Deutschland bewaffnet Kindersoldaten

Wie bereits gestern und so viele Male zuvor festgestellt, ist dem Westen insgesamt ziemlich jedes Mittel recht, welches europäisches Wohlleben sicherstellt und die Behaglichkeit, mit den Kriegen anderer und woanders gut zu verdienen, nicht weiter stört.

So hatte die Bundesregierung unisono mit allen europäischen Staaten zwar vor Jahren festgestellt, dass die militanten Kurden mitsamt ihrer PKK zu den Terrororganisationen zu zählen sind. Mithin existierte selbstverständlich ein Waffenbelieferungsverbot. Natürlich. Die 40.000 Toten, die die PKK zu verantworten hat, lassen eine solche Einstufung sehr sinnvoll erscheinen.

Die Kurden aber kämpfen seit vielen Jahren nicht nur um Gebiete auf dem Territorium der Türkei und haben seit Jahrzehnten versucht, mit schweren und schlimmen Anschlägen und Folterungen den Staat in die Knie und zu Zugeständnissen zu zwingen, sondern wollten auch immer schon auf dem Boden des Irak eigene Liegenschaften erstreiten. Im Grunde verhält sich dies, als würden die Westfalen Berlin mit Anschlägen bedrohen, wenn Deutschland Westfalen nicht als eigenen Staat anerkennt. Die Kurden sind ebenso Türken wie die Westfalen Deutsche sind.

Zufällig kamen die Kurden dabei dem „Islamischen Staat“, Daesh also, in die Quere. Nachdem sich die türkische Regierung standhaft geweigert hatte, ihren Erzfeinden und den Terroristen der PKK Waffen zur Verteidigung kurdisch annektierter Ortschaften im Irak zu liefern, kündigten die Kurden den Waffenstillstandspakt kurzerhand mit der ultimativen Drohung auf, es würde wieder Krieg herrschen, wenn die Türkei nicht gehorche. Die Türkei gehorchte den Terroristen nicht. Sehr zum Missvergnügen aller westlichen Regierungen, da sich diese über den Kriegseintritt einer bis dato nicht wahrgenommenen Gruppierung überaus gefreut hatten. Deshalb wurde auch recht zeitgleich damit begonnen, die Türkei aus verschiedensten Ecken unter massiven Druck zu setzen. Das verhält sich im Grunde, als würde die Türkei gewalttätige Westfalen bewaffnen und die Bundesregierung politisch international massiv und mit viel Schreierei unter Druck setzen, sobald sich diese u.a. natürlich auch militärisch gegen die Westfalen durchsetzen wollte, weil westfälische Sprengsätze überall in Deutschland detonieren und Menschen in den Tod reißen.

Und selbstverständlich würde heute kein westlicher Politiker zugeben, dass die Bewaffnung der Kurden nicht nur ein furchtbarer Fehler, sondern auch ein tatsächliches Verbrechen war. Ob ein Staat wie Deutschland überhaupt private Organisationen mit Kriegswaffen beliefern darf, sei dahingestellt. Dies zu beurteilen, liegt nicht in meiner Kompetenz. Containerweise kippte Deutschland der PKK Waffen auf den Hof und stellte gar Ausbilder für die Ware. Niemand hier hat je zur Kenntnis genommen, dass die Kurden zahlreiche, irakische Ortschaften ganz offen damit bedroht haben, die alliierten Bomberkommandos gegen sie zu hetzen, wenn sie ihren Ort nicht den Kurden übergeben und sich unter ihre Herrschaft stellen würden. Die Kurden haben mit deutschen Waffen nicht nur Orte und Menschen beschossen, die mit dem Daesh überhaupt nichts zu schaffen hatten und definitiv nicht von ihm besetzt waren, sondern auch noch deren Bevölkerung mit Beschuss durch westliche Bomber bedroht. Dass darüberhinaus auch noch deutsche Waffen in der Region ganz offen zum Kauf angeboten wurden, hat bisher auch noch niemanden so wirklich beunruhigt. Die geschenkten Waffen dienen nicht der Verteidigung von Menschenleben – sie sind Handelsgut und wandern nicht selten über den Weg der Märkte in die Bestände des Daesh. Deren Sprecher lachte hierzu breit und sagte: „Wenn wir sehen, was ihr den Kurden liefert wissen wir, was wir bald haben werden.“

