DNA – „Die Sprache Gottes“?

Erst musste ich unwillkürlich lächeln, als dieser Satz (so sinngemäß) anlässslich einer kleinen Feierstunde zum Gedenken an die Entdeckung der Doppelhelix gefallen ist:

„Wir haben die Sprache Gottes gefunden, mit der er Leben schafft!“

Was für ein formidabler, beinahe amüsanter Unsinn!

Aber gut …. stellen wir uns einfach einmal dieser Behauptung und schauen, was das eigentlich bedeuten würde, wenn man diesem Satz zustimmen wollte:

Unsere gesamte IT besteht aus nichts anderem als aus zwei Dingen: falsch und wahr. Mit genügend Raum, Zeit, Kapazität und gutem Willen ließe sich der größte Teil der uns zugänglichen und bekannten Welt darstellen. Detaillierte Informations-„Treppen“ kann man ja mit Auswertungskaskaden, mit Filtern darstellen, in dem ich immer genauere Fragen stelle, die mit „Ja!“ und „Nein!“ beantwortet werden können.

Nehmen wir an, wir suchen den Begriff „Mensch“. Der Computer würde als Mitspieler zunächst die Frage stellen: „Suchen wir etwas Lebendiges?“ – und die Antwort wäre natürlich „Ja.“ Damit hätten wir, grob schematisch, eine Hälfte der gesamten Existenz bereits ausgeklammert. Seine nächste Frage wäre: „Hat es mehrere Zellen?“ und wieder müsste man mit „Ja.“ antworten. Dann würde mit der Frage: „Lebt es an Land?“ weiter-„gefiltert“ und so weiter und so fort. Das Interview würde durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen – immerhin arbeiten wir ja nur mit zwei Zuständen: Ja und Nein.

Die Doppelhelix kann als „chemischer Computer“ betrachtet werden, der aus sämttlichen Bauplänen allen Lebens besteht. Die Quantität der in der Doppelhelix gespeicherten Informationen, die einen Menschen beschreiben, ist unendlich gigantisch und wird von Forschern mit dem Inhalt von 1.000 Telefonbüchern beschrieben, die aufeinandergestapelt die Spitze des Kölner Doms erreichen. Von 3 Milliarden Einzelinformationen ist die Rede und das ein Mensch, der jede davon würde lesen wollen, dafür 100 Jahre benötigte. Diese Informationsmenge in der Doppelhelix beschreibt (angeblich!) gesamtheitlich einen Menschen.

So wahr wie das sein mag – so falsch ist dies auch.

Die Doppelhelix, der „Computer des Lebens“ verfügt nicht wie unsere vorsintflutlichen Geräte über zwei Zustände – sondern über vier:

(Zitat: chemie.de/lexikon)

Bei der Base kann es sich um ein Purin, nämlich Adenin (A) oder Guanin (G), oder um ein Pyrimidin, nämlich Thymin(T) oder Cytosin (C), handeln.

Damit explodiert die Qualität genauso wie die schiere Quantität der Doppelhelixinformation und erreicht Dimensionen, die wir weder mit unseren Rechenknechten, geschweige denn mit unseren Köpfen irgendwie noch würden fassen, geschweige denn auswerten können. Denn auf einmal transportiere ich mit einer Date eine Variationsbreite von 4 Zuständen und könnte die Realität neben „Falsch!“ und „Richtig!“ auch noch mit „Fast falsch, aber ein bisschen richtig!“ oder mit „Fast richtig, aber ein bisschen falsch!“ beschreiben. Damit halbiert sich die schiere Quantität der Information – weil ja jeder zweite „Filter“-Schritt im oben beschriebenen Interview fortfällt.

Informatiker, Biologen und Chemiker müssen nun zur Frage, ob sich gemessen an unseren technischen Möglichkeiten somit die Information in der Doppelhelix verdoppelt, Stellung beziehen. Aber selbst wenn wir von insgesamt 6 Milliarden Einzelinformationen ausgehen, werden wir das Leben damit niemals beschreiben. Wir verstehen vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft, wie die Chemie das Leben anhand des „Lebenscomputers“ reproduziert – aber niemals, warum es dann das tut, was es tut.

Wo steht in der DNA etwa, dass ein frischgeschlüpftes Krokodil ebenso sofort nach dem Wasser strebt wie eine frischgeschlüpfte Wasserschildkröte? Warum beginnen sich Kindere zu verhalten wie ihre Eltern – auch wenn sie diese nie gekannt hatten? Woher weiß das Baby, dass es (an der Mutterbrust) trinken muss um nicht zu sterben? Wie kommt die (Vor)- Programmierung unseres Gehirns in Gang? Warum unterstellen Forscher gewöhnlichen Stubenfliegen ein  dramatisch schlechtes Kurzzeitgedächtnis, weil sie im Abstand von Sekunden immer wieder mit ihrem Kopf im Flug gegen die gleiche Fensterscheibe knallt? Und warum können sich Bienen nicht nur die besten Blüten merken, sondern auch noch ihren Geschwistern im entfernten Stock vermittels ihres Schwänzeltanzes den genauen Kurs dorthin angeben?

