Ein großer Comedian verlässt uns – Barack Obama

Wenn er die Bühne betritt, ist nichts mehr, wie es einmal war. Lange bevor er körperlich anwesend ist, befindet sich schon sein Lächeln und sein beschwingter Humor on stage. Niemand moduliert die Realität so wunderbar wie Obama. Schon vor Jahren witzelte ich, dass dieser Präsident zum Lachen, Lächeln,  mild, hübsch und lustig sein verdammt ist – und sein Name klingt wie eine warm-bequeme Angorasocke.

Aus vollkommen unbegreiflichen Gründen wird er als „moderat“ bezeichnet und betrachtet. Irgendwie hat man ihm immer geglaubt, dass er sich für den Weltfrieden, für Gerechtigkeit und ein konstruktives Miteinander mit voller Kraft einsetzen würde – und das selbst dann, wenn die Fakten das exakte Gegenteil offenbarten.

In großem wie leider auch völlig berechtigten Vertrauen auf die Kurzlebigkeit von Fakten hielt Obama in Kairo im Jahr 2009 eine wichtige, grundsätzliche Rede und blätterte dort einen bunten Bilderbogen all des Fantastischen, Undenkbaren auf, was seine Präsidentschaft alles erreichen wolle. In aller Vollmundigkeit beschwor er Werte seines Landes und kündigte an, mit diesen Bahnbrechendes erreichen zu wollen:

In Ankara (Anmerkung: am 6. April 2009 vor dem türkischen Parlament) habe ich deutlich gemacht, dass Amerika keinen Krieg gegen den Islam führt und nie führen wird. Doch werden wir gewalttätigen Extremisten unerbittlich gegenübertreten, die unsere Sicherheit ernsthaft bedrohen. Denn wir lehnen das gleiche ab, was alle Glaubensrichtungen ablehnen: das Töten unschuldiger Männer, Frauen und Kinder.

Dabei ging das Sterben Unschuldiger durch die Macht, das Militär, die Waffen und die Industrie der USA im Nahen Osten nicht nur einfach weiter – sondern erlebte einen bis dato nicht gekannten Grad an Heimlichkeit, Vertuschung, Ignoranz und Brutalität. Tausende Unschuldige, Kinder, Alte, sind durch Dohnen umgekommen, deren tödlichen Einsatz Obama persönlich in jedem Fall authorisiert. Obamas USA haben nach einem tragischen Irrtum, bei dem mehrere Kinder von Maschinengewehrsalven umgebracht wurden, den Müttern erklärt, es habe sich dabei nicht um einen Unfall gehandelt – alle Kinder seien Terroristen gewesen. Fünfjährige, die auf der Straße irgendwo in irgendeiner verschlafenen, afghanischen Provinz zufällig Fußball spielten.

Es waren die USA eines Obama, die eilfertig die in Israel befindlichen US-Waffenläger mit schweren Grananten bestückten, damit das israelische Militär bei seinem letzten Massaker im Gaza-Streifen nicht plötzlich ohne Munition dagestanden hätten, die sie in stundenlangen, schweren Kanonaden in Wohngebiete gelenkt hatten.

Der „11. September“ war ein gewaltiges Trauma für unser Land. Die Angst und den Ärger, die er verursacht hat, waren verständlich, aber in einigen Fällen hat er uns dazu geführt, entgegen unseren Idealen zu handeln. Wir haben konkrete Maßnahmen ergriffen, um den Kurs zu ändern. Ich habe unmissverständlich jede Anwendung von Folter durch die Vereinigten Staaten verboten und ich habe angeordnet, das Gefängnis in Guantánamo Bay bis zum nächsten Frühjahr zu schließen.

Ach … „unmissverständlich“ hatte Obama Folter verboten? Entweder war das nichts als eine aalglatte Lüge, oder stahlhart kalkulierte Politik, die sich nur an der Wirkung von Worten berauscht und keine Fakten braucht.

Aber hier folgt nun die weitaus schlimmste Lüge Obamas, die den furchtbarsten Schaden angerichtet, Kriege angezettelt und Millionen Hoffnungen zerbrochen hat:

Es gibt keinen Zweifel: Die Lage des palästinensischen Volks ist untragbar. Amerika wird dem legitimen Streben der Palästinenser nach Würde, Chancen und einem eigenen Staat nicht den Rücken kehren…

Ich habe damals die Wirkung der Rede recht genau beobachtet. Sie reduzierte sich ganz zu Anfang auf ein ungläubiges Schweigen, was wohl der Unfassbarkeit geschuldet war, dass die USA eine derart scharfe und harte Kurskorrektur vorzunehmen gedenke. Große Kreise arabischer Akademiker, Experten, Politiker und Bürger hatten begonnen, den USA großes Vertrauen entgegenzubringen – und genau das macht das ganz besonders Verwerfliche an Obamas Rede aus; Hunderttausende mussten sterben, weil sie kopfinterne und militärische Waffen aufgrund dieser Rede hatten etwas sinken lassen.

