beeinflusst werden.
      Ich bin seit Jahren mit steigender Tendenz eher unbeliebt in der Frauenwelt: ich akzeptiere keinesfalls und grundsätzlich niemals Aussagen von Frauen, die mit speziellen Klischees spielen, weil sie auf einige Bequemlichkeiten nicht verzichten wollen. So hatte ich die Diskussion schon zuhause; so einige Fragen, denen sich unsere Tochter mit dem Hinweis, das brauche sie nicht, sie sei ja bloß eine Frau, verweigern wollte, stellte ich ihr mit ärgerlicher Konsequenz immer wieder neu. Ob es darum ging, ein Regal anzuschrauben oder einen Anruf bei einer Behörde zu machen. In Diskussionen „da draußen“ ihren Standpunkt auf sachlicher Ebene zu vertreten und nicht in das Muster „ich kann das nicht anders, ich bin ja bloß eine Frau!“ zu verfallen, damit man ihr das Tarnkäppchen des armen, kleinen Weibchens anerkenne. Im Ergebnis haben wir nun eine junge Frau zuhause, die ihren Mann steht. 🙂
      Mit unseren Söhnen hatten wir es schwerer; der Einfluss des „lieben kleinen Weibchens“, mit dem ihre Beziehungspartnerinnen häufig arbeiteten, drängte ihnen die Position des „Führers“ und „Bestimmers“ regelrecht auf. In einem speziellen Fall mussten meine Frau und ich harsch gegen unseren eigenen Sohn intervenieren, weil er die ihm aufgedrängte Macht auch zu nutzen begann. Ich erhob mich damals vom Küchentisch und drohte ihm, dass ich als Muslim, Mann und Mensch (in DIESER Reihenfolge! Das hatte ich extra betont!) seinen Umgang mit seiner Partnerin fürderhin nicht mehr ertragen, nicht mehr dulden und ihn aus dem Elternhaus werfen würde, wenn er die Beziehung nicht entweder aufgäbe oder auf andere Füße stelle.
      Eine Partei wie die AfD, die sich Rückwärtsgewandtheit auf die Fahne schreibt, muss die Rolle der Frau zwangsläufig (!) herunterbrechen und in alte Bahnen der Bevormundung ändern – denn genau das ist das Zentrum von krankem Konservativismus.
      Vielen lieben Dank für die warmherzigen Grüße, die ich (leider viel zu spät!) nur zu gern erwidere! 🙂

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