Und nun erhalte ich Berichte, nach welchen die Kurden Minderjährige zu Kindersoldaten machen. Alyn Smith, Mitglied des Europaparlaments, beklagte diesen Umstand bereits im April – Resonanz: null. Wie arabische Presse nur wenig erstaunt, ja eher lakonisch feststellt, interessiert sich in Europa niemand für kurdische Verbrechen, weil sie offenbar politisch nicht gut ins Bild passen. Man wolle hier die Kurden als zuverlässige, ehrliche, aufrichtige, tapfere Kämpfer gegen den Daesh bewaffnen, wahrnehmen und alles, was nicht in dieses Bild passt, wird ganz einfach ignoriert. Dabei hätte man es besser wissen können; die Türkei hat jahrzehntelange Erfahrungen im Kampf gegen die Terrororganisation der Kurden und viele, viele Menschen daran verloren. Die grenzenlose Brutalität und Grausamkeit der kurdischen Terroristen von PKK, YPG und PYD muss der internationalen Politik aufgrund der zahlreichen Zeugenaussagen aus der Vergangenheit zwingend bekannt gewesen sein. Ihr Führer, Öczalan, hat eigenhändig (!) und in einzelnen Fällen grundlos, aus einer Laune heraus sogar eigene Kämpfer grausam hingerichtet. Dabei hat er sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, sie wenigstens vor ihrem Tod als „Spione“ zu denunzieren. Es war in einigen Fällen bekannt, dass diese Leute wegen eines Tees etwa, der ihm nicht heiß genug serviert worden war, sterben mussten. Öczalan gilt bis heute als Held und Führer der PKK – ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb Erdogan seinerzeit das rechtmäßig gegen ihn verhängte Todesurteil zur Vollstreckung ausgesetzt hatte. Das war ein Fehler.

Obschon Delal Amed, Sprecher der PKK,  im Oktober 2013 eine Vereinbarung zum Schutz von Kinderrechten bei kriegerischen Auseinandersetzungen gegengezeichnet hatte, konnte Human Rights Watch (HRW) im Juli 2015 eine Liste mit 59 Kindernamen vorlegen, die als Soldaten für die Kurden dienten. Zehn davon waren unter 15 Jahren alt. In der letzten Woche wurde Latife Kaya getötet, sie galt als Kinderrekrutiererin für die Kurden und hat nachweislich eine 17-jährige für den Dienst an der Waffe gekidnappt. Die Türkei sucht sie seit nun zehn Jahren; zusammen mit ihren Freunden wurde sie verdächtigt, 500 Mädchen und junge Frauen rekrutiert zu haben. Wenn die Kinder von ihren Familien nicht freiwillig hergegeben wurden, wurde Gewalt und Zwang angewendet. Im Mai 2014 hielten kurdische Mütter ein Sit-In vor dem Gemeindehaus in Diyarbakır und verlangten die Herausgabe ihrer Töchter, die zum Zeitpunkt ihrer gewaltsamen Entführung zwischen 14 und 15 Jahren alt waren. Um den Protest der Mütter, der keine gute Presse in Diyarbakir abgab, zu unterbinden, ließ die dort regierende HDP (kurdische Volkspartei der Demokraten) Wasserwerfer gegen die verzweifelten Mütter auffahren.

Das offizielle Pressemagazin Serxwebun der Kurden führte bis vor Kurzem noch die Geburtsdaten ihrer getöteten Kämpfer auf – auch die der Kinder. Da sie Proteste wegen der Minderjährigkeit fürchtet, hat das Magazin diese Praxis zwischenzeitlich aufgegeben.

Da aber nicht sein kann, was nicht sein darf, wird niemand in Europa jemals ganz offen über die kurdischen Verbrechen diskutieren. Man wird all diese Vorgänge einfach wegblenden, weil sie den Bildern vorrückender, türkischer Streitkräfte gegen kurdische Hochburgen eine differenzierende, nachvollziehbare Erklärung beigesellen würden. Das darf nicht sein. Die Kurden müssen, damit wir auch weiterhin beruhigt bleiben, auf jeden Fall zuverlässige, rechtstreue, ja liebe, und tapfere Kämpfer sein. Und wenn sie auf offener Straße Babies erwürgen würden, würde man eben die Journalisten, die dies aufschreiben und fotografieren, verhaften oder einem „plötzlichen Unfall“ überantworten.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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