Papst & Imam – Botschaft an das „christliche Abendland“

Das sind Neuigkeiten, wie sie das „christliche“ Abendland nun gar nicht schätzt: der Papst hatte nicht nur eine Einladung an sein Pendant, den Imam der ägyptischen al-Azhar-Moschee ausgesprochen, sie wurde zu allem Überfluss auch noch angenommen und führte zu Bildern, die den europäischen „Verteidigern“ des „christlichen Abendlandes“ katastrophal vorkommen müssen.

Verständlicherweise berichtet kaum ein europäisches (Nachrichten-) Magazin davon – der Schrecken darüber, dass der Vorsteher einer friedlichen Religion plötzlich ernst machen könnte und sich aktiv für Dialoge einsetzt, durchkreuzt sämtliche, mühevoll errichteten Hasskulissen. Dabei hätte alles so schön sein können; noch der Amtsvorgänger des jetzigen Franziskus, Benedikt, hatte alle Erwartungen erfüllt, die ihn in gesetzt waren und hatte mit seiner „Rede von Bologna“ eine Hasstirade auf den Islam gehalten.

Und nun geschah das Unglück tatsächlich: Papst Franziskus, von mir als erster, wahrhaft aufrichtiger und überzeugender Christ mit passender Botschaft wahrgenommen und somit sehr respektiert, umarmt den Imam der kairener Moschee lächelnd und beide betonen auch noch, dass es zwischen ihren Religionen selbstverständlich keinen Hass geben dürfe.

Schlimmer noch: Franziskus erspart weder Europa noch der Welt den Hinweis, dass Muslime in keiner Gesellschaft der Welt isoliert oder gar angegriffen werden dürfen, sondern ein selbstverständlicher, unauflöslicher Teil ihrer jeweiligen Lebensumgebung sind.

Da stehen sie also nun da, all die bekleckerten, selbst isolierten und geradezu lächerlich gemachten Seehofers, Petrys, Störche und alle anderen. Nun hat ihnen ihr Papst ins Hausaufgabenheft mit roter Tinte geschrieben, dass sie weit von jedem christlichen Ziel entfernt sind – und somit nicht für sich reklamieren können, was sie als ihren ureigensten Besitzstand ansehen: die Interpretation der christlichen Botschaft. Und mit ihnen stehen all die muslimischen Extremisten in kurzem Hemde und dürfen sich für die Fehlleitung, an die sie selbst glauben und die sie zu verteilen wünschen, schämen.

Der Imam, Al-Tayeeb, ist die höchste Authorität im Islam – und wenn ihm auch jede „Befehlsgewalt“ oder gar Weisungsbefugnis an die Muslime abgeht, ist seine Position dennoch durchaus mit der des Papstes vergleichbar. Sein Wort hat Gewicht – und genau deshalb werden wir in europäischen Medien kaum viel von diesem nur noch als historisch zu bezeichnenden Treffen erhalten, es passt nämlich einfach nicht ins Konzept. Es könnte alle Bemühungen, den Islam nachhaltig als „rückständig, brutal“ darzustellen und ihm somit jede Kompatibilität zu westlichen Werten abzusprechen, empfindlich stören.

Die Verbreitung von Hassbotschaften wird schwieriger werden, zumal sich nun einige Politiker und Parteien Europas und des Westens allgemein, die sich selbst „christlich“ nennen, in offenem, klarem Widerspruch zum Papst befinden. Was für ein Dilemma! Ähnlich unangenehm ist die strahlende Botschaft, die vom Imam ausgesandt wird, für muslimische Extremisten, Terroristen und sonstige Schreihälse, die außer Hass, Zerstörung und Engstirnigkeit keine Idee anzubieten haben.

Ich freue mich ganz persönlich immens darüber, dass Al-Tayeeb genau dem Islam, der mein Herz ausfüllt, alle Ehre, Wahrheit und Klarheit verliehen und bewiesen hat, dass selbstverständlich keine Hinderungsgründe dagegen existieren, dass Muslime und Christen nicht nur friedlich, sondern auch fröhlich miteinander leben können.

