Gedenktag der Shoah …. sprecht darüber!

Niemand soll diesen Tag verlebt haben und später erst erfahren, welche Besonderheit in ihm steckte:

Nicht nur Juden, nicht nur Israel – die ganze Welt soll innehalten in Gedenken an den Auftakt des furchtbarsten Verbrechens, welches sich jemals Menschen schuldig gemacht haben.

Führen wir uns vor Augen, was damals geschehen ist. Gedenken wir all der Menschen, die gestern noch Nachbarn, und dann plötzlich „Feinde“ gewesen sein sollen. Wir müssen uns alle erschrecken vor den Szenen, die sich abgespielt haben. Wir ehren dadurch die Toten der Shoah und die Lebenden, die oftmals mit knapper Not, innerlich zumindest schwer verletzt davonkommen konnten und ihr unvorstellbares Leid bis heute im Herzen tragen. Niemand von uns kann die Bilder ertragen, die jene jahrzehntelang heimsuchten und keiner von uns würde den Schmerz aushalten, den Wahnsinnige, Verrückte, Kranke und Verhetzte ihnen zugefügt hatten.

Ich neige mein Haupt vor all diesen Menschen und will ihren Tod nicht dadurch wertlos machen und entehren, in dem ich sie einfach vergesse. Es wäre so einfach, sie zu vergessen, so leicht. Aber all die, denen Menschenleben etwas bedeutet und die sich nach Frieden sehnen, die müssen zunächst für den Frieden der Verstorbenen beten – und weinen.

Es gibt für die Verbrechen der Shoah keine Entschuldigung. Kein Verständnis, keine Lossprechung.

Ich gedenke der Shoah:

schon weil ich als kleines Kind im Münsterland mit alten Männern zusammengestanden hatte und erlebte, wie einer davon den anderen zuraunte, während er mit einem Finger etwas heimlich auf eine vorübergehende Frau zeigte:

„Dat isse ne Jutt.“

Auf meine kindliche Frage, was denn bitte „ne Jutt“ sei, erhielt ich keine Antwort. Auch später von meiner Mutter nicht, vom Lehrer nicht, vom Priester nicht. Erst mehr als zehn Jahre später erfuhr ich, was es bedeuten sollte und ich war zutiefst erschrocken und berührt. Und nur wenig später musste ich lernen, dass einige meiner Verwandten, von denen ich nur Erzählungen hörte und die nach Erzählungen „im Krieg geblieben“ sein sollen, tatsächlich als „Nicht-Arier“ das Schicksal vieler Juden teilen mussten und durch Nazis zu Tode gebracht worden waren.

 

Ich gedenke der Shoah —– und ich hoffe, dass es viele tun!

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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