Hier die nächste, fundamentale Lüge:

Um zur Erfüllung der palästinensischen Ziele beizutragen und das palästinensische Volk zu einen, muss die Hamas die Gewalt beenden und frühere Vereinbarungen sowie Israels Existenzrecht anerkennen. Zugleich müssen die Israelis einsehen, dass Palästinas Existenzrecht genausowenig bestritten werden kann wie Israels.

Die USA eines Barack Obama haben nichts unterlassen, was Israel einen militärischen und politischen Vorteil bringen und ein Palästina in noch viel weitere Ferne rücken würde. Sie haben das Unerträglichste kommentarlos ertragen, selbst der Verlust, die erniedrigende Folterung eigener Staatsbürger hat die USA nicht zu kritischen Kommentaren, geschweige denn zu Maßnahmen egal welcher Art hinreißen lassen. Obama hat den Kadavergehorsam Israels gegenüber nicht nur weiter- sondern zu ganz neuen Höhen geführt. Zu keiner Zeit hatte Israel durch die aktive Hilfe der USA mehr Distanz zu einer „Zwei-Staaten-Lösung“ als heute. Und zu kaum einer Zeit äußert sich der Hass der israelischen Regierung gegen alles Arabische und Palästinensische so ungeniert, so offen wie heute – bewaffnet mit Raketen, Kanonen, Granaten und Munition „made in USA“. Sogar die Brandbomben, mit denen Israel in Gaza Dutzende von Menschen qualvoll verbrennen ließ, stammen aus US-Lieferungen.

Der Reichtum der religiösen Vielfalt muss aufrecht erhalten werden – ob für Maroniten im Libanon oder für die Kopten in Ägypten. Und, um ehrlich zu sein, müssen auch die Gräben unter Muslimen geschlossen werden, da die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten zu tragischer Gewalt geführt hat, vor allem im Irak…

Vor allem im Irak haben die Obama-USA für eine Vertiefung und Verschärfung spalterischer Strömungen im Islam Sorge getragen und sehr fein darauf geachtet, dass die Kriege nur nicht aufhören (konnten). Geschickt bewaffnete Obama mal den einen, mal den anderen um den Konflikt heiß zu halten. Wohl nicht ohne Obamas Kenntnis war der Senator John McCain in 2013 ins syrische Idlib gereist, um u.a. auch den späteren „Kalif“ mit ausreichend Waffen zu versorgen. Für jede Waffenlieferung gab es grundsätzlich immer salbungsvolle Worte die „erklärten“, weshalb es nun wichtig sei, dass der eine den anderen ebenso effizient erschlagen könne wie der andere den einen. Und wer gerade ins Hintertreffen geriet und drohte, als Kontrahent von der Bildfläche zu verschwinden, erhielt Waffen. Momentan rückt neben der (shiitischen) Armee auch shiitische Miliz gegen den sunnitischen Daesh vor, natürlich aufs Beste bewaffnet und natürlich im Wissen, dass die irakische Bevölkerung verzweifelt gegen beide zu kämpfen versucht. Daesh vernichtet sie, weil und wenn sie sich ihm nicht freiwillig anschließt und irakische Truppen vernichten sie, weil sie Sunniten und nicht wie sie selbst Shiiten sind. Unnötig zu erwähnen, dass alle Seiten mit US-Waffen kämpfen.

Das könnte endlos so weitergehen; Obamas Rede von damals spiegelt das furchtbare Trauma der gesamten Region von heute wieder. Als Obama in Kairo log, dass sich die Balken bogen, blühte im ganzen Nahen Osten Hoffnung auf – ein furchtbarer Irrtum! Niemand hier würde auch nur hören wollen, dass das gesamte „Flüchtlingsproblem“ aus fehlgeleiteter Waffen- und Machtpolitik der USA resultiert und niemand hier würde wollen, dass die USA wegen ihres völkerrechtsbrechenden Angriffskriegs gegen den Irak angezeigt und verurteilt würde. Warum eigentlich nicht? Weil man den lustigen Sunnyboy  aus dem Oval Office nicht traurig machen will?

Er ist wohl ein US-Herrscher der Extreme: kaum ein Präsident vor ihm hat soviel Kriegstote zu verantworten und diese in so großer Heimlichkeit hingerichtet. Kaum ein US-Präsident vor ihm hat derart offen wie nachvollziehbar gelogen und so wenig von dem umgesetzt, was er angeblich alles erreichen wollte. Er ist nirgendwo und keineswegs von „Ereignissen überrollt“ worden – er hat sie selbst initiiert.

Ich wundere mich über seine derart positive Wahrnehmung hier in Europa – aber diese Bevölkerung hier scheint nur noch Micky-Maus-Formate aushalten zu können und erträgt keine kleinteiligen wie schwerwiegenden Details mehr. Obama hat das Äußere eines smarten, witzigen und eleganten Sunnyboys und er könnte in aller Öffentlichkeit eigenhändig Babies erwürgen – und würde dennoch keine Folgen daraus zu erwarten haben. Weil er smart, witzig und elegant sein muss, denn mehr halten wir nicht aus.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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