 

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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6 Antworten zu Papst & Imam – Botschaft an das „christliche Abendland“

  1. garbage_collector schreibt:

    Tja, mit der Entlarvung des Motivs „der will ja nur Geld verdienen“ ist man schnurstracks beim dümmstmöglichen aller Stammtischargumente gelandet. Und Abdel-Samads Biographie nenne ich eindrucksvoll. Da hat sich jemand kraft eigener Anstrengungen und Verstandesleistungen selbst mündig gemacht und emanzipiert. Die meisten Wadenbeisser, die ihn ankläffen, haben allerdings nicht die Persönlichkeit, seine Persönlichkeit zu erkennen…
    Wichtiger sind aber Inhalte. In den Links erkenne ich keine Verwünschungen, sondern habhafte Argumente, denen sie nichts zu entgegnen haben.

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    • echsenwut schreibt:

      „Eindrucksvoll“ …. aha. Zunächst einmal hat er keinerlei Meriten, speziellere Ausbildungen oder sonst irgendetwas anzubieten, was ihm mehr Kompetenz verliehe als buchstäblich jedem dahergelaufenen Muslimen. Eher im Gegenteil; sein Lebensweg zeigt, dass er irgendwie unheimlich viel angefangen, selten bis nie jedoch intensiv auf seinem jeweiligen Spezialgebiet unterwegs war. Damit ist er leicht vergleichbar mit Salman Rushdie, der mit seiner zielgerichteten Herabwürdigung seine Taschen füllte. Recherchieren Sie: er war vorher recht erfolgloser Belletristikautor in Indien.
      Samads „Inhalte“ bestehen aus nicht mehr als ziellosen Behauptungen, wie der des Faschismus etwa, der angeblich dem Islam immanent sei. Wer solchen Blödsinn verzapft, der hat entweder ein schier irrationales Interesse an der Beleidigung als solcher oder sucht geradezu bösartig damit, seine wirtschaftliche Situation und Popularität nachhaltig zu verbessern. Sowohl er als auch Rushdie sind nur noch von Hirsli Ayan übertroffen worden, die kurz vor ihrer Landung in den Niederlanden noch überzeugtes Mitglied einer islamistischen Organisation gewesen war. Sie hat mit ihrer erfundenen Lebensgeschichte die Einwanderungsbehörde der Niederlande betrogen, weshalb ihr deshalb Verhaftung droht, sollte sie das Land nach ihrer Flucht nach Kanada je wieder betreten.
      Samad ist für mich nur ein unangenehmer Schreihals, der mir mit seinen haasträubenden Unterstellungs- und Vorwurfskanonadaen nun wirklich nichts zu sagen hat. Mag sich mit ihm befassen, wer immer es will. Mich stört es nicht.
      Er weiß, zum Thema al-Azhar, natürlich nur zu gut, wo er die Wahrheit entscheidend biegt, um den von ihm gewünschten Effekt zu erzielen. Er weiß nur zu gut, dass seine Universität zwar gründlich, jedoch keineswegs indoktrinierend unterrichtet und lediglich den friedvollen Weg im Islam propagiert. So berichtet er natürlich keineswegs davon, dass es Herr Dr. al-Tayeeb war, auf dessen Einladung über 120 der höchsten Gelehrten der islamischen Welt zusammengetreten waren um eine einheitliche, vollumfassende Verurteilung gegen den „Kalifen“ zu verfassen. Die vielschichtige Begründung auf Basis des Qur’an wäre für jeden sehr aufschlussreich zu lesen. Ebenso erwähnt Samed natürlich keinesfalls, dass die Moschee al-Azhar die UN-Erklärung zu den Frauenrechten unverzüglich nach Vorlage unterschrieben hat. Und er verschweigt natürlich auch, dass die al-Azhar keinerlei spirituelle Weisungsbefugnis über irgendwen oder irgendwas besitzt und nie besessen hat. Und daher natürlich auch nicht für die Taten ihrer einstigen Studenten verantwortlich gemacht werden darf. Und ebenfalls „vergisst“ er, dass von der al-Azhar schon immer Impulse zu Dialogen, Konfliktvermeidung und Kriegsverhinderung ausgegangen sind. Empfehlenswert hier „Der Dialog“.
      Ich mag einfach keine Aufhetzer, ganz grundsätzlich nicht und ich akzeptiere sie auf keiner „Seite“.