Nein – das, was wir heute von der DNA zu verstehen glauben, ist nun wirklich nicht viel. Es sind erst bloße Schemen, getüpfelt von Unsicherheiten, Annahmen, Hypothesen und offenen Fragen. Die Forschung gibt heut selbst zu, dass man zwar nun über Unmengen von Daten verfüge, diese jedoch nicht interpretieren könne. Es ist, als ob ein Blinder nach einer Operation versuchsweise ins Krankenzimmer blinzelt und von den ersten Lichtempfindungen überwältigt wird, selbst wenn er noch nicht einmal schemenhaft Konturen wahrnehmen kann.

Die „Sprache Gottes“ gefunden haben zu wollen spricht nur von maßloser Überheblichkeit, die an Dummheit grenzt und von furchtbarer Selbstüberschätzung.

Denn hier kommt das nächste Korrektiv: Die vier Elemente der Doppelhelix sind ja keineswegs die unterste Ebene, aus der sich sämtliche Erbinformation zusammensetzt!

Ich zitiere da mal einen Muslimen, der uns hier einen wertvollen Hinweis geliefert hat (leider ist mir der Name nicht mehr geläufig):

Die Naturgesetze sind die Sprache Allahs!

Denn selbst wenn wir die logische Leiter in den identifierbaren Grundelementen unserer Welt weiter in immer größere Detailtiefen hinabsteigen, versinken wir in einem Wust von Annahmen, Vermutungen und halten nur wenige echte Beweise in den Händen:

Die vier Elemente der Doppelhelix bestehen aus Molekülen – und diese wiederum aus Atomen, deren genauer Aufbau nur als theoretisches Gedankenmodell bekannt ist und an welchem beständig grundlegend neu definiert wird. Wir haben keine ausreichend genaue Vorstellung davon, woraus sich ein Atom zusammensetzt und wie diese Grundbausteine („Quarks“, „Higgs-Teilchen“ beispielsweise) miteinander interagieren. Noch nicht einmal ihre exakte Position ist genau bestimmbar – was uns in die Quantenmechanik rutschen lässt. Hier jedoch steige ich intellektuell als Wirtschaftler aus; noch nicht einmal grobgalaktische Grundlagen davon verstehe ich wirklich.

Wir wissen letztlich nur, dass es die Naturgesetze sind, die alle oben beschriebenen und darüberhinaus existierenden Teilchen, Elemente und Objekte zusammensetzt, „arbeiten“ und sogar „leben“ lässt. Wir haben den legendären Isaac Newton, der die Gravitation anhand eines ihm auf den Kopf plumpsenden Apfels entdeckt haben soll, noch längst nicht nennenswert überflügelt. All unsere Weltraumsonden, Raketen, Astronauten, Teleskope sagen uns bis heute nicht, ob unser Weltall unendlich ist, wieviel Galaxien es gibt, ob „dunkle Materie“ überhaupt existiert und was eigentlich ein „schwarzes Loch“ überhaupt genau ist. Wir haben keine Ahnung, wieviel (chemische) Elemente es insgesamt wirklich gibt, was mit ihnen anzufangen wäre, wozu sie genau dienen und, oft genug, noch nicht einmal, wo sie sind.

In unserer Einfältigkeit parken wir die Frage nach der Entstehung unserer Welt und uns selbst im Begriff „Zufall“ – so als hätten sich zwei chemische Elemente zufällig treffen und Leben initiieren können. Das klingt nicht nur völlig verrückt – das ist völlig verrückt.

Nein – bisher „hören“ wir nur Sequenzen, wir sehen ungefähre Bilder von der Realität, aus welcher wir selbst bestehen und verstehen im Grunde gar nichts davon. Wir finden uns wie Neanderthaler in einer sehr tiefen Höhle wieder, haben ein Streichholz entzündet und sind entzückt festzustellen, dass wir die Decke nicht erkennen können und die Höhle sehr viel größer ist, als wir einmal vermutet hatten. Wir sehen im Schein des bald verglimmenden Hölzchens unsere eigenen Finger, ein bisschen Boden um uns herum und ein wenig von dem Fell, was wir tragen – nicht viel mehr.

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Über echsenwut

Ein Islamkonvertit; Ehemann, Familienvater, arbeitet im Marketing, unsterblich verliebt in Ägypten. Die Eule, mit deren Bild er gern kokettiert, steht für den Buchstaben "M" in den altägyptischen Hieroglyphen - und damit für das Initial seines Vornamens. Überaus leidenschaftlich in allem, was er tut; immer viel zu laut, zu präsent, engagiert. Man sagt: intelligent. Ich auch. :-)
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