„Sunniten“ & „Shiiten“? Nicht mit mir! Ich bin Sushi! :-)

Die muslimische Welt kann ohne jeden Extremismus, ohne eine einzige Kugel abzufeuern, ohne irgendjemanden zu hassen die meisten Kriege beenden. Einfach so. Peng. Aus. Vorbei.

Bisher schöpft der Westen allgemein und die USA, England und Deutschland insbesondere großen Vorteil aus den Differenzen zwischen Shiiten und Sunniten. Alle genannten Mächte haben bereits viele Milliarden und großen Einfluss damit verdient, im rechten Moment die richtigen Kämpfer zu bewaffnen, um die Differenzen in blutige Kriege auszuweiten – und künstlich am Leben zu erhalten.

Das Spiel mit Daesh („Islamischer Staat“) ist der zur Zeit aktuellste, große Wurf: nur selten lieferten alle soviel, so schnell und mit soviel öffentlichem Einverständnis Unmengen auch großer, besonders teurer und schwerer Waffensysteme wie in diesem Konflikt. Jeder, der den todbringenden Streit zwischen Sunniten und Shiiten für sich ausnutzt, beliefert beide Streitparteien. Damit nicht genug. Immer, wenn sich das Kriegsglück für jeweils eine Seite endgültig zu entscheiden droht, werden größere Waffenmengen an die Partei geliefert, die zu verlieren scheint. Sobald der (shiitische!) Irak gegen Daesh zu unterliegen scheint, werden „Ausbilder“ und große Waffenmengen an ihn ausgegeben. Wenn sich Daesh zurückzieht, stehen immer wieder ganz plötzlich wohlgefüllte Waffenläger parat und niemand nimmt wirklich so recht Anstoß daran, dass etliche westliche Waffen, die an Kurden ausgegeben worden sind, in die Hände von Daesh fallen. Deren Emissäre witzeln bereits: „Rüstet nur eure kurdischen Freunde aus! Wenn wir sehen, was sie haben, wissen wir, was wir bekommen!“

Aber was, und diese Botschaft bzw. Frage geht an alle muslimischen Geschwister, wenn wir ganz einfach einmal das Undenkbare einfach tun? Was würde eigentlich geschehen, wenn wir Sunniten alle Shiiten einfach als gleichberechtigte Muslime neben uns und nicht als geringgeschätzte „Ketzer“ gegen uns wahrnehmen? Wenn wir uns einfach mal weigern würden, aufeinander zu schießen und einander zu hassen? Was eigentlich würde dann geschehen?

Eine britisch-irakische Fimemacherin, Hoda Yahya Elsoudani, ist die Erste, die diese provokante Frage stellt: „Warum kann ich kein Sushi sein?“. Ein Sunnit-Shiit halt. Der Konflikt, der zwischen beiden Strömungen herrscht, ist heute nur noch ein Anachronismus – seltsam inhaltsleer, unsinnig, überflüssig. Alle erkennen den gleichen Qur’an an und bisher musste mir jeder Muslim die folgende Frage mit „Nein!“ beantworten:

„Wenn Du Shiit bist und ich Sunnit – und wir stehen in der Moschee nebeneinander und beten, kann man uns dann auseinanderhalten?“

…. und das ist heute alles, was zählt! Nichts, was von tatsächlichem, spirituellen und alltäglichem Wert ist, weist Differenzen zwischen unseren Strömungen auf. Für mich jedenfalls gilt, dass mir noch kein intensives, tiefes Gespräch mit Shiiten Fragen aufgezeigt hatte, die ich nach meinem Dafürhalten mit einer klaren und womöglich gegensätzlichen sunnitischen Position beantworten müsste. Nichts, was religiös von ausschlaggebendem Wert ist, trennt uns voneinander. Ich habe mich sehr intensiv mit Shiiten unterhalten, es waren ganz einfache Leute mit einer tiefen Liebe zum Islam im Herzen und ich fand nichts, überhaupt nichts, was ich in ihrem Leben, Denken, Beten verwerflich hätte finden können oder für mich hätte ablehnen müssen.

Unsere Differenzen sind einzig und allein historischer Natur …. und mit den Initiatoren, wenn man so will: „Schuldigen“ an dieser Auseinandersetzung, die seit vielen Jahrhunderten nicht mehr unter uns sind, ist auch jede Notwendigkeit, jeder Sinn dieses Konflikts dahin. Man mag sich, so man soetwas wollte, in akademischen Runden dem Ursprung des Konflikts nähern und ihn disktutieren – gern auch kontrovers. Ihn aber zum Gegenstand des Auseinanderdividierens von Muslimen zu machen, halte ich für ….. gelinde gesagt: unsinnig. Wir Muslime stehen heute Rücken an Rücken und damit eigentlich Schulter an Schulter, so dass keine Lücke zwischen uns ist ….. Muslime verstehen diese Anspielung hier ganz besonders gut…..

Warum verhalten wir uns dann nicht, wie es Allah von uns verlangt und was uns unser gemeinsamer, Verehrter Prophet Mohammed (saws) gelehrt und so oft gesagt hat? Lasst uns alle zu „Sushis“ werden!

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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