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      • garbage_collector schreibt:

        Der eine nennt es Aufhetzen, ich nenne es Diskussion. Dass die islamische Welt damit Schwierigkeiten hat und Debatte als „Unfrieden stiften“ betrachtet, ist ja allgemein bekannt.
        Weiter: Sie gerieren sich auf Ihrer Seite als Freigeist, offenbaren sich jetzt aber als autoritätsfixierter Titelhuber, für den nur diplomierte Topakademiker am Spiel teilnehmen dürfen. Damit auch Sie es verstehen: Vor ca. 70 Jahren schrieb ein weltberühmter Doktor, ein Professor gar, Aufsätze wie „Der Führer schützt das Recht“ – da hat die ganze universitäre Laufbahn nix genutzt…
        Mangels Argumenten die persönlichen Abwertung von Leuten, die an Leib und Leben bedroht werden zu betreiben, halte ich für schäbig, einer Hirsli falsche Angaben vorzuwerfen, die Sie bei jedem regulären Asylanten für legitim halten würden, ist nun wirklich ein armseliger Debatten-Strohhalm.

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      • echsenwut schreibt:

        Samad „diskutiert“ nicht – er schwallt einfach nur alles mit substanzlosen Vorwurfskanonaden zu. Sie haben sich ganz offensichtlich nicht im geringsten mit einer HIrsli etwa befasst – sonst wüssten Sie von deren gigantischem Beschiss. Wollen Sie das etwa nicht verstehen? Sie war Mitglied in einer gewaltakzeptierenden, islamistischen, extremistischen Sekte, bevor sie auf die Idee kam, dass es sich reich besser lebe. Dann „floh“ sie in die Niederlande und gaukelte eine tolle Verfolgungsgeschichte vor, die nur allzu gern geglaubt und auch gekauft wurde. Die niederländischen Behörden würden sie allerdings wegen Erschleichens von Asyl aufgrund einer erfundenen Geschichte vor Gericht bringen.
        Und ich frage Sie nochmals: was macht einen Samad kompetent, für den Islam zu sprechen? Warum sollte er und kein ägyptischer Bauer zum Thema gehört werden? Und was seine „Todesfatwa“ angeht: er hat monatelang verzweifelt versucht, sich eine einzufangen indem er durch Kairo streifte und eine recht beleidigende Rede auf den Islam und den Propheten Muhammad (saws) hielt. Nichts geschah. Er wurde einfach nicht zur Kenntnis genommen, niemand interessierte sich dafür, eine al-Azhar schon mal gar nicht. Noch nicht einmal in der ägyptischen Presse fanden sich Hinweise auf ihn. Und eine al-Azhar kann ja nun auch nicht jede Idee jedes Spinners diskutieren. Erst nach langer Zeit fand sich tatsächlich ein Imam einer extremistischen, kleinen Salafistensekte, der ihm leider den Gefallen getan hat. Meine Güte. Wenn ich hier Rechtsradikale nur genug provoziere, finde ich auch schnell jemanden, der mir die gewünschten Hassbotschaften schreibt.
        Natürlich sind Sie beleidigt, weil all ihre schönen, antiislamischen Propheten nichts wert sind, all die von mir genannten Punkte werden in Ihrer Szene auch nur allzugern unterdrückt

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  2. echsenwut schreibt:

    Oooch ….. Abdel Samad ist kein Shajtan, sondern bloß einer von vielen, die ihr lukratives Süppchen mit der Modewelle „Oooohh was haaabe ich Angst vor dem Islam!“ kochen. Befassen Sie sich näher mit seinem Lebenslauf – dann werden Sie verstehen, dass man ihn keinesfalls ernst nehmen darf. Und dann bedienen Sie sich nicht billiger Verwünschungen von anderen, sondern befassen Sie sich doch einmal selbst mit Al-Tayeeb.

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